Das Erbe des Krieges, der Schrecken einer Kindheit und ein Junge, der nicht vergessen kann
Frank ist der Wut seiner Mutter ausgeliefert. Sie schlägt ihn, immer wieder. Er steht ihren Träumen im Weg. Erst kam der Krieg, dann das Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, dann die Klosterschule. Und jetzt das Kind. Eines Tages eskaliert ein Streit, und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los.
Ein Roman über den langen Weg der Heilung.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ein gutes Buch mit einem schwierigen Thema: Der Erzähler wird als Kind von seiner Mutter oft geschlagen, die ersten Seiten des Romans handeln nur davon. Interessant fand ich die Beschreibung der Mutter, die ihre Wut über verpasste Chancen und fehlende Freiheit an ihrem Kind auslässt. Auch der Protagonist hat mit seiner Wut zu kämpfen, schon lange, nachdem er vor seiner Mutter geflohen ist. Ein eindrückliches Werk mit Tiefgang. Sehr empfehlenswert.
Bories vom Berg
aus München
1/5
16.09.2026
Buch (Taschenbuch)
Gründlich daneben gelungen
Als letzter der bisher vier Romane des Journalisten und Schriftstellers Harald Martenstein ist 2021 mit «Wut» ein Werk erschienen, dass nach Bekundung des Autors «keine Biografie und keine Reportage» sei. Er hat aber hinzugefügt. «Ein Anderer als ich konnte ihn nicht schreiben, denn ich arbeite, wie jeder Romanautor, im Steinbruch meiner Erinnerungen, eigne mir dieses an, verwerfe jenes, erfinde dazu und vergesse. Ich habe mir alle Freiheiten genommen, die das Genre Roman gestattet». Durch diese Einlassung hat der Autor, ein wenig «um die Ecke argumentiernd», autobiografische Bezüge dieses Romans explizit ja gerade «nicht» in Frage gestellt.
«Ich bin in der Wohnung meiner Mutter, morgen kommen Möbelpacker. Sie ist jetzt im Heim und versteht nicht mehr, was um sie herum geschieht». Der Ich-Erzähler Frank, ein Mann in mittleren Jahren, berichtet im kursiv gesetzten Prolog zu diesem Roman von seiner Mutter, die er immer nur Maria nennt, und beschreibt dann im ersten Kapitel unter der Überschrift «Maria» zunächst, wie es zu der beiderseits wutgeladenen Mutter/Sohn-Beziehung gekommen ist. Er schildert Maria als hin und her gerissen zwischen Liebe und Hass, bei ihr konnten Küsse und Liebkosungen blitzschnell umschlagen in wilde Ausbrüche mit heftiger Prügelstrafe. Frank vermutet, seine Mutter habe als Kind selbst kaum Liebe empfangen, denn die Großmutter war erst achtzehn Jahre alt, als sie selbst schon Mutter wurde - und damit dann prompt auch restlos überfordert war. Insoweit kann Frank seine eigene Mutter zwar verstehen, aber ihr liebloses und teilweise grausames Verhalten ihm als Sohn gegenüber entschuldigen kann er trotzdem nicht.
Marias eigenes Leben war von ihrem unbeherrschten, aufbrausenden Temperament geprägt, das sie oft in Schwierigkeiten gebracht hat. Sie war aber ausgesprochen intelligent und hätte vieles erreichen können in ihrem Leben. Stattdessen brach sie das Gymnasium vor dem Abitur ab und heiratete schon bald. Nach vielen damals ja noch illegalen Schwangerschafts-Abbrüchen, die jeweils ihr Schwiegervater als Tierarzt durchgeführt hat, kam schließlich Frank zu Welt. Er war es, der sie daran hinderte, frei zu sein und zu leben wie sie wollte, er hatte Schuld, dass ihr Leben endgültig verpfuscht war. Frank macht sie nun seinerseits verantwortlich für seine emotionalen Defizite, er sieht sich selbst als ein unheilvoll Getriebener und entwickelt ebenfalls eine ungute innere Wurt auf seine Mutter. «Maria sagte immer, dass ich alles ihr verdanke, dass ich nur ihre Kreatur bin, mein Talent, mein Geld, der Erfolg, alles ihr Erbe, ihre harte Schule, und in gewisser Weise hat sie damit recht. Ich verdanke ihr alles, was ich bin, im Guten und Schlechten». Wobei Frank ständig an seiner Fähigkeit zur Erinnerung zweifelt und damit Vieles gleich wieder in Abrede stellt, was er bei seinen Grübeleien herausgefunden zu haben glaubt.
Der in den 50er und 60er Jahren angesiedelte Plot des Romans weist einiges an Spannung auf, was die vielen unvorhersehbaren Wendungen im emotionalen Verarbeitungsprozess des Ich-Erzählers anbelangt. Der erweist sich damit, nebenbei gesagt, in jeder Hinsicht auch als ein typischer Vertreter des «unzuverlässigen Erzählers», was erhöhte Aufmerksamkeit des Lesers erfordert, um diesen narrativen Kniff zu durchschauen. Wenig überzeugend, ja enttäuschend geradezu ist letztendlich aber der Schluss des Romans, der einiges nachträglich ungeschehen macht und damit für die Deutung des Gelesenen kaum noch konkrete Anhaltspunkte übrig lässt. Man könnte als Botschaft allenfalls mitnehmen, dass nicht alles, was uns als Menschen ausmacht, jeweils auch auf die familiäre Herkunft zurückgeführt werden kann, - eigentlich ja eine Binsenweisheit! Die psychologischen Tiefenschürfungen zum Thema «Wut», denen hier nur die Hoffnung entgegensteht, führen leider zu keinem plausiblen Fazit. Entgegen der mutmaßlichen Intention des Autors steht lediglich fest, dass diese Abrechnung eines psychisch geschädigten Sohnes nicht nur von seiner wutgetriebenen Mutter geprägt ist, sondern auch von der Gesellschaft. Nicht nur deshalb ist dieser Roman leider «gründlich daneben gelungen»!
Bewertung
5/5
27.06.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Spannung nur Teilweise da
Frank ist der Wut seiner Mutter ausgeliefert. Sie schlägt ihn, immer wieder. Er steht ihren Träumen im Weg. Erst kam der Krieg, dann das Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, dann die Klosterschule. Und jetzt das Kind.
Eines Tages eskaliert ein Streit, und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los.
Am Anfang fand ich den Schreibstil sehe chaotisch, das hat sich Gott sei Dank schnell wieder gelegt. Dann fand ich es spannend, wie das eine zum anderen führt und wie etwas schnell weitergegeben werden kann. Allerdings fand ich es an manchen Stellen ziemlich langweilig so dass die Spannung nicht durchgehend gehalten wurde.
Am Ende gab es 3/5 Sterne
Bewertung
5/5
05.04.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
"Es ist leichter zu verzeihen wenn man der Stärkere ist"
Der Autor überzeugt mit Episoden und Momenten in denen die Erziehung als erste Beziehung der Heranwachsenen den Weg der Schuld und Wut erschafft.
Schuld als ein Resultat und ständige Begleitung solcher Familienproblemen.
Auch der Trost den man sich selbst erschafft wird hier gut transferiert.
Ein nachvollziehbarer Protagonist, der einiges versucht um zu leben.
Gewalt ist leider nichts was sich von allein auflöst....
Newspaper
aus Wachtendonk
5/5
24.02.2021
eBook (ePUB 3)
„Worte bedeuten nichts. Taten zählen.“
Inhalt:
„Das Erbe des Krieges, der Schrecken einer Kindheit und ein Junge, der nicht vergessen kann
Frank ist der Wut seiner Mutter ausgeliefert. Sie schlägt ihn, immer wieder. Er steht ihren Träumen im Weg. Erst kam der Krieg, dann das Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, dann die Klosterschule. Und jetzt das Kind.
Eines Tages eskaliert ein Streit, und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los.
Ein Roman darüber, wie schwer es ist, die Wunden der Kindheit zu heilen.“
Schreibstil/Art:
Eine einfühlsame Geschichte und ein außergewöhnlicher Erzählstil.
In Franks Leben und das seiner Mutter Maria, spielen viele Menschen eine bedeutsame sowie ausschlaggebende Rolle. Wir erfahren mehr zu deren Beweggründen sowohl aus der Vergangenheit als auch der Gegenwart. Was hat dazu geführt, dass sie so sind wie sind, woher kommt die Wut und was sie kann alles anrichten? Die Folgen und die Tragweite solch einer Tragödie sind unglaublich.
Die Beschreibungen der Wutausbrüche haben es echt in sich und sind nichts für zartbesaitete. Die Wortwahl ist in solchen Momenten brutal, man kann Franks Angstzustände nur erahnen. („Komm raus, Drecksau, verkriech dich nicht, du Stück Scheiße.“)
Fazit:
„Wut ist mächtig. Wut sucht sich ihren Weg, wie Wasser.“
Ein Roman der aufrüttelt und zum Nachdenken anregt. Es werden unfassbar viele wichtige Themen angesprochen. Die Brutalität ist relativ schnell das Hauptthema.
Zum Ende hin wird das Ganze etwas wirr da Illusionen mit der Realität Einswerden. Eine etwas ausführlichere Beschreibung wäre sinnvoll gewesen. Dennoch ließ sich der Roman, trotz der schwierigen Thematik, verhältnismäßig einfach und schnell lesen.
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4/5
03.02.2021
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vorsicht, keine leichte Kost....
Vorsicht, keine leichte Kost. Maria schlägt ihren Sohn Frank. Brutal, jeden Tag. Bis dieser eines Tages abhaut und nie zurückblickt. Bis Maria an Demenz erkrankt. Wie wurde Maria so, und was macht eine solche Misshandlung mit einem Kind? Ein Buch über Schmerz und Vergebung.
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