Der plötzliche Tod von Oskar stellt das Leben seiner drei Kinder auf den Kopf. Eigentlich müssen sie sich von ihrem Vater verabschieden, doch allmählich stellen sie fest, dass sie ihm vielleicht zum ersten Mal begegnen. Ein großer Familienroman über das Abschiednehmen und das Willkommenheißen, über eine zersplitterte Familie, die vor weitreichenden Entscheidungen steht, die viel zu lange aufgeschoben wurden.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Mit "Heute kein Abschied" von Daan Heerma van Voss habe ich einen Familienroman gelesen, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat.
Oskar J. R. van Bohemen ist auf dem Weg in den Urlaub, als er im Flughafenterminal durch einen Herzinfarkt aus dem Leben gerissen wird. Die Beschreibung und die letzten Gedanken von Oscar sind beeindruckend gewählt.
Nun ist seine Familie, die aus seinen 3 erwachsenen Kindern und seiner Ex-Frau besteht, gefordert-sie müssen seine Beerdigung organisieren. Die drei Geschwister Tessel, Moor und Cat sind vom plötzlichen Tod überrascht und in der ersten Zeit einfach nur wortlos, wenn es um ihren Vater geht. Inwieweit haben sie den Menschen außerhalb seiner Vaterrolle überhaupt gekannt?
Erst beim Sortieren seiner Hinterlassenschaft, die in erster Linie aus Bildern und Fotos besteht, kann sich ihnen ein Bild öffnen, welches sie vorher nicht hatten. Ihre Gedanken und Gefühle zu Oscar und zu sich selber, ändern sich im Laufe des Buches gleichermaßen, je mehr sie sich auf Oscars Leben einlassen und ihre Rolle darin besser verstehen.
Der Autor hat die Personen sehr authentisch und die Familienstrukturen realistisch gezeichnet, sodass ich während des Lesens immer in der Lage mich in den jeweiligen Gefühlszustand hineinzuversetzen. Dies ist ein wahrer Lesegenuss gewesen. Die unausgesprochenen Familienkonflikte, die sich nach und nach einen Weg nach oben aus der Seele suchen, wurden hervorragend dargestellt.
Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen.
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
18.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein Buch über Familie, Abschied und Trauer, das Tiefe hat und Zeit braucht
Oskar stirbt. Mitten auf dem Flughafen Schiphol bricht er zusammen und ist tot. Plötzlich und unerwartet aus dem Leben gerissen, zwar schon in etwas reiferem Alter, aber doch unerwartet für alle... insbesondere für seine drei erwachsenen Kinder und seine Ex-Frau.
Da gibt es Tessel, die Älteste, eine Schriftstellerin, mit Mann und Tochter und insgesamt geordnetem Leben. Sie ist Anfang 40, war als älteste Tochter immer die Vernünftige, die, die alles unter Kontrolle hat, und auch die, die nach wie vor in der Nähe des Vaters gelebt hat. Dann der Mittlere und einzige Sohn, Moor, in seinen 30ern, der Rebell der Familie, der ein Leben fernab bürgerlicher Konventionen lebt und sich am Vater und dessen Wünschen und Vorstellungen vom Leben abgearbeitet hat. Und schließlich Nesthäkchen Cat, Anfang 30, die in den USA lebt und studiert.
Wie gehen diese drei unterschiedlichen Geschwister mit diesem Abschied um? Aber nicht nur das, in dem Buch geht es um noch viel mehr, als nur um die Zeit unmittelbar nach dem Todesfall, zu der die Geschwister zusammen kommen, das Begräbnis organisieren und die Verlassenschaft aufteilen.
Abwechselnd wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. So kommen nicht nur die drei Geschwister zu Wort und wir erleben mit, was für einen unterschiedlichen Vater sie doch jeweils erlebt haben und erinnern. Auch Oskar selbst lernen wir kennen, in seiner Zeit als junger Mann, dann, als er Elise, die Mutter der Kinder, kennen lernte, in der Partnerschaft, als Familienvater und auch später, als die Ehe gescheitert war. Und auch Elises Perspektive wird gezeigt.
So erleben wir in diesem klugen und vielschichtigen Buch mit, dass es gerade in zwischenmenschlichen Beziehungen zwischen Partnern, aber auch zwischen Eltern und Kindern oder zwischen Geschwistern, nicht die eine Wahrheit gibt, sondern ganz unterschiedliche Standpunkte und Perspektiven, die alle für sich ihre Gültigkeit haben.
Es ist ein Buch, für das ich empfehle, sich Zeit und Ruhe zu nehmen. Nicht nur aufgrund des durchaus beträchtlichen Umfangs von knapp 500 Seiten, sondern auch, weil es seine Qualität ganz besonders entfaltet, wenn man Zeit hat, die verschiedenen Worte, Perspektiven und Weisheiten auf sich wirken zu lassen, darüber nachzudenken, sie auf das eigene Leben zu beziehen und vielleicht auch mit anderen darüber zu sprechen. Dieses Buch kann man auch gut mehrmals lesen und wird immer wieder neue Erkenntnisperlen darin entdecken, es ist kein Fast-Food-Buch zum Schnell-Lesen, sondern ein Gourmet-Menü-Buch zum Genießen und Wirken-Lassen.
Hier ein paar Beispielzitate für die Sprache dieses Buches, die mir sehr gut gefallen hat und die voll von ganz besonderen Sätzen ist:
Ganz am Anfang, als Oskar merkt, dass er stirbt:
„Es ist offensichtlich, welches Ereignis sich vor ihm erstreckt. Das spürt er. Obwohl keiner von uns jemals zuvor gestorben ist, wissen wir im entsprechenden Moment, dass es geschieht, dass es begonnen hat.“ (S. 19)
Zu der herausfordernden Beziehung zwischen den beiden Schwestern: Tessel denkt über Cat nach und fühlt sich als älteste benachteiligt:
"Warum nur ist ihre Schwester von allem immer so befreit gewesen, so beschützt? Als sie wieder auf der Toilette sitzt, im sichersten Raum der Hauses, ertappt sie sich bei dem Gedanken: Aber hiervon wirst du dich nicht freimachen können. Jetzt bist du endlich eine von uns. Wenn wir stürzen, stürzt du mit uns.“ (S. 99)
Moor über die schwierige Beziehung zu seinem Vater:
„Ich bin überhaupt nicht in der Lage, dein Kind zu sein“ (S. 415)
Und noch eine der vielen Weisheiten in diesem Buch:
„Wenn man die Dinge berührt, berühren die Dinge auch einen.“ (S. 454)
Ein wertvolles, ein berührendes, ein besonderes Buch! Leseempfehlung für alle, die sich die Zeit nehmen möchten für die Tiefe, die dieses Buch hat, und bereit sind, sich davon berühren zu lassen!
Silvi
aus Wismar
4/5
21.07.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
4-Sterne-Rezension zu Heute kein Abschied
ℝ
Also ehrlich – ich dachte, ich krieg hier ein bisschen gepflegte Traurigkeit serviert, vielleicht eine Träne im Augenwinkel, ein Gläschen Rotwein dazu. Was ich bekommen habe, war eine volle Ladung Familienchaos, Gefühlsachterbahn und diese ganz spezielle Art von Melancholie, die einem das Herz erst zusammendrückt und dann ganz vorsichtig wieder aufpustet.
„Heute kein Abschied“ hat mich echt überrascht. Und zwar auf die angenehm-verrückte Art. Drei Geschwister, ein toter Vater (der sich natürlich im schlechtesten Moment verabschiedet), und plötzlich stehen sie da – mit mehr Fragen als Antworten. Statt einfach nur um Oskar zu trauern, fangen sie an, ihn überhaupt erst kennenzulernen. Und ich dachte immer, der Tod bringt Klarheit. Pustekuchen.
Was dieses Buch besonders macht? Die Figuren. Keine glattgebügelten Superhelden, sondern echte Menschen mit Ecken, Kanten und merkwürdigen Angewohnheiten, die ich sofort in mein persönliches Chaos-Familienalbum aufgenommen hätte. Ich konnte mich richtig gut in sie reinfühlen – jeder tickt anders, aber keiner ist mir egal geblieben. Selbst wenn man ihnen manchmal ein „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ entgegenschleudern möchte, liebt man sie doch irgendwie dafür.
Und klar, es geht um Abschied – aber eigentlich noch viel mehr ums Ankommen. Bei sich selbst, bei den anderen, bei dem Gefühl, dass Familie eben nicht immer logisch ist, aber trotzdem irgendwie funktioniert.
Warum keine fünf Sterne? Naja, manchmal hatte ich das Gefühl, der Autor macht ein bisschen zu viele elegante Pirouetten mit der Sprache, wo ein ehrlicher Satz auch gereicht hätte. Aber hey – wenn man schon über das große Drama namens Leben schreibt, darf man auch mal ein bisschen dramatisch tanzen, oder?
Fazit: Ein Buch, das nachhallt wie ein schräger Familienchor – ein bisschen schief, aber mit Herz. Wer keine Angst vor Gefühlen, kaputten Beziehungen und skurrilem Humor hat, sollte sich diesen Roman definitiv reinziehen.
Buch_puttel
aus Neuruppin
4/5
16.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Im Buch geht es im Oskar,…
Im Buch geht es im Oskar, Filmemacher, Familienvater, Ex Mann. Am Flughafen bricht er zusammen und stirbt. Er hinterlässt 3 erwachsene Kinder und eine Ex Frau. Keiner von seinen Kindern hatte eine wirklich gute Beziehung zum Vater, der Tod bringt die eher distanzierte Verbindung zum Vater ins wanken. Sie versuchen sich an ihn zu erinnern, kommen ihm erst nach dem Tod wirklich nahe. EINDRUCK UND FAZIT Ich mochte das Buch von Beginn an gern, ich finde die Charaktere gut ausgearbeitet und jeden einzelnen für sich ganz besonders. Die unausgesprochenen Konflikte in der Familie fand ich besonders hervorstechend und gut beschrieben. Dieser Roman kommt vermeintlich leicht daher, geht aber in die Tiefe, umsonst genauer man hinschaut. Mich hat das Buch angeregt, über meine eigene Familie nachzudenken, und ggf. Konflikte, die schwelen, zu besprechen, sofern alle noch an einem Tisch sitzen können. Der Schreibstil ist anders, aber man findet schnell rein. „Seine Kälte war so spürbar, dass sie manchmal meinte, sie würde sich verbrennen, wenn sie ihn berühren würde.“ S. 154
clematis
4/5
12.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Warum?
Oskar J. R. van Bohemen ereilt am Flughafen Schiphol ein Herzinfarkt, der Weg in den Urlaub führt in den Tod. Nun sollen seine drei erwachsenen Kinder und seine Ex-Frau Abschied nehmen, aber irgendwie fehlen ihnen die Worte.
Tessel, Moor und Cat planen gemeinsam mit ihrer Mutter Elise die Beerdigung und merken schnell, wie fremd ihnen Oskar auch nach seinem Tod noch ist. Was soll man in die Traueranzeige schreiben, in wessen Wohnung den Verstorbenen aufbahren, warum ist er zu dem geworden, der er war, was ist in seinem Leben wirklich passiert? Erst nach und nach begreifen die Töchter, der Sohn, dass die Rollen im Leben weitergegeben werden, man nachrückt an des Älteren Stelle und dessen Sein einen größeren Einfluss auf einen selbst hat als bislang gedacht. Oskar hat fotografiert und Kisten an Bildern gesammelt. Und diese Bilder sind es nun, die Stück für Stück sein Leben zusammensetzen und auf eine neue Art und Weise wiedergeben. Gemeinsam mit anderen Erbstücken kann jetzt endlich begriffen werden, was zuvor wie Qual und Leid gewirkt hat.
In einem kunterbunten Querschnitt aus Oskars Leben, verbunden durch das aktuelle Geschehen nach seinem plötzlichen Ableben, erfahren die einzelnen Familienmitglieder endlich, was sich von Generation zu Generation fortpflanzt, was Oskars Charakter geprägt, wer ihn schließlich zu „Oskar“ werden hat lassen. Mit seiner ganz eigenen Art zu erzählen, mit überaus authentischen Figuren, die mitunter fremdartige Ausdrücke aus dem Englischen verwenden (vor allem Moor) und dem kurzweiligen Hin und Her zwischen Jetzt und längst vergangenen Zeiten bringt Autor Daan Heerma van Voss Licht ins Dunkel. „Alles Gute, fremder, fremder Mann, den ich Papa nenne.“ [kindle, Pos. 4937] spricht Moor und kann hoffentlich irgendwann verstehen, wer dieser Fremde denn wirklich war. Begleitet wird der Abschied immer wieder von Leonard Cohens Liedern, die wunderbaren Melodien zu „Hallelujah“ und „There ain’t no cure for love“ werden noch länger in mir nachklingen.
Ein berührender Roman, obwohl die einzelnen Personen eher hinter einem Schleier von Fremdheit und Distanz verborgen bleiben.
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