Martha und die Ihren

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Beschreibung

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

24.04.2024

Verlag

Diogenes

Seitenzahl

304

Maße (L/B/H)

18,5/12,2/2,6 cm

Beschreibung

Rezension

»Lukas Hartmann entfaltet eine große poetische Kraft, voller Sensibilität und beredter Stille.«
»Lukas Hartmann kann das: Geschichte so erzählen, dass sie uns die Gegenwart in anderem Licht sehen lässt.«
»Lukas Hartmann ist so etwas wie ein Archäologe unter den großen zeitgenössischen Schweizer Autoren. Für seine Romane vergräbt er sich in der Vergangenheit und fördert Spannendes zutage.«
»Ein Virtuose des historischen Romans.«
»Einer der erfolgreichsten Autoren der Schweiz.«
»Lukas Hartmann entfaltet eine große poetische Kraft, voller Sensibilität und beredter Stille.«
»Lukas Hartmann ist so etwas wie ein Archäologe unter den großen zeitgenössischen Schweizer Autoren. Für seine Romane vergräbt er sich in der Vergangenheit und fördert Spannendes zutage.«
»Lukas Hartmann kann das: Geschichte so erzählen, dass sie uns die Gegenwart in anderem Licht sehen lässt.«

Details

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

24.04.2024

Verlag

Diogenes

Seitenzahl

304

Maße (L/B/H)

18,5/12,2/2,6 cm

Gewicht

321 g

Auflage

2.Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-257-07273-0

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EINE KARGE FAMILIENGESCHICHTE

Sascha Malz aus Niedersachsen am 14.06.2024

Bewertungsnummer: 2222943

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Die Geschichte um Martha (und die Ihren) hat mich sofort abgeholt. Ich mag solche Erzählungen vom Leben eines Menschen, von seiner Familie, von den Lebensumständen - gerade von denen, die man so heute nicht mehr kennt. Wir befinden uns zu Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Martha und ihre Geschwister sind das einfache Leben gewöhnt, sie leben auf einem Pacht-Hof, der sie mehr schlecht als recht versorgt; der Vater arbeitet zudem als Brunnenbauer, sucht mit der Rute Wasser für die Bauern. Doch eines Tages wird das Leben der Familie durcheinandergewirbelt. Der Vater wird beim Brunnenbau durch eine Explosion schwer verletzt und soll sich nicht wieder erholen. Er stirbt und die Mutter kann den Hof und die Familie nicjht halten. Die Kinder werden verdingt (ein Ausdruck den ich kannte und doch nicht kannte). …Die Kinder werden verdingt, auch das ist ein neues Wort für Martha. Später wird sie denken, dass das Wort ja stimmt, sie sind zu Dingen geworden… Die Kinder werden in verschiedene Familien gegeben, um dort aufzuwachsen - doch wird Martha nie zu einem wirklichen Familienmitglied werden; wobei sioe es noch nicht einmal schleht getroffen hat. Zunächst erhält sie zu wenig zu Essen - sie sitzt ganz hinten am Tisch, dort wohin die Speiseschüsseln als Letztes gelangen - und wird als Nachmittagsaufsicht für den geistig behinderten Sohn eingeteilt. Dieser ist ihr jedoch kräftemässig überlegen, so dass sie von ihm Gewalt erfährt und gezwungen ist, Gewalt auszuüben. Ein aufmerksamer Lehrer - der auch ihre Begabung in der Schule erkennt und sie fördert - erkennt ihre Misere und verhilft ihr - durch ein Gespräch mit den Pflegeeltern einen besseren Stand in der Famile; allerdings wächst dadurch auch eine neue Kluft zwischen der Familie und Martha. Martha erkennt, dass sie für sich selbst sorgen muss und bemüht sich um eine Anstellung in einer Strickerei. Sie arbeitet hart, schafft es jedoch, bei der Pflegefamilie einen Anteil für Kost und Logis abzugeben und sich zudem Geld für ein Fahrrad zusammenzusparen. Insgesamt erkennt sie, dass Leistung und Anstrengung honoriert wird. Und diese Erkenntnis prägt ihr gesamtes Leben. Immer ist sie bestrebt, es im Leben besser zu haben - und dafür ist sie bereit alles zu geben. Auch als sie schließlich heiratet, übernimmt sie bald Arbeiten im Betrieb ihres Mannes. Dieser wird bald krank und immer schwächer - schließlich steht sie - mittlerweile mit zwei Kindern - wieder allein da. Doch sie gibt nicht auf. Sie kämpft sich wieder hervor - und ihr Leben bleibt eine einzige Mühe - um Annerkennung (in der Gesellschaft), begrenzten Wohlstand und Sicherheit. In dieses Leben investiert sie all ihre Kraft - für ihre Söhne bleibt wenig Raum; Nähe und Zuwendung kennen sie nicht. …Zeit kann man sich nehmen, ich nahm sie mir nie. Der Unsichtbare hat sie aufgefressen, und er ist wieder da, gönnt sie mir nicht…. Doch eines gibt sie ihnen - besonders dem älteren - mit: Das Streben nach Anerkennung und Wohlstand. Und bei ihm wird es fast zur Zwanghaftigkeit. Die nächste Generation hingegen befreit sich aus diesem Zwang und geht andere Wege. Wobei diese Rebellion Vater und Sohn fast entzweit. …Und er fügte einen Satz hinzu, den sie ihm nicht zugetraut hätte: »Er will zu viel von sich.«… Inhaltlich soll hier nicht zu viel verraten werden. Der Autor hat es meiner Meinung nach geschafft, existentielle Lebensprobleme in einer ruhigen und doch kraftvollen Art zu erzählen, die den Leser mitnimmt, auf eine Reise durch drei Generationen. Drei Generationen, die immer etwas mit auf den Weg bekommen, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen, was sie meistern müssen und es auf die eine oder andere Art schaffen - oder auch nicht. Dabei nimmt der Autor auch die einfließenden Personen (Ehefrauen, Ehemänner, Schwiegereltern etc.) mit auf, stellt sie vor identische oder auch neue Probleme und Herausforderungen. Wir erleben hier eine Familien-Geschichte, die nicht zur Saga aufgebauscht wird und trotzdem voll ist von Konflikten und zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Hier und da verläuft sich der Autor dann doch ein wenig in den Geschehnissen, was mich dann selbst etwas hat abschweifen lassen, in den Gedanken. Insgesamt aber ein Werk, welches ich gern gelesen habe. Von mir gibt es hier 4 von 5 Sternen. Und eine Empfehlung für alle, die gute Familiengeschichten mögen, die etwas zu erzählen wissen.
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EINE KARGE FAMILIENGESCHICHTE

Sascha Malz aus Niedersachsen am 14.06.2024
Bewertungsnummer: 2222943
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Die Geschichte um Martha (und die Ihren) hat mich sofort abgeholt. Ich mag solche Erzählungen vom Leben eines Menschen, von seiner Familie, von den Lebensumständen - gerade von denen, die man so heute nicht mehr kennt. Wir befinden uns zu Anfang des 20. Jahrhunderts in der Schweiz. Martha und ihre Geschwister sind das einfache Leben gewöhnt, sie leben auf einem Pacht-Hof, der sie mehr schlecht als recht versorgt; der Vater arbeitet zudem als Brunnenbauer, sucht mit der Rute Wasser für die Bauern. Doch eines Tages wird das Leben der Familie durcheinandergewirbelt. Der Vater wird beim Brunnenbau durch eine Explosion schwer verletzt und soll sich nicht wieder erholen. Er stirbt und die Mutter kann den Hof und die Familie nicjht halten. Die Kinder werden verdingt (ein Ausdruck den ich kannte und doch nicht kannte). …Die Kinder werden verdingt, auch das ist ein neues Wort für Martha. Später wird sie denken, dass das Wort ja stimmt, sie sind zu Dingen geworden… Die Kinder werden in verschiedene Familien gegeben, um dort aufzuwachsen - doch wird Martha nie zu einem wirklichen Familienmitglied werden; wobei sioe es noch nicht einmal schleht getroffen hat. Zunächst erhält sie zu wenig zu Essen - sie sitzt ganz hinten am Tisch, dort wohin die Speiseschüsseln als Letztes gelangen - und wird als Nachmittagsaufsicht für den geistig behinderten Sohn eingeteilt. Dieser ist ihr jedoch kräftemässig überlegen, so dass sie von ihm Gewalt erfährt und gezwungen ist, Gewalt auszuüben. Ein aufmerksamer Lehrer - der auch ihre Begabung in der Schule erkennt und sie fördert - erkennt ihre Misere und verhilft ihr - durch ein Gespräch mit den Pflegeeltern einen besseren Stand in der Famile; allerdings wächst dadurch auch eine neue Kluft zwischen der Familie und Martha. Martha erkennt, dass sie für sich selbst sorgen muss und bemüht sich um eine Anstellung in einer Strickerei. Sie arbeitet hart, schafft es jedoch, bei der Pflegefamilie einen Anteil für Kost und Logis abzugeben und sich zudem Geld für ein Fahrrad zusammenzusparen. Insgesamt erkennt sie, dass Leistung und Anstrengung honoriert wird. Und diese Erkenntnis prägt ihr gesamtes Leben. Immer ist sie bestrebt, es im Leben besser zu haben - und dafür ist sie bereit alles zu geben. Auch als sie schließlich heiratet, übernimmt sie bald Arbeiten im Betrieb ihres Mannes. Dieser wird bald krank und immer schwächer - schließlich steht sie - mittlerweile mit zwei Kindern - wieder allein da. Doch sie gibt nicht auf. Sie kämpft sich wieder hervor - und ihr Leben bleibt eine einzige Mühe - um Annerkennung (in der Gesellschaft), begrenzten Wohlstand und Sicherheit. In dieses Leben investiert sie all ihre Kraft - für ihre Söhne bleibt wenig Raum; Nähe und Zuwendung kennen sie nicht. …Zeit kann man sich nehmen, ich nahm sie mir nie. Der Unsichtbare hat sie aufgefressen, und er ist wieder da, gönnt sie mir nicht…. Doch eines gibt sie ihnen - besonders dem älteren - mit: Das Streben nach Anerkennung und Wohlstand. Und bei ihm wird es fast zur Zwanghaftigkeit. Die nächste Generation hingegen befreit sich aus diesem Zwang und geht andere Wege. Wobei diese Rebellion Vater und Sohn fast entzweit. …Und er fügte einen Satz hinzu, den sie ihm nicht zugetraut hätte: »Er will zu viel von sich.«… Inhaltlich soll hier nicht zu viel verraten werden. Der Autor hat es meiner Meinung nach geschafft, existentielle Lebensprobleme in einer ruhigen und doch kraftvollen Art zu erzählen, die den Leser mitnimmt, auf eine Reise durch drei Generationen. Drei Generationen, die immer etwas mit auf den Weg bekommen, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen, was sie meistern müssen und es auf die eine oder andere Art schaffen - oder auch nicht. Dabei nimmt der Autor auch die einfließenden Personen (Ehefrauen, Ehemänner, Schwiegereltern etc.) mit auf, stellt sie vor identische oder auch neue Probleme und Herausforderungen. Wir erleben hier eine Familien-Geschichte, die nicht zur Saga aufgebauscht wird und trotzdem voll ist von Konflikten und zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen. Hier und da verläuft sich der Autor dann doch ein wenig in den Geschehnissen, was mich dann selbst etwas hat abschweifen lassen, in den Gedanken. Insgesamt aber ein Werk, welches ich gern gelesen habe. Von mir gibt es hier 4 von 5 Sternen. Und eine Empfehlung für alle, die gute Familiengeschichten mögen, die etwas zu erzählen wissen.

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Das Schicksal eines Verdingkindes & dessen Auswirkungen auch auf nächste Generationen

Lia48 am 10.06.2024

Bewertungsnummer: 2220146

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

C.N.: v. a. Misogynie, Armut, Ableismus, fragwürdige Erziehungsmethoden ---- „Die Kinder werden verdingt, auch das ist ein neues Wort für Martha. Später wird sie denken, dass das Wort ja stimmt, sie sind zu Dingen geworden.“ ---- INHALT: Marthas Familie hat nicht viel zum Leben, aber sie haben einander. Doch als der Vater nach einem Unfall nicht mehr arbeiten kann, spitzt sich die Lage zu. Auf dem Sofa liegend, gibt er kaum noch Laute von sich. Einen Arzt oder Medikamente können sie sich nicht leisten. Die Mutter versucht, durch viel Arbeit bei benachbarten Bauern, Lebensmittel zu ertauschen. Als der Vater schließlich stirbt, kann sie jedoch nicht verhindern, dass ihre sechs Kinder zu anderen Bauern gehen müssen, um dort für Nahrung und einen Schlafplatz zu arbeiten. Die einzelnen Familienmitglieder verlieren sich aus den Augen. Die junge Martha ist zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt, als sie zu den Bürgis kommt, hart arbeiten muss und am Tisch immer zuletzt das übrige Essen bekommt. Zudem muss sie sich um den behinderten Sohn der Familie kümmern. „Der Auffällige, der gar nicht richtig spricht, heißt Severin.“ Beim Spazierengehen soll sie ihn an einem Ledergeschirr führen. Aber der 14-Jährige hat viel Kraft … „Sie blieb lange bei den Bürgis, zu lange, sagte sich Martha hinterher. Aber was sollte sie sonst? Über Martha bestimmten andere. Und sie erwies sich als fleißig und anstellig, deshalb wollten die Bürgis sie behalten.“ Martha möchte unbedingt der Armut entfliehen, gibt sich in der Schule große Mühe und arbeitet später mit vollem Einsatz in der Fabrik. Sie lernt den Schuhmacher Jakob kennen, sie heiraten und bekommen zwei Kinder, zu denen Martha kaum eine Bindung aufbauen kann. Durch den Krieg in den Nachbarländern wird auch in der neutralen Schweiz vieles knapper. Und als Jakob erkrankt und immer schwächer wird, bekommt Martha es mit der Angst zu tun, dass sich ihr vergangenes Schicksal bei ihren eigenen Kindern wiederholen könnte … Die Erfahrungen von Martha, ihr unermüdlicher Arbeitseifer, ihr Streben nach sozialem und finanziellem Aufstieg, ihr harter Umgang mit sich und ihren Mitmenschen sowie ihr Verbergen jeglicher Schwäche, prägen ihre Söhne. Und schließlich auch ihre Enkel, die sich ein viel freieres Leben erträumen … „Immer wieder staunte er, woher seine Familie kam, und wenn er allmählich den Drang seines Vaters besser verstand, um jeden Preis voranzukommen, so verurteilte er innerlich doch, was Toni [sein Vater] dafür alles aufgab.“ ---- MEINUNG: Im Nachwort erzählt Lukas Hartmann, dass dieses Buch auf der eigenen Familiengeschichte und damit auch auf dem Schicksal seiner Großmutter Martha, aufbaut. Es ist immer wieder erschreckend, von den Erlebnissen von Verdingkindern zu lesen, die in so jungem Alter hart arbeiten mussten, um zu überleben. Am meisten beeindruckt hat mich an dieser Lektüre, wie sehr so ein Schicksal das ganze spätere Leben und vor allem auch die anschließenden Generationen prägen kann. Martha ist ihr Leben lang getrieben von Arbeit, um ja nicht wieder in die Armut zu rutschen und um ihre Kinder vor den eigenen Erfahrungen zu verschonen. Und auch ihr Sohn strebt nach Anerkennung und Wohlstand. Beide wirken im Erwachsenenalter äußerst kühl und nicht gerade liebevoll im Umgang mit den eigenen Kindern. Die Arbeit geht stets vor. Es schmerzt, dass Martha keine emotionale Bindung zu ihren Kindern aufbauen kann und wie befehlshaberisch Toni später mit seiner Frau umgeht. Die Frau hat den Haushalt einwandfrei zu führen, das Essen muss pünktlich auf dem Tisch stehen und wehe das Kind schreit. Insgesamt wird deutlich, wie sehr Frauen damals von ihren Männern abhängig waren. Dass Martha trotzdem für ihre Selbstständigkeit kämpft, fand ich zum Teil sehr bewundernswert (hätte sie dafür nicht ihre Kinder vernachlässigt). Inhaltlich fand ich das Buch wirklich gut. Und auch die kurzen Kindheitsbeschreibungen der drei Generationen sind einfühlsam beschrieben. Aber sonst kann ich mich den positiven Stimmen zum Buch leider nicht ganz anschließen. Die Zeit als Verdingkind von Martha war mir zu kurz und nicht immer differenziert genug geschildert. Hier hat mir etwas gefehlt, um ihr hartes Schicksal besser nachempfinden zu können. Und dadurch, dass sowohl Martha als auch ihr Sohn Toni so kühl im Umgang mit ihren Mitmenschen wirken und einen kaum an ihrem Innenleben teilhaben lassen, blieben sie mir als Erwachsene beim Lesen leider viel zu fern. Dieses Gefühl der Distanz wurde durch größere Zeitsprünge immer wieder zusätzlich verstärkt. ---- FAZIT: Das Buch lässt mich insgesamt zwiegespalten zurück. Inhaltlich stellt es erschreckend gut dar, wie sehr das Schicksal eines Verdingkindes das eigene Leben und das der nächsten Generationen beeinflussen kann – das habe ich bisher so bei keinem anderen Buch gelesen. Doch der Funke wollte nicht überspringen. Die Figuren blieben mir überwiegend zu distanziert und die Zeit als Verdingkind hätte ich mir ausführlicher geschildert gewünscht, um mehr Mitgefühl aufbringen und die Geschichte mehr verinnerlichen zu können. 3-3,5/5 Sterne!
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Das Schicksal eines Verdingkindes & dessen Auswirkungen auch auf nächste Generationen

Lia48 am 10.06.2024
Bewertungsnummer: 2220146
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

C.N.: v. a. Misogynie, Armut, Ableismus, fragwürdige Erziehungsmethoden ---- „Die Kinder werden verdingt, auch das ist ein neues Wort für Martha. Später wird sie denken, dass das Wort ja stimmt, sie sind zu Dingen geworden.“ ---- INHALT: Marthas Familie hat nicht viel zum Leben, aber sie haben einander. Doch als der Vater nach einem Unfall nicht mehr arbeiten kann, spitzt sich die Lage zu. Auf dem Sofa liegend, gibt er kaum noch Laute von sich. Einen Arzt oder Medikamente können sie sich nicht leisten. Die Mutter versucht, durch viel Arbeit bei benachbarten Bauern, Lebensmittel zu ertauschen. Als der Vater schließlich stirbt, kann sie jedoch nicht verhindern, dass ihre sechs Kinder zu anderen Bauern gehen müssen, um dort für Nahrung und einen Schlafplatz zu arbeiten. Die einzelnen Familienmitglieder verlieren sich aus den Augen. Die junge Martha ist zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt, als sie zu den Bürgis kommt, hart arbeiten muss und am Tisch immer zuletzt das übrige Essen bekommt. Zudem muss sie sich um den behinderten Sohn der Familie kümmern. „Der Auffällige, der gar nicht richtig spricht, heißt Severin.“ Beim Spazierengehen soll sie ihn an einem Ledergeschirr führen. Aber der 14-Jährige hat viel Kraft … „Sie blieb lange bei den Bürgis, zu lange, sagte sich Martha hinterher. Aber was sollte sie sonst? Über Martha bestimmten andere. Und sie erwies sich als fleißig und anstellig, deshalb wollten die Bürgis sie behalten.“ Martha möchte unbedingt der Armut entfliehen, gibt sich in der Schule große Mühe und arbeitet später mit vollem Einsatz in der Fabrik. Sie lernt den Schuhmacher Jakob kennen, sie heiraten und bekommen zwei Kinder, zu denen Martha kaum eine Bindung aufbauen kann. Durch den Krieg in den Nachbarländern wird auch in der neutralen Schweiz vieles knapper. Und als Jakob erkrankt und immer schwächer wird, bekommt Martha es mit der Angst zu tun, dass sich ihr vergangenes Schicksal bei ihren eigenen Kindern wiederholen könnte … Die Erfahrungen von Martha, ihr unermüdlicher Arbeitseifer, ihr Streben nach sozialem und finanziellem Aufstieg, ihr harter Umgang mit sich und ihren Mitmenschen sowie ihr Verbergen jeglicher Schwäche, prägen ihre Söhne. Und schließlich auch ihre Enkel, die sich ein viel freieres Leben erträumen … „Immer wieder staunte er, woher seine Familie kam, und wenn er allmählich den Drang seines Vaters besser verstand, um jeden Preis voranzukommen, so verurteilte er innerlich doch, was Toni [sein Vater] dafür alles aufgab.“ ---- MEINUNG: Im Nachwort erzählt Lukas Hartmann, dass dieses Buch auf der eigenen Familiengeschichte und damit auch auf dem Schicksal seiner Großmutter Martha, aufbaut. Es ist immer wieder erschreckend, von den Erlebnissen von Verdingkindern zu lesen, die in so jungem Alter hart arbeiten mussten, um zu überleben. Am meisten beeindruckt hat mich an dieser Lektüre, wie sehr so ein Schicksal das ganze spätere Leben und vor allem auch die anschließenden Generationen prägen kann. Martha ist ihr Leben lang getrieben von Arbeit, um ja nicht wieder in die Armut zu rutschen und um ihre Kinder vor den eigenen Erfahrungen zu verschonen. Und auch ihr Sohn strebt nach Anerkennung und Wohlstand. Beide wirken im Erwachsenenalter äußerst kühl und nicht gerade liebevoll im Umgang mit den eigenen Kindern. Die Arbeit geht stets vor. Es schmerzt, dass Martha keine emotionale Bindung zu ihren Kindern aufbauen kann und wie befehlshaberisch Toni später mit seiner Frau umgeht. Die Frau hat den Haushalt einwandfrei zu führen, das Essen muss pünktlich auf dem Tisch stehen und wehe das Kind schreit. Insgesamt wird deutlich, wie sehr Frauen damals von ihren Männern abhängig waren. Dass Martha trotzdem für ihre Selbstständigkeit kämpft, fand ich zum Teil sehr bewundernswert (hätte sie dafür nicht ihre Kinder vernachlässigt). Inhaltlich fand ich das Buch wirklich gut. Und auch die kurzen Kindheitsbeschreibungen der drei Generationen sind einfühlsam beschrieben. Aber sonst kann ich mich den positiven Stimmen zum Buch leider nicht ganz anschließen. Die Zeit als Verdingkind von Martha war mir zu kurz und nicht immer differenziert genug geschildert. Hier hat mir etwas gefehlt, um ihr hartes Schicksal besser nachempfinden zu können. Und dadurch, dass sowohl Martha als auch ihr Sohn Toni so kühl im Umgang mit ihren Mitmenschen wirken und einen kaum an ihrem Innenleben teilhaben lassen, blieben sie mir als Erwachsene beim Lesen leider viel zu fern. Dieses Gefühl der Distanz wurde durch größere Zeitsprünge immer wieder zusätzlich verstärkt. ---- FAZIT: Das Buch lässt mich insgesamt zwiegespalten zurück. Inhaltlich stellt es erschreckend gut dar, wie sehr das Schicksal eines Verdingkindes das eigene Leben und das der nächsten Generationen beeinflussen kann – das habe ich bisher so bei keinem anderen Buch gelesen. Doch der Funke wollte nicht überspringen. Die Figuren blieben mir überwiegend zu distanziert und die Zeit als Verdingkind hätte ich mir ausführlicher geschildert gewünscht, um mehr Mitgefühl aufbringen und die Geschichte mehr verinnerlichen zu können. 3-3,5/5 Sterne!

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Sina Hufnagel

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5/5

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ich bin ganz beglückt zu diesem Roman gegriffen zu haben. Mit ganz viel biographischen Einblicken, lässt uns Hartmann an seiner Familiengeschichte teilhaben. Ich finde, das ist ihm wunderbar gelungen.
5/5

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Ich bin ganz beglückt zu diesem Roman gegriffen zu haben. Mit ganz viel biographischen Einblicken, lässt uns Hartmann an seiner Familiengeschichte teilhaben. Ich finde, das ist ihm wunderbar gelungen.

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