Priska Lachmann wächst in einem Umfeld auf, das von fundamentalistischer Enge geprägt ist. Regeltreue ist beliebt; selbstständiges Denken oder kritisches Fragen sind unerwünscht. Sie heiratet früh und geht auf eine freie Bibelschule, um Pastorin zu werden. In der Vikariatszeit bricht dann alles auseinander: Ihr Wunsch, endlich authentisch leben zu dürfen, wird immer größer. Sie lässt sich scheiden. Ihr Umfeld lässt sie fallen.
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Ermutigt, den Glauben neu zu entdecken
Zeichnet eine Glaubensentwicklung von der Enge in die Weite
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
09.11.2024
Buch (Taschenbuch)
Danke Priska für den ehrlichen Einblick in dein Leben
Na klar - wer so ein Buch liest, beschäftigt sich vermutlich selbst mit Fragen und Zweifeln zum Glauben, zur eigenen Biografie, zur eigenen Prägung. Wie ein Neustart im Leben trotz viel Verlust und Zerbruch gelingen kann, beschreibt Priska Lachmann sehr eindrücklich und offen, ohne zu romantisieren, aber mutmachend. Erschreckend, wie lange sie Zweifel und Schweres ganz alleine mit sich herumgetragen hat, ohne den Mut und die Offenheit von außen zu haben, sich jemandem anvertrauen zu können. Warum muss es erst den großen Knall geben, damit Menschen, die sich in fundametalistischen Kreisen bewegen, Mut finden, etwas an ihrem Leben zu verändern, ehrlich zu sich selbst zu sein und es sich selbst wert zu sein? Ein Buch, das all jenen Mut machen kann, die sich selbst noch nicht raustrauen aus ihrem Schneckenhaus, in denen der Wunsch nach Veränderung angelegt ist, die aber noch nicht wissen, wie sie es wagen können. Ich lege es auch allen Gemeindeleiter:innen und Pastor:innen ans Herz, die wirklich verstehen möchten, warum Menschen ihre Gemeinden verlassen, welch Schmerz dahinter steckt und welch Liebe sie von Gott erfahren, obwohl sie den vermeintlich richtigen Weg verlassen.
Apfelbaum
aus Krummnussbaum
5/5
14.11.2023
Buch (Taschenbuch)
Ein sehr ehrliches, mutiges und Mut-machendes Buch
Ein sehr mutiges Buch ist Priska Lachmann da gelungen. Ich kenne den Hintergrund, den sie beschreibt, ein bisschen, hatte selbst vor vielen Jahren Konktakt zu Menschen aus diversen Gemeinden und in meiner Familie drei TheologInnen unterschiedlicher Konfessionen. Mein Vater war "abtrünniger" katholischer Priester, der für seine Entscheidung zu seiner Familie von seinem engsten Umfeld, seinem Arbeitsplatz und sogar vom Staat angefeindet wurde (er stammte aus einem ehemaligen autoritären Regime). Ich kenne unterschwellige Religionskonflikte also seit meiner Kindheit, obwohl mir zum Glück immer die Balance gelungen ist, für mich ein positives, konstruktives und lebensbejahendes Gottesbild zu finden. Ich kann jedoch nachvollziehen, dass es unglaublich schwierig ist, sich gegen bestehende Konstrukte aufzulehnen, gerade in jungen Jahren und bei Lebensentscheidungen (Ehe, Kinder, Scheidung), die schon ohne Religionskonflikte im Hintergrund schwierig genug sind. Hut ab vor Priska, dass sie sich gleich mehrmals traute, unglücklich machende Umstände zu verlassen, da der "liebe Gott" meines Glaubens uns ganz bestimmt nicht das Leben geschenkt hat, damit wir ein Leben lang unglücklich sind. Ernsthaft schockiert war ich, wie sehr sie als junge Mutter ihres ersten Kindes von älteren Frauen der Gemeinde behandelt, verlassen und verstoßen wurde und neben diesen Konflikten beispielsweise eine lebensbedrohende Geburt meistern musste. Von Herzen freue ich mich, dass sie solch einen tollen Lebenspartner gefunden hat, mit dem sie sich voll entfalten konnte. Mit Anfang zwanzig ist man noch so jung... wenn man da schon keine Änderungen mehr treffen kann, wie soll man dann ein erfüllendes Leben gestalten, auf das man ohne Reue zurückblicken kann? Da meine Eltern, wie gesagt, aus einem ehemals kommunistischen Land stammen, kannte ich die Ablehnung alles "Amerikanischen" wie Popmusik, modischer Kleidung, Filmen etc. aus dieser "Ecke". Es ist für Kinder eine große Bürde, die Ängste ihrer Eltern "ausbügeln" zu müssen, ich finde jede Frau toll, die dabei nicht verschroben oder verbittert wird, dazu braucht es sehr viel Kraft, die die Autorin offenbar in ihrem immer schon reichen Innenleben findet und gefunden hat. Dies spiegelt sich auch in ihrem beruflichen Werdegang wider. Pastorinnen gibt es viele, aber die Bücher, die aus Priska kommen, kann nur Priska schreiben! Und das werden hoffentlich noch viele, viele sein - ich freue mich schon darauf sie zu lesen! Mit Grüßen aus Wien, Bernadette
Juli
aus Dresden
5/5
02.11.2023
Buch (Taschenbuch)
Zutiefst bewegend, erschreckend und dennoch hoffnungsvoll.
Priska Lachmann schildert in ihrem Buch ihr Aufwachsen in einer strengen, christlichen (fundamentalistischen) Gemeinde und die daraus entstandenen Glaubenssätze, die ihr Leben und ihr Selbstwertgefühl einschneidend prägten - und zwar nicht im Guten. Sie erzählt zutiefst bewegend, wie sie durch tiefen Zerbruch geht und sich gleichzeitig aus dieser Enge, den Ängsten und Glaubenssätzen befreit. Immer an ihrer Seite: Gott
Denn trotz aller schrecklichen Erfahrungen und Enttäuschungen, die sie mit Menschen erlebte, hält sie an Gott fest, die/der sich ihr als Gott der Freiheit und Würde und oft ganz überraschend liebevoll und wohlwollend zeigt.
Neben ihrem biographischen Erzählen bringt Priska Lachmann theologisches Hintergrundwissen ein, denn sie ist nicht nur Autorin, sondern auch Theologin.
Sie hält dem fundamentalistschen Christentum einen Spiegel vor und räumt mit falschem Denken auf, zeigt wie frauenfeindlich und patriarchal in fundamentalistischen Gemeinden gedacht und gehandelt wird und wie sehr das allen, nicht nur den Frauen, schadet.
Sie selbst erlebt dann aber auch theologische Weite und Annahme in anderen Gemeinden und kann heute ihren Glauben dort befreit leben.
Dieses Buch sollte Pflichtlektüre an allen theologischen Ausbildungsstätten sein!!
Bewertung
aus Attenhofen
3/5
28.01.2024
Buch (Taschenbuch)
Wenn Glaube sich wandelt und neu wird
Priska Lachmann ist von Anfang ihres Lebens an in einer evangelikalen Gemeinde. Obwohl Christen in der DDR benachteiligt werden, ist der Glaube ein entscheidender Bestandteil des Familienlebens in ihrer Kindheit und Jugend. Sie ist begeistert dabei … in der Kinderstunde, auf Jugendfreizeiten, bei Gebetstreffen. Doch manche Predigten und Botschaften machen ihr Angst. Sie fürchtet sich vor der Hölle, sie ist sich unsicher, ob sie in den Himmel kommen wird, und sie versucht es allen rechtzumachen.
Obwohl sie gern Psychologie studieren würde, fühlt sie sich nach einem Berufungserlebnis gedrängt Theologin zu werden. Priska heiratet jung, was in ihren Kreisen keine Seltenheit ist, denn es wird eindringlich vor vorehelichen Geschlechtsverkehr gewarnt. Eine Ehe scheint da die beste Vorsorge zu sein.
Als schon nach kurzer Zeit klar ist, dass die Eheschließung ein Fehler war, zögert Priska dennoch lange sich scheiden zu lassen. Sie weiß, was dieser Schritt ihr auch in beruflicher Hinsicht kosten wird. Doch als es soweit ist, lernt sie nach einer schweren und kummervollen Zeit, ihre neugefundene Freiheit zu genießen. Dazu gesellen sich auch neue Erkenntnisse in Bezug auf ihren Glauben. Sie lernt Gott ganz anders kennen, nicht als strengen Zuchtmeister, sondern als Liebe, unbegrenzte Liebe. Es dauert trotzdem noch lange, bis sie sich von ihren Ängsten freimachen kann.
Dieses Buch ist sehr gut geschrieben und lässt sich schnell lesen. Priska schildert Erfahrungen, die viele werden nachvollziehen können, die in freikirchlichen Gemeinden aufgewachsen sind, vor allem charismatisch geprägte. Es fällt positiv auf, wie ehrlich sie über ihr Leben berichtet, dabei reflektiert sie auch über persönliche Fehler und Irrwege.
Persönlich finde ich jedoch das Ergebnis ihrer Gottessuche besorgniserregend. Nachdem sie sich von der Vorstellung eines strafenden Gottes befreit hat, bleibt ein Gott, der einfach nur gut zu den Wünschen der Menschen passt. Er liebt immer und ohne Bedingungen, und ist mit allem einverstanden, das sich gut anfühlt. Maßstäbe wie Heiligkeit verlieren an Bedeutung.
Ganz sicher ist Gott ein Gott der Liebe, der uns trotz all unserer Schwächen und Fehler maßlos liebt. Aber ich glaube nicht, dass er mit allem einverstanden ist, was sich für uns gut anfühlt. So wie das Kind, das einen ganzen Ballen Zuckerwatte verschlingt, wissen wir manchmal nicht, was wirklich gut für uns ist. Ich denke, wer sich von einem falschen Konstrukt befreit, unter dem er gelitten hat, neigt leicht dazu zu weit in die andere Richtung zu gehen. So empfinde ich dieses Buch, darum kann ich es trotz einem wunderbaren Schreibstil, der Offenheit und vielen anderen Vorzügen, nicht guten Gewissens weiterempfehlen.
Fazit: Der persönliche Lebensbericht einer jungen Frau, die unter einem strengen Gottesbild gelitten hat und von ihrem befreiten Glaubensweg erzählt. Es ist fesselnd und authentisch geschrieben und mit Sicherheit für einige hilfreich. Doch weil mir persönlich der Glaube an einen liebevollen, aber auch gerechten und heiligen Gott so sehr am Herzen liegt, kann ich es leider nicht empfehlen.
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