Raphael Thelen zeigt in seinem fesselnden Debütroman, wie die vermutlich größte Katastrophe in der Geschichte der Menschheit nicht nur unsere Ökosysteme, sondern auch unser Inneres verheert. Und er erkundet, wie weit ziviler Ungehorsam heute gehen darf - oder sogar muss? Berlin, Hochsommer. Vallie, Sara und Wassim demonstrieren in den glühenden Straßen für mehr Klimaschutz. Scheinbar haben sie schon viel erreicht, sind mit Größen aus der Politik per du, gewinnen Prozesse gegen mächtige Konzerne. Und trotzdem ändert sich nichts, trotzdem rast der Planet beinahe ungebremst auf die Apokalypse zu. Sara und Vallie, die sich eigentlich lieben, sind längst ausgebrannt und finden kaum mehr zueinander. Hat das alles noch einen Sinn? Das fragen die drei sich mittlerweile ständig. Doch heute ist etwas anders. Sara und Wassim reißen aus dem geordneten Demonstrationszug aus und Vallie mit sich. Was haben sie vor? Und wie wird die Gegenseite reagieren? Ein bis ins Mark spannendes Katz-und-Maus-Spiel entspinnt sich, bei dem die drei über sich hinauswachsen müssen - oder alles verlieren.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Bewertung
5/5
29.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Tolles Buch- spannend bis zum Schluss
Herr Thelen greift in seinem Roman die aktuellsten Themen unserer Zeit auf- allen voran das des nahenden Klimakollaps. Ein Generationsroman der Einblicke in die Denkweise der Klimabewegung liefert und hilft Brücken zu bauen. Danke dafür!
MarcoL
aus Füssen
5/5
22.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrucksvoller Roman, der auf den Klimawandel aufmerksam macht!
Der Autor, selbst Aktivist, erzählt in diesem spannenden Roman über die Klimaaktivist:Innen Valli, Sara, Wassim – und anderen. Er berichtet über eine Generation, der es an nichts mangelt – außer einer gesicherten Zukunft auf einem Planeten, der den Menschen ein Überleben ermöglicht.
Zu Anfang der Protestaktionen lief es recht positiv. Politik und Wirtschaft zeigten Interesse, machten Eingeständnisse. Vallie war mit den einflussreichsten Politiker:Innen in Kontakt, und sie waren der Meinung, auf einem guten Weg zu sein.
Doch der Schein trügt, es waren nichts als Lippenbekenntnisse. Die Protestmärsche waren geduldet, wurden in gewissem Maße sogar unterstützt, aber es geschah nichts nennenswertes.
Und dann, wir begleiten die Ich-Erzählerin Vallie auf einer weiteren Demo, die wie gewohnt in geordneten Bahnen zu verlaufen scheint, von der Polizei flankiert, brechen sie aus, nehmen eine neue Route, und es kommt zu direkten Konfrontationen … und im weiteren Verlauf … verrate ich nichts … außer, dass es einen spannenden Showdown gibt. Mit dem Ende hadere ich allerdings ein klein wenig, weil ich mir es nicht gut genug vorstellen kann. Aber bitte: Unbedingt selber lesen und sich ein Bild machen.
Diese Demo ist der grobe Rahmen der Handlung, auf welchen der Autor immer wieder zurück greift, nach Ausflügen in die Vergangenheit der handelnden Personen, hauptsächlich Valli – und ihre Liebe Sara.
Kernthema ist selbstverständlich der Klimawandel, in welchem wir uns befinden – und der, so wie es sich mir erschließt, unaufhaltsam in ein monströses Desaster für die künftigen Generationen schlittert.
Thelen legt die Finger in die Wunde, bohrt herum – spricht viele Themen an. Mein Buch ist gespickt mit Markierungen, weil es so viele wichtige Sätze darin gibt.
S.30: „All jene, die unter den Folgen der Klimakrise litten, verreckten, weil die da oben an ihrer Gier erstickten.“
500 Jahre Kolonialismus fliegen uns jetzt um die Ohren, doch die Ausbeutungen im Namen des Wirtschaftswachstums nehmen kein Ende.
S. 71: „Meine Antwort auf Rassismus ist Wut. Mein ganzes Leben lang habe ich mit dieser Wut gelebt […] und Wassim begann alles dafür zu tun, damit diese Wut ihn und seine Träume nicht un Schutt und Asche legte.“
S.131: „… aber unsere Freiheit endete da, wo die Freiheit der Wirtschaft anfing […] wo es um die Profite der Konzerne ging ...“
und mein allerliebster Satz auf S.136, der den Titel des Romans sehr gut erklärt: „Ja, es gibt sie, die Wut, die aggressiv zuschlägt. Doch es gibt auch die Wut, die sagt: bis hier und nicht weiter, die Grenzen zieht, die dich und andere schützt. Wut, die das Leben verteidigt, nicht tötet.“
Fazit: es ist ein klug gestrickter Roman, mit einem gut aufgebauten Handlungsfaden. Der wahre Schauplatz ist aber der Klimawandel – mit all seinen Folgen. Die Nebenstories mögen vielleicht etwas zu naiv oder seicht erscheinen, aber das spielt keine Rolle. Es geht hier um die Kernaussage, und die ist mehr als eindeutig. - darum: absolute Leseempfehlung!
MarcoL
aus Füssen
5/5
22.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrucksvoller Roman, der…
Eindrucksvoller Roman, der auf den Klimawandel aufmerksam macht! Der Autor, selbst Aktivist, erzählt in diesem spannenden Roman über die Klimaaktivist:Innen Valli, Sara, Wassim – und anderen. Er berichtet über eine Generation, der es an nichts mangelt – außer einer gesicherten Zukunft auf einem Planeten, der den Menschen ein Überleben ermöglicht. Zu Anfang der Protestaktionen lief es recht positiv. Politik und Wirtschaft zeigten Interesse, machten Eingeständnisse. Vallie war mit den einflussreichsten Politiker:Innen in Kontakt, und sie waren der Meinung, auf einem guten Weg zu sein. Doch der Schein trügt, es waren nichts als Lippenbekenntnisse. Die Protestmärsche waren geduldet, wurden in gewissem Maße sogar unterstützt, aber es geschah nichts nennenswertes. Und dann, wir begleiten die Ich-Erzählerin Vallie auf einer weiteren Demo, die wie gewohnt in geordneten Bahnen zu verlaufen scheint, von der Polizei flankiert, brechen sie aus, nehmen eine neue Route, und es kommt zu direkten Konfrontationen … und im weiteren Verlauf … verrate ich nichts … außer, dass es einen spannenden Showdown gibt. Mit dem Ende hadere ich allerdings ein klein wenig, weil ich mir es nicht gut genug vorstellen kann. Aber bitte: Unbedingt selber lesen und sich ein Bild machen. Diese Demo ist der grobe Rahmen der Handlung, auf welchen der Autor immer wieder zurück greift, nach Ausflügen in die Vergangenheit der handelnden Personen, hauptsächlich Valli – und ihre Liebe Sara. Kernthema ist selbstverständlich der Klimawandel, in welchem wir uns befinden – und der, so wie es sich mir erschließt, unaufhaltsam in ein monströses Desaster für die künftigen Generationen schlittert. Thelen legt die Finger in die Wunde, bohrt herum – spricht viele Themen an. Mein Buch ist gespickt mit Markierungen, weil es so viele wichtige Sätze darin gibt. S.30: „All jene, die unter den Folgen der Klimakrise litten, verreckten, weil die da oben an ihrer Gier erstickten.“ 500 Jahre Kolonialismus fliegen uns jetzt um die Ohren, doch die Ausbeutungen im Namen des Wirtschaftswachstums nehmen kein Ende. S. 71: „Meine Antwort auf Rassismus ist Wut. Mein ganzes Leben lang habe ich mit dieser Wut gelebt […] und Wassim begann alles dafür zu tun, damit diese Wut ihn und seine Träume nicht un Schutt und Asche legte.“ S.131: „… aber unsere Freiheit endete da, wo die Freiheit der Wirtschaft anfing […] wo es um die Profite der Konzerne ging ...“ und mein allerliebster Satz auf S.136, der den Titel des Romans sehr gut erklärt: „Ja, es gibt sie, die Wut, die aggressiv zuschlägt. Doch es gibt auch die Wut, die sagt: bis hier und nicht weiter, die Grenzen zieht, die dich und andere schützt. Wut, die das Leben verteidigt, nicht tötet.“ Fazit: es ist ein klug gestrickter Roman, mit einem gut aufgebauten Handlungsfaden. Der wahre Schauplatz ist aber der Klimawandel – mit all seinen Folgen. Die Nebenstories mögen vielleicht etwas zu naiv oder seicht erscheinen, aber das spielt keine Rolle. Es geht hier um die Kernaussage, und die ist mehr als eindeutig. - darum: absolute Leseempfehlung!
Bewertung
3/5
26.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wo ist die Wut in der Klimabewegung?
Es gab einen bestimmten Grund, weshalb ich das Buch lesen wollte, nämlich die Aktionen der »Letzten Generation zu verstehen, die überall zu hitzigen Diskussionen führen. Deshalb fange ich meine Rezension heute mal von hinten an. Raphael Thelen ist ein ehemaliger SPIEGEL- und ZEIT-ONLINE-Jounalist, der seinen Job an den Nagel gehangen hat und sich seit Januar in der Letzten Generation engagiert. Er begleitet schon seit Jahren die Klimabewegung, hat ein Sachbuch dazu geschrieben und setzt sich in seinem Debüt »Wut« mit der emotionalen Seite des Klimawandels und der Klimabewegung auseinander. Wie weit darf oder muss ziviler Ungehorsam heute gehen? Wie entsteht Wut und kann sie die Welt verändern?
Kommen wir zum Inhalt.
Drei junge Menschen sind mitten in einer »Latschdemo« in der Gluthitze Berlins. Sie fragen sich, ob diese Art von Protest überhaupt noch zu Ergebnissen führt. Aus einem spontanen Aktionismus heraus stürmen sie die Zentrale der DE (Deutschen Energie) und nehmen die Chefin als Geisel. Doch dann wissen sie nicht weiter. Parallel läuft die Demo weiter durch Berlin, wird von der Polizei verfolgt und besetzt die Baustelle einer Pipeline. Wut und Verzweiflung treibt die Aktivisten an und hat natürlich Folgen.
Hauptsächlich folgen wir den Geschehnissen und Gedanken aus der Perspektive von Vallie, aber auch Sara, ihrer Freundin, und Wassim kommen zu Wort, indem uns Thelen die Vergangenheit der jungen Protagonisten beleuchtet, ihren unterschiedlichen Backgrounds, ihre ganz persönlichen Gründe, sich der Klimabewegung anzuschließen. Das ist für mich sehr schlüssig dargestellt. Auch den spontanen Affekt, die DE zu stürmen. Nur würde ich es nicht Wut, sondern Verzweiflung nennen.
Thelen will zeigen, dass Wut alte Denkmuster aufbrechen und zu neuen Lösungen führen kann, so sein O-Ton in einem Interview. Er ist der Meinung, es braucht mehr Wut, um die großen Ziele zu erreichen.
Bin ich ganz bei ihm und ich finde, das alles hat er bis auf eine Ausnahme, die für mich inakzeptabel war (Robert, der nicht schlüssig bis zum Ende gezeigt wurde), auch plausibel dargestellt.
Über das Buch zu schreiben ist mir nicht leicht gefallen, denn dafür ist es einfach zu nah an den aktuellen Geschehnissen dran, die ich nur schwer ausblenden kann. Soll es nun eine reine Fiktion sein oder sollen hier Möglichkeiten aufgezeigt werden? Jetzt im Nachhinein bleibt seine Geschichte für mich zweigeteilt. Bis zum Ende der Demo, die übrigens in einem filmreifen Ende gipfelt, fühlte es sich für mich sehr glaubhaft an, nah an einem denkbaren Szenario. Allerdings ist seine abschließende Zukunftsutopie aus der Luft gegriffen, auch wenn es für ihn persönlich vorstellbar ist. Das hat die durchweg gute Story für mich zerstört.
»Was wir brauchen, ist nicht ihr Weiterso, sondern einen Neuanfang. Was wir brauchen, ist nicht ständige Angst, die uns eng, klein und hilflos macht, sondern Mut, Weite und Liebe.« S.152
… schreibt er kurz vor dem Ende. Ja, da stimme ich ihm zu. Aber Neuanfang bedeutet für mich eine Veränderung von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, denn nur so lassen sich auch viele andere Missstände, für die heute gekämpft wird, angehen und überwinden. Hätte das Buch etwas mehr Umfang gehabt und wäre ein Weg dorthin sichtbar gewesen, hätte ich ihm gern auch seine utopischen Ausblicke abgenommen. Aber so steht dieser Blick auf eine komplett andere Gesellschaftsordnung, die aus illusorischen Lebensmodellen besteht, isoliert am Ende. Aber gut, jeder Generation hat ihre Träume, ich lasse sie träumen.
Allgemein hätte das Buch gern etwas wütender sein dürfen, weniger verzweifelt. Für mich ist das Buch leider kein Hoffnungsträger, auch wenn ich voll hinter den zu erreichenden Zielen stehe. Das mag aber an meiner Erwartung gelegen haben.
Fazit
Ich würde das Buch gern allen empfehlen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen wollen, denn es bietet in jede Richtung kritischen Diskussionsstoff.
ein.lesewesen
aus ZW
3/5
26.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Es gab einen bestimmten…
Es gab einen bestimmten Grund, weshalb ich das Buch lesen wollte, nämlich die Aktionen der »Letzten Generation zu verstehen, die überall zu hitzigen Diskussionen führen. Deshalb fange ich meine Rezension heute mal von hinten an. Raphael Thelen ist ein ehemaliger SPIEGEL- und ZEIT-ONLINE-Jounalist, der seinen Job an den Nagel gehangen hat und sich seit Januar in der Letzten Generation engagiert. Er begleitet schon seit Jahren die Klimabewegung, hat ein Sachbuch dazu geschrieben und setzt sich in seinem Debüt »Wut« mit der emotionalen Seite des Klimawandels und der Klimabewegung auseinander. Wie weit darf oder muss ziviler Ungehorsam heute gehen? Wie entsteht Wut und kann sie die Welt verändern? Kommen wir zum Inhalt. Drei junge Menschen sind mitten in einer »Latschdemo« in der Gluthitze Berlins. Sie fragen sich, ob diese Art von Protest überhaupt noch zu Ergebnissen führt. Aus einem spontanen Aktionismus heraus stürmen sie die Zentrale der DE (Deutschen Energie) und nehmen die Chefin als Geisel. Doch dann wissen sie nicht weiter. Parallel läuft die Demo weiter durch Berlin, wird von der Polizei verfolgt und besetzt die Baustelle einer Pipeline. Wut und Verzweiflung treibt die Aktivisten an und hat natürlich Folgen. Hauptsächlich folgen wir den Geschehnissen und Gedanken aus der Perspektive von Vallie, aber auch Sara, ihrer Freundin, und Wassim kommen zu Wort, indem uns Thelen die Vergangenheit der jungen Protagonisten beleuchtet, ihren unterschiedlichen Backgrounds, ihre ganz persönlichen Gründe, sich der Klimabewegung anzuschließen. Das ist für mich sehr schlüssig dargestellt. Auch den spontanen Affekt, die DE zu stürmen. Nur würde ich es nicht Wut, sondern Verzweiflung nennen. Thelen will zeigen, dass Wut alte Denkmuster aufbrechen und zu neuen Lösungen führen kann, so sein O-Ton in einem Interview. Er ist der Meinung, es braucht mehr Wut, um die großen Ziele zu erreichen. Bin ich ganz bei ihm und ich finde, das alles hat er bis auf eine Ausnahme, die für mich inakzeptabel war (Robert, der nicht schlüssig bis zum Ende gezeigt wurde), auch plausibel dargestellt. Über das Buch zu schreiben ist mir nicht leicht gefallen, denn dafür ist es einfach zu nah an den aktuellen Geschehnissen dran, die ich nur schwer ausblenden kann. Soll es nun eine reine Fiktion sein oder sollen hier Möglichkeiten aufgezeigt werden? Jetzt im Nachhinein bleibt seine Geschichte für mich zweigeteilt. Bis zum Ende der Demo, die übrigens in einem filmreifen Ende gipfelt, fühlte es sich für mich sehr glaubhaft an, nah an einem denkbaren Szenario. Allerdings ist seine abschließende Zukunftsutopie aus der Luft gegriffen, auch wenn es für ihn persönlich vorstellbar ist. Das hat die durchweg gute Story für mich zerstört. »Was wir brauchen, ist nicht ihr Weiterso, sondern einen Neuanfang. Was wir brauchen, ist nicht ständige Angst, die uns eng, klein und hilflos macht, sondern Mut, Weite und Liebe.« S.152 … schreibt er kurz vor dem Ende. Ja, da stimme ich ihm zu. Aber Neuanfang bedeutet für mich eine Veränderung von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen, denn nur so lassen sich auch viele andere Missstände, für die heute gekämpft wird, angehen und überwinden. Hätte das Buch etwas mehr Umfang gehabt und wäre ein Weg dorthin sichtbar gewesen, hätte ich ihm gern auch seine utopischen Ausblicke abgenommen. Aber so steht dieser Blick auf eine komplett andere Gesellschaftsordnung, die aus illusorischen Lebensmodellen besteht, isoliert am Ende. Aber gut, jeder Generation hat ihre Träume, ich lasse sie träumen. Allgemein hätte das Buch gern etwas wütender sein dürfen, weniger verzweifelt. Für mich ist das Buch leider kein Hoffnungsträger, auch wenn ich voll hinter den zu erreichenden Zielen stehe. Das mag aber an meiner Erwartung gelegen haben. Fazit Ich würde das Buch gern allen empfehlen, die sich mit der Thematik auseinandersetzen wollen, denn es bietet in jede Richtung kritischen Diskussionsstoff.
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