Gerade in krisenhaften Zeiten ist es wichtig, einen klaren moralischen Kompass zu haben, die eigenen Werte zu kennen und auch zu ihnen zu stehen. Kristina Lunz ist überzeugt: Empathie und Widerstand sind hilfreiche Hebel, um die eigene Haltung zu finden, Menschlichkeit zu zeigen und Wandel zu gestalten. Was zunächst nach einem Gegensatzpaar klingt, passt perfekt in die schwierige Zeit und ist der Schlüssel für sozialen, kulturellen, politischen Fortschritt.
Basierend auf persönlichen Eindrücken, Erfahrungen und Gedanken zeigt Kristina, wie wir auf eine gerechtere Welt hinwirken und was jede:r einzelne dafür tun kann.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Empathie und Widerstand ist Kristina Lunz neustes Buch und gehört zu den Büchern, die als Pflichtlektüre in der Schule gelten sollten. Denn es würde nicht nur den den jungen Mädchen und Frauen gut tun, mehr über das Zusammenspiel von Empathie und Widerstand zu erfahren, sondern auch über die ganz normalen und eigentlich selbstverständlichen Strukturen der Netzwerke. Mit den vielen Fußnoten und Quellenangaben finden wir noch so viele Belege und fundiertes Wissen, zu Frauenrechten, Gleichstellung von Frauen, Feminismus, Sisterhood, Aktivismus, um nur einige Themen zu nennen, dass man es kaum glauben kann, dass wir im Jahr 2025 leben. Es scheint sich die Zeit zurückzudrehen und wenn wir nicht aufstehen und uns vehement dagegen stemmen, werden wir wieder zurückgedrängt an einen Punkt, gegen den viele unserer weiblichen Vorfahren hart gekämpft haben.
caro_phie
5/5
15.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
So unglaublich wichtig in diesen Zeiten
Es ist ein Gefühl, dass mich seit einigen Jahren begleitet und sich über die Zeit verstärkt hat. Das Gefühl, dass sich Fronten verhärten, es schwieriger wird die Meinung anderer zu akzeptieren bzw. sie zumindest unkommentiert stehen zu lassen. Es ist ein Gefühl, dass sich bei mir einstellt, wenn ich in den sozialen Medien die Kommentare unter Beiträgen lese, aber auch, wenn ich mich selber beobachte, wenn ich merke welche innere Wut sich in mir aufbaut angesichts von Meinungen, die ich so aus meiner Echoblase nicht kenne.
“Empathie und Widerstand” ist ein Buch, dass deshalb sowohl für mich persönlich unheimlich wichtig ist, meines Erachtens aber auch einen generellen Zeitgeist trifft. Könnten wir nicht versuchen Menschen und ihren unterschiedlichen Meinungen mit Empathie zu begegnen, und zwar grundsätzlich erst mal allen Menschen? Könnten wir nicht die eigene Meinung bewusst von ihrem Podest der scheinbar einzig richtigen Meinung heben, und verstehen zu suchen woher die Meinung anderer Menschen kommt, was ihre Lebensrealität ist? Und wo muss die Empathie aufhören, wo sollten wir in den Widerstand gehen und zielgerichtet für unsere Werte einstehen?
Für mich ist “Empathie und Widerstand” ein augenöffnendes Buch. Ein Buch, dass sich schon jetzt in meinem Alltag niederschlägt, in der Art und Weise wie ich in Diskussionen gehe, wann ich entscheide meine Meinung zu äußern und wann ich versuche erst mal zuzuhören. Ein Buch, dass ich jeder Person ans Herz lege, besonders vor den alljährlichen Gesprächen zu Weihnachten mit dem falsch(??), oder vielleicht besser gesagt, anders denkenden Onkel ;).
caro_phie
5/5
15.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
So unglaublich wichtig in…
So unglaublich wichtig in diesen Zeiten Es ist ein Gefühl, dass mich seit einigen Jahren begleitet und sich über die Zeit verstärkt hat. Das Gefühl, dass sich Fronten verhärten, es schwieriger wird die Meinung anderer zu akzeptieren bzw. sie zumindest unkommentiert stehen zu lassen. Es ist ein Gefühl, dass sich bei mir einstellt, wenn ich in den sozialen Medien die Kommentare unter Beiträgen lese, aber auch, wenn ich mich selber beobachte, wenn ich merke welche innere Wut sich in mir aufbaut angesichts von Meinungen, die ich so aus meiner Echoblase nicht kenne. “Empathie und Widerstand” ist ein Buch, dass deshalb sowohl für mich persönlich unheimlich wichtig ist, meines Erachtens aber auch einen generellen Zeitgeist trifft. Könnten wir nicht versuchen Menschen und ihren unterschiedlichen Meinungen mit Empathie zu begegnen, und zwar grundsätzlich erst mal allen Menschen? Könnten wir nicht die eigene Meinung bewusst von ihrem Podest der scheinbar einzig richtigen Meinung heben, und verstehen zu suchen woher die Meinung anderer Menschen kommt, was ihre Lebensrealität ist? Und wo muss die Empathie aufhören, wo sollten wir in den Widerstand gehen und zielgerichtet für unsere Werte einstehen? Für mich ist “Empathie und Widerstand” ein augenöffnendes Buch. Ein Buch, dass sich schon jetzt in meinem Alltag niederschlägt, in der Art und Weise wie ich in Diskussionen gehe, wann ich entscheide meine Meinung zu äußern und wann ich versuche erst mal zuzuhören. Ein Buch, dass ich jeder Person ans Herz lege, besonders vor den alljährlichen Gesprächen zu Weihnachten mit dem falsch(??), oder vielleicht besser gesagt, anders denkenden Onkel ;).
Michele
5/5
28.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ermutigend
Oft fühlt man sich machtlos, oft klein und oft unbedeutend, aber das Buch war mehr als nur Inspiration. Es war mutmachend und weggebend. Ich habe genau diesen Anstoß gerade gebraucht, um die Verbundenheit zu Gleichgesinnten zu spüren, zu spüren, wie viele Tolle, Krasse und Inspirierende Frauen es da draußen gibt, die viel mehr Bühne verdient hätten. Allein dafür hätte das Buch schon 5 Sterne verdient. Die Autorin packt Probleme beim Namen und beschönigt nicht, sie glorifiziert nicht, sie zeigt auf, was mir sehr gefallen hat. Der Schreibstil war klar und zielführend und das Thema so gut gewählt, so passend zur Zeit und den Problemen. Inwiefern kann man Widerstand leisten in der heutigen Zeit? Muss man, sollte man, darf man dabei Gefühle zeigen? Die Antwort ist ja und dieses Buch zeigt wie. Es ist nicht langweilig, es ist voll von Taten, die man bewundern kann und die zum Handeln bewegen. Ich bin begeistert und bewegt!
nessabo
5/5
05.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Reflektiert, universalistisch und pragmatisch - ein menschliches Sachbuch
Disclaimer: Gerade gibt es Kritik an Lunz bzw. ihrer Organisation CFFP, in der ihr White Feminism vorgeworfen wird. Ich habe das nur am Rand mitbekommen und sie scheint sich auf ein Panel Ende Oktober zu beziehen. Obwohl das Buch vorher geschrieben wurde, geht Lunz auf diese grundlegende Kritik an ihrer Arbeit auch im Text ein, ohne sie zu negieren. Anhand allem, was sie im Buch schreibt, sehe ich zumindest hier keinen Grund, ihr White Feminism vorzuwerfen, wenngleich ich den Kritisierenden ihren Eindruck nicht absprechen werde.
……..
Ein Buch, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche. Und ich bin skeptisch in die Lektüre gegangen, weil Kristina Lunz in meiner Blase auch immer mal für einen neoliberalen Feminismus kritisiert wird. Doch die Autorin konnte mich mit ihrer Reflektiertheit sehr schnell überzeugen.
Den Einstieg findet sie über ihre Vergangenheit bzw. ihren Karriereweg. Sie listet ihre aktivistischen Errungenschaften selbstbewusst auf und ich musste mich selbst fragen, warum ich da widerständige Gefühle hatte. Sie hat viel feministische Arbeit geleistet und tut es noch - warum sollte sie das nicht teilen dürfen? Hier wurde ich mit meiner internalisierten Misogynie konfrontiert, die Frauen als bescheiden und leise klassifizieren will.
Lunz widmet sich dann den beiden Komponenten, auf denen sie guten Aktivismus begründet sieht. Empathie sei dabei wichtig, muss aber regelmäßig geprüft werden. Empathie wird sich ungesteuert nämlich immer vor allem auf unsere In-Group richten und damit selektiv sein. Als Basis dessen sollten wir Menschen offen und vorurteilsfrei begegnen, auch oder gerade wenn sie eine andere Meinung vertreten und mit Methoden des Peacebuildings Brücken schlagen. Genau diese daraus entstehenden Allianzen sind es schließlich, die der linken Bewegung inhärent sein sollte - und es leider immer weniger sind.
Empathie sollte aber dort ihre Grenze haben, wo das Gegenüber grundlegende Werte missachtet. Wo diese Grenze liegt, muss jeder Mensch für sich herausfinden und stetig neu überprüfen. Wie schwierig es ist, diese Balance zu halten - sich weder vorzumachen, alles zu wissen, noch sich von unmenschlichen Ideen korrumpieren zu lassen - beschreibt Lunz sehr greifbar. Sie unterscheidet in ihrem Vorgehen auch hinsichtlich der Macht, die eine Person hält. Ein mächtiger Minister bekommt weniger Empathie, wenn er wichtige Gesetzesänderungen blockiert, als ein Privatmensch, der durch eine Veränderung Nachteile befürchtet. Diesen Ansatz finde ich so herausfordernd wie schön.
Beim Lesen habe ich mich mehrfach selbst ertappt. Ich neige zu schneller Meinungsbildung und befeuere somit selbst Lagerdenken. Statt immer nur zu dekonstruieren, so Lunz, sollte der anschließende Schritt immer die Konstruktion einer besseren Alternative sein. Einzelpersonen, z. B. erfolgreiche Autoren, für ihren Erfolg anzugreifen, trifft oft die falsche Stelle. Konstruktive Kritik ist angemessen, Schuldzuschreibung für die Wirkweisen eines jahrtausendealten Systems eher nicht.
Kristina Lunz schreibt auf eine extrem reflektierte Weise, thematisiert Kritik an ihrer Form des Aktivismus (von innen heraus verändern) und respektiert sie, ohne den anderen Ansatz zu diffamieren. Sie meidet hochkomplexe Themen nicht und schreibt so wiederholt über die Situation in Nahost seit dem 7. Oktober 2023, besonders über den Stellvertreterkrīeg hier bei uns. Ihre Forderungen sind dabei so klar, dass sich mir nicht erschließt, wie ihr vorgeworfen werden kann, sie würde sich nicht an die Seite der Palästinenser*innen stellen. Ich bewundere ihre Fähigkeit, Grenzen zu setzen, ohne in Dogmatismus und vereinfachte Dichotomien zu verfallen. Und das kann ich, obwohl ich ihren gewählten aktivistischen Weg nicht unbedingt teile.
Der letzte Abschnitt, welcher aktivistische Frauen porträtiert, kam mir an manchen Stellen etwas zu gewollt vor. Es sollte hier gezeigt werden, wie diese Empathie und Widerstand in ihrem Aktivismus praktizieren, doch dafür waren mir die Texte zu kurz. Daher ziehe ich einen halben Stern ab, bewerte das Buch aber noch immer sehr gut.
Ich habe mich von diesem Werk in meinem Universalismus bestärkt gefühlt und gleichzeitig gemerkt, wie herausfordernd es ist, nicht einem ideologischen Denken zu verfallen, das uns vorgaukelt, wir hätten die einzige Wahrheit für uns gepachtet. Damit hat „Empathie und Widerstand“ es geschafft, dass ich mich weiter im Aushalten verschiedener Perspektiven üben möchte (Stichwort: Ambiguitätstoleranz), ohne dabei meinen Widerstand gegen Unmenschlichkeit aufzugeben.
4,5 ⭐️
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