Zwei hoffnungslos zerstrittene Schwestern: Die flatterhafte, schöne und bei allen beliebte Fiona ist vor zehn Jahren nach immer unerträglicheren Streitereien abgehauen und nicht mal auf der Beerdigung ihrer Mutter aufgetaucht. Grit, die fürsorgliche, vernünftige Ältere, bemüht sich um ein geordnetes Leben, damit ihre elfjährige Tochter Milli sorgenfrei aufwachsen kann. Doch plötzlich steht Fiona vor der Tür und tut, was sie nach Grits Überzeugung am besten kann: Sie macht alles kaputt. Fiona fordert von Grit ihre Tochter zurück - und Milli erfährt, dass in Wahrheit Fiona ihre Mutter ist. Grits Leben liegt in Scherben. Doch die wahre Leidtragende ist Milli - und zugleich die Einzige, die weiß, was zu tun ist: Sie muss die beiden Schwestern miteinander versöhnen. Grit und Fiona stellen sich ihrer Vergangenheit. Und das Ungeheuer, das dort lauert, lässt sich nur mit gnadenloser Ehrlichkeit bezwingen …Ein dramatischer, berührender Roman über die Frage, wie es passieren kann, dass man sich unendlich gut kennt - und eines Tages nicht mehr versteht.
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Zwei Schwestern zwischen denen es beständig blitzt und donnert – selten hat ein Titel besser gepasst als hier. Und wer Geschwister hat, weiß, dass man sich nicht immer wunderbar verträgt. Aber hier erzählt Christian Schnalke, dessen Roman „Louma“ für mich eines der besten Bücher der letzten Jahre war, von zwei Schwestern, Grit und Fiona, die so zerstritten sind, dass sie seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr haben. Ja, man glaubt, sie sprechen nicht einmal dieselbe Sprache.
Grit ist die organisierte, vernünftige Ältere. Sie lebt in einer ehemaligen Burg, schwer belastet durch die hohen Renovierungsanforderungen. Und sie erzieht Milli, die 11-jährige Tochter.
Wegen dieser kommt nun Fiona zurück, nach so vielen Jahren, in denen sie nichts von sich hören ließ, in denen niemand wusste, wo sie ist und was sie tut. Nicht einmal zur Beerdigung der Mutter war sie nach Hause gekommen. Doch jetzt ist sie wieder da, mit einem bunt bemalten Sarg auf dem Autodach. Und sie fordert Milli. Denn die ist ihre Tochter und nicht die von Grit. Was diese dem Kind nie erzählt hat.
Nun kommt es wie zu erwarten ist: Milli erfährt diese Tatsache, hart und unvermittelt. Statt sich um das nun völlig verstörte Kind zu bemühen, streiten die beiden Frauen jedoch, streiten intensiv, brutal und rücksichtslos. So lange, bis Milli die Initiative ergreift. Sie verlangt etwas, sie stellt ihre beiden Mütter vor eine gemeinsame Herausforderung und bringt sie so dazu, immerhin wenigstens wieder miteinander zu reden.
Dabei erfährt dann die Leserin auch viel über die zahlreichen Verletzungen, die beide als Kinder erlitten. In Rückblicken wird die Geschichte erzählt, die Verhältnisse in der Familie, zum trinkenden Vater und der Mutter, die sich und ihn aufgegeben hatte. Bis auch dies, ebenso wie der Handlungsfaden in der Gegenwart, in die Klimax führt, den dramatischen Höhepunkt.
Für „Louma“ schwärme ich heute noch, die Geschichte um die Kinder einer verstorbenen Frau, die von ihren Vätern, die sich erst zusammenraufen müssen, aufgezogen werden. Dort hatte es Christian Schnalke geschafft, Figuren zu gestalten, die lebendig, authentisch und einzigartig waren. Und einen Plot, der abwechslungsreich, spannend und herzerwärmend war.
In diesem neuen Buch ist die Gestaltung der Figuren weniger plastisch, dafür etwas klischeelastiger. Die beiden Frauen sind fast Abziehbilder der Gegensätze, die sie darstellen sollen. Das ist mir etwas zu plakativ, zu abgedroschen. Die Handlung an sich hat etwas groschenheftartiges, diese Geschichte um zwei sich bekriegende Geschwister, quasi die weibliche Form von Kain und Abel. Auch das Kind, Milli, ist nicht so liebevoll, so plastisch geschildert wie die Kinderfiguren in „Louma“, wirkt blass.
Alles in allem ein sehr spannender, auch einfühlsamer, aber auch nicht so ungewöhnlicher Roman.
Christian Schnalke – Gewitterschwestern
Oktopus, Februar 2023
Gebundene Ausgabe, 302 Seiten, 22,00 €
Meinung aus der Buchhandlung
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Ein sehr beeindruckender und berührender Roman, der Stück für Stück eine Familientragödie enthüllt
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Sozialarbeiterin Grit lebt mit ihrer 11-jährigen Tochter Mille in der "Burg", einem sehr sanierungsbedürftigen Hof unter Denkmalschutz. Grit droht diesen Hof zu verlieren, da sie die Sanierungsarbeiten allein nicht stemmen kann, ihr Mann hat sie schon vor langer Zeit verlassen.Eines Tages hält ein Auto, mit einem knallbunten Sarg auf dem Dach festgezurrt, auf ihrem Hof. Als ihre jüngere Schwester Fiona aus dem Auto steigt ist Grit wenig begeistert. Die Schwestern haben sich schon seit Jahren nicht mehr gesehen, nicht einmal zur Beerdigung ihrer Mutter ist Fiona nach Hause gekommen. Doch jetzt möchte Fiona nicht nur ihre Vergangenheit in dem bunten Sarg auf Grits Hof begraben, nein, sie möchte Millie, die ihre leibliche Tochter ist und die Grit alleine großgezogen hat, zu sich nehmen. Die beiden Schwestern stehen sich unversöhnlich gegenüber und sind nicht in der Lage miteinander zu reden, bis ein geschickter Schachzug Millies sie zwingt, sich mit ihrer Vergangenheit und den traumatischen Ereignissen ihrer Kindheit auseinanderzusetzen. Christian Schnalke erzählt bildhaft und eindringlich, was passiert, wenn wir es nicht schaffen, miteinander zu reden, auch wenn es schmerzhaft ist.Er zeigt, wie sehr unsere Kindheit, unsere Familien uns prägen und wie schwer es ist, sich von der Vergangenheit zu lösen. Ein kraftvoller, beeindruckender und berührender Roman.
Ein dramatisch tiefgründiger und spannender Roman, der erzählt, was passieren kann, wenn die Schatten der Vergangenheit ans Licht gezerrt werden und sich die Beteiligten widerwillig damit auseinandersetzen müssen . Sehr lesenswert !
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