Schmidts anspielungsreiche utopische Satire tarnt sich als Reisebericht eines amerikanischen Reporters aus dem sogenannten »Hominidenstreifen« im Westen der USA, wo es unbekannte Mutanten zu entdecken gibt, die nach einem Atomkrieg entstanden sind. Der Journalist Charles Henry Winer bereist außerdem die Gelehrtenrepublik, eine schwimmende Insel, eigentlich ein Asyl für Künstler und Wissenschaftler, tatsächlich aber ein Schauplatz des Kalten Krieges voller grausiger Überraschungen.
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Arno Schmidts „Gelehrtenrepublik“ führt uns in ein dystopisches Setting, in dem wir die Folgen eines atomaren Krieges äußerst bizarr veranschaulicht bekommen. Jedoch nicht in apokalyptischer Manier, sondern in satirischer, vehement ironischer Weise, lässt man uns hier einer merkwürdig angehauchten Atmosphäre der Skurrilität beiwohnen. Schmidt, der hier parabelartig die Nachkriegszeit, genauer den Blockkonflikt zum Thema wählt, zeigt auf subtile Weise einen gänzlich desillusionierten Blick auf ein Deutschland, dessen einstiges Ideal einer vernunftgeleiteten Aufklärung, nun wieder ins Mythologische versunken zu sein scheint. Nachkriegsliteratur, genuin avantgardistische, wie die von Arno Schmidt, befasste sich selbstkritisch mit der Frage nach den Möglichkeiten einer postfaschistischen Schreibweise, eines Schreibens, welches der Brechung deutscher Überheblichkeit Ausdruck verleihen sollte. Die hier vorgeführte Stilistik zu verstehen, bedeutet sich vor Augen zu führen, dass die deutsche Sprache, in Zeiten des zweiten Weltkrieges als Werkzeug zum Konformismus und Autoritarismus, unsäglich missbraucht wurde. Ihre Rehabilitierung, die vom Kulturkritiker Adorno mit den Worten „Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“, zumindest provokativ in Abrede gestellt wurde, scheint gerade nach dem zweiten Weltkrieg ungewiss. Doch womöglich kann ja doch noch geschrieben werden nach jenem Zivilisationsbruch, denn besagtes Misstrauen gegen die Kultur, ist gleichermaßen eine an der Kulturkritik. Mit Adorno müssen wir festhalten, dass die Kulturkritik nicht immun ist gegen Verblendung, dass sie sogar mit ihrem Objekt, nämlich der Kultur, auch in einen eigenen unreflektierten Befangenheits-Zusammenhang geraten kann. Dementsprechend müsste eine dialektische Kulturkritik an der Kultur partizipieren und gleichermaßen nicht partizipieren. Dieser künstlerische Roman versucht eine Antwort, ja ein Utopie, zu artikulieren, wie noch geschrieben werden kann.
Dem Roman liegt nun die Prämisse zugrunde, nach der Deutsch eine tote Sprache sei, weswegen die Enthüllungen, die Charles Henry Winer sowohl im sogenannten Hominidenstreifen als auch auf der stählernen Insel IRAS ( International Republic for Artists and Scientists ) macht, in diese Sprache veröffentlicht werden können. Der erzählerische Rahmen der Gelehrtenrepublik ist ein subtiler Schlag ins Gesicht deutscher Selbstüberhöhung, der ferner nicht müde wird jeglichen Lesefluss zu durchbrechen. Hier muss gedacht werden, nur so kann das unmögliche Lesen gelingen.
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