Arthur, 22, still und intelligent, hat über zwei Jahre im Gefängnis verbracht. Endlich wieder in Freiheit stellt er fest, dass er so leicht keine neue Chance bekommt. Ohne die passenden Papiere und Zeugnisse lässt man ihn nicht zurück ins richtige Leben. Gemeinsam mit seinem unkonventionellen Therapeuten Börd und seiner glamourösen Ersatzmutter Grazetta schmiedet er deshalb einen ausgefuchsten Plan. Eine kleine Lüge, die die große Freiheit bringen könnte ...
Humorvoll und empathisch erzählt Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher davon, wie einer wie Arthur überhaupt im Gefängnis landen kann, und geht der großen Frage nach, was ein nützliches Leben ausmacht – oder vielmehr ein solidarisches?
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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„Schon bald habe ich das Gefühl gehabt, dass kein Glanzbild mich hier rausbringen wird, sondern einzig und allein ich an meiner Seite.“
Arthurs Lebensgeschichte lässt einen nicht nur einmal laut aufstöhnen und die Arme nach im ausstrecken, und passiert so oder so ähnlich wohl trotzdem unzählige Male.
Er wächst ohne Vater auf, der neue Partner der Mutter spricht nie mit ihm oder seinem Bruder Klaus, sondern grundsätzlich nur über ihn. Als die Erwachsenen beschließen nach Spanien auszuwandern und dort ein Sterbehospiz zu eröffnen, verliert Arthur das Wenige, das bis jetzt Halt bot. Als Klaus dann auch noch aus Spanien abhaut steht er recht verloren da – bis er sich mit zwei Mitschülern anfreundet, Milla und Princeton. Aus dieser Bekanntschaft entwickelt sich ein bisexuelle Dreiecksgeschichte die in einer Tragödie endet. Er verlässt Spanien, geht zurück nach Wien und gerät dort in einen Ausnahmezustand, der schließlich in einer Haftstrafe gipfelt …
Jetzt, nach mehr als zwei Jahren Haft steht Arthur 22jährig endlich wieder draußen.
Sein erster Weg führt ihn in seine Haftentlassenen-WG, ein von einer Therapie begleitetes Wohnprojekt.
Der Therapeut, Konstantin Vogl, genannt Börd, soll Arthur helfen, zu einem stabilen Mitglied der Gesellschaft zu werden und zu seinen recht innovativen Methoden gehören Purzelbäume ebenso, wie das entwickeln einer Optimalversion Arthurs.
„Sie sollen sich über diese Figur dermaßen klar werden, dass Sie sie in brenzligen Situationen ‚spielen‘ können, in sie hineinschlüpfen. Sich über etwas hinwegretten, indem Sie so tun, als wären Sie diese Version von sich, die bessere, die weichgezeichnete, die klügere. Und deshalb nicht straffällig werden.“
Auch das von Börd angeregte „Schwarzsprechen“ bei dem Arthur auf Band spricht, was ihn bewegt, ist Teil seiner Resozialisierungstherapie.
Dadurch und in Rückblenden erfahren sowohl Börd als auch die Lesenden, WAS den stillen und intelligenten Jungen aus der Bahn geworfen hat. Auch welchen Gewalttaten er im Gefängnis ausgesetzt war, die ihm übelste Flashbacks bescheren. Wir gehen mit zu einer Wohnungsbesichtigung und erleben Absage um Absage auf seine Bewerbungen. Und wir lernen Graziella kennen, eine todkranke und glamouröse ehemalige Schauspielerin, die jetzt Arthurs Ersatzmutter spielt. Trotz allem glaubt man fest, dass er es schaffen wird – bis Börd wieder einmal ein verhängnisvoller Fehler passiert. Börd, der ein Alkohlproblem und Depressionen hat, den auch etwas aus der Bahn geworfen hat und der von seiner Optimalversion gerade ziemlich weit weg ist.
Birgit Birnbacher hatte eine reale Vorlage für diesen großartig, oft mit Witz und Lakonie, immer aber feinfühlig, menschenfreundlich erzählten Roman. Das hat mich sehr gefesselt, sehr bewegt.
Eine riesengroße #Leseempfehlung!
Arthur hat seine Strafe…
Buchstabenfestival aus Deutschland am 12.04.2023
Bewertungsnummer: 2799049
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Arthur hat seine Strafe abgesessen und hofft nun von der Gesellschaft wieder an- und aufgenommen zu werden. Doch es ist weit schwieriger als er dachte. Die Menschen begegnen ihn mit Misstrauen, Vorurteilen und widersprüchlicher Bürokratie. Nicht leicht für einen 22jährigen. Auch sein Bewährungshelfer ist ein ganz spezieller Charakter und gefühlt, bräuchte er eigentlich selber Hilfe. Das Resozialisierungsprogramm für Arthur liest sich absurd und völlig realitätsfern. Arthur hat jedoch nicht nur mit der Gegenwart zu kämpfen, sondern auch mit seiner Vergangenheit. Seine Kindheit, seine Freundschaften und mit seinem Leben bei seinen Eltern. Man springt immer zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her und lernt dabei viele Charaktere kennen, die ihn beeinflusst und geprägt haben. Die Autorin erzählt die Geschichte mit einem Hauch von Humor, der jedoch immer mal wieder im Abgang bitter schmeckt. Doch es gibt auch Lichtblicke, zärtliche und friedliche Momente und ab und an ein Augenzwinkern. Das Buch will Aufmerksamkeit und etwas längere Lesezeit am Stück und bietet dafür eine Geschichte, die den Lesenden berührt und mitnimmt.
Meinung aus der Buchhandlung
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Arthur landet wegen eines Betrugsdelikts für längere Zeit im Gefängnis. Wie konnte es überhaupt dazu kommen? Um wieder "zurück in die Gesellschaft" zu finden, nimmt er an einer soziologischen Studie teil. Der schrullige Dr. Vogl (genannt Börd) soll Arthur auf Spur bringen und ist selbst längst engleist. Birgit Birnbacher, studierte Soziologin und ausgezeichnet mit dem Bachmannpreis 2019, erzählt von Arthurs Leben und seiner Entwicklung. Davon, was es heißt, aus der Gesellschaft herauszufallen oder vielleicht nie so richtig drin gewesen zu sein. Empathisch, humorvoll, mit einem geschulten Blick für Menschen.
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Humorvoll, mit einer präzisen Sprache, versteht es die Autorin, dass ich mitfühle. Arthur, eine irgendwie tragische Gestalt, weckt Sympathien und lässt mich mitleiden. Es sind die Auslassungen, die mich als Leser in die Geschichte gesogen haben. Zu Ende gelesen, morgens um 5 Uhr
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