Was wäre, wenn nicht Siegfried der Drachentöter, der eigentliche Frauenheld, sondern Kriemhild, burgundische Königstochter und spätere Frau des Hunnenkönigs Etzels, die Heldin des Nibelungenliedes wäre? Wer mag den verschollenen Urtext, auf den die berühmtesten drei Handschriften beruhen, die alle um das Jahr 1200 entstanden sind, zu Pergament gebracht haben? War es etwa kein Spielmann, Ritter oder Kleriker, sondern eine Nonne in der Passauer Abtei Niedernburg? Zwischen Wahrheit und Fiktion zeichnet Conny Burians autobiografisch erzählter Roman die Lebenslinien gleich zweier Frauen nach, Kriemhild und Hilde, und lässt beide, Protagonistin und Verfasserin des größten deutschen Heldenepos, in neuem Licht erscheinen.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Conny Burians autobiografische erzählter Roman geht der Frage nach, ob es eventuell eine Nonne in der Abtei Niedernburg gewesen sein könnte, von der die Urschrift des Nibelungenlieds stammt. Hilde, die Tochter eines Adelsfreien, die sehr frei aufgewachsen ist, verweigert die für sie mit gerade mal 12 Jahren geplante Hochzeit mit einem Adligen. Stattdessen geht sie auf die Burg eines mit ihrem Vaters befreundeten Ritters und lernt dort Lesen, Schreiben, Rechnen und Latein, macht sich mit ihrem ungestümen Wesen auch Feinde. Weil sie besser lernt als ihre männlichen Mitschüler, darf sie Volkers Bruder als männlicher Tutor verkleidet zum Studium nach Worms begleiten. später begleitet sie als Chronistin den Wendenfeldzug. Immer wieder stürzt ihr unkonventionelles impulsives Handeln sie und alle die ihr nahestehen ins Verderben. Schließlich landet sie zur Strafe im Kloster Niedernburg. Hier lernt sie wertvolle Bücher zu kopieren und die Gemeinschaft der Frauen zu schätzen. Zuletzt lernt sie einen Dichter kennen, der schwer krank ihr das Nibelungenlied diktiert und da er es vor seinem Tod nicht beenden kann, spinnt Hilde die Geschichte weiter...
Meine Meinung: Ich habe mich mit dem Einstieg in das Buch ein wenig schwer getan, die autobiographische Erzählweise war für mich nicht passend. Hilde war mir auch nicht sympathisch, zu impulsiv und unüberlegt, hatte ihr Handeln oftmals schlimme Folgen für die, die ihr nahestanden. Aber je länger ich gelesen habe, desto begeisterter war ich: Der Roman ist sehr gut recherchiert und sorgt für jede Menge geschichtliche Bildung quasi nebenbei. Auch das Leben der Frauen in dieser Zeit mit all seinen Einschränkungen kommt gut zur Geltung. Als Leser erfährt man viel über das Leben und Kloster und begegnet Hildegard von Bingen. Gefallen haben mir auch die Parallelen zum Nibelungenlied und die Auszüge aus diesem. Erschreckt haben mich die damaligen Judenprogrome, die sich in späteren Jahren immer wieder wiederholen sollten... Die Idee, eine Frau das Nibelungenlied schreiben zu lassen und die weibliche Sichtweise der Ereignisse zu betonen, hat mir sehr gut gefallen.
Insgesamt deshalb eine klare Leseempfehlung!
Bewertung
aus Glauchau
4/5
05.03.2024
Buch (Taschenbuch)
Hildes Leben und das Nibelungenlied
„...Frauen ziehen nicht in den Krieg. Du wirst einen hochangesehenen Mann heiraten...“
Diese Worte hört Hilde von ihrer Mutter. Hilde sieht das aber anders. Sie ist relativ frei aufgewachsen und benimmt sich mehr wie ein Junge. Ihre Familie gehört zum niederen Ad
Die Autorin hat einen spannenden historischen Roman geschrieben, der im 12. Jahrhundert spielt. Der Schriftstil gibt die Zeitverhältnisse gut wieder.
Hilde ist eine selbstbewusste junge Dame. Mit 12 Jahren soll sie verheiratet werden. Doch ihr zukünftiger Gatte erweist sich als übergriffig. Hilde wehrt sich.
Nun führt sie ihr Weg auf Burg Tronck. Dort sorgt Volker dafür, dass sie Lesen, Schreiben und Latein lernt. Schnell überflügelt sie die Jungen, mit denen sie unterrichtet wird. Zurückhaltung liegt nicht in ihrem Wesen. Dadurch macht sie sich schnell Feinde.
Um ihre Sicherheit zu gewährleisten, schickt sie Volker, verkleidet als junger Mann, nach Worms. Dort soll sie seinen Bruder beim Studium unterstützen. Gut dargestellt wird, wie es damals in Studentenkreisen zugeht. Hilde ist sauer und lässt das auch Volker wissen.
„...Wer von niedriger Geburt ist, taugt also nichts, ganz egal, wie klug oder fleißig er ist?...“
Hildes Problem ist, dass sie sehr stur sein kann und immer ihren Kopf durchsetzen will. Das sorgt für Reibereien und Schwierigkeiten. Dass ihr Verhalten anderen massiv schadet, kann oder will sie nicht begreifen. Ab und an werden im Verlauf ihres Lebens die Parallelen zum Leben der Krimhild aus dem Nibelungenlied deutlich.
Ich kann es auch anders formulieren. Hilde schreibt im letzten Teil der Geschichte das Nibelungenlied und lässt dabei ihre eigene Geschichte mit einfließen.
Wichtige historische Ereignisse werden geschickt in die Handlung integriert. Das sind der Feldzug gegen die Wenden und die Krönung Friedrichs.
Außerdem erfahre ich einiges über das Leben in einem Kloster, das anfangs erstaunlich freizügig war. Hildegard von Bingen besucht dieses Kloster. Ihre Worte haben uns auch heute noch viel zu sagen:
„...Wir sind von der Natur abhängig, wir müssen sie schützen und im Einklang mit ihr Leben, oder wir werden nie Frieden und Harmonie finden...“
Natürlich tauchen auch andere historische Personen in der Geschichte auf. Auf ein Thema möchte ich noch kurz eingehen. Nach Judenprogromen in der Nähe des Klosters flieht eine junge Frau ins Kloster und darf bleiben. Ihre Visionen, die sie extrem verstören, werfen einen Blick ins 20. Jahrhundert.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen, auch wenn mir die Protagonistin nicht sympathisch war. Dafür war sie zu selbstbezogen und nicht bereit, die Grenzen des Machbaren zu akzeptieren.
Bewertung
5/5
23.03.2024
eBook (ePUB)
Die Nibelungen aus anderer Sicht
Als Niederrheinerin ist mir die Nibelungensage bekannt. In diesem Buch geht es um die Geschichte aus Sicht der junge Hilde, sie ist von niederem Adel. Hilde isterst zwölf. als sie verheiratet werden soll, der zukünftige Gatte ist übergriffig, dass lässt Hilde sich nicht bieten, sie wehrt sich und wird auf die Tronck-Burg geschickt. Dort erkennt Volker sehr schnell, das Hilde sehr gut lernt und die Jungen überflügelt. Volker schickt sie als Junge verkleidet nach Worms, dort soll sie seinen Bruder unterstützen. Hilde ist zwar ein einfaches Mädchen, weiß aber ihren Kopf durchzusetzen. Sie merkt dabei nicht, wenn sie Schaden anrichtet. Die Nibelungen Sage mal mit anderen Augen lesen hat mit gefallen. Vieles in Hildes Leben hat sich bei Krimhild ähnlich abgespielt. Mir hat das Buch gefallen. Gut recherchiert und verständlich geschrieben. Auch auf das Wirken der Hildegard von Bingen wird bezug genommen. Empfehlenswert!
PMelittaM
aus Köln
2/5
12.03.2024
eBook (ePUB)
Konnte mich nicht überzeugen
Das Nibelungenlied ist das bekannteste hochmittelalterliche Epos, doch wer es geschrieben hat, weiß man nicht. Conny Burian hat die Theorie, dass es eine Frau gewesen sein könnte, in ihrem Roman verarbeitet, in dem sie dieser Frau zusätzlich ein abenteuerliches Leben verpasst.
Ich hatte mich auf den Roman gefreut, ich liebe historische, gut recherchierte Romane, die mir zusätzlich zu einer guten Geschichte auch noch ein Stück Historie vermitteln. Die Nibelungen sind mir in meiner Lesebiographie schon oft auf die eine oder andere Weise begegnet, vor vielen Jahren habe ich sie zum Teil sogar im Original gelesen, ich war gespannt auf Conny Burians Geschichte.
Leider, um das vorwegzunehmen, hat der Roman mir keine Freude gemacht. Eine sehr unangenehme Protagonistin, lediglich oberflächlicher historischer Hintergrund, und eine Geschichte, bei der für mich vieles nicht passt, nein, das ist so gar nicht meins. Ich will versuchen, näher darauf einzugehen.
Die Geschichte spielt im 12. Jahrhundert. Hilde ist „adelsfrei“, einziges Kind ihrer Eltern, und landet nach vielen Abenteuern unfreiwillig im Kloster Niederburg. Die Geschichte dieses realen Klosters wird in die Geschichte eingebaut, es soll auch im Nibelungenlied erwähnt worden sein. In diesem Kloster trifft Hilde übrigens auch auf Hildegard von Bingen, die in meinen Augen allerdings nicht ganz korrekt dargestellt wird.
Die Geschichte wird von Hilde selbst in Ich-Form erzählt. Dabei stellt sie sich immer wieder als besonders klug und gebildet dar, auch andere charakterisieren sie so. Angeblich konnte sie, direkt nachdem man ihr das Alphabet erklärt hat, fehlerfrei lesen. Für mich ist sie allerdings jemand, die ein paar Talente hat, vor allem, was Lesen und Schreiben angeht, ansonsten aber eher naiv ist, und ihr eigenes Verhalten kaum reflektiert.
Hilde ist jemand, die im Grunde tut was sie will, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Das führt zu einigen Katastrophen, auch für sie persönlich, sie lernt aber nichts daraus. Ob eine Frau im Hochmittelalter wirklich so handeln konnte, wie sie, bezweifele ich, und hätte mir im Nachwort ein Statement der Autorin dazu gewünscht. So erhält Hilde zum Beispiel eine besondere Ehrung durch den damaligen Kaiser, was ich persönlich für unmöglich halte.
Eine wichtige Rolle spielt der Wendenkreuzzug, hier kommt zumindest ein bisschen Historie ins Spiel, ich hätte ich mir aber auch hier etwas mehr historischen Tiefgang gewünscht. Hilde wird aufgefordert, als Chronistin mitzukommen, dafür hätte sie durchaus Hintergrundinformation haben können. Immerhin habe ich aber etwas über die Ranen erfahren, die ich bisher noch nicht kannte, was mich dann auch zum Googeln animiert hat. In meinen Augen wird Hildes Leben nur am Rande in den realen historischen Hintergrund eingebaut, das habe ich in anderen Romanen schon besser gelesen. Insgesamt hatte ich öfter das Gefühl, dass der historische Hintergrund nicht stimmig ist, wenn z. B. von „Kilometern“ gesprochen wird, eine Längeneinheit, die es damals nicht gab. Dadurch wirkt die Geschichte immer wieder wenig authentisch.
Während des Lesens konnte ich so einiges nicht nachvollziehen, z. B. wie Hilde zu ihrem ersten Ehemann, Rüdiger, kam. Hier habe ich besonders heftig mit dem Kopf schütteln müssen. Nicht nur Rüdigers Handeln hier ist in meinen Augen vollkommen unglaubwürdig. Wenn ich eine Geschichte lese, muss ich schon das Gefühl haben, dass es so hätte sein können. Hatte ich in diesem Roman leider sehr oft nicht.
Die Antagonisten sind vor allem böse, haben keine Grautöne, und auch bei ihnen frage ich mich oft, warum sie so handeln. Auch hier reflektiert die Protagonistin kaum. Hilde kommt übertrieben oft in Lebensgefahr, das wirkt, wie vieles andere auch, aufgesetzt.
Nicht alles finde ich schlecht, immer wieder gab es auch Dinge, die mir gut gefielen, z. B. einiges von ihrer Zeit in Worms, oder wie das Nibelungenlied letztlich entsteht. Leider kamen dann immer wieder Kopfschüttel-Szenen. Ich habe den Roman zweimal unterbrochen, um ein anderes Buch zu lesen, weil ich Abstand brauchte, und ein bisschen die Hoffnung hatte, doch noch hineinzufinden. Aber für mich stimmte hier einfach viel zu wenig, eine Protagonistin, die ich immer weniger mochte, deren Handeln oft nicht nachzuvollziehen war, die anderen Charaktere größtenteils blass und auch mit nicht immer nachvollziehbarem Handeln, eine Geschichte mit, in meinen Augen, vielen Unstimmigkeiten, und viel zu wenig Tiefgang beim historischen Hintergrund.
Die Geschichte ist, wie das Nibelungenlied in Aventurien aufgeteilt, es gibt auch viele Anspielungen auf dieses, das ja unter anderem auf schon lange vorher bekannten Legenden aufbaut. Aber auch manche Namen kommen einem bekannt vor.
Manches hätte vielleicht ein ausführliches Nachwort noch gut machen können, in dem die Autorin über ihre Recherche, über Fakten und Fiktion und über ihre Intention, diesen Roman zu schreiben, hätte erzählen können. Es gibt zwar ein Nachwort, dieses ist aber viel zu knapp, und bezieht sich vor allem auf das Nibelungenlied. Ich glaube, dass Conny Burian viel Wissen zu diesem Epos mitbringt, aber in meinen Augen hat sie zu sehr versucht, die Geschichte damit in Beziehung zu bringen. Warum habe ich den Roman überhaupt zu Ende gelesen? Nun, ich hatte mich dazu verpflichtet. Wahrscheinlich merkt man, dass es mir nicht leicht gefallen ist, eine Rezension zu schreiben, ich hoffe, ich konnte dennoch vermitteln, warum ich diesen Roman so gar nicht mag.
Für mich war dieser Roman leider ein Reinfall. Ich hatte nicht nur etwas anderes erwartet, sondern hatte auch ständig ein ungutes Gefühl beim Lesen, vieles erschien mir nicht stimmig. Leider kann ich somit auch keine Leseempfehlung aussprechen.
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