Eva googelt: Scheidungsberatung.
Was macht Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies? Sie beendet die Missbrauchsbeziehung mit Adam, kommt im Jetzt an und versucht, ihr Leben selbstbestimmt neu aufzubauen.
Der Apfel, die Schlange, die Erkenntnis, die Schuld, die Vertreibung, das Leben danach. Was, wenn Eva heute leben würde und sich aus der gewaltvollen Beziehung mit Adam befreien könnte? Die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben hätte?
Simone Hirth nimmt das biblische erste Menschenpaar als Ausgangspunkt für eine Parabel, die unversehens in der Gegenwart landet - toxische Männlichkeit, Arbeitslosigkeit und Scheidungsprozess inklusive. Sie rechnet gnadenlos ab mit dem patriarchalen Erbe unserer Gesellschaft und öffnet die Tür zu einem anderen Lebensentwurf.
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So ein wichtiges feministisches Buch
MarieOn am 08.01.2024
Bewertungsnummer: 2104660
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Der Apfel ist Wissen, der Apfel ist Lust, der Apfel ist Neugier, der Apfel ist eigener Wille, der Apfel ist Unabhängigkeit, der Apfel ist Reflexion, der Apfel ist Verantwortung, der Apfel ist auch Schuld. Der Apfel ist jedenfalls verboten. Warum eigentlich? Wer möchte, dass dieser Apfel nicht gegessen wird? S.9
Eva hat vom Baum der Erkenntnis genascht. Sie hats getan! Hat sich von der falschen Schlange einlullen lassen und den Apfel gekostet, das dumme Ding. Nun ist es vorbei mit Adams Bequemlichkeit und sterblich ist er auch noch. Gott ist sauer und schmeißt beide raus, aus seinem Garten Eden.
Eva landet 2023, am Wiener Hauptbahnhof. Kälte und Neugier treibt sie in die Stadtbibliothek, dort trifft sie – was für ein Zufall – Magdalena, Jesu damalige Geliebte. Eva kommt bei Magdalena unter, bekommt ein Bett, in ihrer kleinen Wohnung.
Seit Eva weiß, dass sie von Adam schwanger ist, fühlt sie sich von Gott gestalkt. Von da oben raunt er ihr ins Ohr, dass sie zur Vernunft kommen soll. Er habe es nur gut mit ihr gemeint. Ihr alles zukommen lassen, was sie für ihre weibliche Entwicklung gebraucht habe. Und der Adam sei ein guter Mann.
Adam erfährt natürlich, dass Eva schwanger ist. Er akzeptiert ihre Scheidungswünsche nicht, bezichtigt, beschimpft und bedroht sie am Telefon, bis sie nicht mehr rangeht. Der Druck, den Adam und Gott auf sie ausüben, brennt ihr die Magenschleimhaut weg.
Fazit: Was für eine Geschichte. Zuerst dachte ich, das wird eine Satire. Worum es tatsächlich geht, traf mich daher unvorbereitet. Simone Hirth baut ihre Geschichte rund um Eva und ihre beste Freundin Magdalena auf, die ihr in dieser neuen Welt, Halt und Sicherheit gibt. Gott und Adam stehen stellvertretend für das Patriarchat, das um Machterhalt kämpft und Eva durch Drohungen, mürbe macht. Sie unterstellen ihr Unwahrheiten, die ihre Selbstzweifel vergrößern und ihren Selbstwert torpedieren. Die Geschichte ist ein Paradebeispiel für die Mechanismen einer toxischen Beziehung. Zum Ende, spitzt sich die Geschichte so gekonnt zu, dass ich, ob der Eskalation starke Emotionen hatte. Entsetzen, Wut, Hilflosigkeit. Was für eine gekonnte Inszenierung, die leider, leider, weltweit soviele Frauen betrifft: Gewalt und Femizid! Was für ein wichtiges Buch. Es sollte an Schulen gelesen werden.
Sprachgewaltige und aufregende Parabel!
Lust_auf_literatur am 04.10.2023
Bewertungsnummer: 2036480
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieser Roman ist furchtbar.
Furchtbar wichtig, furchtbar aktuell und auch noch furchtbar gut!
Die deutsch-österreichische Autorin Simone Hirth hat mit “Malus“ eine wahnsinnige Parabel über unsere patriarchale Gesellschaft geschrieben, in der noch viel zu oft toxische Männlichkeit regiert und unser Zusammenleben vergiftet.
Hirth lässt die biblischen Figur Evas das Paradies verlassen, nachdem sie (natürlich) einen Apfel gegessen hat und erkennt, dass ihre Beziehung zu Adam missbräuchlich und übergriffig ist.
Eva landet im jetzt und hier oder besser gesagt in Wien Meidling. Sie ist ungeplant schwanger mit Adams Kind und möchte für sich und das Kind ein selbstbestimmtes Leben aufbauen.
Eva trifft auf Magdalena, die ebenfalls ihr biblisches Leben hinter sich gelassen hat und ihr hilft, sich in ihrem neuen Leben zurecht zu finden. Gibt ihr den weiblichen Kanon der feministischen Literatur zu lesen: Wolf, Woolf, Streeruwitz, Atwood, Ernaux und viele mehr.
Doch da ist immer noch der verlassene Adam in seiner gekränkten Männlichkeit. Er ist wütend und gibt (natürlich) Eva für alles die Schuld.
Seine wiederkehrenden Sätze („wer glaubst du wer du bist?“, „Du wirst schon sehen, was Du davon hast!“) triggern auch mich gewaltig und rühren an meine Grundängste.
Das wiederkehrende und titelgebende Symbol des Apfels steht für vieles. Für Selbsterkenntnis (natürlich) im wahrsten Sinne des Wortes, für weibliche Selbstermächtigung, und für solidarische Schwesternschaft.
Ein toller, zutiefst feministischer Roman mit ganz vielen aktuellen Bezügen, sei es zur misogynen Rechtssprechung in Scheidungsprozessenn oder zu den Missständen in der Geburtshilfe. Eine Parabel, in der Eva singt „I‘m every woman“. Die Auseinandersetzung mit dem patriachalen Gott, der Adam protektioniert, gefällt mit als Atheist*in (natürlich) auch richtig gut.
Von mir gibt es eine große Empfehlung für diesen deutlichen und aufregenden Roman, der auch noch großartig zu unterhalten weiß. Ich habe mit „Malus“ die Autorin Hirth erst neu entdeckt, möchte aber dringend noch weitere Romane von ihr lesen.
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