Als sie das erste Mal eine Frau küsst, ist sie zurückhaltend, verunsichert. Doch mit jedem weiteren Kuss findet sich die Protagonistin in Play Boy immer mehr in ihr neues Leben ein. Nach Jahrzehnten der Ehe mit ihrem Mann und der Erziehung des gemeinsamen Sohnes trennt sie sich von dem vermeintlichen Familienidyll. Und mit jedem Möbelstück, das sie hinter sich lässt, jedem Hemd, das sie entsorgt, legt sie Schicht um Schicht die heterosexuellen Prägungen ab. Sie führt erste Beziehungen mit Frauen, die gegensätzlicher nicht sein könnten, lernt auf andere Weise zu lieben, blickt mit neuen Augen auf ihr Aufwachsen innerhalb einer renommierten französischen Familie als Kind zweier verarmter Drogenabhängiger; auf ihren Beruf als Strafverteidigerin und die Ehe mit ihrem Ex-Mann – um im Kern eine neue Körperlichkeit zu entdecken: den Körper als Ausweg aus gesellschaftlichen Standards und als Medium der Empfindungen, um Lust zugleich zu bereiten und zu empfangen.
Mit sprachlicher Wucht und entwaffnender Ehrlichkeit bricht Constance Debré mit den Tabus über Geld, Ehe, Sex, Lust und Häuslichkeit.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Der Titel Play Boy scheint zunächst irritierend für eine lesbische Coming Out Geschichte, doch die Protagonistin war schon immer sehr männlich geprägt. Groß gewachsen mit kurzen Haaren hat sie als Kind lieber mit den anderen Jungs gespielt und ist die Bäume hoch geklettert. Dennoch lässt sie sich auf eine Ehe ein und bekommt ein Kind. Nach der Scheidung merkt sie, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Ihre Beziehungen zu Frauen verlaufen aber eher nach einem männlichen Muster. Sie ist schnell gelangweilt, lässt die Partnerinnen kaum an sich heran. Für mich ist die Protagonistin kaum beziehungsfähig. Im Text wiederholt sich die Autorin, sie beschreibt offen und schonungslos die Bettszenen. In ihrer Auseinandersetzung mit ihrem drogensüchtigen Vater und der früh verstorbenen Mutter bleibt sie diestanziert und kalt. Insgesamt eine für mich eher unsympathische Person, andererseits sehr freiheitsliebend und unangepasst geht sie ihren Weg. Empfehlung wohl eher an ein jüngeres Publikum. Mich hat es nicht mitgerissen.
Die Sehnsucht nach Freiheit, die im eigenen Körper endet
xxholidayxx am 15.05.2025
Bewertungsnummer: 2491193
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Mit einem Mann wäre es einfacher gewesen. Wir hätten uns geküsst, hätten miteinander geschlafen, hätten es versucht. Irgendwie hätten wir gewusst, woran wir sind. Es hätte nicht all die Monate gegeben, in denen wir uns anlächeln und nicht trauen. Mit ihnen ist es einfacher. Wir geben ihnen Signale und überlassen ihnen die Entscheidung über die Geste. Wir überlassen ihnen die Frage nach dem Mut." (E-Book Buchzitat, S. 35)
In "Play Boy" erzählt Constance Debré von der Befreiung aus gesellschaftlichen Normen und heteronormativen Rollenbildern – kompromisslos, rau und intensiv. Debré, geboren 1972, war zunächst als Strafverteidigerin tätig, bevor sie sich vollständig dem Schreiben widmete. Sie entstammt einer prominenten französischen Familie und ist bekannt für ihre kompromisslose Haltung gegenüber gesellschaftlichen Konventionen. „Play Boy“, 2018 in Frankreich erschienen, ist nun erstmals 2025 auf Deutsch erhältlich.
Worum geht’s genau?
Die Erzählerin trennt sich nach Jahren der Ehe von ihrem Mann und beginnt ein neues Leben – allein, lesbisch, kompromisslos. Dabei entledigt sie sich nicht nur alter Kleidungsstücke und Möbel, sondern auch von den Erwartungen und Zuschreibungen, die mit der Rolle der Ehefrau, Mutter und Tochter verbunden sind. Auf der Suche nach Freiheit, Lust und einer neuen Körperlichkeit beginnt sie Beziehungen mit Frauen, lebt eine radikal freie Sexualität und stellt sich zugleich ihrer Vergangenheit – der Kindheit in einer bürgerlich-deklassierten Familie, dem frühen Tod der Mutter und der Drogenabhängigkeit des Vaters.
Mit schonungsloser Offenheit erkundet die Ich-Erzählerin das Spannungsverhältnis zwischen Begehren und Selbstverlust, zwischen gesellschaftlicher Ablehnung und individueller Emanzipation – immer mit dem eigenen Körper als Medium der Erfahrung.
Meine Meinung
"Play Boy" habe ich als kostenloses Rezensionsexemplar von NetGalley und dem Matthes & Seitz Berlin Verlag erhalten – vielen Dank dafür. Mit 158 Seiten lässt sich das Buch schnell lesen, aber es ist keineswegs leichte Kost. Es war mein erstes Buch von Constance Debré, und ich war neugierig – vor allem, weil ich das Thema aus weiblicher Perspektive auf den „male gaze“ sehr spannend finde.
Was mich sofort angesprochen hat, war das kraftvolle, minimalistische Cover – ein echter Blickfang. Der Inhalt allerdings hat mich nicht in gleichem Maß überzeugt. Der autofiktionale Text ist intensiv, sprachlich rau, oft repetitiv und voller körperlicher Direktheit. In vielen Passagen wirkt es, als hätte Debré spontan Gedanken und Impulse niedergeschrieben – roh und unbearbeitet. Dieses Stilmittel kann provozieren, aber es führt auch dazu, dass sich vieles wiederholt und die emotionale Distanz zur Hauptfigur bestehen bleibt.
Die Darstellung des Begehrens der Erzählerin gegenüber Frauen ist zentral: Es ist ein konsumierendes, vergängliches Verlangen, das selten echte Nähe zulässt - eben ein männliches Begehren. Die Frauen erscheinen nicht als Individuen, sondern als Körper – als Projektionsflächen für eine Lust, die sich schnell abnutzt. Das fand ich zwar inhaltlich interessant, aber zunehmend auch verstörend und ermüdend.
Hinzu kommt das Gefühl, dass die Autorin bewusst eine gewisse Unverständlichkeit in Kauf nimmt. Besonders die Familiengeschichte – vor allem die Beziehung zum Vater – blieb für mich unklar und wirkte eher wie eine vage Andeutung als eine erzählerische Entwicklung. Auch die Reflexionen über Gesellschaft und Außenseitertum, so aufrichtig sie klingen mögen, hinterlassen eher ein Bild von Isolation als von Aufbruch.
Ein Punkt, der mich gestört hat: In der deutschen Übersetzung wurde nicht gegendert. Gerade bei einem so explizit queer-feministischen Text hätte ich mir eine inklusivere Sprache gewünscht.
Was für mich bleibt, ist ein Text, der viel will – aber für mich in der Umsetzung nicht vollständig aufgeht. Die emotionale Kälte, die Ablehnung gegenüber Nähe, das sich abnutzende Begehren – all das bleibt konsequent, aber auch anstrengend.
Fazit
"Play Boy" ist ein radikales, schonungsloses Buch über Selbstbestimmung und körperliches Begehren, das aber in seiner Wiederholung, Emotionalität und Sprachgestaltung nicht immer überzeugt. Die Distanz zur Hauptfigur bleibt bestehen, der Text wirkt unfertig und schwer greifbar. Für mich ergibt sich daraus eine Bewertung von 2,5 von 5 Sternen – ein wichtiger, aber anstrengender Beitrag zur queeren Literatur.
Früher oder später ist man von allem gelangweilt. Allem, meine Liebe. Einschließlich der Verlorenheit. Und der eigenen Person." (E-Book Buchzitat, S. 152)
Meinung aus der Buchhandlung
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Dieses kurze kleine Buch hat es durchaus in sich. Es fängt da an, wo für die meisten alles zu Ende ist. Eine Frau in der Mitte ihres Lebens, die in einer Ehe lebt, Mutter ist und sich eine gute Karriere als Strafverteidigerin aufgebaut hat, entdeckt eine völlig neue Seite an sich und entscheidet sich, diese auszuleben. Für sie ist der Ausbruch aus der Heterosexualität nicht nur eine neue Facette ihres Lebens, sondern auch die Möglichkeit den starren Regeln und Anforderungen ihres bisherigen Lebens zu entgehen. Der eher kühle Ton und das eher fragmentarische ihres Erzählens schafft Distanz, aber auch eine eigene Art von Spannung beim Lesen. Vieles bleibt angerissen, dadurch aber auch verdichtet und kondensiert. Fazit: nicht unbedingt leicht zugängig, aber die Mühe wert!
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Das zweite Buch der Französin beschreibt ihren Weitergang weg von allem, was gemeinhin zu einem “guten” Leben gehört. Handlungen und Sprache sind drastisch, ich meinte eine permanente unterschwellige Aggressivität wahrzunehmen, was das Lesen anstrengend machte. Darüber hinaus dürfte die deftige Wortwahl und die detaillierte Beschreibung sexueller Handlungen nicht alle Lesenden erfreuen.
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