Jakob führt den Hof der Eltern und kämpft gegen den Niedergang. Als die Künstlerin Katja sich als Praktikantin anbietet, scheinen sich die Dinge zum Guten zu wenden. Gemeinsam bauen sie eine biologische Tierhaltung auf, sie heiraten und bekommen einen Sohn. Doch Jakob findet keine Ruhe, sein grausamer Zorn bricht immer wieder hervor. Hat Katja ihn getäuscht, hat sie nur mal einen wie ihn haben wollen, einen Bauern?
Reinhard Kaiser-Mühlecker erzählt in seinem Roman »Wilderer« von Herkunft und existenzieller Verlorenheit in einer Welt, die sich radikal wandelt.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ich bin begeistert von diesem ruhigen, unaufgeregten Roman, zeitlos wirkt er, auch wenn er unsere Zeit beschreibt, ein Gegenwartsroman von großer Wucht, ohne dabei ins Extreme, Aufregende zu schlagen mit einer wunderbaren Sprache. Nach diesem Roman mag ich nur noch eins, mehr von Reinhard Kaiser-Mühlecker lesen.
Aischa
aus Kissing
5/5
12.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Einfach immer weitermachen
"Ich sehe es wirklich als eine Art Verpflichtung an, die Welt, die ich kenne, darzustellen, also erfahrbar zu machen - einem, der sie nicht kennt." So wird Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker im Klappentext seines aktuellen Romans zitiert. Dieser selbst auferlegten Verpflichtung ist er mit "Wilderer" auf hervorragende Weise nachgekommen.
Protagonist ist der Jungbauer Jakob, der nicht nur mit seinen persönlichen Dämonen, sondern auch mit der Ablehnung durch Familie und Dorfgemeinschaft zu kämpfen hat. Der Erzählung kommt sicher zugute, dass Kaiser-Mühlecker weiß, worüber er schreibt: Selbst in einem oberösterreichischen Gehöft aufgewachsen führt er - neben der Schriftstellerei - die Landwirtschaft seiner Vorfahren.
"Wilderer" ist von Anfang an von einer gewissen Schwere geprägt. Beeindruckt hat mich dabei, dass der junge Jakob allen Widrigkeiten trotzt und, obwohl er vieles hinterfragt, letztendlich doch immer weitermacht. Darin findet sich etwas sehr Tröstliches und Hoffnungsvolles; eine sehr empfehlenswerte Lektüre in diesen für viele so schweren Zeiten.
Aischa
5/5
12.12.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Ich sehe es wirklich als…
"Ich sehe es wirklich als eine Art Verpflichtung an, die Welt, die ich kenne, darzustellen, also erfahrbar zu machen - einem, der sie nicht kennt." So wird Autor Reinhard Kaiser-Mühlecker im Klappentext seines aktuellen Romans zitiert. Dieser selbst auferlegten Verpflichtung ist er mit "Wilderer" auf hervorragende Weise nachgekommen. Protagonist ist der Jungbauer Jakob, der nicht nur mit seinen persönlichen Dämonen, sondern auch mit der Ablehnung durch Familie und Dorfgemeinschaft zu kämpfen hat. Der Erzählung kommt sicher zugute, dass Kaiser-Mühlecker weiß, worüber er schreibt: Selbst in einem oberösterreichischen Gehöft aufgewachsen führt er - neben der Schriftstellerei - die Landwirtschaft seiner Vorfahren. "Wilderer" ist von Anfang an von einer gewissen Schwere geprägt. Beeindruckt hat mich dabei, dass der junge Jakob allen Widrigkeiten trotzt und, obwohl er vieles hinterfragt, letztendlich doch immer weitermacht. Darin findet sich etwas sehr Tröstliches und Hoffnungsvolles; eine sehr empfehlenswerte Lektüre in diesen für viele so schweren Zeiten.
Bewertung
5/5
07.04.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein überzeugendes Psychogramm...
Ein überzeugendes Psychogramm eines jungen Mannes, in einer Welt, der er sich immer mehr entfremdet. Zeile für Zeile werden Abgründe zu Tage getragen, die tief in de Familie und Person des jungen Landwirts verborgen sind. Und das immer mit Respekt vor den Figuren! Grandios!
Ingrid
aus Düsseldorf
5/5
15.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Chancen, Möglichkeiten und Probleme beim Ausbrechen aus eingefahrenen Rollen
Der Titel des Romans „Wilderer“ von Reinhard Kaiser-Mühlecker ist teilweise metaphorisch zu sehen. In der Geschichte wildern Hunde. Es ist schwierig, bei ihnen den einmal erwachten Trieb im Weiteren zu unterdrücken. Wildernde Otter und Graureiher machen der Hauptfigur das Leben schwer. Thema ist aber auch das sogenannte Wildern bei fremden Frauen als Betrug in der Ehe.
Der Protagonist Jakob Fischer lebt auf einem Hof, der nach dem Tod des Großvaters seiner Großmutter gehört. Permanent ist das Rauschen der Fahrzeuge zu hören, die über die Autobahnbrücke fahren, die sich über das Tal in der Nähe des Hofs spannt. Das Gehöft liegt in einer eher beschaulichen Gegend im Westen Oberösterreichs. Das Bild auf dem Cover von Grace Helmer fasst passend die Stimmung auf, die ich beim Lesen empfand.
Über die Kindheit von Jakob und seiner Familie hat der Autor bereits den Roman „Fremde Seele, dunkler Wald“ verfasst, den ich nicht gelesen habe. Ich konnte der Erzählung aber problemlos folgen. Jakob ist inzwischen ein junger Mann, der seit Jahren den Hof in eigener Verantwortung führt, weil sein Vater daran kein Interesse zeigt. Seine Großmutter ist zu krank, um das Haus zu verlassen. Die Rolle der Mutter bleibt blass, sie agiert im Hintergrund und führt den Haushalt. Nebenher arbeitet Jakob als Schulwart, um sich etwas dazu zu verdienen, denn die Landwirtschaft trägt sich nicht mehr. Die Umsetzung einiger seiner Ideen und auch solche vom Vater scheiterten bisher.
Dann lernt er bei einer Auftragsarbeit die Künstlerin Katja kennen, die mit ihm trotz oder gerade wegen seiner spröden Art Kontakt hält aus dem sich bald mehr entwickelt. Als Katja sich ihm für kurze Zeit als Praktikantin anbietet, stellt sich heraus, dass sie auf ihre ganz eigene Weise frischen Wind auf den Hof bringt. Josef springt über seinen beruflichen Schatten und lässt sich darauf ein, was Katja ihm vorschlägt.
Jakob ist es gewöhnt, eingefahrenen Wege zu gehen, bei denen sich zeigt, dass sie nicht zukunftsträchtig sind. Doch er weiß, dass er ein guter und ausdauernder Arbeiter ist. Er leistet denen die fragen, gerne einen Gefallen, auf ihn kann man sich verlassen. Lob erwartet er keins dafür. Von Beginn an ist der Misston zwischen ihm und seinem Vater zu spüren. Jakob ist mit wenig zufrieden. Ein Kasten Bier unter dem Bett und klassische Musik über Kopfhörer bei der Arbeit verschönern ihm den Tag. Mit Katja an seiner Seite muss er seinen Alltag neugestalten. Schon einmal hat er eine Beziehung geführt. Daraus resultiert ein beständiges Misstrauen, die es ihm erschwert sich auf eine neue Partnerin einzulassen.
Das Gefühl, ausgenutzt zu werden, verlässt ihn nie. Es gibt Momente, in denen er sich hilflos fühlt und sich aus seiner Resignation heraus eine solch große Wut entsteht, die dann gegenüber Lebewesen zum Ausdruck kommt. Diese Zeiten bilden einen zentralen Punkt im Roman. Die Folgen seines Zorns führen Jakob gedanklich im Kreis, denn sie führen ihn wieder zu seiner Machtlosigkeit zurück.
Die Geschichte thematisiert den Alltag in der Landwirtschaft mit seinen verschiedensten Möglichkeiten, Erträge zu erwirtschaften unter den vorgegebenen staatlichen Bedingungen und der Nachfrage des Verbrauchers. Man spürt dem Roman an, dass der Autor sich in diesem Metier auskennt, denn seine Schilderungen wirken lebendig und authentisch. An Jakob werden immer wieder neue Herausforderungen herangetragen, er ist nie ohne Arbeit, die er meist gelassen erledigt. Intensiv vermittelt der Autor das Hadern Jakobs mit dem Schicksal und der damit verbundenen inneren Auseinandersetzung. Hier und dort deutet er an, dass die Geschichte in Zeiten von Corona spielt.
Reinhard Kaiser-Mühlecker beschreibt in seinem Roman „Wilderer“ das Leben auf einem Hof am Rand einer Kleinstadt, der von dem jungen, wortkargen Landwirt Jakob geführt wird. Die eigenen Erfahrungen des Autors lassen die Geschichte real wirken. Im Mittelpunkt stehen die Chancen und Möglichkeiten, aber auch die damit verbundenen Probleme beim Ausbrechen aus eingefahrenen Rollen. Gerne empfehle ich das Buch weiter.
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5/5
09.11.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Mein Buch des Jahres 2022
Das Jahr ist noch nicht ganz rum, und dennoch steht für mich fest: Ein besseres Buch werde ich dieses Jahr nicht mehr lesen.
Kaiser-Mühlecker versetzt seine LeserInnen derart präzise und gekonnt in den Geist seines Protagonisten, dass es beinahe unheimlich ist. Jacob, ein junger Bauer aus Österreich, ist gefangen in einem Netz aus Neurosen und Traumata, ohne dass er sich dessen überhaupt bewusst ist. Wir folgen ihm durch seinen Lebensalltag und werden dabei konstant im Unklaren darüber gelassen, inwiefern wir uns auf die Wahrnehmung Jacobs verlassen können. Während dieser immer tiefer in seiner eigenen Paranoia versinkt.
Eine Lektüre, die mich von Seite 1 packte und noch immer nicht losgelassen hat.
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5/5
30.03.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Reinhard Kaiser-Mühlecker ist DER österreichische Autor unserer Zeit!
Reinhard Kaiser-Mühlecker ist DER österreichische Autor unserer Zeit. Er erzählt vom harten, bäuerlichen Leben in der Provinz, von scheiternden Existenzen und seelischen Abgründen. Und doch sind seine Romane keine Anti-Heimatliteratur, sondern etwas einzigartig Neues. In dem Gefühl der Fremdheit, die sie durchwehen, erkennen wir uns selbst wieder. Und so wie Kaiser-Mühleckers Figuren hin- und hergerissen sind zwischen Fortgehen und Bleiben, zwischen Glück und Verstörung, so sind sie uns nah und fern zugleich. Eine umwerfend großartige Lektüre!
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