Erwünschte Zukunft in Heinrich von Kleists Novelle "Die Marquise von O"
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Sprache:Deutsch
13,99 €
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
20.09.2022
Verlag
GRINSeitenzahl
21 (Printausgabe)
Dateigröße
281 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783346726896
Diesbezüglich ist es ersichtlich, dass Hegel fatalistisch auffasst, dass die Zukunft unvorhersehbar und unvermeidlich ist. Mit anderen Worten sind die transzendente Weltdeutung und die Zukunftsvoraussagen unsinnig und sollen gar nicht zur Diskussion gestellt werden. Wenn man jedoch jüdisch-christliche eschatologische Ansichten und die Palette von sich stetig entwickelnden Theorien zugleich über die Zukunftsforschung durchforstet, dann verliert Hegels Gedankengut an Gewicht, weil sich der Wunsch allenthalben in der Geschichtswissenschaft und -philosophie nach der wissenschaftlichen und philosophischen Vorwegnahme und Festlegung zukünftiger Ereignisse regt.
Als herausragender Indikator für diese hellsichtige Hochrechnung von Zukünftigem und prognostischen Visionen sind die wirtschaftlichen Konjunkturen, gesellschaftlichen Strukturen, mentalitätsprägenden Einflüsse sowie die Männer der Politik in der Gegenwart. Auch Träume mit therapeutischer und prognostischer Funktion und sonstige Achtsamkeitsverhalten zählen dazu.
Dem französischen Historiker Georges Minois zufolge soll die Zukunft von Individuen und Gesellschaften vorausgesagt werden. Minois entwickelt fünf Formen der Zukunftsvorhersage: das Zeitalter der Orakel, der Prophezeiung, der Astrologie, der Utopien und der wissenschaftlichen Vorhersagen. Diese Formen sind ebenfalls stellenweise in Lucian Hölschers "Die Entdeckung der Zukunft" anzutreffen. Hölscher entwickelt eben durchaus im Anschluss an Reinhard Koselleck eine Ideen- und Bedeutungsgeschichte von Zukunft und geht von der "vergangenen Zukunft" aus.
Vor allem aber zeigt er, dass die Vorstellung von der Zukunft als einem einheitlichen Zeitraum sich erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts in Westeuropa bildete und mit dem neuzeitlichen Konzept der Geschichte eng zusammenhängt. An diesem Punkt setzt Hölscher den Akzent sowohl auf die Institutionalisierung der Zukunftsforschung bzw. Futurologie als eigene Wissenschaft als auch auf Zukunftsvorstellungen als neuzeitliches Phänomen.
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