Produktbild: Petersburger Novellen

Petersburger Novellen Groteske Großstadtgeschichten über Bürokratie, soziale Entfremdung und verlorene Identität im zaristischen Russland

1

10,30 €

inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

15.12.2022

Verlag

E-artnow

Seitenzahl

104

Maße (L/B/H)

22,9/15,2/0,7 cm

Gewicht

164 g

Farbe

Ozeanblau / Cool Grey

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-80-273-4917-3

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Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

15.12.2022

Verlag

E-artnow

Seitenzahl

104

Maße (L/B/H)

22,9/15,2/0,7 cm

Gewicht

164 g

Farbe

Ozeanblau / Cool Grey

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1. Auflage

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Deutsch

ISBN

978-80-273-4917-3

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  • lady_st.germain

    5/5

    22.11.2007

    Buch (Taschenbuch)

    Farbenprächtiger Bilderbogen des Russlands der Zarenzeit

    Meisterhaft erzählt finden sich in diesem Band vier der bekanntesten Nouvellen Gogols, wie die bekannte Nouvelle "Newski Prospekt", oder Gogol reifstes Meisterwerk "Der Mantel". Wer sich für die russische Kultur und Gesellschaft Sankt Petersburgs interessiert oder für das Rußland der Zarenzeit, findet hier ausgezeichnet erzählte Geschichten aus dem vorigen Jahrhundert mit großem Detailreichtum. Gogol, der sein Leben lang vor allem neben seinem Freund Puschkin unter Selbstzweifeln litt, ist nichtsdestotrotz ein wunderbarer Erzähler und grandioser Betrachter seines Milieus. Viele kleine historische Details lassen das Rußland der Zarenzeit lebendig werden, die Hauptfiguren werden facettenreich und psychologisch hintergründig aufgebaut. Auch sprachlich überzeugt Gogol vollkommen, seine Metaphern sind erfrischend, zutreffend und originell. Die Geschehenisse entwickeln sich zu einem symbolhaften Schleier, wie in der Nouvelle Newski Prospekt, wo zunächst das vordergründige Geschehen auf dem Platz beschrieben wird, während später die Ereignisse ins Abgründige abdriften... "wenn der Dämon die Lampe anzündet." Für mich ist Gogol auf einer Höhe mit Tosloj angesiedelt, und seine Erzählungen waren für mich stellenweise fesselnder und weniger bedrückend zu lesen als beispielsweise Dostojewski. Ein großer russischer Literat, den ich vorher noch nicht kannte und von dem ich mit Freude noch mehr lesen werde.

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  • Zum Bewerterprofil von Jérôme Wiedenhaupt

    Jérôme Wiedenhaupt

    Thalia Hildesheim

    Buchhändler*in

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    5/5

    28.04.2026

    Buch (Taschenbuch)

    Wenn Mäntel trauern und Nasen Karriere machen: Gogols unsterbliche Grotesken.

    Neben dem Großmeister Fjodor Dostojewski beschäftige ich mich stets gerne auch mit Nikolai Gogol, weil bei ihm das Menschliche in einer ganz eigenen Mischung aus Komik, Tragik und Absurdität aufscheint. Wo Dostojewski in die tiefsten seelischen Abgründe hinabsteigt, zeigt Gogol mit feiner Ironie die Lächerlichkeit und Einsamkeit des Alltags. Seine Erzählungen wie „Der Mantel“ oder „Die Nase“ beweisen, dass hinter scheinbar kleinen Begebenheiten große Wahrheiten über Würde, Angst und gesellschaftliche Masken verborgen liegen. Gogol erweitert meinen Blick auf die russische Literatur, weil er das Ernste nicht predigt, sondern im Grotesken sichtbar macht. Gerade deshalb ist er eine ideale Ergänzung zu Dostojewski. Wer zu Nikolai Gogols Erzählungen greift, betritt kein geordnetes Haus der Literatur, sondern ein Gebäude voller schiefer Türen, flackernder Spiegel und Treppen, die zugleich nach oben und nach innen führen. Man glaubt zunächst, in einer Welt des Humors zu sein, im Reich der Satire, der Karikatur, des grotesken Einfalls; doch je länger man verweilt, desto deutlicher spürt man unter dem Gelächter einen Zug kalter Luft, eine Traurigkeit ohne Pathos, ein metaphysisches Frösteln. Gogol besitzt die seltene Gabe, das Lächerliche so ernst und das Ernste so lächerlich erscheinen zu lassen, dass beide Zustände ineinander übergehen. Darin liegt sein Rang. Er ist nicht bloß ein Erzähler russischer Zustände, sondern ein Seher der menschlichen Verfassung überhaupt. Für Russland war Gogol von kaum zu überschätzender Bedeutung, weil er der Literatur ein neues Gesicht gab. Vor ihm gab es große Namen, edle Formen, Poesie und Eleganz; mit ihm aber trat die prosaische Wirklichkeit des Reiches mit all ihren Beamtenstuben, Rangtabellen, kleinlichen Ehrgeizen, verstaubten Akten und gedemütigten Existenzen in das Zentrum der Kunst. Er zeigte, dass die Seele eines Landes nicht allein in Palästen, Schlachtfeldern oder Salons zu finden ist, sondern im Gedränge der Straßen, in Amtszimmern, in der Armut des kleinen Mannes, in den absurden Ritualen einer bürokratischen Gesellschaft. Gogol entdeckte das literarische Russland des Alltags, jenes Russland der Zwischenräume, der Unscheinbaren, der Verlorenen. Er führte die Sprache näher an das Leben heran, ohne ihre Musikalität zu verlieren. Seine Sätze können tänzeln, stolpern, stöhnen, flüstern und plötzlich in Visionen aufflammen. Man liest ihn und hört zugleich das Knarren einer Tür, das Hüsteln eines Kanzlisten, das Kichern des Dämons. Dass spätere Schriftsteller, vor allem Dostojewski, sich auf Gogol beriefen, ist darum nur folgerichtig. Der berühmte Satz, man sei alle aus Gogols Mantel hervorgegangen, ist mehr als eine hübsche Formel. In Gogols Werk erscheint erstmals jene radikale Hinwendung zum erniedrigten Menschen, die später das Herz der russischen Literatur bilden sollte. Seine Figuren sind nicht heroisch, nicht groß, oft nicht einmal besonders tugendhaft; aber sie leiden. Und ihr Leiden wird nicht verachtet. Dostojewski erkannte in Gogol den ersten, der im gesellschaftlich Geringen eine unendliche seelische Tiefe aufscheinen ließ. Aus Gogols geduckten Gestalten werden bei Dostojewski die Zerrissenen, die Besessenen, die Suchenden. Aus dem komischen Elend wird existentielle Tragik. Was bei Gogol als Fratze beginnt, endet bei den Nachfolgern als Abgrund. „Der Mantel“ bleibt dafür das schönste Beispiel. Die Geschichte des Akakij Akakijewitsch, jenes unscheinbaren Kopisten, dessen Leben sich um ein neues Kleidungsstück zentriert, ist von einer erschütternden Schlichtheit. Ein Mantel wird hier nicht bloß ein Mantel; er wird Würde, Wärme, Hoffnung, gesellschaftliche Sichtbarkeit, vielleicht sogar die letzte Form von Liebe, die diesem Menschen erreichbar ist. Wenn Akakij den neuen Mantel erhält, scheint für einen Augenblick die Welt versöhnt. Doch Gogol gönnt seinen Figuren das Glück nie ohne Vorbehalt. Der Verlust des Mantels ist mehr als ein Diebstahl: Es ist die Rücknahme einer kurzen Gnade. Dass die Erzählung schließlich ins Gespenstische kippt, dass der Tote als Rächer durch die Straßen zieht, wirkt nicht wie ein bloßer fantastischer Einfall, sondern wie die letzte Konsequenz einer ungerechten Ordnung. Wo dem Lebenden keine Gerechtigkeit widerfährt, muss der Tote sie suchen. Selten wurde soziale Grausamkeit mit solcher Zartheit und solcher Bitterkeit erzählt. Ganz anders und doch ebenso tief wirkt „Die Nase“. Hier scheint Gogol den Verstand selbst zu verspotten. Ein Mann verliert seine Nase, und diese Nase beginnt ein selbständiges Leben, bekleidet mit höherem Rang als ihr ehemaliger Besitzer. Man lacht über die Absurdität, doch das Lachen bleibt im Hals stecken. Denn was ist Identität in einer Gesellschaft, die den Menschen nach Äußerlichkeiten, Titeln und Zeichen beurteilt? Wenn die Nase gesellschaftlich erfolgreicher ist als der Mensch, dann zeigt sich die Verkehrung einer ganzen Welt. Gogol entlarvt die Herrschaft des Scheins mit einer Freiheit der Phantasie, die modern wirkt bis heute. Kafka, die Surrealisten, das Theater des Absurden – sie alle stehen in einem Schatten, den Gogol früh geworfen hat. Seine Größe liegt auch darin, dass er keine einfachen Antworten gibt. Er ist Moralist und Clown, Christ und Spötter, Realist und Träumer zugleich. Man spürt in seinen Texten das Verlangen nach Reinheit und zugleich die Erkenntnis, dass der Mensch im Lächerlichen gefangen bleibt. Er liebt seine Figuren nicht sentimental, sondern mit einer strengen Barmherzigkeit. Gerade deshalb altern diese Erzählungen kaum. Die Bürokratien wechseln ihre Form, die Uniformen ihre Farbe, die Rangordnungen ihre Titel – aber Eitelkeit, Angst, Demütigung und Sehnsucht bleiben. Wer Gogol liest, versteht etwas Wesentliches über Russland: die Spannung zwischen Größe und Elend, Mystik und Verwaltung, Vision und Schlamm. Doch man versteht ebenso etwas über Europa, über die Moderne, über sich selbst. Denn jeder kennt den Wunsch, gesehen zu werden wie Akakij; jeder kennt die Angst, lächerlich zu erscheinen wie Kowaljow ohne Nase; jeder kennt Systeme, die Menschen auf Funktionen reduzieren. Gogol hat diese Erfahrungen nicht erklärt, sondern verwandelt. Er machte aus dem Staub des Alltags Funken. Seine Erzählungen sind komisch wie Grimassen und traurig wie Winterlicht. Man verlässt sie bereichert, verstört und mit dem Gefühl, dass zwischen den banalsten Dingen – einem Mantel, einer Nase, einem Formular – plötzlich das ganze Drama des Menschen aufscheinen kann

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