In der Steiermark lauert der Tod: Ein Krimi aus der Kaiserzeit mit überraschend modernen Themen!
Frohnleiten, 1897: Statt die Sommerfrische zu genießen, bekommt es Arzt Titus Pyrner in der Kaltwasserheilanstalt erst mit einem verschollenen Kurgast und dann mit dessen Leiche zu tun. Zusammen mit dem jungen Untersuchungsrichter Franz Stahlbaum folgt er den zahlreichen Hinweisen und stößt dabei nicht nur auf Gerüchte um verkaufte Kinder, sondern muss sich auch mit den Vorurteilen der bürgerlichen Gesellschaft auseinandersetzen. Doch dann bringt ein Gewitter die beiden der Lösung des Falls einen entscheidenden Schritt näher ...
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Gertie G.
aus Wien
4/5
03.03.2024
eBook (ePUB)
Ein gelungener Reihenauftakt
Das ist der dritte historische Krimi aus Gudrun Wiesers Feder, den ich lese. Spielen die beiden anderen in den nahen Umgebung von Graz, so führt uns die Autorin diesmal in das Jahr 1897 und nach Frohnleiten in der Obersteiermark.
Dr. Titus Pyrner ist Mediziner und soll sich mit Kaltwassergüssen von seinem Leiden „Nicht-NEIN-sagen zu können“ kurieren. Dabei müsste er eigentlich statt der Symptome, die Ursache bekämpfen und sich von seinem übermächtigen Vater lösen.
Als er vom Hoteldirektor gebeten wird, nach einem zunächst verschwunden Hotelgast zu suchen kann er - erraten - die Bitte nicht ablehnen. Natürlich stolpert Titus über dessen Leiche und sieht sich seinem zweitschlimmsten Albtraum gegenüber: Franz Stahlbaum, einem Mitschüler aus der Gymnasialzeit, der nun als Untersuchungsrichter die Ermittlungen leitet, und ebenso ein Verzweifelter ist wie er selbst. Bei ihm ist es Anton Meisl, der altgediente und karrierebewusste Gendarm, der ihn mit Argusaugen betrachtet, denn ein Arbeitersohn hat Meisls Meinung nach nichts auf der Universität verloren. Meisl lässt nichts unversucht Stahlbaum einen Fehler nachzuweisen. So müssen sich Titus, der noch dazu wegen seiner roten Haare gehänselt wird, und Franz zusammenraufen.
Als dann noch die Witwe des Toten und Gerüchte um verkaufte Kinder der italienischen Ziegelarbeiter, die in der Nähe der Kuranstalt Ziegel schlagen, auftauchen, müssen Franz und Titus zahlreichen Spuren nachgehen, die mitunter in Sackgassen münden, Unvorhersehbares ans Tageslicht bringen und den zuvor ziemlich von sich eingenommen Meisl, kleinlaut werden lassen.
Meine Meinung:
Es dauert ein wenig, bis die Ermittlungen so richtig in Schwung kommen, denn zunächst geht man ja davon aus, dass der vermisste Hotelgast ein Gspusi hat. Die Witwe bringt dann den armen Titus ein wenig in die Bredouille, denn er kann schon wieder nicht NEIN sagen.
Dieser historische Krimi ist eine gelungene Studie zu Standesdünkel & Co.. Kleider machen Leute und Arbeitersöhne sollen Arbeiter bleiben. Das Durchmischen der Stände ist nicht opportun. Das gilt für den Adel als auch für das Bürgertum, das die Beamten stellt.
Die Charaktere sind gut beschrieben, wenn auch Titus und Franz sich manchmal auf Grund ihrer Unsicherheit ungeschickt verhalten. Beide wollen keinen Fehler machen, tappen aber wegen ihrer angestrengten Vermeidungsstrategie prompt in die Falle. Ein erfrischender Charakter ist Salome Grün, die Tochter eines Botanikers, die sich zu behaupten weiß und das Herz am rechten Fleck. Herrlich auch die Geheimratswitwe, die wie eine Fregatte durch die Kuranstalt segelt und für Unruhe sorgt.
Den Kapitelns sind Zitate aus dem 1893 von Professor Dr. Hans Gross (1847-1915) herausgegebenen „Handbuch für Untersuchungsrichter als System der Kriminalistik.“ vorangestellt. Professor Gross ist der erste Kriminologe und hat einen Lehrstuhl an der Uni Graz begründet. Ich finde es immer spannend, mit welchen einfachen Mitteln die Ermittler von damals auskommen mussten. Es wird noch bis 1900 dauern, bis die Anwendung der Daktyloskopie auch in der Donaumonarchie eingeführt wird. Ihren Durchbruch wird sie dann mit der Erfindung von Rudolf Schneider, der die sogenannte „Wiener Folie“ zum Patent angemeldet hat, erringen.
Gut beschrieben sind auch Land und Leute. Wir erfahren einiges über Frohnleiten, die Gasthäuser des Ortes, die Höhlen in der Umgebung sowie über das Los der Ziegelarbeiter, die hier aus Italien und nicht wie in Wien aus Böhmen kommen.
Ich freue mich auf eine Fortsetzung, denn mir sind Franz, Titus und Salome ans Herz gewachsen. Lediglich das Cover hat mir diesmal nicht so gut gefallen, dabei hat der Emons-Verlag sonst ein sehr gutes Händchen für die Cover-Gestaltung.
Fazit:
Gerne gebe ich diesem Ausflug in die Donaumonarchie und die Anfänge der Kriminalistik 4 Sterne.
Philiene
aus Süsel
4/5
29.02.2024
eBook (ePUB)
Mord im Kurbad
Eigentlich wollte der Arzt Titus Pyrner ein paar Tage im Kurort an der Mur verbringen, doch dann wird ein Kurgast vermisst und er ist mittendrin in der Ermittlungen. Nicht genug das es das unfreiwillig tun muss, ausgerechnet sein alter Klassenkamerad Franz Stahlbaum soll die Ermittlungen leiten und die Beiden können sich nicht wirklich leiden.
Genau diese Spannungen und ihre Art amut umzugehen macht für mich einen großen Teil dieses Buches aus. Einfach herrlich die Beiden, die sich vielleicht ähnlicher sind als sie es wahr haben wollen.
Natürlich darf in einem Krimi auch die Spannung nicht fehlen. Die ist auf jeden Fall gegeben. Ende des neunzehnten Jahrhunderts sehen die Ermittlungen natürlich noch ganz anders aus als neue, das wird hier genau beschrieben und auch die Situation in dem Kurbad kommt gut rüber. So ist der Roman eine perfekte Mischung aus historischem Roman und Krimi .
Eliza
5/5
22.06.2025
Buch (Taschenbuch)
Süffisanten Anekdoten des Kuralltags
Ein sehr differenziertes Ermittler-Duo in einem verzwickten Mordfall, der mit süffisanten Anekdoten des Kuralltags in der damaligen Zeit für ein kurzweiliges Lesevergnügen sorgt. In Frohnleiten im Jahr 1897 wird der Allgemeinmediziner Titus auf einen verschollenen Kurgast aufmerksam gemacht und nach kurzer Suche wird dieser tot aufgefunden. Er hat kurz vorher seinen ehemaligen Klassenkameraden Franz in einer sonderbaren Situation wieder getroffen. Widerspenstig erklärt er sich bereit seinem ehemaligen Kameraden zu helfen. Die Antipathie der beiden Protagonisten sorgt dabei für eine unterhaltsame Reise durch die Kur-Welt in Frohnleiten auf der Suche nach den Tätern.
Untersuchungsrichter Franz ist ein leicht impulsiver Charakter, der durchaus schnell aufbrausend und manchmal etwas unbedacht in Situationen agiert. Titus dagegen wirkt wesentlich ruhiger und abgeklärter, auch wenn er manchmal emotional sehr unsicher agiert. Diese gute Mischung der beiden ermittelnden Personen sorgt für eine gute Abwechslung bei der Entwicklung der Story. Auch die Nebencharaktere sind gut gewählt und ich konnte für einige durchaus Sympathie entwickeln.
Der Schreibstil der Autorin ist mit einer Sprachfärbung der damaligen Zeit gewählt mit österreichischem Einschlag. An der ein oder anderen Stelle verwendet die Autorin Begrifflichkeiten, die in der heutigen Zeit so nicht mehr im allgemeinen Sprachgebrauch ihre Anwendung finden, aber für die Authentizität der Story habe ich das im Wesentlichen als korrekt empfunden.
Die Spannung der Erzählung ist gut und wer aufpasst kann eventuell auf die Täter kommen, ich habe es trotz Konzentration aber nicht geschafft. Sehr gut hat mir die allgemeine geschriebene Atmosphäre in der Geschichte gefallen. Ich konnte mir die Umgebung, sowie das allgemeine Verhalten und Handlungsgeschehen der Protagonisten ziemlich gut vorstellen. Ein zwei Turns hätte ich mir in der Geschichte noch gewünscht, aber das ist nur eine kleine Anmerkung, an der in sich sehr gut konstruierten, sehr schön erzählten und auch durchaus humorvollen Kriminalstory.
Silke - Buchgespür -
5/5
11.04.2025
Buch (Taschenbuch)
Spannender historischer Krimi
Geheimnisse in der Grünen Mark“ von Gudrun Wieser ist ein historischer Kriminalroman, der in der Steiermark des Jahres 1897 spielt. Der Arzt Titus Pyrner verbringt seine Sommerfrische wiederholt in der Kaltwasserheilanstalt von Frohnleiten, auf die Rückkehr einer jungen Dame hoffend, die er im Vorjahr kennengelernt hat. Als ein Kurgast spurlos verschwindet und wenig später tot aufgefunden wird, beginnt Pyrner, zusammen mit dem jungen Untersuchungsrichter Franz Stahlbaum, den Fall zu untersuchen. Dabei stoßen sie auf Gerüchte über verschwundene Kinder und werden mit den Vorurteilen der bürgerlichen Gesellschaft konfrontiert.
Der Krimi hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Die Handlung ist bis zum Schluss spannend und voller unerwarteter Wendungen. Kurz vor dem Ende hatte ich eine Vermutung, wer der Mörder sein könnte, doch die wahren Beweggründe haben mich überrascht. Der Fall ist perfekt konstruiert und hält den Leser kontinuierlich in Atem.
Besonders schön, fand ich die Entwicklung der Beziehung zwischen Titus Pyrner und Franz Stahlbaum. Beide kennen sich aus der Schulzeit, waren damals aber keine Freunde, weil Stahlbaum sich permanent über Pyrner lustig gemacht hat. Während der gemeinsamen Ermittlungen wachsen sie nun aber zusammen und werden zu einem starken Team. Beide sind sympathische und tiefgründig beschriebene Charaktere, deren Gedanken und Gefühle absolut nachvollziehbar sind. Ich habe mit ihnen mitgefiebert, gehofft und gebangt, dass ihre privaten Sehnsüchte und ihre Ermittlungsarbeit ein positives Ende finden.
Gudrun Wieser gelingt es zudem meisterhaft, sozialkritische Themen und die Vorurteile der bürgerlichen Gesellschaft jener Zeit in die Geschichte einzuflechten. Dabei zeigt sie auch, dass es Menschen gab, die sich diesen Vorurteilen widersetzten. Die Orts- und Landschaftsbeschreibungen sind so lebendig, dass sie in mir die Sehnsucht geweckt haben, die mir bekannte Steiermark erneut zu besuchen.
Der Schreibstil der Autorin ist authentisch und atmosphärisch dicht. Durch die Verwendung historischer Ausdrücke und lokaler Sprache fühlt man sich direkt in die Kaiserzeit versetzt. Humorvolle Einschübe lockern die ernste Thematik auf und machen das Buch zu einem wahren Lesevergnügen.
Dave
5/5
16.04.2024
Buch (Taschenbuch)
Gudrun Wiesers "Geheimnis in…
Gudrun Wiesers "Geheimnis in der Grünen Mark " entführt die Leser*innen auf eine faszinierende Reise in die Steiermark Ende des 19. Jahrhunderts. Der historische Krimi verwebt geschickt die Atmosphäre des kaiserlichen Österreichs mit einem spannenden Mordfall, der die Leser*innen bis zur letzten Seite in Atem hält. Die Geschichte beginnt mit dem Verschwinden eines Kurgastes in der Kuranstalt Frohnleiten. Zufällig ist auch Dr. Titus Pyrner vor Ort auf Kur. Der hiesige Arzt bittet Titus in Erfahrung zu bringen, wo der verschollene Kurgast verblieben sein könnte. Nach einigen Recherchen trifft Titus auf den jungen Untersuchungsrichter Franz Stahlbaum, mit dem er bereits die Schulbank gedrückt hat. Beide ermitteln schnell Hand in Hand im Fall des verschollenen Kurgastes und aus ehemaligen Rivalen werden schnell Partner und "Freunde". Als dann die Leiche des Kurgastes auftaucht und seine Ehefrau vor der Tür der Anstalt steht, beginnt ein Strudel voller Intrigen und Geheimnisse die den jungen Arzt zu verschlingen drohen. Was "Geheimnisse in der Grünen Mark" besonders macht, ist Oswalds meisterhafte Darstellung der Epoche. Die detaillierte Recherche und die lebendige Beschreibung der historischen Schauplätze versetzen den Leser direkt ins Herz der Steiermark. Von der mondänen Kurstadt bis zu den düsteren Ufern der Mur– jede Szene ist mit historischer Genauigkeit und einem Hauch von Nostalgie eingefangen. Die Charaktere sind ebenfalls überzeugend dargestellt. Dr. Titus Pyrner ist ein vielschichtiger Protagonist, der sehr sympathisch den Leser*innen vermittelt wird. Auch Franz Stahlbaum wird schnell von der Leser*innen ins Herz geschlossen werden. Beide Figuren sind ein unschlagbares Team und ich könnte mir durchaus noch mehrere Geschichte mit den beiden Männern vorstellen und hoffe auf Fortsetzung. Der Kriminalfall selbst ist geschickt konstruiert und lässt die Leser*innen bis zum Schluss im Dunkeln tappen. Mit unerwarteten Wendungen führt Gudrun Wieder die Leser*innen auf falsche Fährten, bevor die Wahrheit "zufällig" entdeckt wird. Leider hat mir so ein bisschen der Weg zu einer Lösung des Falls gefehlt. Es werden viele Fäden aufgenommen, doch letztendlich kommen die beiden Ermittler durch Zufall auf den Täter, welcher einfach nur zur falschen Zeit, am falschen Ort war. Ich würde mir wünschen, dass in einer Fortsetzung die beiden Männer nochmal eine Chance bekommen ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und wer weiß, vielleicht gibt es wieder die ein oder andere weibliche Unterstützung. Insgesamt ist "Geheimnisse in der grünen Mark" ein gemütlicher und kurzweiliger historischer Krimi, der sowohl Krimifans als auch Liebhaber historischer Romane gleichermaßen begeistern wird. Gudrun Wieser beweist mit diesem Roman ihr Talent für fesselnde Geschichten und ihre Liebe zum Detail, und hinterlässt bei den Leser*innen ein dringendes Verlangen, mehr von Titus und Franz zu erfahren.
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