Meine letzte RezensionMein Leben zwischen Rythm & Bluesvon Fritz Egner
Fritz Egner gehört zu den Menschen, die Musikgeschichte nicht nur gehört, sondern über Jahrzehnte hinweg begleitet und vermittelt haben. In seinem Buch „Mein Leben zwischen Rhythm & Blues“ blickt er zurück auf einen außergewöhnlichen Weg, der ihn von den ersten Erfahrungen im Musikgeschäft bis zu seiner langjährigen Tätigkeit als Radiomoderator führte.
Dabei ist dieses Buch weit mehr als eine Sammlung großer Namen und berühmter Begegnungen. Natürlich tauchen Künstler wie James Brown, Prince oder Mick Jagger auf. Der eigentliche Reiz liegt aber darin, wie Fritz Egner diese Menschen beschreibt. Er begegnet ihnen nicht als jemand, der den Glanz der Stars sucht, sondern als neugieriger Beobachter, der zuhört und verstehen möchte, was hinter der Musik und hinter den öffentlichen Bildern steckt.
Mich hat besonders seine Leidenschaft für die Musik beeindruckt. Egner verfügt über ein Wissen, das aus jahrzehntelanger Beschäftigung mit unterschiedlichsten Stilrichtungen entstanden ist, bleibt dabei aber immer der begeisterte Musikliebhaber, der seine Freude an Künstlern, Songs und besonderen Momenten bewahrt hat.
Gerade als Radiomoderator steht Fritz Egner auch für eine Zeit, in der Musikvermittlung noch eine ganz besondere Bedeutung hatte. Eine gute Radiosendung bestand nicht nur aus dem Abspielen bekannter Titel und kurzen, austauschbaren Ansagen. Es ging darum, Geschichten zu erzählen, Zusammenhänge herzustellen und dem Hörer vielleicht auch einmal eine Platte näherzubringen, die er sonst nie entdeckt hätte.
Viele große Radiopersönlichkeiten waren genau deshalb so prägend: Man hörte ihnen nicht nur zu, weil sie Musik ankündigten, sondern weil man ihrer Auswahl und ihrem Urteil vertraute. Sie hatten eine eigene Stimme, eine Haltung und eine Begeisterung, die sich übertragen konnte. Fritz Egner gehört zu dieser Generation von Moderatoren, die nicht einfach Begleiter eines Programms waren, sondern selbst ein Teil der Musikkultur.
Seine Erinnerungen leben von den vielen kleinen Momenten abseits des Rampenlichts. Es sind nicht nur die großen Begegnungen mit berühmten Künstlern, sondern auch persönliche Gespräche, ungewöhnliche Situationen und manchmal skurrile Erlebnisse, die dieses Buch lebendig machen. Gerade darin zeigt sich seine besondere Perspektive: Er erzählt nicht aus der Sicht eines Stars, sondern aus der eines Menschen, der viele Stars kennenlernen durfte.
Interessant ist auch der Blick auf seinen eigenen Weg. Vom Studiotechniker über die Arbeit in der Musikbranche bis hin zum Moderator – jede Station erzählt von einer Zeit, in der sich die Musikwelt und auch der Umgang mit Musik stark verändert haben. Fritz Egner war dabei immer jemand, der zwischen Künstlern und Publikum vermittelt hat.
Was dieses Buch für mich besonders sympathisch macht, ist der Ton, in dem Egner seine Erinnerungen erzählt. Es geht nicht darum, sich selbst mit berühmten Namen zu schmücken, sondern darum, Erlebnisse und Begeisterung weiterzugeben. Man spürt die Dankbarkeit eines Menschen, der seine Leidenschaft zum Beruf machen durfte.
„Mein Leben zwischen Rhythm & Blues“ ist deshalb nicht nur ein Buch über Musik, sondern auch über eine Haltung zur Musik. Über Neugier, Begeisterung und die Freude daran, anderen Menschen etwas zu zeigen, das sie vielleicht noch nicht kennen.
Ein persönlicher Rückblick eines Mannes, der viele Türen zur Musik öffnen durfte – und uns nun einen Blick hindurch ermöglicht. Wer dieses Buch liest, wird nicht nur klüger über Musik, sondern auch ein Stück weit das Gefühl verstehen, warum Radio einmal mehr war als nur Hintergrundrauschen.