Richard Fords berühmteste Figur, Frank Bascombe, ist zurück. Und nun, mit 74, wird seine unangefochtene Meisterschaft, auf lässige Weise den Frieden mit sich und dem Leben zu machen, noch einmal extrem gefordert. Sein Sohn Paul, 47, ist krank, ihm bleibt nicht viel Zeit. Eng waren beide nie, doch jetzt verbindet sie die Bereitschaft, sich mit ungelenker Liebe auf das Kommende einzulassen, und ihr Blick für die Komik des Abseitigen. Für ein letztes Abenteuer mieten sie ein Wohnmobil, einmal von Minnesota bis zum Mount Rushmore - der Weg ist das Ziel.
Ford, der große Chronist des modernen Amerika, schickt seine Helden auf eine Odyssee durch die scheinbar banalen Attraktionen im Herzen des Landes und zeigt uns mit jeder kleinen Provinzhölle eine neue Facette des amerikanischen Lebens, das wir so gut zu kennen glauben.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
dracoma
aus LANDAU
5/5
01.10.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Frank Bascombe, dieser…
Frank Bascombe, dieser amerikanische Durchschnittsmann, ist wieder da. Wie sein Autor, der demnächst 80 Jahre alt wird, ist auch Frank Bascombe gealtert: er ist 74. Franks Leben steht vor einer besonderen Herausforderung. Sein Sohn Ralph ist bereits früh verstorben, die Ehe zerbrach an diesem Verlust, und nun begleitet er seinen Sohn Paul, der an der tödlichen Krankheit ALS leidet und bald sterben wird. Der Plot ist eigentlich schnell erzählt: Vater und Sohn kaufen ein klappriges Wohnmobil und starten eine Tour zu den Absurditäten und Verrücktheiten der USA. Im Mittelpunkt steht dabei der Besuch des Mount Rushmore in Süd-Dakota, der Berg, in den die vier monumentalen Köpfe der Präsidenten George Washington, Thomas Jefferson, Abraham Lincoln und Theodore Roosevelt eingehauen sind. Ein Nationaldenkmal, ein Sinnbild des amerikanischen Selbstverständnisses und der Demokratie. Vater und Sohn sehen den organisatorischen Aufwand, die Parkplätze, die Menschenmassen, die pompöse Zugangsallee, die vielen Andenkenläden, den ganzen Konsum um dieses Denkmal herum, und sie sehen, dass das Denkmal bröckelt. Diese Feststellung ist typisch für den ganzen Roman: nicht nur das Denkmal, dieser Shrine of Democracy, bröckelt, sondern auch das Land. Ford und sein Protagonist scheinen hier zu verschmelzen, wenn sie sehr genau beobachten und beschreiben. Die Furcht vor Amokschützen in öffentlichen Freiplätzen, der ungebremste Konsum in Einkaufsparadiesen, die Negierung ethnischer Rechte, heruntergekommene und überteuerte Motels, Fast-Food-Ketten, ein Casino, das von Indianern betrieben wird, endlose Straßen, endlose Vororte, touristisch aufgemotzte Orte, ein bizarres Maismuseum, die Mayo-Klinik als perfekt durchorganisierter riesiger Gesundheitspark, der den Tod negiert, und natürlich Trump - das ist der Blick, den Autor + Protagonist dem Leser vermitteln: ein ernüchternder Blick auf ein zerbröckelndes Land. Das Verhältnis Vater-Sohn war nie das Beste, dennoch beschließt Frank, sich um den Sohn zu kümmern. Er beobachtet die schleichende Verschlechterung von Pauls Zustand, er registriert seine Muskelzuckungen, die zunehmende Muskelschwäche, die zu Stürzen führt, und seine Probleme beim Kauen und Sprechen. Es wäre also Zeit für das große Resümee, das die Klinik empfohlen hat. Und genau das tun sie nicht. Die Beiden reden viel, sie machen Witze, sie pflaumen sich an, aber sie reden nicht über die Dinge, die anstehen: Pauls Sterben und Tod. Aber hinter all den verbalen Spielereien klingt immer Franks tiefe Trauer über die Erkrankung des Sohnes heraus. Und diese verhaltene Mischung aus Tragik und Komik, aus Leid und Ironie macht den Roman anrührend bis zum letzten Satz. Die Gedanken von Vater und Sohn kreisen um die Frage, woraus ein gutes Leben besteht. „Ein tolles Leben habe ich nicht hingelegt“, sagt der Sohn, und der Vater darauf: „Aber du hast dich ordentlich geschlagen.“ Damit sind sie beide zufrieden. Frank verzichtet darauf, mit dem Schicksal zu hadern und nach dem Warum zu fragen. Er lehnt sich nicht auf, sondern beugt sich und nimmt das Schicksal an, das ihm zugewiesen ist. Die Frage nach dem Glück beantwortet er nüchtern und in Anlehnung an Augustinus so, dass Glück die Abwesenheit von Unglück ist. Und was ist ein gelungenes Leben? Die Antworten des Vaters auf diese Frage werden dem sterbenden Paul vorgelesen. Der Roman schließt mit dieser tröstlichen Aussage: Nicht alles hat Sinn und Zweck, vieles macht man nicht, obwohl man es machen wollte oder sollte, und auch wenn nicht alles klappt, wie es sollte, hat man trotzdem ein gelungenes Leben geführt. Der Roman wurde perfekt und kongenial übersetzt von Frank Heibert, Chapeau!! Schade, dass das Nachwort der Print-Ausgabe im Hörbuch nicht enthalten ist! Ebenso perfekt ist die Einlesung von Christian Brückner, dessen variationsstarke Stimme v. a. in den Dialogen überzeugt.
Bewertung
5/5
18.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Übersetzung
Hervorragende Übersetzung aus dem Englischen. Die amerikanischen Dialektausdrücke und der Slang wurden gut getroffen. Der Autor beurteilt allerdings die Gegend in Minnesota, South - und Northdakota, (die ich einigermassen kenne) zu negativ.
Bewertung
5/5
11.09.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Großes Kino
Einfühlsam Bunt.,Ein Kaleidoskop über das Leben über in farbiger Sprache in Form eines Whiskeys mit komplexen Geschmack.
Eines der besten Bücher die ich seit 10 Jahren gelesen habe! Sehr empfehlenswert.
Edith Berger
aus 3istau
5/5
30.08.2023
Hörbuch (Audio)
großartig, was sonst
Frank Bascombe is back. Mittlerweile 74 Jahre alt wird er erneut von einem Schicksalsschlag getroffen. Sein Sohn Paul, 47 Jahre alt ist unheilbar krank. Seine Zeit ist eng bemessen. Obwohl bereits schwer gehandicapt wünscht er sich einmal Amerikas Nationaldenkmal den Mount Rushmore zu sehen. Nahe standen sich Vater und Sohn nie, dennoch wagen sie dieses letzte, gemeinsame Abenteuer und machen sich mit einem Campingwagen auf die Reise.
Christian Brückner hat genau die richtige Stimme um diesen großartigen Roman perfekt zu erzählen.
begine
aus Lemwerder
5/5
21.08.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Abschied
Richard Ford ist ein bekannter Schriftsteller aus Amerika. Sein Roman Valentinstag ist wieder ein berührender Roman.
Es geht wieder um Frank Bascombe.
Dieses Mal ist es ein noch ernstes Thema. Er ist 74 Jahre alt und sein 47jähriger Sohn Paul ist todkrank. Frank begleitet ihn 10 Monate lang.Das kostet ihm viel Kraft, körperlich und emotional.
Wenn der in der Klinik zur Therapie ist, lässt Frank seine Gedanken spazieren gehen.
Die schwere Zeit lässt der Autor detailliert und authentisch Mit seiner brillante und großartiger Sprache
Zieht er den Leser in seinen Bann.
Das Buch ist ein gelungenes Werk.
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4/5
15.01.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein letztes Vater-Sohn-Abenteuer...
Ein letztes Vater-Sohn-Abenteuer im Wohnmobil auf einer Reise zueinander und in die Provinz des amerikanischen Lifestyles. Unkonventionell, komisch und nachdenklich.
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4/5
26.11.2023
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sehr detaillierter und emotionaler...
Ein sehr detaillierter und emotionaler Roman und mein erster über Frank Bascombe. Er hat schon viele Schicksalsschläge hinter sich, nun verbringt er seine Zeit mit seinem todkranken 47-jährigen Sohn. So wie die Gedanken meist wild kommen, liest man die von Frank. Facettenreich.
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