»Faust und Mephisto sind angekommen in den Wäldern Vermonts.« Michael Köhlmeier
Taft, ein dem Alkohol zugeneigter Eigenbrötler und erfolgloser Schriftsteller, steckt in einer Sinnkrise. Da kommt ihm der schneidige Fremde gerade recht, der ihm auf der Veranda seines Hauses ein Angebot macht: Gegen den Preis seiner Seele wird Taft sechs Monate lang alles bekommen, was er sich wünscht. Taft lässt sich auf den Pakt ein – und stellt das Spiel auf den Kopf. Denn mit dieser teuflischen Begegnung beginnt für ihn erst der Spaß.
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Castle Freeman, der in Texas geborene, amerikanische Schriftsteller, ist für seine thematisch originellen Romane aus seiner zweiten Heimat, dem Bundesstaat Vermont bekannt. «Ein Mann mit vielen Talenten» gehört zu den vier Titeln, die nicht zu seiner ebenfalls vier Bände umfassenden «Sheriff Lucian Wing»-Reihe gehören. Aber auch der vorliegende, 2022 auf Deutsch erschienene Roman ist wieder im ‹Green Mountain State› im ländlichen Neuengland angesiedelt, wo der Autor seit mehr als vierzig Jahren lebt. Dessen Landschaft inspiriert ihn immer wieder ebenso sehr für seine Romane wie auch dessen schlichte, ungeschliffene Einwohnerschaft. Während in den Feuilletons dieser Roman - immerhin aus dem renommierten Hanser-Verlag - ganz einfach ignoriert wurde, ist die Resonanz beim Lesepublikum so einhellig positiv wie selten. Das liegt wohl einerseits an der den deutschen Lesern wohlbekannten und überaus geschätzten Thematik wie auch an dem köstlichen Humor, mit dem hier so frohgemut erzählt wird.
Der originelle Plot ist in einem einsamen, bewaldeten Tal angesiedelt und hat die Faust-Thematik zum Inhalt. Da gibt es mit Langdon Taft einen dem Alkohol zugeneigten, genügsamen Faust und einen ebenso geheimnisvollen wie eloquenten Besucher namens Dangerfield als Mephisto. Die Beiden schließen einen zeitlich begrenzten Pakt von knapp sieben Monaten, bis zum Columbus Day am 12. Oktober. Der Eigenbrödler Taft steckte in einer tiefen Sinnkrise, als der schneidige Dangerfield urplötzlich bei ihm auftauchte und ihm das berühmte, verführerische Angebot machte. Er hat sich auf den Pakt eingelassen, weil er als pensionierter Lehrer und erfolgloser Schriftsteller ja nichts zu verlieren habe, wie er glaubt, für ihn ist das Leben einfach nur noch langweilig. Als Abgesandter des Teufels hat Dangerfield ihm versprochen, ihm für den vereinbarten Zeitraum alle «Talente» zu verleihen, die er sich nur wünscht. Er dürfe aber mit niemandem über seinen Pakt reden, sonst wäre alles nichtig, was er erreicht oder erworben habe. Dabei geht der Abgesandte des Leibhaftigen natürlich davon aus, dass Taft seine grenzenlosen Möglichkeiten nur für sich selbst nutzen wird.
Kurz danach erzählt ihm sein bester - und einziger - Freund Eli, der ihn fast täglich besucht, von einer armen Familie. Deren Sohn ist seit langem im Krankenhaus und müsste operiert werden, aber sie haben kein Geld, die Rechnungen würden sich bei ihnen schon fünf Zentimeter hoch stapeln. Taft bezahlt kurz entschlossen alle offenen Rechnungen und die erforderliche OP. Als nächstes sorgt er mit Dangerfields Hilfe dafür, dass einem allseits bekannten Schläger und Kriminellen das Handwerk gelegt wird und er spurlos verschwindet. Als er später von einem Jungen hört, der im Schulbus von zwei Schwestern bös gemobbt wird, übernimmt er für einen Tag den Job als Busfahrer und stoppt sofort den Bus, als die Mädchen wie immer mit ihren Schikanen anfangen. Er verwandelt sie in Kröten, was sie ja eigentlich sind, und wirft sie aus dem Bus. Wenig später zieht ihre Familie in eine andere Gegend. Einem smarten Anwalt aus New York, der eine völlig ungerechtfertigte Forderung per Gerichtsbeschluss gegen hilflose alte Leute eintreiben will, legt er das Handwerk, indem er einfach dessen Original-Dokumente aus seinem fernen Büro abholen lässt und vor seinen Augen im Feuer verbrennt. Für diese und weitere guten Taten nutzt er die Hilfe des ziemlich verblüfften Dangerfield.
Mit Prolog und Epilog versehen ist diese von psychologischem Einfühlungs-Vermögen gekennzeichnete Faust-Hommage in einer flüssig lesbaren Sprache geschrieben, die besonders mit ihren vielen äußerst originellen, lakonischen und verblüffend schlagfertigen Dialogen in Alltagssprache glänzt. Die intertextuellen Bezüge zu Goethe spiegeln sich sogar in der Gretchenfrage wieder, hier mit einer toughen jungen Polizistin, und es gibt auch eine leibhaftige Hexe in dieser modernen, zuweilen aber etwas gar zu albern wirkenden Faust-Persiflage.
Meinung aus der Buchhandlung
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Schmal sind die Texte/Romane Castle Freeman`s anscheinend immer,
aber ihre lakonisch-coole Grundeinstellung und die Dialoge sind oft der Hammer und für mich gelungene Krimi-Unterhaltung.
Sein bereits 2015 erschienener "Mephisto/Faust"-Kurzroman ist jetzt nicht soo mein Favorit wie "Auf die sanfte Tour" u.a. der"Sheriff Wing"-Romane, aber auch er liest sich flott weg und die Beschreibungen, Dialoge bzw. Taten seiner Protagonisten machen Laune.
Taft, sein (schlechten) Whiskey-liebender Hinterwäldler aus Vermonts Outback sozusagen, ist ein schlauer Typ, aber als er den Pakt mit dem Bösen schließt, tut er zwar nicht, was die meisten machen würden, die jeden Wunsch erfüllt bekommen- für eine gewisse Zeit- , sondern läßt Gutes tun in unterschiedlichster Form - aber seinen Arsch rettet nicht er....
Da hätte ich mir noch etwas mehr Pfiffigkeit/Tricks von Taft selbst gewünscht,
aber nun ja, mehr verrate ich nicht.;-)
Schauen Sie doch mal in die Leseprobe und entdecken ev. diesen Autor für sich selbst..?!
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