Fast täglich wird Sawsan Chebli mit Hasskommentaren und Online-Hetze überhäuft. Wenn sie sich auf Social Media äußert, in einem Interview oder mit einem Zeitungsbeitrag in die öffentliche Debatte einmischt; wenn sie sich, wie so oft, leidenschaftlich für eine diverse und inklusive Gesellschaft ausspricht, türmt sich die Flut an Hate Speech mitunter zu brutalen Shitstorms auf. Dass aus digitaler schnell körperliche Gewalt werden kann, erlebte sie ganz unmittelbar, als sie eines Tages mitten in Berlin von einem Unbekannten körperlich angegriffen wurde. Cheblis Erfahrungen stehen exemplarisch für ein besorgniserregendes, akut demokratiegefährdendes Klima neuer Cybergewalt, die sich in besonderer Härte gegen Frauen, Menschen in Armut, Andersgläubige, Politiker:innen und Migrant:innen richtet. In LAUT erzählt Chebli nicht nur von den sexistischen, rassistischen und islamfeindlichen Abgründen unserer Gesellschaft, in die sie während diverser Shitstorms blicken musste, sondern auch von positiver Energie, Empathie und echter Unterstützung im digitalen Ungewitter. Ein erschütterndes, aber auch augenöffnendes Hörbuch – und ein Appell an uns alle, laut und deutlich gegen Hass und für friedlichen, demokratischen Austausch einzustehen und entschieden Zivilcourage zu zeigen, im analogen wie im digitalen Leben.
Kundinnen und Kunden meinen
2.2/5.0
Bewertung
5/5
21.04.2023
Buch (Taschenbuch)
Klar und deutlich
Positiv:
Ein wichtiges Buch. Dies ist ein klares, sachliches, engagiertes Plädoyer für eine wehrhafte Demokratie bzw. wehrhafte Demokrat:innen, die es nicht länger hinnehmen (sollten), dass gewaltförmige Sprache sich - dank fehlender Kontrolle und Konsequenz und nicht nur im Internet - so dermaßen ausgebreitet hat. Gewalt durch Sprache ist wahrlich nichts Neues, aber die Anonymität des Netzes, der vermeintliche Freiraum der "sozialen Netzwerke" bringt bei zu vielen Menschen ihre allerdunkelsten Seiten ans Licht.
Wir müssen (!) uns endlich geschlossen(er) dagegen wehren, dass Menschen, die meiner Meinung nach schlicht krank im Kopf sind, unsere Rede- und Pressefreiheit dazu missbrauchen, ihren Frauenhass (unter anderem, sie haben auch noch andere Hassobjekte) überall hinzukübeln.
Ehrlich gesagt war mir Frau Chebli bisher kein Begriff, doch das, worüber sie schreibt, sehr wohl. Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich mit der Macht der Sprache, mit den Rollenstereotypen unserer Gesellschaft (männlich/weiblich, arm/reich, "gut religiös"/"schlecht religiös"...), mit der Frage, was ist deutsch, was ist Kultur und was für eine haben wir eigentlich, vor dem Hintergrund des zweiten Weltkriegs. Was die Kultur des Umgangs miteinander betrifft, ist da meiner Meinung nach noch SEHR viel Luft nach oben. Es ist ein riesengroßes Thema, und Beiträge zur öffentlichen Debatte wie dieser von Frau Chebli verdienen es, breit diskutiert und konstruktiv zur Herausbildung einer, tja, wie soll ich das nennen? Nationalen Identität? (Um Gotteswillen, schwerst missverständlich!) genutzt zu werden. Einer Art von Gruppenverständnis? Wer hier lebt, hat sich an xyz gesellschaftliche Regeln zu halten, hinter denen wir alle stehen. Eine Art Leitkultur im allerbesten Sinne. Bei der es um den Menschen, die Person geht, und nicht um Staatsangehörigkeiten, Hautfarben oder andere biologische Merkmale. Ein Gedanken anregendes Buch!
Frau Chebli wünsche ich jedenfalls eine breite Rezeption, eine wachsende Zahl an Unterstützer:innen und Mitstreitenden, und vor allem Durchhaltevermögen! Laut, mutig, klar, menschenrechtsorientiert, zutiefst der Verfassung verpflichtet und kompetent - von solchen Menschen braucht es noch viel, viel mehr!
Negativ:
Inhaltlich habe ich rein gar nichts zu bemängeln, das Buch ist klasse. Allerdings: Ich hatte mir ursprünglich das Hörbuch besorgt, finde es aber - tut mir leid, es ist wirklich schlimm - schrecklich eingelesen. Beziehungsweise die Sprecherin ist super, sehr professionell, 1a artikuliert, sehr angenehme Tonlage, nur... diese gesprochene Lücke beim Gendern ist nicht meins. Im Gegenteil, ich muss mich jedes Mal zusammenreißen, um mich nicht zu sehr über das Auseinanderreißen der Begriffe zu ärgern, das ich als störend, ablenkend, einfach völlig überflüssig empfinde. In Bürger:innen, Freund:innen, Politiker:innen usw. usf. sind die Männer doch schon drin, ganz offensichtlich! Es muss nicht extra darauf aufmerksam gemacht werden, dass sie mitgemeint sind, nein, sie sind tatsächlich sogar mitgenannt - das ist doch Inklusion vom Feinsten! Sollte das Buch jemals neu eingelesen werden, dann bitte, bitte unter Verzicht auf diese überflüssige, lange Lücke.
Bewertung
aus Berlin
5/5
20.04.2023
Buch (Taschenbuch)
Schlaues Buch, gern gelesen
Das Buch von Sawsan Chebli ist intelligent, gut geschrieben und schlau argumentiert. Eigentlich schon fast lustig, dass es genau die Hasswelle ausgelöst hat, um die es geht. Wir sehen, wie viel Angst einige Gruppen vor der modernen Welt haben. Damit werden sie selbst zur Bedrohung. Hoffentlich kann ein Buch wie dieses dafür sensibilisieren.
Abdi
5/5
09.04.2023
Buch (Taschenbuch)
mehr davon
Wir brauchen mehr Stimmen gegen systematischen Hass und Hetze im Netz. Finde ich richtig und wichtig, dass Chebli sich dieses Thema annimmt. Es darf nicht unbeachtet an uns vorbeigehen. Da gehe ich mit. Unsere gesellschaftliche Aufgabe ist es Zivilcourage mit den Betroffenen zu zeigen und sie ermutigen sich nicht mundtot machen zu lassen. Danke @Sawsan Chebli für dieses Buch.
Bewertung
aus Mannheim
5/5
05.04.2023
eBook (ePUB)
Die Bewertungen zeigen wie wichtig dieses Buch ist
Ein sehr wichtiges Buch! Als Aktivistin erlebe ich tagtäglich Ähnliches und sehe die Auswirkungen auch und gerade bei ehrenamtlich Engagierten und politisch Aktiven, die sich angesichts permanenter Attacken im Digitalen wie im realen Leben, zurückziehen oder ihre Tätigkeit ganz aufgeben um sich selbst zu schützen.
Die ebenso wütenden wie haltlosen 1 Stern Bewertungen hier sind so selbst entlarvend wie vorhersehbar und dürfen als klare Leseempfehlung verstanden werden.
Bewertung
5/5
04.04.2023
Buch (Taschenbuch)
Mutig!
Das Buch behandelt größtenteils Cybermobbing und Rassismus. Es wurde aus der Perspektive einer muslimischen, palästinensisch-deutschen Frau und Politikerin erzählt.
Diese Betroffenenperspektive finde ich persönlich immer sehr spannend und aufschlussreich!
„Endlich hatte ich eine Stimme, also wollte ich sie auch nutzen“ - Das macht sie regelmäßig und wird deshalb heftig angefeindet, der Hass + die rassistischen Hassnachrichten/Morddrohungen sind sehr schockierend und hochgradig problematisch.
Es ist offensichtlich, warum Frau Chebli zu einer Projektionsfläche für rechten Hass wurde. Sie ist laut, sie bezieht Stellung zu brisanten Themen, sie lässt sich nicht entmutigen oder einschüchtern. Diesen Mut und die innere Belastungsstärke respektiere ich besonders.
Wer Beispiele von Deutschlands Rassismus-Problem sehen möchte, muss nur auf Frau Cheblis Twitterprofil klicken.
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