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Meine letzte Rezension Mitternacht in Tschernobyl von Adam Higginbotham
"Mitternacht in Tschernobyl" von Adam Higginbotham ist ein fesselndes und gründlich recherchiertes Werk, das die Ereignisse rund um die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 detailliert und packend schildert. Higginbotham, ein erfahrener Journalist, hat eine beeindruckende Menge an Quellen ausgewertet, um eine umfassende und menschliche Geschichte dieses tragischen Ereignisses zu erzählen. Das Buch beginnt mit einer detaillierten Beschreibung der Vorgeschichte, die die technischen und politischen Hintergründe beleuchtet, welche zur Katastrophe führten. Higginbotham zeichnet ein klares Bild der sowjetischen Atomindustrie und der systemischen Probleme, die zu dem verheerenden Unfall beigetragen haben. Dabei zeigt er, wie technologische Ambitionen und bürokratische Ineffizienz in der Sowjetunion eine gefährliche Mischung bildeten. Besonders hervorzuheben ist die Art und Weise, wie Higginbotham die menschlichen Aspekte der Katastrophe einfängt. Er stellt die Geschichten der Menschen in den Vordergrund, die von der Explosion betroffen waren, seien es die Arbeiter im Kraftwerk, die Feuerwehrleute, die als erste am Unfallort eintrafen, oder die Bewohner der nahegelegenen Stadt Prypjat. Durch Interviews, Tagebucheinträge und Berichte von Augenzeugen wird das Ausmaß des menschlichen Leids greifbar gemacht. Die Spannung des Buches bleibt durchweg hoch, nicht zuletzt wegen Higginbothams Fähigkeit, technische Details verständlich zu erklären und in den Kontext der Ereignisse zu setzen. Der Leser wird in den dramatischen Moment der Explosion hineingezogen und erlebt die darauffolgenden chaotischen und oft verzweifelten Bemühungen, die Strahlenfreisetzung einzudämmen und die Bevölkerung zu schützen. Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist die kritische Auseinandersetzung mit den offiziellen Berichten und Propaganda der sowjetischen Regierung. Higginbotham entlarvt die Vertuschungen und Fehlinformationen, die die Tragödie noch verschlimmerten, und zeigt auf, wie mutige Wissenschaftler und einfache Bürger die Wahrheit ans Licht brachten. "Mitternacht in Tschernobyl" ist nicht nur ein Buch über eine technische Katastrophe, sondern auch eine tiefgehende Untersuchung über menschliches Versagen, Mut und die Suche nach Wahrheit. Higginbotham schafft es, die komplexen Zusammenhänge klar und spannend darzustellen, und bietet einen umfassenden Einblick in eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte. Für Leser, die sich für Geschichte, Technik und die menschlichen Geschichten hinter großen Ereignissen interessieren, ist "Mitternacht in Tschernobyl" ein absolutes Muss. Es ist ein beeindruckendes Werk, das sowohl durch seine Faktenfülle als auch durch seine Erzählweise besticht.
ab 20,00 €
Mitternacht in Tschernobyl
5/5
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Mitternacht in Tschernobyl

"Mitternacht in Tschernobyl" von Adam Higginbotham ist ein fesselndes und gründlich recherchiertes Werk, das die Ereignisse rund um die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 detailliert und packend schildert. Higginbotham, ein erfahrener Journalist, hat eine beeindruckende Menge an Quellen ausgewertet, um eine umfassende und menschliche Geschichte dieses tragischen Ereignisses zu erzählen. Das Buch beginnt mit einer detaillierten Beschreibung der Vorgeschichte, die die technischen und politischen Hintergründe beleuchtet, welche zur Katastrophe führten. Higginbotham zeichnet ein klares Bild der sowjetischen Atomindustrie und der systemischen Probleme, die zu dem verheerenden Unfall beigetragen haben. Dabei zeigt er, wie technologische Ambitionen und bürokratische Ineffizienz in der Sowjetunion eine gefährliche Mischung bildeten. Besonders hervorzuheben ist die Art und Weise, wie Higginbotham die menschlichen Aspekte der Katastrophe einfängt. Er stellt die Geschichten der Menschen in den Vordergrund, die von der Explosion betroffen waren, seien es die Arbeiter im Kraftwerk, die Feuerwehrleute, die als erste am Unfallort eintrafen, oder die Bewohner der nahegelegenen Stadt Prypjat. Durch Interviews, Tagebucheinträge und Berichte von Augenzeugen wird das Ausmaß des menschlichen Leids greifbar gemacht. Die Spannung des Buches bleibt durchweg hoch, nicht zuletzt wegen Higginbothams Fähigkeit, technische Details verständlich zu erklären und in den Kontext der Ereignisse zu setzen. Der Leser wird in den dramatischen Moment der Explosion hineingezogen und erlebt die darauffolgenden chaotischen und oft verzweifelten Bemühungen, die Strahlenfreisetzung einzudämmen und die Bevölkerung zu schützen. Ein weiterer Pluspunkt des Buches ist die kritische Auseinandersetzung mit den offiziellen Berichten und Propaganda der sowjetischen Regierung. Higginbotham entlarvt die Vertuschungen und Fehlinformationen, die die Tragödie noch verschlimmerten, und zeigt auf, wie mutige Wissenschaftler und einfache Bürger die Wahrheit ans Licht brachten. "Mitternacht in Tschernobyl" ist nicht nur ein Buch über eine technische Katastrophe, sondern auch eine tiefgehende Untersuchung über menschliches Versagen, Mut und die Suche nach Wahrheit. Higginbotham schafft es, die komplexen Zusammenhänge klar und spannend darzustellen, und bietet einen umfassenden Einblick in eines der dunkelsten Kapitel der jüngeren Geschichte. Für Leser, die sich für Geschichte, Technik und die menschlichen Geschichten hinter großen Ereignissen interessieren, ist "Mitternacht in Tschernobyl" ein absolutes Muss. Es ist ein beeindruckendes Werk, das sowohl durch seine Faktenfülle als auch durch seine Erzählweise besticht.

HeHa
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Mitternacht in Tschernobyl von Adam Higginbotham

Meine Lieblingswerke

  • Lichtspiel von Daniel Kehlmann
    5/5

    Lichtspiel

    Daniel Kehlmann nimmt den Leser auf eine grandios recherchierte Zeitreise in die Filmgeschichte mit und kreiert mit diesem Roman ein Hohelied auf die deutsche Sprache und ein Feuerwerk an Einfällen. Erzählt wird die Geschichte des Filmregisseurs Georg Wilhelm Pabst und seinen letzten für NS-Deutschland gedrehten Film "Der Fall Molander", der bis heute als verschollen gilt. Einfach köstlich die Beschreibung z.B. des Literatur-Kaffeekränzchen oder die Zusammenkunft mit Goebbels, die sehr genau offenbaren, in welchen Zwängen sich (nicht nur) Künstler in Diktaturen bewegen und welche Entscheidungen sie treffen müssen, um sich entweder zu arrangieren oder geächtet bis (mund-)tot zu sein. Und dabei geht es nicht nur um G.W.Pabst, ebenso treffen wir auf Riefenstahl, Rühmann und viele andere große Namen jener Zeit und ihr Verhältnis zum NS-Regime.

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    Lichtspiel von Daniel Kehlmann
  • Der Osten: eine westdeutsche Erfindung von Dirk Oschmann
    5/5

    Der Osten: eine westdeutsche Erfindung

    Dirk Oschmann zeigt auf, wie politische, soziale und kulturelle Faktoren dazu beigetragen haben, den Osten als "westdeutsche Erfindung" zu konstruieren. Dabei beleuchtet er auch die Rolle der Medien, Literatur und Filmindustrie bei der Formung dieser Vorstellungen. Oschmann bringt verschiedene Perspektiven und Stimmen zu Wort, um ein umfassendes Bild der ostdeutschen Realität und der westdeutschen Wahrnehmung zu zeichnen.Eine unaufgeregte Sicht auf das - mal mehr, mal weniger - erfolgreiche "Zusammenwachsen" der beiden "Deutschländer" - pointiert, fleißig recherchiert und jedem Faktencheck standhaltend und in jedem Falle eine gute Diskussionsgrundlage.

    HeHa
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    Der Osten: eine westdeutsche Erfindung von Dirk Oschmann
  • 72 Minuten bis zur Vernichtung von Annie Jacobsen
    5/5

    72 Minuten bis zur Vernichtung

    Annie Jacobsens neuestes Werk "72 Minuten bis zur Vernichtung" entführt die Leser in die düstere Welt eines Atomkriegsszenarios. Als renommierte US-amerikanische Investigativ-Journalistin, Bestsellerautorin der New York Times und Pulitzer-Preisträgerin hat Jacobsen sich auf die Themen Krieg, Waffen und Sicherheit spezialisiert. Mit ihrem fundierten Wissen und ihrer Erfahrung deckt sie in ihrem Buch die Absurdität und den Wahnsinn menschlichen Verhaltens inmitten eines potenziellen Atomkriegs auf. Durch eine fesselnde Darstellung enthüllt Jacobsen die erschreckend logischen Kettenreaktionen und Folgen eines Atomkriegs. Ihre Beschreibungen dieser Horror-Szenarien sind derart detailreich und realistisch, dass einem beim Lesen buchstäblich die Haare zu Berge stehen. Sie verdeutlicht nachdrücklich, dass jeder, der Zugang zu einem nuklearen Arsenal hat, dieses Buch lesen und seine Botschaft begreifen sollte. Jacobsen hat mit akribischer Recherche und gnadenloser Realitätstreue ein Werk geschaffen, das jedem Leser die Dringlichkeit vor Augen führt, sich mit den verheerenden Konsequenzen eines Atomkriegs auseinanderzusetzen. Es dient als eindringliche Mahnung, bevor man sich bedenkenlos in die Unterstützung aktueller Kriegsbemühungen stürzt. Denn wie die Autorin zeigt, gibt es in einem Atomkrieg keinen Gewinner. Ihre tiefgreifenden Untersuchungen der Kommandostrukturen der US-Atomstreitkräfte fließen in eine fiktive Geschichte ein, die den Wahnsinn der atomaren Kriegslogik der Militärs eindrucksvoll darstellt. Nach der Lektüre bleibt nur eine Schlussfolgerung: Atomwaffen sind schlichtweg Irrsinn. Jacobsens Darstellung und Recherche eines fiktiven Atomkriegs sind so beklemmend nachvollziehbar, dass offensichtlich wird, wie viel Mühe sie darauf verwendet hat, zahlreiche Experten ausführlich zu interviewen und deren Informationen zu verknüpfen. Das Ergebnis ist ein äußerst lesbares Buch, das als eindringliche Warnung verstanden werden sollte. Mit dem Satz „Der nukleare Krieg beginnt mit einem Punkt auf einem Radarbildschirm“ entwirft Jacobsen ein Szenario, das sich über dreimal 24 Minuten erstreckt. So lange dauert es vom ersten Entdecken eines atomaren Marschflugkörpers mit Ziel USA bis zum unausweichlichen und vernichtenden Gegenschlag und dem Ende der Welt, wie wir sie kennen. Doch was geschieht als Nächstes? Wie viel Zeit bleibt dem US-Präsidenten für die Entscheidung, wie der Gegenschlag aussehen soll? Gibt es einen funktionierenden Abwehrschild? Sind die Kommunikationswege zwischen den Atommächten im Ernstfall sicher? Ist eine weltweite Eskalation unvermeidbar? Obwohl das Szenario fiktiv ist, beruhen die zugrundeliegenden Parameter, Befehlsketten, Regeln und technischen Möglichkeiten auf den Fakten, die Jacobsen im Austausch mit Experten und Insiderquellen gesammelt hat. Das Ergebnis ist ein atemloses Leseerlebnis voller hochinteressanter Erkenntnisse – erschreckend, faszinierend und informativ gleichermaßen. Seit dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine und den daraus resultierenden Drohungen Russlands ist die Debatte um Atomwaffen als Abschreckung neu entfacht. Die Zahl einsatzfähiger Atomsprengköpfe weltweit nimmt zu, und die Frage der nuklearen Teilhabe Europas bleibt offen. Doch Jacobsen zeigt auf, dass ihr Buch weit über eine einfache fiktive Erzählung hinausgeht. Es ist eine dringende Warnung vor den verheerenden Konsequenzen eines Atomkriegs und ein Aufruf zur Besinnung und Vorsicht in einer Welt, die gefährlich nah an der nuklearen Katastrophe lebt.

    HeHa
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    72 Minuten bis zur Vernichtung von Annie Jacobsen
  • Lyrics Deutsche Ausgabe von Paul McCartney
    5/5

    Lyrics Deutsche Ausgabe

    Paul McCartneys "Lyrics" ist weit mehr als nur ein Buch; es ist eine musikalische Zeitreise, die uns tief in das Herz und den Verstand eines der größten Songwriter unserer Zeit führt. Angeordnet in alphabetischer Reihenfolge, entfaltet sich vor dem Leser ein autobiografisches Panorama, das von McCartneys ersten musikalischen Schritten bis hin zu seinen jüngsten Werken reicht. Es ist diese Anordnung, die "Lyrics" zu einem faszinierenden und unkonventionellen Memoir macht. Die Entstehungsgeschichten hinter Klassikern wie "Hey Jude", "Yesterday" und "Let it Be" sowie weniger bekannten Kompositionen werden mit einer Offenheit und Intimität geteilt, die McCartneys Persönlichkeit und Stimme lebendig werden lassen. Das Buch ist nicht nur eine Sammlung von Songs, sondern auch von Geschichten über Menschen und Orte, die McCartney geprägt haben, und über seine Reflexionen zu seinen Werken in der heutigen Zeit. Besonders bemerkenswert ist der Einblick in McCartneys Beziehungen zu Schlüsselfiguren wie John Lennon und Yoko Ono, die er mit viel Charme und Nachdenklichkeit schildert. Diese persönlichen Anekdoten verleihen "Lyrics" eine Tiefe, die über die eines typischen Musikmemoirs hinausgeht. Ein weiteres Highlight des Buches ist die reichhaltige Sammlung von Materialien aus McCartneys Privatarchiv. Skizzen, Briefe und insbesondere Fotografien, viele davon bisher unveröffentlicht, machen "Lyrics" zu einem visuellen Schatz für Fans und Historiker gleichermaßen. Die hervorragende Aufmachung des Buches – von der Qualität des Papiers bis hin zum ansprechenden Schuber – unterstreicht die Bedeutung und den Wert dieses Werks. "Lyrics" ist ein Buch, das Vergnügen bereitet und zum Stöbern einlädt. Es bietet einen sehr persönlichen Einblick in McCartneys kreativen Prozess, seine Inspirationen und die Geschichten hinter seinen Songs. Es ist eine umfassende Empfehlung für jeden, der sich für Musik, Geschichte und das Schaffen eines der einflussreichsten Musiker des 20. Jahrhunderts interessiert. Mit "Lyrics" hält man ein tonnenschweres, doch gleichzeitig wunderbar leichtes und erhebendes Buch in den Händen, das die einzigartige Chance bietet, Paul McCartney auf eine bisher unbekannte Weise kennenzulernen.

    HeHa
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    Lyrics Deutsche Ausgabe von Paul McCartney
  • Diesseits der Mauer von Katja Hoyer
    5/5

    Diesseits der Mauer

    Geschichten aus dem "Land vor unserer Zeit", die die Geschichte der DDR "von unten" zu erzählen versucht. Katja Hoyer präsentiert die Geschichte der DDR nicht als reine Politik- und Faktengeschichte, sondern erzählt in einer Verflechtung von Alltags-, Wirtschafts-, Sozial-, Kultur- und Politikgeschichte eine äußerst fesselnde Lektüre über die Zeit zwischen 1949 und 1989. Um das Leben der Menschen in der DDR besser verstehen zu können, muss man den Alltag in den Blick nehmen, ihn differenziert betrachten und in Beziehung zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen setzen. Dies gelingt Katja Hoyer auf beeindruckende Weise. Und dennoch wird sie sofort in Sippenhaft genommen (ihre Eltern waren schließlich..., da kann sie nur auf diese Weise die DDR schönfärben) und angefeindet, weil sie angeblich zu weichzeichnet und daher außer Acht lässt, dass die DDR ja ein Unrechtsstaat war. Keinesfalls tut sie das: "Das Ausmaß des Unterfangens ist beeindruckend und macht die DDR zu einem der effizientesten und rücksichtslosesten Polizeistaaten aller Zeiten" (S. 188). Und wieder wird deutlich: Ein Autor, der seine Wurzeln im östlich der Elbe gelegenen Teil des Landes hat (Katja Hoyer war zwar erst 4 Jahre alt, als die Mauer fiel), kann doch nun wirklich kein ernstzunehmendes Buch über die DDR schreiben! Doch!!! Ich halte es da wie Elke Schlinsog beim Deutschlandfunk Kultur: »Interessanter Ansatz, die DDR-Geschichte von unten zu erzählen und mit sozialistischer Realpolitik zu verknüpfen.« In diesem Sinne ist dieses informative Buch ein großer Gewinn. Es ist eine Form von Aufklärung, die Reibung erzeugt - und das ist gut so! Und nebenbei liefern die teilweise harschen Verrisse und negativen Rezensionen die Bestätigung für die von Dirk Oschmann im Buch "Der Osten: eine westdeutsche Erfindung" vorgetragenen Thesen. Bis heute wird die Geschichtsschreibung der DDR hauptsächlich aus westlicher Perspektive dominiert. Dabei wird oft übersehen, dass die meisten der 16 Millionen Einwohner der DDR ein relativ friedliches Leben führten, geprägt von alltäglichen Problemen, Freuden und Sorgen. Während die Mauer die Freiheit einschränkte, waren andere gesellschaftliche Barrieren gefallen. Die DDR ist Teil der deutschen Geschichte und kein bedauerlicher Unfall - sie war (genauso wie die Bundesrepublik Deutschland) ein Ergebnis des Weltkrieges und der Kapitulation Deutschlands und des folgenden kalten Krieges. Wer dachte, dass die Bürger der DDR nach dem Untergang dieses Staates zu Westdeutschen werden, sollte verstehen, dass ein Staat untergegangen ist und nicht seine Bürger. Diese Menschen leben nun in unserem gemeinsamen Land mit ihren eigenen, großartigen (!) (Lebens-)Geschichten. Ich empfehle dieses in leicht lesbarer Art hervorragend geschriebene Buch (Übersetzung aus dem Englischen von Henning Dedekind und Franka Reinhart) uneingeschränkt all jenen, die Geschichte nicht nur schwarz-weiß zu malen gedenken sondern auch auf die Zwischentöne neugierig sind.

    HeHa
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    Diesseits der Mauer von Katja Hoyer
  • Die letzte Kosmonautin von Brandon Q. Morris
    4/5

    Die letzte Kosmonautin

    "Die letzte Kosmonautin" ist ein außergewöhnlicher Roman, der in einem alternativen Universum spielt, in dem die DDR nicht nur überlebt hat, sondern auch technologische Meilensteine erreicht, einschließlich der Betreibung einer eigenen Raumstation. Brandon Q. Morris schafft es auf meisterhafte Weise, Elemente von Science Fiction, Dystopie, Krimi und eine Prise Satire zu einem packenden Leseerlebnis zu verweben. Der Roman startet mit der verblüffenden Prämisse, dass die DDR das Jahr 1989 überdauert und weiterhin existiert. Diese alternative Geschichte bietet einen fruchtbaren Boden für eine tiefgehende Exploration von "was wäre wenn" Szenarien, die sowohl unterhaltsam als auch intellektuell stimulierend sind. Besonders faszinierend ist die liebevolle Detailtreue, mit der der Autor die DDR-Welt ausstattet – von der Verwendung originärer DDR-Begriffe wie "Plaste" und "Mutti" bis hin zu Neuschöpfungen wie "Handtelefon" und "Tragrechner", die sich nahtlos in das Setting einfügen. Der Humor des Buches, ob beabsichtigt oder nicht, verleiht der Geschichte eine leichte Note, die besonders in der ersten Hälfte des Buches zum Tragen kommt. Hier sorgt der satirische Unterton für zahlreiche Schmunzelmomente. Der Übergang in die zweite Hälfte des Buches markiert einen Wechsel zu einem deutlich spannenderen Ton, als die Haupthandlung – eine weitreichende Verschwörung – sich entfaltet und den Leser tief in ihre Verstrickungen zieht. Trotz einiger überzogener Elemente und gelegentlich nervig wirkender Charakterzüge, wie dem spätpubertären Verhalten von Tobias, bietet das Buch eine solide Erzählung, die sowohl Fans von gut konstruierten Alternativwelten als auch Liebhaber deutscher Geschichte ansprechen dürfte. Die Erzählung endet offen, mit verschiedenen Handlungssträngen, die auf eine mögliche Fortsetzung hoffen lassen. Diese Offenheit mag einige Leser unbefriedigt zurücklassen, trägt aber auch zum Nachdenken und zur Diskussion bei. Insgesamt ist "Die letzte Kosmonautin" eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die ein Faible für durchdachte Alternativgeschichten mit einer starken Prise deutscher Kultur haben. Es ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt, unterhält und den Leser bis zum Schluss fesselt. Ein Muss für Fans von Science Fiction und historischen Spekulationen.

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    Die letzte Kosmonautin von Brandon Q. Morris
  • Endlich gute Musik von Nilz Bokelberg
    5/5

    Endlich gute Musik

    „Endlich gute Musik“ von Nilz Bokelberg ist weit mehr als nur ein Buch – es ist eine Zeitreise durch die Musikgeschichte eines echten Musikliebhabers. Mit seinem unverwechselbaren Charme und einer begeisternden Leidenschaft führt uns Bokelberg durch sein Leben, erzählt anhand von großen Songs und prägenden Alben. Dabei ist jedes Kapitel wie ein liebevoll zusammengestelltes Mixtape, das nicht nur Musikkenner begeistert, sondern jeden, der Musik als universelle Sprache des Herzens versteht. Von The Clash über The Cure bis hin zu Weezer und Nikka Costa – Bokelberg lässt keine Musikrichtung aus und präsentiert eine Bandbreite, die beeindruckt. Seine persönlichen Anekdoten zu jedem Song und jeder Band geben dem Leser das Gefühl, direkt neben ihm auf dem Sofa zu sitzen und gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen. Ob es um den Soundtrack seiner Jugend geht, den schweren Weg zum HipHop oder die ewige Suche nach der besten Ballade – Bokelberg schafft es, seine musikalischen Erlebnisse so zu schildern, dass man sich nicht nur unterhalten fühlt, sondern auch emotional berührt wird. Das Buch ist dabei erfrischend ehrlich und authentisch. Bokelberg gesteht musikalische Fehltritte und enttäuschende Albumkäufe, was ihn nur umso sympathischer macht. Gleichzeitig zeigt er eine tiefe Anerkennung für die Musik und ihre Künstler, was besonders in den Kapiteln über weniger bekannte Songs und Genres zum Ausdruck kommt. Jedes Genre wird mit einer ansteckenden Begeisterung präsentiert, sodass man unweigerlich Lust bekommt, sich durch die besprochenen Tracks zu hören. Die Struktur des Buches unterstützt das flüssige Leseerlebnis – jedes Kapitel endet mit einer kurzen, aber prägnanten Playlist, die zum Vertiefen und Weiterhören einlädt. Diese Playlists sind wie kleine Schatzkisten, gefüllt mit musikalischen Perlen, die man vielleicht selbst noch nicht entdeckt hat. Nilz Bokelberg, vielen noch als VIVA-Moderator bekannt, beweist mit „Endlich gute Musik“, dass er ein echter Erzähler ist. Das Buch ist humorvoll, informativ und steckt voller Liebe zur Musik. Es fühlt sich an, als würde ein guter Freund sein Herz ausschütten und dabei die Soundtracks seines Lebens teilen. Für Fans von Popkultur, Musikgeschichte und persönlichen Geschichten ist dieses Buch ein absolutes Muss. Kurzum: „Endlich gute Musik“ ist ein Buch, das man nicht nur liest, sondern erlebt. Es verdient einen besonderen Platz im Regal eines jeden Musikliebhabers und die volle Punktzahl!

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    Endlich gute Musik von Nilz Bokelberg
  • Mein Herz hat Sonnenbrand von Michael Behrendt
    5/5

    Mein Herz hat Sonnenbrand

    In der Welt der Musik sind es oft die Melodien, die uns fesseln und die Herzen höher schlagen lassen. Doch was passiert, wenn man sich einmal wirklich auf die Texte einlässt, die wir tagtäglich unbewusst mitsummen? Michael Behrendt hat sich dieser Frage in seinem neuesten Werk gewidmet und nimmt den Leser mit auf eine amüsante und manchmal auch augenöffnende Reise durch die Welt der Songtexte. „Eine vergnügliche Sprachreise durch die wundersame Welt der Songtexte“ leistet genau das, was der Titel verspricht. Von Punk über Rock, Soul und Dance bis hin zum Rap und Schlager – kein Genre bleibt von Behrendts scharfem Blick verschont. Er deckt dabei nicht nur die lyrischen Missgeschicke und skurrilen Zeilen deutscher Musikgrößen wie Roland Kaiser oder Helene Fischer auf, sondern wagt sich auch an englische Hits heran. Behrendt arbeitet sich durch verschiedene Epochen und zeigt auf, dass selbst die größten Musiklegenden nicht vor sprachlichen Fehltritten gefeit sind. Durch seine Analysen entlarvt er ungewollt komische Metaphern, fragwürdige Reime und sogar den gelegentlichen kulturellen Fauxpas. Diese Reise durch das Kuriositätenkabinett der Songtexte ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch lehrreich, denn sie schärft den Blick für die Bedeutung und die Wirkung von Sprache in der Musik. Das Buch überzeugt durch seinen Witz und die ironisch-satirische Herangehensweise, mit der Behrendt die Texte sezieren und interpretieren. Ein besonderer Genuss sind dabei die eigens kreierten Playlists, die es dem Leser ermöglichen, die besprochenen Songs noch einmal neu – und diesmal mit einem kritischen Ohr – zu erleben. Besonders hervorzuheben ist auch die stilistische Vielfalt, mit der Behrendt arbeitet. Seine Vergleiche sind manchmal drastisch, wenn er beispielsweise die Textanalyse mit der Arbeit eines Profilers vergleicht, der sich in die Gedankenwelt eines Serienmörders versetzt. Solche Analogien mögen zwar für den ein oder anderen Leser als überzogen erscheinen, dienen jedoch effektiv der Veranschaulichung seiner Methodik und unterstreichen den oft grotesken Charakter der analysierten Texte. „Mein Herz hat Sonnenbrand“ ist ein Muss für jeden, der Musik liebt und einen tieferen Blick in die oft überhörten Texte werfen möchte. Michael Behrendt hat ein Buch geschrieben, das unterhält, informiert und die Augen dafür öffnet, wie viel Macht Worte haben können – selbst wenn sie manchmal nur zum Schmunzeln sind. Ein erfrischender Blick auf das, was oft im Verborgenen bleibt – die manchmal bizarre Welt hinter den Lyrics unserer Lieblingshits.

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  • Ein neues Jahr voller Wunder von Clemency Burton-Hill
    5/5

    Ein neues Jahr voller Wunder

    Clemency Burton-Hill, eine renommierte Musikerin und beliebte Moderatorin, bringt mit ihrem Buch eine frische und persönliche Perspektive in die Welt der klassischen Musik. Sie vereint ihre Leidenschaft für Musik und ihre Fähigkeit, diese zu vermitteln, in einem Werk, das sowohl Neulinge als auch Kenner der Klassik begeistern wird. Genau wie das 2017 erschienene "Ein Jahr voller Wunder" dient auch der vorliegende Nachfolger als musikalischer Jahreskalender, der nicht nur täglich neue Werke präsentiert, sondern auch tiefgehende und verständliche Einblicke in das Leben und Schaffen der unterschiedlichsten Komponisten bietet. Burton-Hills Auswahl umfasst ein breites Spektrum an Musikrichtungen und schafft so einen umfassenden Überblick über das klassische Repertoire. Ihre Texte sind kurz und prägnant, machen neugierig und laden zum tieferen Eintauchen in die Musik ein. Besonders bereichernd ist die Entdeckung von weniger bekannten Ensembles, deren Musik durch die Empfehlungen von Burton-Hill vielen Lesern erstmalig nähergebracht wird. Dieser Aspekt unterstreicht die Stärke des Buches: Es eröffnet neue musikalische Welten und fördert die musikalische Bildung auf eine zugängliche und angenehme Weise. Das Buch ist nicht nur eine wunderbare Einführung in die Klassik, sondern auch ein fortwährendes Vergnügen, da man es Jahr für Jahr erneut - nun sogar im Wechsel mit dem Vorgänger - zur Hand nehmen kann, Die liebevollen und kompetenten Kommentare zu den einzelnen Stücken machen es zu einem unverzichtbaren Begleiter für jeden Musikliebhaber und zu einem idealen Geschenk. Insgesamt ist Burton-Hills Buch ein Muss für alle, die klassische Musik lieben oder sich ihr nähern möchten. Es besticht durch seine leichte Zugänglichkeit und die Fähigkeit, tiefgehende Emotionen und Schönheit in der Musik zu vermitteln. Ein wahrhaft inspirierendes Werk, das zeigt, wie wunderbar klassische Musik sein kann, wenn man sie mit offenen Ohren und einem offenen Geist erlebt.

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  • Krieg von Louis-Ferdinand Celine
    5/5

    Krieg

    Louis-Ferdinand Célines "Krieg" ist ein literarisches Manifest der menschlichen Zerrissenheit und der Abgründe, die sich in den dunkelsten Stunden des Krieges auftun. Der Autor, selbst ein Kriegsfreiwilliger und später Verwundeter des Ersten Weltkriegs, führt uns durch die Wirren des Konflikts und enthüllt dabei die unerbittliche Realität, die das menschliche Wesen im Angesicht der Zerstörung annimmt. Der Roman folgt dem Schicksal von Ferdinand, einem Soldaten, der gleich zu Beginn des Krieges schwer verwundet wird. Unter furchtbaren Bedingungen operiert, kommt er halb tot in ein Militärkrankenhaus. Durch Ferdinands Augen erleben wir die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Krieges in all ihren Facetten. Die Figuren, die Céline zum Leben erweckt, sind gebrochene Seelen, gezeichnet von den physischen und psychischen Narben des Krieges. Was "Krieg" so außergewöhnlich macht, ist Célines unverblümte Sprache. Er scheut sich nicht davor, die drastische Realität des Krieges in all ihren schrecklichen Details darzustellen. Die Dialoge sind intensiv, die Beschreibungen schonungslos, und das verleiht dem Werk eine ungeheure Intensität, die den Leser mitreißt und zutiefst berührt. Doch "Krieg" ist nicht nur eine Abhandlung über die Schrecken des Krieges; es ist auch eine eindringliche Studie über die menschliche Natur. Céline deckt die dunklen Seiten der menschlichen Psyche auf – Verrohung, Egoismus, Zynismus – und zeigt, wie diese in den Extremsituationen des Krieges zum Vorschein kommen. Dieses Buch ist keine leichte Lektüre. Es ist düster, es ist drastisch, und es ist unbequem. Aber es ist auch ein Meisterwerk. Céline zwingt uns, hinzusehen, uns mit den Schrecken auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken. "Krieg" ist ein literarisches Mahnmal, das uns daran erinnert, wie wichtig es ist, den Frieden zu bewahren und die Gräuel des Krieges niemals zu vergessen. Die Übersetzung von Hinrich Schmidt-Henkel verdient besondere Anerkennung, da sie die authentische Stimme Célines meisterhaft ins Deutsche überträgt. Das Vorwort von Niklas Bender bietet darüber hinaus wertvolle Einblicke in den historischen und literarischen Kontext des Romans, der ohne Zweifel als ein bedeutendes Werk des literarischen Expressionismus betrachtet werden kann. "Krieg" ist ein Buch, das man nicht einfach nur liest, sondern das einen tief berührt und zum Nachdenken anregt. Es ist ein kraftvolles Plädoyer für Frieden und Menschlichkeit in einer Welt, die von Gewalt und Zerstörung geprägt ist.

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