Bernard Rohr ist erfolgreicher Chefchirurg in einer Berliner Kinderklinik. Kurz vor seinem 65. Geburtstag soll er siamesische Zwillinge trennen, deren komplizierte Anatomie eine besondere chirurgische Herausforderung darstellt. Eine erfolgreich durchgeführte Operation würde ihn weit über die Grenzen Deutschlands berühmt machen. Doch es gibt ein Problem: Rohr ist auf das Narkosemittel Propofol angewiesen, um stundenlange Eingriffe durchzustehen, und auch im Privatleben soll es ihm gewisse Dienste erweisen. Ohne es wahrhaben zu wollen, hat er sich immer weiter von einem normalen Arbeits- und Familienleben entfernt. Im Operationssaal kommt es zu einem Ereignis, durch das sein Leben eine schicksalhafte Wendung nimmt. Corinna T. Sievers zeigt in ihrem neuen Roman in analytisch offener Weise die Hybris eines älter werdenden Mannes und das langsame Abdriften eines >Halbgottes in Weiß<, der mithilfe einer Droge seine männliche Selbstüberheblichkeit aufrechtzuerhalten versucht, und daran scheitert.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Bewertung
5/5
08.11.2022
eBook (ePUB 3)
Auch für Männer
Nachdem Corinna T. Sievers in ihren ersten 5 Romanen aus der Perspektive einer Frau erzählt hat, ihre beruflichen, privaten und sexuellen Probleme, meistens Ärztinnen, spricht jetzt ein Mann. Wenn man das Buch liest, fühlt man sich als sexuell aktiver Mann vielleicht ertappt. Als Leserin erfährt man, wie Männer im schlechteren Fall ticken. Dazu lernt man, wie zynisch es im Op eines Universitätsspitals zugeht und wie eine Jahrhundertoperation, die Trennung siamesischer Zwillinge, geplant wird und vor sich wird.
Extrem glaubwürdig geschildert, gute, teilweise etwas respektlose Sprache. Recht viel Sex, aber das ist immer so bei Sievers. Der geht das Körperliche wohl nie aus dem Kopf. Stört mich, ehrlich gesagt, nicht, weil es auch noch genug um die grossen Themen (Politik und Gesellschaft und Medizin) geht.
War Buch des Monats Oktober vom Tagesanzeiger.
Bewertung
5/5
06.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Faszinierend
Ein grössenwahnsinniger Chirurg, seine Ehefrau und seine Geliebten, postmoderner Kolonialismus, die tragische Trennung siamesischer Zwillinge eingeflogen aus dem Kongo, ein Kunstfehler, der alles verändert.
Kurz gesagt: Liebe, Genie, Politik, Hass und Tod. Von einer Ärztin geschrieben, die es wissen muss. Von einem Chefanästhesisten des Unispitals Zürich korrekturgelesen, der es noch besser weiss. Beide versichern: alles wahr.
Bewertung
aus Zürich
5/5
11.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fesselnd
Natürlich geht es in «Propofol» auch obsessiv und traumatisierend um das Geschlechtliche, schliesslich ist das ein Roman von Corinna T. Sievers. Aber das sexuelle Abserbeln eines alternden Starchirurgen verschmilzt hier mit der fesselnden und thrillerartigen Schilderung einer Operation und ihrer Vorbereitung. Ein Akt, von dem nicht nur Leben abhängen. Beides wird zum Inferno und eines bedingt das andere. Ein bewundernswertes Buch.
Bewertung
5/5
23.09.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
beeindruckend
teilweise überzeichnet, unter dem Strich völlig realistisches Bild des männlichen Geschlechts und dessen Funktionsweise. Traurig vielleicht, aber wahr. Für mich als Mann beeindruckend, dass das Buch von einer Frsu geschrieben wurde.
Bewertung
Book Circle Community
4/5
22.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Alternder Chefarzt resümiert sein Leben
- ein gehässiger, unterhaltsamer, frivoler, sehr männer- sprich schwanzlastiger Roman noch dazu von einer Frau geschrieben.
Ein alternder Chefarzt beschreibt die Mühen gegen Ende seiner Karriere noch bei den Frauen zu landen und ist aufgrund seiner narzistischen Neigung voll davon abhängig immer wieder eine Frau an Land zu ziehen. Die Alterung seines Körper wird mittels Propofol, Viagra und anderen süchtigmachenden Stoffen in Griff gebracht, damit er die letzte, überragendste OP seiner Karriere überstehen kann: Die Trennung von siamesischen Zwillingen. Die gelungene OP soll ihm Weltruhm verschaffen und vielleicht wieder die Zuneigung von schönen Frauen finden? Leider vermasselt er die OP und wird suspendiert, so dass er sein Dasein nun als Rentner fristet und erkennt, dass nichts mehr Sinn macht.
Ein Roman über Frauen, und Männer, über alternde Frauen und alternde Männer, das Alter überhaupt, über Suchtpotenziale von Ärzten, über den Klinkalltag, die Hackordnung an Kliniken, über die Ängste der Ärzte den Erwartungen ihrer Patienten nicht gerecht werden zu können.
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