In vielen ostdeutschen Familien wird bis heute nicht unbefangen über das Leben in der DDR gesprochen. Die Filmemacherinnen Sabine Michel und Dörte Grimm haben für dieses Buch Großeltern und ihre nach 1982 geborenen Enkelkinder miteinander ins Gespräch gebracht. Dabei prallen nicht nur unterschiedlichste Prägungen und Wertesysteme aufeinander, sondern buchstäblich die Zukunft und die Vergangenheit. Die aufwühlenden Begegnungen zeigen exemplarisch, wie ein Dialog zwischen den Generationen in Bewegung kommen kann, und helfen zugleich, aktuelle politische Entwicklungen in Ostdeutschland anders und besser zu verstehen.
Kundinnen und Kunden meinen
5.0/5.0
goblin girl
aus Holbeck
5/5
16.04.2024
Buch (Taschenbuch)
ES IST EINMAL - der Buchtitel…
ES IST EINMAL - der Buchtitel lässt einen erstmal stutzen. Die Autorinnen Sabine Michel und Dörte Grimm versuchen, durch Gespräche ostdeutscher Großeltern und ihrer teils westgeprägten Enkel herauszufinden, ob es Parallelen gibt zwischen den Geschichten der älteren Generation und der Lebenssituation derer, die heute jung sind und die DDR-Zeit nicht bewusst erlebt haben. Übereinstimmungen gibt es - diese zehn erstaunlich offenen Interviews bieten einen Querschnitt durch die verschiedensten Gesellschaftsschichten, stellvertretend für die Familien, in denen nicht gesprochen wird. Anmerkungen am Schluss des Buchs erklären Begriffe wie Kader, Kombinat oder Modrow-Verträge, ohne die man Einiges nicht verstehen würde. Auch Dinge, die früher beschönigt, totgeschwiegen oder unter den Teppich gekehrt wurden, traumatische Erlebnisse wie Rassismus, Lagerhaft, Verfolgung oder Flucht werden nicht ausgeklammert. Obwohl es verständlich ist, dass manche Großeltern von der "ewigen Aufarbeitung" nichts mehr hören wollen und lieber das Leben genießen, das sie heute haben, ist es doch wichtig, die Lebensgeschichte dieser Zeitzeugen zu hören, bevor die Generation gestorben ist, die die DDR noch selbst miterlebt hat. Viel zu lesen und mit aussagekräftigen Schwarzweiss-Fotos bebildert. Ich möchte das Buch jedem ans Herz legen, der sich für die deutsch-deutsche Geschichte interessiert.
Franziska Stein
aus Hüttisheim
5/5
05.04.2024
Buch (Taschenbuch)
Es war Einmal…
10 Geschichten
10 Eindrücke
Erzählt von Sabine Michel oder Dörte Grimm. Mit Fotografien von Ina Schoenenburg.
Pro Geschichte waren es immer ca 12 - 20 Seiten. Man konnte gut jede Geschichte für sich lesen. Man hatte auch das Gefühl das man mit an Tisch sitzt bei den Gesprächen und es live mit bekommt. Ich fand die Gespräche sehr interessant wie Enkel und Großeltern sich teilweise ausgetauscht haben und sich gegenseitig fragen stellen konnten.
Ich würde das Buch allen empfehlen die gern was über die ehemaligen Zeit erfahren wollen.
Klare Lese Empfehlung von mir.
Dieses Buch lässt zwei Generationen aufeinandertreffen – und mit ihnen zwei Welten. Sabine Michel und Dörte Grimm bringen in Es ist einmal ostdeutsche Großeltern mit ihren Enkelkindern ins Gespräch. Entstanden ist kein nostalgischer Rückblick, sondern ein vielstimmiger, oft berührender, manchmal unbequemer Dialog über Vergangenheit, Prägung und das Weiterwirken von Lebensgeschichten.
Zehn Gespräche – protokolliert, ungekünstelt, nah. Die Enkel, geboren nach 1982, stellen Fragen, die früher vielleicht ungestellt geblieben wären. Die Großeltern antworten – mal offen, mal zögerlich, mal überrascht über die Perspektive der Jüngeren. Es geht um die DDR, um Brüche, Verluste, aber auch um Stolz, Erfahrung und das, was über Generationen hinweg weitergegeben wird – bewusst oder unbewusst.
Was beeindruckt, ist die Offenheit, die dieses Buch zulässt – auch für Widersprüche. Nichts wird geglättet oder erklärt. Die Gesprächspartner bemühen sich, einander zu verstehen, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Genau darin liegt die Stärke dieses Buches: Es spricht nicht über Ostbiografien – es spricht mit ihnen.
Seine besondere Wirkung entfaltet das Buch durch seine Zurückhaltung. Es urteilt nicht. Es schafft Raum – für Unterschiede, Zweifel, Annäherung. Keine fertigen Antworten, sondern Erinnerungsräume, die nachwirken.
Die im Buch verwendeten Fotos von Ina Schoenenburg sind im Original farbig und nicht im Zusammenhang mit den hier geführten Gesprächen entstanden. Die Porträtierten sind nicht die Personen, deren Stimmen im Buch zu Wort kommen. Und doch begleiten die Bilder das Gelesene auf ihre Weise – still, distanziert, mit einer Ahnung von dem, was zwischen den Zeilen liegt.
Ein leises, kluges Buch über das Sprechen – und das Zuhören. Über Herkunft, Wandel und Verbundenheit. Und darüber, wie Vergangenheit weiterwirkt, wenn man ihr Raum gibt.
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