Zur Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts fällt Graham nach mehreren Nächten der Schlaflosigkeit in eine totenähnliche Starre. So verharrt er für einen Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren. Als er schließlich erwacht, muss er feststellen, dass er in der Zeit seines langen Schlafes zum reichsten und mächtigsten Mann der Welt geworden ist, denn durch geschickte Investitionen seiner geschäftlichen Stellvertreter ist sein Vermögen immens angewachsen. Auf diese Weise wurde einer Trust-Oligarchie der Weg bereitet, die nun die uneingeschränkte Herrscherin der gesamten Welt ist.
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Lieblingsroman
Bewertung aus Ramsau am Dachstein am 14.08.2016
Bewertungsnummer: 966129
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Neben Orwells 1984 eines meiner Lieblingsbücher. Bester Schlusssatz ever.
PS: Auf gar keinen Fall die Beschreibung/Rückseite lesen.
Grandiose Dystopie eines sehr weitsichtigen Menschen
Bewertung am 12.06.2015
Bewertungsnummer: 881240
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
H.G. Wells war einer der Begründer der modernen Science-Fiction. Er absolvierte sein Studium der Naturwissenschaft bei dem grossen Biologen und Darwins Bulldog T. H. Huxley (dessen Bruder Aldous Huxley ebenfalls die moderne Science-Ficiton prägte, unter anderem mit dem Weltbestseller Schöne neue Welt).
Wells verfasste über hundert Werke. Darunter solche Welterfolge wie Krieg der Welten oder die Zeitmaschine.
Wenn der Schläfer erwacht geht hierbei fast ein wenig unter. Obwohl es eine grandiose Gesellschaftskritik und unglaubliche Utopie (oder vielleicht besser Dystopie) ist.
Graham, der Protagonist in diesem Buch, ist müde, geplagt von depressionsartigen Gefühlszuständen und kann schon seit Wochen nicht mehr schlafen.
Doch dann schläft er plötzlich ein - und erwacht 203 Jahre später völlig unerwartet in einer Welt, die sich weiterentwickelt hat - und ist, aufgrund des Zines-Zins-Effekt, grossen Erbschaften, die er gemacht hat und einem Rat, der sein Geld überall in der Welt angelegt hat, plötzlich der Herrscher der Welt.
Sein Erwachen löst eine Revolution aus und er muss sich entscheiden, für welche Seite er sich entscheidet.
Doch was alles so einfach auf den ersten Blick erscheint, ist manchmal doch verworrener, als es zu sein scheint. Mit einem grandiosen Blick fürs Detail und für gesellschaftliche Zustände, gelingt Wells nicht nur ein abenteuerlicher Roman, sondern er beweist auch sein Gespür für die menschliche Entwicklung. Und vieles von dem, was er damals prophezeit hat, zeigt sich heute für den interessierten Menschen als grauenvoller Wahrheit:
»Und wie ist es heute?«
»Profit und Freudenstädte oder - Sklaverei.«
»Sklaverei? Sie wollen doch nicht sagen, dass es noch Leibeigenschaft gibt?«
»Schlimmeres. Das ist es, was ich Ihnen sagen wollte. Sie müssen es erfahren. Man wird diese Dinge vor Ihnen verbergen, man wird Ihnen die Freudenstädte zeigen. Aber haben Sie die Männer, Frauen und Kinder in der blauen Einheitskleidung gesehen, mit ihren hohlwangigen, gelben Gesichtern und ihrem stumpfen Blick?«
(S. 163)
Graham ist Idealist. Er will die bestehenden Ungerechtigkeiten stürzen und so die Menschheit in die Freiheit führen.
Doch, kann er sich auf den Revolutionsführer Ostrog verlassen? Hegt er die Selben Wünsche wie Graham?
Oder ist Ostrog nur ein weiterer Machtpolitiker, der die Masse geschickt zu lenken weiss?
»Diese Welt ist für mich voller Überraschungen. Zu meiner Zeit träumten wir von einer Demokratie, von einer Zeit, da alle Menschen gleich und alle glücklich sein würden.«
Ostrog sah ihn unverwandt an: »Die Tage der Demokratie sind vorbei«, sagte er. »Vorbei für immer. Sie begannen zur Zeit der Bogenschützen und endete, als nicht mehr eine tapfere Armee, sondern die bessere Ausrüstung über Sieg oder Niederlage entschied. Nicht die marschierende Infanterie, vielmehr teure Kanonen, grosse Panzerschiffe, strategische Eisenbahnlinien sind die Machtmittel. Und heute bedeutet Reichtum Macht, wie nie zuvor in der Geschichte. Er herrscht über Erde, Meer und Himmel. Die Macht gehört denen, die ihren Reichtum richtig zu gebrauchen wissen. Tatsachen müssen Sie akzeptieren - und das sind nun einmal Tatsachen.«
(S. 171)
Dieses Buch ist, wie bisher alle Bücher, die ich von Wells gelesen habe, extrem geistreich, weitblickend und spannend. Auch das Ende ist . . . speziell.
Sehr lesenswert!
Meinung aus der Buchhandlung
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Eine utopische Novelle aus dem 19. Jahrhundert, die fast an eine Vision grenzt. Graham erwacht nach 200 Jahren Schlaf im 21. Jahrhundert - doch findet er sich auch darin zurecht?
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