Ein tragikomischer Familien-Roadtrip auf den Spuren der verschollenen Großmutter
Salesche, ein Dorf in Polen 1990: Jarek und seine Eltern packen ihre Sachen. Sie wollen nach Deutschland aussiedeln, so wie Oma Agnieszka, die acht Jahre zuvor die Flucht angetreten hatte. Doch wovor war sie wirklich geflohen? Niemand will es dem 14-Jährigen sagen. Als Jarek ins Schlepperauto steigt, das sie von Schlesien über die Grenze bringen soll, weiß er nur eins genau: Er wird nicht zurückkehren. Im sich wiedervereinigenden Deutschland, sagt man ihm, warte ein besseres Leben. Doch statt zu Agnieszka nach Hannover zu fahren, geht es für die Sobotas schnurstracks in die Aussiedlerlandestelle Hamm, um dort ihre Anträge zu stellen. Und auch nachdem sie die Aufnahmebestätigung in Deutschland erhalten, rückt das Wiedersehen mit der Großmutter in immer weitere Ferne. Jarek beginnt, dem Schweigen seiner Eltern zu misstrauen, bis sich am ersten Weihnachtsabend im »gelobten Land « die Teile des Familienpuzzles plötzlich folgenreich ineinanderfügen.
»Eine warmherzige, humorvolle Geschichte, die in einem Roadtrip von Oberschlesien bis nach Deutschland führt und die - frei von Kitsch und in einer poetischen Sprache - mit liebenswerten Figuren vom Suchen und Ankommen erzählt.«¿Pierre Jarawan
Kundinnen und Kunden meinen
4.1/5.0
Shilo
aus Ulm
4/5
23.04.2023
eBook (ePUB 3)
Warmherzig und humorvoll
Im Jahr 1990 machen sich Jarek und seine Eltern mit einem Touristenvisa von Salesche, einem kleinen Dorf in Polen, auf, um nach Deutschland zu reisen. Doch sie haben nicht die Absicht, wieder zurückzukehren.
In 40 kurzen Kapiteln erzählt Mariusz Hoffmann die Geschichte einer Aussiedlerfamilie aus der Sicht des 14jährigen Jareks. Immer wieder wird die Vergangenheit in Polen eingeblendet, was zum Verstehen der Gedanken und Gefühle des Jungen beiträgt. Humorvolle Episoden brachten mich so manches Mal zum Schmunzeln. Andererseits stimmten mich die Probleme und Schwierigkeiten, die die Familie nach der Einreise in Deutschland hatten, sehr nachdenklich.
Die Handlung ist fesselnd, authentisch und nachvollziehbar. Der flüssige und teilweise sehr humorvolle Schreibstil machte das Lesen zu einem Vergnügen.
Mein Fazit:
Ein toller Roman, den ich sehr gerne weiterempfehle. 4 Sterne.
Gelincik
4/5
20.04.2023
eBook (ePUB 3)
Polen
In dem Buch 'Polnischer Abgang' von Mariusz Hoffmann geht es um den 14-jährigen Jarek, der mit seinen Eltern von Polen nach Deutschland kommt, um (angeblich) die Oma zu suchen/besuchen. Somit beginnt ein spannender Weg für die Familie...
Am Anfang hatte ich leichte Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen, was sich aber schnell wieder gelegt hat.
Durch den historischen Kontext ist es natürlich eine historische Geschichte, die zeitlich korrekt eingeordnet werden kann. Sowas finde ich wichtig!
Meiner Meinung nach hätte das Buch ruhig etwas emotionaler sein dürfen. Dies hätte gut hier reingepasst.
Von mir gibt es 4 von 5 Punkten.
Forti
3/5
30.03.2023
eBook (ePUB 3)
Potential nicht ausgeschöpft
Episodenhaft erzählt der Autor aus dem Leben des jungen Jareks, der mit seinen Eltern 1990 aus Polen nach (West-)Deutschland übersiedelt. Man erfährt einiges über den Prozess der Migration mit all seinen Unsicherheiten, Absurditäten und häufig unerfüllten Erwartungen. Das war zwar interessant, aber oft hatte es für mich einen lehrerhaften Ton, was ich schade fand. Vielleicht auch deshalb bin ich nicht richtig warm geworden mit der Geschichte und den zudem blass bleibenden Charakteren. Es ist bestimmt eine authentische Beschreibung, aber leider hat mich sie mich nicht berührt bzw. abgeholt.
Bewertung
aus Quickborn
5/5
19.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Neuanfang im Gelobten Land Deutschland
Den Einstieg ins Buch habe ich mit Leichtigkeit genommen, eine Schreib- und Gedankenwelt, wie man sie von einem 14jährigen aber nicht immer vermutet. Jarek lernte ich schnell kennen, die polnische Familie aus Salesche in Oberschlesien einschließlich der Oma Agnieszka und ein paar Randfiguren inklusive.
Der Ort Salesche (polnisch Zalesie Śląskie) ist ein zweisprachiger Ort, südlich der Autobahn von Breslau nach Kattowitz, rund 40 Kilometer vor Gleiwitz gelegen. Jarek wächst dort in einer für Polen sehr unruhigen Zeit heran, aber in einer sehr ruhigen, abgeschiedenen Gegend. Der Rückblick auf die Erlebnisse des Vaters mit der ZOMO (das war eine kasernierte militärische Sondereinheit, die 1989 aufgelöst wurde) ist drastisch, sie sind ganz offensichtlich ein Grund für den Auswanderungswunsch der Familie. Vielleicht hatte auch Oma Agnieszka einen Anteil an der „Sonderbehandlung“ ihres Sohnes, ein Geheimnis bis fast zum Ende des Buches. Das Verschwinden von Oma Agnieszka löste jedenfalls 1982 einige Verwirrung aus, die Vermutungen gingen von Mord bis Entführung, es stellte sich aber heraus, dass sie still und heimlich ihre Ausreise betrieben hatte. Offenbar war der Opa nicht der liebevollste aller Ehemänner.
Getarnt mit Touristenvisa machen sich Vater, Mutter und Jarek im Sommer 1990 im Auto des Schleppers Hübner jedenfalls auf den Weg ins „Gelobte Land“. Alles ist verschenkt und verkauft, sie haben nur noch das, was in das Auto passt.
Später an der Grenze: das volle Programm, endloser Stau. Dann: alles auspacken! Wie im richtigen Leben, würde ich sagen, wenn ich an die DDR-Grenzer denke.
Von der ersten, sehr ernüchternden Station im Auffanglager Hamm kommt Familie Sobota in die "Zwischenwelt" von Unna-Massen. Ein Aussiedlerlager mit all den Erbärmlichkeiten, die das Zusammenleben auf engstem Raum, mit wildfremden Menschen und jeder Menge Alkohol- und Zigarettendunst so mit sich bringt. Nicht gerade Jareks Traum vom gelobten Land.
Mitbewohnerin Elwira hat es Jarek angetan, es beobachtet ihr Tun und Lassen und ihr Liebesleben mit wachsendem Interesse. Die Eltern hingegen sind ausgiebig mit der deutschen Bürokratie beschäftigt. Und dann lernt Jarek die flotte Biene Monika kennen, aus einer der „besseren“ Aussiedlerfamilien, wie es scheint. Jarek und Monika freunden sich an und haben auf einem Ausflug zum See mit ihrem angelfreudigen Bruder Gregor eine unmenschliche Begegnung der dritten Art, der See ist danach tabu.
Jarek lernt recht schnell auch die Ablehnung der Bürger (jung wie alt) gegenüber den Aussiedlern kennen, kein angenehmes Gefühl, aber er wird sich durchbeißen, Deutsch lernen und sich später aus der Ärmlichkeit befreien. Denn auch nachdem die ersehnten Papiere mit allen Stempeln und Genehmigungen fürs Bleiben da sind, reißen die Probleme nicht ab.
Auch dass Jareks Vater um sein verlorenes „z“ trauert, er heißt nun nur noch Ambrosius, mag einem Polen verständlich sein, für Deutsche sind das „böhmische Dörfer“.
Von Unna-Massen geht es nach Werne, aber noch längst nicht in eine richtige eigene Wohnung, sondern in ein Notquartier, das notdürftig ausgestattet wird mit Sperrmüllmöbeln und ersten selbst gekauften Einrichtungsgegenständen. Gemeinschaftsküche, Gemeinschaftstoiletten, ein Quartier, das Jarek nur ungern preisgibt oder seinen Freunden zeigen würde. Dort erlebt die Familie ihr erstes Weihnachtsfest. Und wieder ist es das Thema „Oma Agnieszka“, das beinahe die kleine Feier sprengt.
Ich will auf keinen Fall die Pointe der Geschichte verraten, nur eines: Mariusz Hoffmann hat einen bewegenden Roman geschrieben, - sagt man Jugendroman oder Coming-Of-Age-Geschichte? – egal, er hat mir gut gefallen. Eine frische, sehr glaubhafte Sprache, und die Gedanken von Jarek sind jederzeit nachvollziehbar. Er muss sich durchbeißen, es wird ihm nichts geschenkt in diesem Roman, außer Lebenserfahrung und eine wertvolle Freundschaft! Sein Verhältnis zu den Eltern ist glaubhaft, trotz der Unstimmigkeiten um Oma Agnieszka bleiben Liebe und Fürsorge zwischen Eltern und Sohn bestimmend.
Das Buch in der Hand: Besonders gut gefällt mir der Umschlag, wer schon einmal über Polen geflogen ist, kennt den „gestreiften“ Anblick der Felder. Sonnengelb das Hardcover, es hat nicht ganz die Farbe der Titelzeile, aber fast. Innen ist das Buch sehr großzügig, schönes Papier (angenehmes Cremeweiß), eine Schrift, die sich sehr gut lesen lässt. Ich betone das, weil leider nicht alle Bücher so wunderbar gestaltet sind.
Für mich eine sehr bereichernde Lektüre, die ich gern weiterempfehle.
Bewertung
5/5
15.04.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolle Charaktere, sehr gefühlvoll und mitreißend
Die Geschichte hat mich von Anfang an in ihren Bann gezogen. In kurzen Episoden wird hier erzählt, es gibt Rückblicke ins Polen der 80er Jahre, aber auch einen roten Faden, der die Ausreise der polnischen Familie sehr witzig und gefühlvoll nachzeichnet. So manche Pointe bleibt einem dabei im Halse stecken. Gleichzeitig wollte ich nach jedem Kapitel erfahren, wie geht es weiter? Wann treffen sie die Großmutter?
Ich kann allen, die Coming-of-Age Romane mögen, dieses Buch empfehlen. Gleichzeitig blickt der Autor mit einem völlig neuen Blick auf die Wendezeit, die 1990er Jahre im wiedervereinten Deutschland. Das ist ein großer Gewinn.
Ich freue mich, mehr von dem Autor zu lesen!
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4/5
30.06.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Der 14jährige Jarek und seine...
Der 14jährige Jarek und seine Eltern verlassen ihre polnische Heimat und siedeln nach Deutschland um. Keine leichte Zeit für den Teenager, der so sehr darauf hofft, seine Oma zu treffen, die vor Jahren aus unbekanntem Grund nach Deutschland auswanderte. Wird es ihm gelingen?
Der Roman ist eine Milieustudie der klassischen polnischen Aussiedlergeneration. Episodenhaft zeichnet der Autor Bilder des Lebens in der Heimat, der Flucht und der Ankunft im gelobten Land aus der Sicht eines halbwüchsigen Jungen.Eine nette Geschichte mit wenigen Überraschungen.
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