Mundeta ist eine Dame der höheren Gesellschaft von Barcelona im Fin de Siècle; ihre Tage bestehen aus Spaziergängen, Opernbesuchen, Diners und der Lektüre von Heiligenbiografien - nur ihrem Tagebuch vertraut sie ihre Träume von Freiheit, fernen Ländern und einer Liebe auf Augenhöhe an. Nach dem Tod ihres Mannes trifft sie zusammen mit ihrer Tochter jede Woche ihre Freundinnen Kati, Sixta und Patrícia im Café Nuria. Es sind die Dreißigerjahre und Spanien ist im Bürgerkrieg. Die Bewunderung ihrer erwachsenen Tochter gilt vor allem Kati, der Anarchistin und Anhängerin der Republik. Doch sie selbst ist in einer Vernunftehe gefangen, aus der es keinen Ausweg gibt. Zwanzig Jahre später schließt sich deren Tochter einer Gruppe von Studierenden an, die im Widerstand gegen das Franco-Regime aktiv sind und auch gegen verkrustete gesellschaftliche Konventionen kämpfen. Sie verliebt sich in Jordi und muss feststellen, dass die Freiheiten, die die Männer für sich in Anspruch nehmen, für Frauen noch lange nicht gelten. Anders als ihre Mutter und Großmutter will sie sich damit nicht abfinden - und trifft eine Entscheidung, die ihr Leben und das ihrer Familie für immer verändern wird.
Kundinnen und Kunden meinen
3.3/5.0
Bewertung
5/5
02.09.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein eigenwilliger wie stilvoller Klassiker
Montserrat Roig erzählt in ihrem Klassiker »Die Frauen vom Café Nuria«, der nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, von drei Generationen von Frauen, die je andere Epochen der Stadt Barcelona und ihrer Umbrüche durchleben. In sich abwechselnden Episoden werden die Geschichten von Großmutter, Mutter und Tochter skizziert. Dass dabei alle Mundeta genannt werden – ein Spitzname für Ramona –, ist nur einer von vielen Farbtupfern, dass sich die Zeiten für die Frauen zwar änderten, letztlich aber alle von patriarchalen Verhältnissen unterdrückt wurden. So lebt die jüngste Mundeta in den 1960ern in einem freieren Barcelona als es ihre Mutter zur Zeit des Bürgerkriegs oder ihre Großmutter im Fin de Siècle getan haben, sie engagiert sich politisch, lebt ein ungezwungeneres Liebesleben, doch auch sie ist den Zwängen einer männerdominierten Gesellschaft unterworfen.
An anderen Orten wurde der Roman als anspruchsvoll bezeichnet. Ich finde vielmehr, dass Roig ein äußerst subtiles und eigenwilliges Werk geschaffen hat. Die Sprache ist bildhaft und schillernd-schön und auf hohem Niveau, doch sie trägt nicht mit dem dicken Pinsel auf, sondern deutet Vieles nur an und folgt den assoziativen inneren Stimmen der drei Frauen. Dies kann unnahbar wirken und verlangt hohe Aufmerksamkeit, aber wer sich darauf einlässt, wird mit einem intensiven Leseerlebnis belohnt.
Über die Geschichten der drei Frauen hinaus ist das Buch auch ein Zeitgemälde der Stadt Barcelona. Vor allem die Schilderung der mittleren Mundeta, die durch die vom Bürgerkrieg zerbombte Stadt irrt, um ihren Mann zu suchen, und dabei auf verschiedene Menschen trifft, hat mir sehr gefallen. Wie paradox auch, dass die apolitische, naive Mundeta genau in diesen schwierigen Stunden ein seltenes Freiheitsgefühl empfindet. Ambivalenzen und Gegensätze wie diese ziehen sich durch das ganze Buch und machen es auch ohne Plot zu einer spannenden Lektüre. An diesen Stellen spürt man auch die Sympathien der (politisch aktiven) Autorin für die Anarchisten, ohne deren Taten zu glorifizieren.
Ich kann das Buch wärmstens allen empfehlen, die sich auf eigenwillige, subtile Literatur einlassen wollen, Freude an schöner Sprache und an einem andeutungsreichen Stil haben.
Bewertung
aus Wertingen
4/5
24.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Frauen vom Cafe Nuria
Ich muß sagen, dass mich der Titel und das wunderschöne Cover auf das Buch aufmerksam gemacht habe. Eine wunderschöne Frau im Stil der 30iger Jahre, lässig eine Zigarette rauchend und das alles sepiafarben. Das Buch handelt von drei Frauen, Großmutter um 1900, Mutter um 1930 und Tochter um 1960, alle mit dem Namen Mundeta. Es sind Damen der höheren Gesellschaft die zu brillieren haben, eine Ehemann finden, der sie versorgt. Aber keine der drei Mundetas ist glücklich. Die Großmutter träumt von einem ritterlichen Geliebten, die Mutter möchte am liebsten gegen den Bürgerkrieg protestieren, hat aber eine Vernunftehe geschlossen und die jüngste von den Dreien studiert und hängt ihr Herz an einen jungen Mann, der gegen das Francoregime rebelliert, aber im Hinlick auf Frauen immer noch das alte Rollenbild sieht. Das Buch ist sehr anspruchsvoll und die Ausdrucksweise der inzwischen verstorbene Autorin sehr gehoben. Man kann das Buch nicht schnell mal zwischendurch lesen, sondern muß sich sehr konzentrieren und das Gelesene in sich wirken lassen. Was mich am Anfang etwas verwirrt hat, waren die Zeitsprünge ohne Übergang. Zuerst wird das Leben der Großmutter geschildert und dann merkt man plötzlich, dass man sich jetzt bei der Tochter befindet. Nicht sehr gut gemacht. Uns wird das Barcelona in den verschiedensten Zeiten sehr schön und eindrucksvoll geschildert und man kann sich wirklich ein sehr gutes Bild davon machen. Auch die politische Lage und das Leben der Frauen sind hier ein gutes Thema. Dies ist der erste Teil der Barcelona-Trilogie und man darf gespannt sein, wie die anderen Bücher aufgebaut sind
Bewertung
aus Berlin
4/5
10.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine wahre Bereicherung für Klassiker Liebhaber
Eine Wiederentdeckung der katalanischen Autorin Montserrat Roig, die 1946 geboren und im frühen Alter von 45 Jahren verstorben ist. Mit dem Auftakt „Die Frauen vom Café Núria“ beginnt ihre berühmte Barcelona-Trilogie, ein Roman über drei Generationen von Frauen, deren Träume und Kämpfe eine universelle weibliche Erfahrung widerspiegeln: Die Herausforderung, in einer zutiefst männlich geprägten Gesellschaft einen selbstbestimmten Lebensentwurf und eine eigene Identität zu entwickeln.
Inhalt:
Mundeta ist eine Dame der höheren Gesellschaft von Barcelona im Fin de Siècle; ihre Tage bestehen aus Spaziergängen, Opernbesuchen, Diners und der Lektüre von Heiligenbiografien – nur ihrem Tagebuch vertraut sie ihre Träume von Freiheit, fernen Ländern und einer Liebe auf Augenhöhe an. Nach dem Tod ihres Mannes trifft sie zusammen mit ihrer Tochter jede Woche ihre Freundinnen Kati, Sixta und Patrícia im Café Nuria. Es sind die Dreißigerjahre und Spanien ist im Bürgerkrieg. Die Bewunderung ihrer erwachsenen Tochter gilt vor allem Kati, der Anarchistin und Anhängerin der Republik. Doch sie selbst ist in einer Vernunftehe gefangen, aus der es keinen Ausweg gibt. Zwanzig Jahre später schließt sich deren Tochter einer Gruppe von Studierenden an, die im Widerstand gegen das Franco-Regime aktiv sind und auch gegen verkrustete gesellschaftliche Konventionen kämpfen. Sie verliebt sich in Jordi und muss feststellen, dass die Freiheiten, die die Männer für sich in Anspruch nehmen, für Frauen noch lange nicht gelten. Anders als ihre Mutter und Großmutter will sie sich damit nicht abfinden – und trifft eine Entscheidung, die ihr Leben und das ihrer Familie für immer verändern wird.
Meine Meinung:
Ein Klassiker wie „Die Frauen vom Café Núria“ ist keine einfache Lektüre, denn man braucht Zeit und Muße, sich an den fordernden und anspruchsvollen Stil zu gewöhnen. Die nahtlose Erzählweise, die sich verschachtelt voller unübersichtlicher Handlungen Satz an Satz reiht, verlangt, sich in die Gedankenwelt der damaligen Zeit hineinzuversetzen.
Drei Generationen, Großmutter, Mutter und Tochter werden alle Mundeta genannt und hier beginnt das große Verwirrspiel der ganzen Geschichte!
Welche Mundeta gerade über sich erzählt, ist oft schwierig zu erkennen aber letztendlich dreht es sich bei allen drei Frauen um die Sehnsucht nach Selbstbestimmung und einer Liebe auf Augenhöhe. Großmutter mag zwar zusammen mit ihrer Tochter jede Woche ihre Freundinnen Kati, Sixta und Patrícia im Café Nuria getroffen haben aber letztendlich konnte ich hier den eigentlichen Sinn dahinter, nicht verstehen!
Die Geschichte erzählt ausschließlich über die drei Mundeta Frauen und deren Leben, die aus meiner Sicht, Generationsübergreifend völlig identisch scheinen!
Für den modernen Leser liest sich das Buch ungewohnt, denn es hat keinen wirklichen Handlungsbogen.
Fazit:
Eine schwierige Lektüre, die gleichzeitig drei Frauen zu Protagonistinnen macht, die von ihren jeweiligen Erlebnissen, einer versäumten oder verlorenen Liebe und die große Sehnsucht nach Selbstbestimmung erzählen. Ein Wechselbad der Gefühle!
Die Autorin wartet mit anspruchsvollen Formulierungen und kunstvollen Beschreibungen auf, für die es aber ein gutes Durchhaltevermögen braucht. Ein wahrer Klassiker, der zum Lesen, Geduld und etwas Zeit braucht!
Von mir 4 von 5 Sternen!
katis zettelchen
aus Salzburg
3/5
15.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Gefangen in Barcelonas Patriarchat
Drei Generationen, drei Frauen mit demselben Namen, Großmutter (um 1900), Mutter (um 1934) und Tochter (um 1964), Schauplatz Barcelona. Die Damen sind aus der gehobenen Gesellschaft, von ihnen wird viel erwartet, ihr Leben scheint von Geburt an vorbestimmt zu sein. Sie wachsen damit auf, reflektieren es sehr wenig, sie leiden. Keine ist glücklich, alle vermissen das Glück, das sie ausschließlich in der romantisierten Liebe zu einem Mann suchen. Die Männer, in die sie ihre Sehnsüchte projizieren, sind distanziert, auch sie haben ihre Vorstellung davon, wie Frauen funktionieren sollen oder wie man Frauen hofiert. Das ändert sich im Lauf der Jahrzehnte, doch die Distanz bleibt. Die Geschichte der drei Frauen wird durcheinander erzählt, man muss sich konzentrieren, um welche es gerade geht, erschwert durch die identischen Namen. Das erinnert mich an 100 Jahre Einsamkeit, in dem die Männer alle ähnlich oder gleich heißen. Anfänglich hat es mich etwas gestört, doch letztendlich trägt es zur Anonymisierung der Frauen bei, im Vordergrund steht nicht das Individuum, sondern das Verhältnis zwischen Mann und Frau an sich. Das liest sich gut, ich denke, dass es in Spanien viel konservativer war als zur selben Zeit in Deutschland, wahrscheinlich bedingt durch das Franco-Regime, doch ich kenne die Details der spanischen Geschichte dazu zu wenig. Es gibt ein gutes Abbild vom Leben der Frauen, die sehr eingeschränkt leben mit wenig Aufgaben, die sich aber auch nicht selber aus ihrer Situation freikämpfen, vielleicht auch, weil sie nicht aus wirtschaftlichen Gründen kämpfen müssen. Ein Roman, der mir wieder gezeigt hat, wie wichtig der Kampf unserer Mütter, Großmütter und Urgroßmütter war, wieviel sie erreicht haben und dass man Freiheit nur erreicht, wenn man sich darum kümmert – mein Respekt gilt ihnen. Daher für mich lesenswert, ich bin schon gespannt auf den zweiten Teil der Trilogie.
Bewertung
2/5
15.03.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
verliert sich leider
Barcelona, drei Frauen, drei Schicksale, drei Lebenswege und jede heißt Mundeta. Es sind drei Generationen aus einer Familie und jede hat ihre eigene Geschichte. Die Geschichte und das Land verändern sich über die Jahre und so kommen Probleme hinzu und manches löst sich auf und jede der Frauen hat mit der Zeit zu kämpfen und natürlich auch mit den Männern.
Ich mag solche Romane und der Sprung zwischen den Zeiten kann etwas großartiges sein. Hier leider nicht. Nach einem echt guten Start, verliert sich Montserrat Roig zwischen den Zeiten und ich verliere die Mundetas aus den Augen und man kommt ihnen nicht näher, sondern entfernt sich immer mehr von ihnen. Sehr schade, denn sprachlich hat mich das Buch sehr angesprochen, aber es ist einfach zu viel des Guten. Zu viele Namen und Ereignisse und mir fehlt die Struktur und der Halt im Buch. Man weiß an manchen Stellen gar nicht, welcher Mundeta man begegnet. Vom Cover und vom Titel und der Beschreibung her, hatte ich mir tolle Gespräche und Entwicklungen am Kaffeetisch erhofft, aber das ist so leider nicht dabei. Schade.
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