"Das Vaterbuch ist ein Text über Krankheit, Verlust und Verzweiflung. Wie in 'Frausein' geht es um Abschied. Und um den Witz als Widerstand." Mely Kiyak
Was bleibt, wenn einem der Vater durch die Finger rieselt? Herr Kiyak, ein fabelhafter Geschichtenerzähler, bekommt Krebs und will sterben. Aber er hat eine Tochter - und was für eine: Sie macht sein Schicksal zu ihrem und lässt ihn nicht ziehen. Immerhin hat man nur einen Vater. Mely Kiyak erzählt von einer Zeit, in der es um alles geht. Von Herrn Kiyaks Überlebenskampf in Berlin und seinen Cowboystorys aus Bingöl. Von unendlichem Schabernack und großem Kummer. Sie erzählt wahrhaftig, schön und eigensinnig von Vaterliebe und Tochterangst und davon, dass es die Geschichten sind, die bleiben. Und natürlich von seinen berühmten Zwei-Zeilen-Briefen: "Ich küsse dich mein Kind. Dein Vater." "Das Vaterbuch ist ein Text über Krankheit, Verlust und Verzweiflung. Wie in "Frausein" geht es um Abschied. Und um den Witz als Widerstand. "Frausein" und das Vaterbuch sind zwei Texte, aber ein Erzählkörper. Ein Leid, ein Lachen, ein Sterben." Mely Kiyak
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
Bewertung
Thalia Book Circle Community
5/5
10.12.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunderschönes Buch, traurig, aber auch witzig
Mely Kiyak ist einfach großartig!
Ich LIEBTE Ihr Buch “Frausein” und auch “Haltung” sowie “Werden sie uns mit Flixbus deportieren?”.
Dieses Buch über ihren Vater ist sehr, sehr bewegend … traurig, aber auch mit viel Humor, ganz in ihrem eigenen und wunderbaren Stil!
Ich könnte jeden Tag etwas von Mely Kiak lesen!
Bewertung
Book Circle Community
5/5
25.03.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein sorgfältig konzipiertes Werk.
„Mein Vater geht wie eine betrunkene Ballerina. Weder trinkt er, noch kann er tanzen.“
Dieser erste Satz ist bezeichnend für die unglaubliche Sprache, aus der dieses Buch geschaffen ist. Wir befinden uns im Spital, wo Mely Kiyas Vater wegen Lungenkrebs behandelt wird. Dort lässt sie uns an ihrem Kummer, an ihrer Wut – z. B. über die entmenschlichte Gesundheitsindustrie oder die Krankheit, die der Gastarbeiter durch seine Arbeit in Dämpfen davongetragen hat – teilhaben. Sie beschreibt eindrücklich, wie brachial medizinische Maßnahmen sein können und wie entsetzlich es ist, diesen peinigenden Prozeduren beizuwohnen. Immer wieder berührt einem die Liebe und Nähe zwischen ihr und ihrem Vater und die Ohnmacht gleichermassen – sie leidet mit, wenn er weint, hält es kaum aus, rennt durch die Klinik, kocht türkische Gerichte und organisiert die Einreise des Vaters’ Geliebten aus der Türkei. Dies geht bis zur eigenen Erschöpfung. Tröstlich sind des Vaters Ahnengeschichten, die schon Generationen vor ihm erzählt und ausgeschmückt wurden - und wenn er doch einen Happen isst.
Eine Schlüsselszene ist für mich, dass sie vom Psychologen hört, der Vater müsse seinen Pessimismus ausleben, bevor er Zuversicht gewinnen könne. Dazu reflektiert sie sprachlich ebenso treffend und schonungslos über sich selbst wie über die widrigen Umstände und sinnlosen Hürden, die ihr begegnen. „Wie einfältig wir in unserer Liebe sind“, sagt sie sich und sie erfindet das Wort „Belagerungsfürsorge“ - was sie aber nicht verurteilt, auch nicht die Art der familiären Kommunikation, die sie als eher streitbar bezeichnet. In der spürbaren Hilflosigkeit und der im Laufe der Krankheit entstehenden Isolation wettert Kiya wortreich in viele Richtungen - dass dies nicht wie ein beliebiger Rundumschlag wirkt, ist der sprachlichen Kunstfertigkeit geschuldet - und es schien ihr zu helfen. Einem selbst hilft es auch, die Schwere des Themas zu verdauen.
Brigitte
aus Hausen am Albis
5/5
30.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Grossartig
Ein berührender Text über eine Vater-Tochter-Beziehung und zugleich eine Auseinandersetzung mit der Situation der Türken als Gastarbeiter in der BRD. Und um eine Krebserkrankung geht es auch noch…
Sandra von Siebenthal
Book Circle Community
5/5
04.07.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Bewegend
Papa Kiyak hat Krebs. Die Tochter kümmert sich. Sie spricht mit den Ärzten, kocht Essen, will für ihn da sein, redet gut zu und hat selbst keine Kraft. Sie weint plötzlich in den unmöglichsten Situationen, kämpft immer wieder an allen Fronten, wütet über die Bedingungen von Migranten und denen in Spitälern. Und zwischendurch lässt sie sich von ihrem Papa Geschichten erzählen. Von früher. Von der Familie.
«Zum ersten Mal denke ich, dass mein Vater es nicht packen wird.»
Als ich das Zitat gelesen habe, erkannte ich mich wieder. Genau so war das. So kenne ich es. Eine sachliche Rezension zu diesem Buch zu schreiben, ist mir unmöglich. Oder: Ich will es nicht.
Ich wollte das Buch beim Lesen so oft abbrechen. Es tat mir nicht gut. Es warf mich zurück. Zu den gleichen Sätzen, die ich vor einigen Jahren auch hörte. Zu den Kämpfen, obwohl ich tief drin die Hoffnung aufgegeben hatte – und doch weiter hoffte. Es versuchte. Zurück zum Weinen in Trams, in Einkaufszentren. Zurück zu Zusammenbrüchen, tiefer Trauer. Angst.
Mely Kiyak schreibt über sich und ihren Vater. Sie schreibt über dessen Krebs und wie er sich ausbreitete. Lunge. Nieren. Leber. All das hatte ich genauso. Und so vieles dazu. Wie will ich da einen sachlichen Text darüber schreiben? Ich habe geweint. Nein. Geheult beim Lesen.
«Das scheint vollkommen üblich zu sein. Dass man sterbenskranken Menschen ihr Essen nicht dann gibt, wenn sie es brauchen und wollen, sondern dann, wenn es dem System in den Kram passt.»
Natürlich war das Verständnis für das Personal bei mir da. Sie sind alle überlastet. Und doch lag da mein Vater. Als ich all die Beschreibungen des Spitalalltags las, erkannte ich alles wieder. Mehr noch, ich war wieder drin. In dieser Wut, diesem Ausgeliefertsein. Ja, wir hatten teilweise grossartige Pflegekräfte. Geduldige Ärzte. Aber auch das Gegenteil. Und in all dem liegt dein Vater. Der Mensch, der dir so viel beigebracht hat. Der dir so wichtig, so lebenswichtig, wie du dachtest, ist. Unerträglich. Und doch muss es ertragen werden. So ging es mir wieder beim Lesen. Ich konnte nicht aufhören. Obwohl ich es kaum ertragen habe. Was für das Buch spricht. Es ist ehrlich. Es ist schonungslos. Es ist persönlich. Es ist authentisch.
«Noch bevor ich sprechen kann, fange ich an zu weinen. Es ist mächtiger als ich. Ich habe mich nicht im Griff. Dabei beginnen wir erst.
Was soll ich schreiben: So war das. Die Direktheit von Mely Kiyaks Schreiben führt es mir nicht nochmals vor, sie wirft mich nochmals rein. Und in all das, was als nette Beigabe in solchen Situationen dazukommt: Die Isolation, das Abwenden von Freunden, weil man keine Zeit mehr hat. Weil man sich ja kümmern muss. Und danach keine Worte findet auf die Fragen, die kämen.
«Man gewöhnt sich an Menschen, liebt sie, und am Horizont winkt bereits der Tod. Man fragt sich doch, worin der Sinn des Lebens besteht, wenn am Ende gestorben wird.»
Ja, wo liegt der Sinn des Lebens? Worauf kann man bauen? Es ist das elende Gefühl, das Mascha Kaléko beschreibt, dass der eigene Tod kein Schrecken ist, aber der derer, die man liebt. Alle können einem immer genommen werden.
Fazit zum Buch
Berührend. Bewegend. Tief.
Isa.Literature.Love
aus Hamburg
5/5
17.06.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Da hat man Pläne und dann kommt der Krebs dazwischen.
»Wie geht es Herrn Kiyak, will der Psychologe wissen. Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an, umschreibe ich vorsichtig Papas Lage. So eine Nachricht platzt immer überraschend rein, erklärt er mir. Ist das so?, frage ich. Krankheit kommt in den Plänen der meisten Menschen nicht vor, meint der Psychologe, wenn es eintritt, wirft es alle aus der Bahn. Bei uns, fange ich zögerlich an, legt man sich einfach hin, richtet letzte Grüße aus und stirbt.« (S. 88)
In ihrem neusten Buch »Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an« nimmt die Autorin & Journalistin Mely Kiyak die Krebserkrankung ihres Vaters zum Anlass, um über die gemeinsame Vater-Tochter-Beziehung zu schreiben. Dabei erzählt sie Anekdoten & Berichte aus dem Leben ihres Vaters, der als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland kam; kritisiert das deutsche Gesundheitssystem und den Umgang mit Gastarbeiter*innen; und zeigt, dass einfach Krankheiten elendig ungerecht sind und, wie sehr Krankheit Betroffene und Angehörige treffen kann. Der Roman ist sehr vielschichtig und facettenreich, aber dabei keineswegs überfrachtet. Die abwechselnden Erzählungen und insbesondere der Schreibstil machen dieses Buch so besonders.
»Der Gastarbeiter hat die Dämpfe tief in seine Lunge eingeatmet und sich über die Jahre einen schönen Krebs als Gastgeschenk erarbeitet.« (S. 123)
Doch trotz all dieser ernsten, schweren und wichtigen Themen gelingt es der Autorin mit einer scheinbaren Leichtigkeit, dies alles in Worte zu fassen und so zu formulieren, dass mensch abwechselnd weinen und lachen möchte. Ein unglaublich berührender Roman, der direkt ins Herz geht. ❤️
Der Roman hat mich an das Buch »Das Leben ist ein vorübergehender Zustand« von Gabriele von Arnim erinnert und diese Thematik aus der Perspektive einer Tochter widergespiegelt.
Ganz ganz große Leseempfehlung — ebenso für ihr biografisches Buch »FRAUSEIN«.
[4.5/5 ☆ ]
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5/5
01.05.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ihr Vaterbuch nennt es die Autorin....
Ihr Vaterbuch nennt es die Autorin. Der Vater stirbt und " rieselt ihr durch die Finger ". Ein Buch voller überlieferter Geschichten, voller Humor und Liebe . Es versinkt nicht in Trauer, obwohl es voll davon ist und ist wunderschön und berührend erzählt .
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