In "Hotel Savoy" schildert Joseph Roth das Schicksal eines Protagonisten, der in den chaotischen Zeiten nach dem Ersten Weltkrieg in einem heruntergekommenen Hotel in einer unbenannten Stadt Zuflucht sucht. Der Roman verbindet meisterhaft Elemente des Realismus mit einer traumhaften, oftmals surrealen Erzählweise, die den Leser in die Atmosphäre einer Welt zwischen Zusammenbruch und Neuordnung eintauchen lässt. Roths Sprache ist prägnant und lyrisch, gekennzeichnet durch eine melancholische Reflexion über Identität, Heimat und die Vergänglichkeit des Lebens in einer von Krieg und sozialen Umwälzungen geprägten Zeit. Joseph Roth, ein österreichischer Schriftsteller und Journalist des 20. Jahrhunderts, wurde stark von seiner eigenen Biografie und den politischen Unruhen seiner Zeit beeinflusst. Als Jude und Kritiker der aufkommenden Nationalismen erlebte Roth die Zerrissenheit der europäischen Gesellschaften. Diese Erfahrungen fließen in seine Werke ein, weshalb "Hotel Savoy" sowohl als literarische Hommage an das alte Europa als auch als kritische Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Moderne gelesen werden kann. Dieses Buch empfiehlt sich für alle, die sich für die komplexen Verflechtungen von Geschichte, Erinnerung und individueller Identität interessieren. Roths eindringliche Erzählweise und seine tiefgründigen Reflexionen bieten eine wertvolle Perspektive auf die menschliche Existenz in Übergangszeiten. "Hotel Savoy" ist nicht nur ein Roman, sondern ein Spiegel der Zeit, der den Leser zum Nachdenken über die eigene Position in einer sich wandelnden Welt anregt.
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Ein Gesellschaftspanorama der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg
Johanna aus München am 13.06.2025
Bewertungsnummer: 2514596
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Zwischendurch ein Klassiker.
Ein früher Roth (1924 geschrieben und veröffentlicht), aber schon sein Lebensthema: der Untergang einer Epoche. Gabriel Dan kommt aus der russischen Kriegsgefangenschaft. Er strandet im Hotel Savoy, einer ganz eigenen Welt, einem Mikrokosmos. In den oberen Etagen wohnen die, die nichts haben. Die, die im Varieté arbeiten und ihre Koffer an den Liftboy verpfänden, wenn sie die Rechnung nicht mehr zahlen können. Die, die sich bei Gelegenheitsarbeiten ein paar Zloty verdienen und eigentlich die Revolution ausrufen wollen, Die, die auf dem Schwarzmarkt mit Valuta handeln, geträumte Glückslosnummern verkaufen und auf den Milliardär aus Amerika warten, das personifizierte Glücksversprechen. Weiter unten im Hotel gehen die Uhren in den Gängen langsamer, denn da wohnen die Reichen, die, die Zeit haben. Reichtum und Armut auf engstem Raum.
Erzählt wird aus der Perspektive des jüdischen Kriegsheimkehrers Gabriel. Er ist heimatlos, will nach Westen, vielleicht zurück in die Leopoldstadt, obwohl er dort niemand mehr hat. Vorerst bleibt er aber im Hotel hängen, verliebt sich, macht kleine Geschäfte.
Ein Gesellschaftspanorama der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Ganz wenig Handlung, viele farbige Charakterskizzen, viel szenisches Erzählen. Und vor allem eine so schöne Sprache.
„Es ging ihnen schlecht, den Menschen. Das Schicksal bereiteten sie sich selbst und glaubten, es käme von Gott. Sie waren gefangen in Überlieferungen, ihr Herz hing an tausend Fäden, und ihre Hände spannen sich selbst die Fäden. Auf allen Wegen ihres Lebens standen die Verbotstafeln ihres Gottes, ihrer Polizei, ihrer Könige, ihres Standes. Hier durften sie nicht weitergehn und dort nicht bleiben. Und nachdem sie so ein paar Jahrzehnte gezappelt, geirrt hatten und ratlos gewesen, starben sie im Bett und hinterließen ihr Elend ihren Nachkommen.“
Nicht ganz so eindrucksvoll wie der „Radetzkymarsch“, aber allemal lesenswert.
Gegensätze der Nachkriegsgesellschaft & die Suche nach Orientierung und Halt in einer ungewissen Zeit
IrinaR_2605 am 23.05.2025
Bewertungsnummer: 2497240
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Roman „Hotel Savoy“ spielt nach dem ersten Weltkrieg und erzählt die Geschichte von Gabriel Dan. Gabriel hat viele Jahre in der Gefangenschaft in Russland verbracht und kehrt in seine Heimat - Leopold Stadt - zurück.
Er findet einen Unterschlupf im Hotel Savoy und bewohnt dort eines der Zimmer, das an arme Menschen vermietet werden. Hier findet er Freunde und verliebt sich sogar.
Gabriel beobachtet das Leben nicht nur der Hotelgäste, sondern auch das Leben der anderen Heimkehrenden und bettelarmer Leute auf den Straßen der Stadt.
Durch einen, mehr oder weniger, Zufall kommt er an einen einfach zu bewältigenden Job heran, der ihm sogar Respekt verleiht. Gabriel ist verlässlich und pflichtbewusst. Diese Eigenschaften verhelfen ihm, Geld für seine Weiterreise zu verdienen und endlich das Hotel zu verlassen.
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Dieser Roman thematisiert die sozialen Gegensätze der Nachkriegsgesellschaft, den Zerfall der alten Ordnungen und der Suche nach Orientierung und Halt in einer unstabilen und ungewissen Zeit.
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