Als ein Wal an der Küste des abgelegenen Fischerdorfs Paradise Deep strandet, erwarten die Bewohner nicht, in seinem Inneren einen stummen, nach Fisch stinkenden, aber erstaunlich lebendigen Mann zu finden. Die Entdeckung dieser mysteriösen Person, die bald auf den Namen Judah getauft wird, lässt die Fischergemeinde nach Antworten suchen, während die prominentesten Bürger darüber rätseln, ob er Mensch oder Tier, Segen oder Fluch, Wunder oder Dämon ist. Obwohl Judah ein schockierender Neuzugang ist, ist Paradise Deep bereits voll von ungewöhnlichen Charakteren. King-me Sellers, der selbsternannte Patriarch, hat es auf eine undurchschaubare Frau abgesehen, die nur als Witwe Devine bekannt ist und mit der er eine jahrzehntealte Fehde führt. Ihre Enkelin Mary Tryphena ist noch ein Kind, als Judah an Land gespült wird, aber sie ist ihr ganzes Leben lang auf ungeahnte Weise mit ihm verbunden.
Mit seiner Familiensaga und Liebesgeschichte, die ein Jahrhundert und fünf Generationen überspannt, entführt Michael Crummey in ein abgeschiedenes Fischerdorf auf Neufundland, in dem Realität und Mythen miteinander verschmelzen, und stellt seine Fähigkeit, historische Tiefe mit mythischer Erzählkunst zu verbinden, ein weiteres Mal unter Beweis.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Bewertung
5/5
25.04.2025
eBook (ePUB 3)
Atmosphärische Generationengeschichte
Paradise Deep in Neufundland wird ein verendeter Wal angespült. Ihm entsteigt ein stummer, sehr nach Fisch stinkender, jedoch erstaunlich lebhafter Sonderling, der von den Bewohnern auf den Namen Judah getauft wird (mangels eines qualifizierten Pfarrers ist man sich nicht sicher, ob der Typ mit dem Wal aus der Bibel Jonah oder Judas war…). Mit Judah kehren die Fische zurück in die Netze der einheimischen Fischer und man glaubt an ein Wunder.
Doch Paradise Deep und das nahegelegene Gut sind voller ungewöhnlicher Charaktere, da fällt auch Judah nicht weiter auf. Als Judah angespült wird, ist Mary Tryphena gerade acht Jahre alt. Fortan begleite ich sie, ihre und die anderen Familien über fünf Generationen durch ein ganzes Jahrhundert.
„Die Wurzeln der einzelnen Familien waren so miteinander verflochten, dass sie kaum zu unterscheiden waren.“ (S. 216)
Das Buch mit dem wirklich wunderschönen Cover hat mich auf eine Reise ins Neufundland des 19. Jahrhunderts mitgenommen, die ich nicht so schnell vergessen werde!
Ich kam anfangs etwas schwer ins Buch, weil es unheimlich viele Charaktere gibt. Die Stammbäume am Anfang des Buches waren wirklich sehr hilfreich, ich musste oft dorthin zurückblättern.
Nach kurzer Zeit konnte ich mich jedoch voll in die Geschichte fallen lassen.
Jeder einzelne Charakter hat es geschafft, mich zu berühren – sogar die fiesen Gesellen!
Atmosphärisch, düster und stürmisch wie das Wetter in Neufundland, manchmal derb und dann wieder unheimlich feinfühlig erhalten wir Einblick in das raue Leben der Bewohner*innen des kleinen Küstenörtchens. Das Leben in Paradise Deep ist geprägt von Glaube und Aberglaube, von Leben und Sterben, von Freundschaften und Feindschaften, von Zusammenhalt und Spaltung, von Liebe und Hass.
Manchmal konnte ich selbst nicht genau erkennen, was ein Mythos und was die Realität ist. Das Buch verbindet historische Tiefe mit mythischer Erzählkunst (so beschreibt es der Verlag) und das macht die Geschichte unglaublich spannend und atmosphärisch.
„Am Ende kamen sie zu dem Schluss, dass das Leben ein Rätsel sei und jenseits menschlicher Vorstellungskraft.“
Dieses Zitat habe ich auf einer der ersten Seiten entdeckt, es beschreibt aber – wie ich finde – sehr gut das gesamte Buch!
Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung, das Buch ist außergewöhnlich!
Bewertung
5/5
10.04.2025
eBook (ePUB 3)
Die Geheimnisse von Paradise Deep
Ein mysteriöser Mann wird nach der Strandung eines Wales an der Küste des abgelegenen Fischerdorfs Paradise Deep entdeckt. Dieses Wesen ist unheimlich: Bleich, stumm und penetrant nach Fisch stinkend. Die Dorfgemeinschaft ist noch fest im Aberglauben verankert, und nun hin- und hergerissen zwischen der Frage, ob er ein Mensch oder ein Tier, ein Segen oder ein Fluch, ein Wunder oder ein Dämon ist.
Die Mehrzahl der Dorfbewohner will den unheimlichen Neuzugang aus Angst vor Unheil lieber töten. Doch die taffe Witwe Devin schreitet ein und nimmt sich des Mannes an. Als Hexe verschrien und als Heilerin verehrt, lässt man sie gewähren. So findet der junge Mann, der den Namen Judah erhält, seinen Platz in der Familie Devine. Seine Anwesenheit prägt nicht nur das Familienleben, sondern auch die Dorfgemeinschaft: Angst, Missgunst und Aberglauben sind mächtige Kräfte.
Als jedoch plötzlich die schwindenden Fischbestände kein Thema mehr sind, der tägliche Fang wieder üppig ausfällt und ein Hauch von Wohlstand ins Dorf zurückkehrt, verändert sich die Stimmung erneut. Allen drängt sich die Frage auf: Hat das etwas mit der Ankunft Judahs zu tun?
Zum Buch
In seiner Erzählung schildert Crummey eindrucksvoll das Leben an der rauen Küstenlandschaft Neufundlands, fängt meisterhaft die komplexe Beziehung zwischen Menschen und der unbändigen Natur ein und verwebt gekonnt Mythen mit der Realität. Spannt dabei mühelos den Bogen über fünf Generationen hinweg und fängt die grandiose Landschaft in eindrucksvollen Bildern ein und erzählt in einer packenden Sprache eine mystisch angehauchte, vielschichtige Geschichte über eine Gemeinschaft, die in der Abgeschiedenheit, ihren Traditionen, dem Aberglauben und der Sehnsucht nach einem besseren Leben gefangen ist. Sein Schreibstil ist fesselnd und mitreißend, auch wenn der Lesende nur eine Beobachterrolle einnimmt. Dies liegt daran, dass man die Familien über mehrere Generationen hinweg begleitet und nicht einem einzelnen Protagonisten durch dessen persönliches Abenteuer folgt. Überraschenderweise empfand ich die distanzierte Beobachterrolle in dieser verflochtenen Familien- und Liebesgeschichte nicht als schwierig. Auch dass sich der Autor wirklich Zeit für die jeweils relevanten Charaktere genommen hat, ließ die Geschichte für mich nie langatmig oder langweilig erscheinen. Durch seine mystische und poetische Erzählkunst hat der Autor mich gefangen genommen.
»Das Wunder von Paradise Deep« von Michael Crummey ist eine atmosphärische, anspruchsvolle Familiensaga (und Liebesgeschichte), und dabei überraschend anders als erwartet.
shizu_reads
4/5
28.04.2025
eBook (ePUB 3)
Sehr vielfältig
Ein wunderschönes Cover – ich liebe es einfach, wenn Tiere auf Buchcovern zu sehen sind.
Der Einstieg in die Geschichte fiel mir zunächst etwas schwer. Der Stil lag mir in den ersten Kapiteln nicht so richtig, doch das besserte sich mit der Zeit. Wie so oft war es einfach eine Frage der Gewöhnung.
Die Handlung baut sich sehr solide auf. Anfangs wirkt sie – auch aufgrund der Vielzahl an Charakteren – noch etwas unübersichtlich, doch je weiter man liest, desto klarer und fesselnder wird das Gesamtbild. Besonders spannend ist die Erzählweise über mehrere Generationen hinweg, die dem Ganzen zusätzliche Tiefe verleiht und verschiedene Perspektiven eröffnet.
Das Thema Mythen und Religion ist sehr gelungen eingeflochten und verleiht der Geschichte eine besondere Atmosphäre.
Die Charaktere sind facettenreich gestaltet, wirken authentisch und tragen wesentlich zur Dichte und Lebendigkeit der Handlung bei.
Ganz besonders hat mir die düstere Stimmung des kleinen Küstendorfs gefallen. Die raue See, die unberechenbare Natur und die Schwere des Lebens an der Küste sind förmlich spürbar und übertragen sich eindrucksvoll auf die Figuren und den Verlauf der Geschichte.
Insgesamt ein wirklich tolles Buch – atmosphärisch dicht, ungewöhnlich und mal wieder etwas ganz anderes. Eine klare Empfehlung für alle, die Lust auf ein etwas dunkleres, vielschichtiges Leseerlebnis haben.
Bewertung
4/5
12.04.2025
eBook (ePUB 3)
Eine spannende Geschichte
Rezension / Buchbesprechung zu : „ Das Wunder von Paradise Deep .“ Geschrieben von Autor ✍️ Michael Grummey aus dem Mitteldeutschenverlag.
Sprache : Deutsch
Seiten: 447
Darum geht es:
Als an der Küste des abgelegenen Fischerdorf Paradise Deep ein Walstrandet, finden die Bewohner darin, einen stummen, nach Fisch riechende Mann, der bald den Namen Judah erhält. Ist er ein Geschenk Gottes oder ein Verbote des Unheils?
In einer Welt, in der die Gezeitengeschichten tragen und alte Fehden nie vergehen, entfaltet sich ein packendes Drama. „Das Wunder von ParadiseDeep. Führt tief in die raue Küstenlandschaft, Neufundland, wo alltägliches und unerklärliches zu einem faszinierenden Mythos zweier Familien verschmelzen, die über Generationen hinweg durch Leidenschaften und Rivalitäten unheilvoll miteinander verbunden sind .
Meine Meinung:
Dies ist das erste Buch, welches ich aus dem Verlag sowie von dem Auto gelesen habe . Es ist eine packende Geschichte, die Drama, Spannung und eine tolle Geschichte enthält. Es sind unterschiedliche Mythen und viele unterschiedliche Charaktere einbezogen worden. Am Anfang bin ich etwas schwer in die Geschichte rein gekommen , diese wirkte etwas langgezogen , durch viele Beschreibungen und den Geschichten Aufbau.
Jedoch änderte sich dieses im Verlauf der Geschichte , und es wurde spannend und packend zugleich . Der Schreibstiel ist gut lesbar und auch verständlich geschrieben worden .
Ein Roman den ich dennoch auf jeden Fall weiterempfehlen möchte, da dieser nicht Mainstream ist und wirklich Spaß gemacht hat zu lesen . Das Setting ist Neufundland und seine raue Küstenlandschaft. Dieses hat mir sehr gut gefallen .
Die Haptik des Buches ist wirklich toll und eine tolle Zusammenarbeit zwischen dem Autor Michael Crummey und dem Mitteldeutschenverlag ist erkennbar .
Daher vergebe ich , ( meine Meinung ) für das Lese-Erlebnis 4/5 .
Leseempfehlung.
Buchbesprechung
aus Bad Kissingen
4/5
03.03.2025
eBook (ePUB 3)
Anspruchsvolle Familiensaga, auch spannend
REZENSION - Über zwei Jahrhunderte und fünf Generationen erstreckt sich die im Februar beim Mitteldeutschen Verlag veröffentlichte Familiensaga „Das Wunder von Paradise Deep“ des auf Neufundland geborenen und heute wieder dort lebenden kanadischen Schriftstellers Michael Crummey (59). Die ungewöhnliche und inhaltsreiche Geschichte beginnt mit den ersten Einwohnern einer abgeschiedenen neufundländischen Fischersiedlung namens Paradise Deep zu einer Zeit, als Neufundland noch zum britischen Empire gehörte. Wie schon in Crummeys früheren Romanen handelt auch diese Erzählung in einer ungewöhnlichen Mischung aus Magie, Mythen und historischer Realität von der Entwicklung der Arbeits- und Umwelt und der Veränderung des gesellschaftlichen Lebens im Wandel der Zeit. Der Roman behandelt Themen wie die Härte des Überlebens in unwirtlicher Landschaft, den Konflikt zwischen Christentum und Aberglauben sowie die noch anhaltende Bedeutung von Mythen für damalige Menschen. Zugleich geht es aber auch um zeitlose Fragen wie Herkunft und Identität.
Alles beginnt mit einem mysteriösen Ereignis: Ein stummer, nach Fisch stinkender, „erstaunlich lebendiger“ bleichhäutiger Mann wird aus dem Bauch eines an der Küste gestrandeten Wals geschnitten. Zunächst wollen die Fischer ihn aus Furcht vor drohendem Unheil töten. Doch dann nimmt ihn die Familie Devine auf und gibt ihm den Namen Judah. Dem alten Aberglauben noch verhaftet, sind sich die Einwohner unsicher, ob der Fremde Mensch oder Tier ist, ob er ihrer Siedlung Segen oder Fluch bringen wird. In jedem Fall verändert sich durch Judahs Anwesenheit das Leben im Dorf: Blieben gerade die Fischschwärme aus, kehren sie nun auf einmal in die Bucht von Paradise Deep zurück und bringen der Siedlung einigen Wohlstand. Doch Judah verändert nicht nur das damalige Dorfleben, dessen Einwohnerschaft sich aus recht skurrilen Charakteren zusammensetzt, sondern verstrickt die beiden führenden Familien der als Hexe verdächtigten Witwe Devine und des wohlhabenden Händlers King-me Sellers über Generationen hinweg in eine wechselhafte Geschichte aus Liebe und Rache, Aberglauben und Traditionen. Mary Tryphena, Enkelin der beiden und Hauptfigur des Romans, ist noch ein Kind, als Judah an Land gespült wird, bleibt aber ihr Leben lang auf ungeahnte Weise mit ihm verbunden.
Crummey beschreibt in seinem Roman eine Welt, in der das Übernatürliche, die Mythen aus alter Zeit sowie die christliche Religion – wobei in dieser Einöde kaum zwischen Protestantismus und Katholizismus unterschieden wird – mit dem alltäglichen Leben verbunden sind, wie gleich zu Beginn das biblisch anmutende Erscheinen Judahs zeigt. Die Protagonisten, deren Schicksale über alle Zeiten miteinander verbunden bleiben, sind weder Helden noch Schurken. Jeder für sich ist eine sehr komplexe Persönlichkeit mit allzu menschlichen Fehlern, Leidenschaften und Geheimnissen. Wir erfahren viel über das entbehrungsreiche Leben der Fischer und Händler in dieser kargen Abgeschiedenheit, aber auch – trotz mancher persönlicher Fehden – über deren unbedingten Zusammenhalt.
Crummeys Erzählung ist voller mystischer Bilder und atmosphärisch dicht, wodurch der Roman durchaus spannend ist. Andererseits nimmt sich der Autor anfangs sehr viel Zeit für den Aufbau seiner Geschichte, was für manche Leser, die aktionsreiche Handlung bevorzugen, zu langatmig erscheinen mag. Überhaupt ist „Das Wunder von Paradise Deep“ bei aller Faszination eine schwierige Lektüre, die man deshalb möglichst selten unterbrechen sollte, um Handlungsfäden und Personen im Gedächtnis zu behalten. Gerade die Vielzahl an Personen zwingt einen oft, einen Blick auf die dem Roman vorgeschaltete Stammtafel zu werfen, um die Figuren auseinanderhalten oder zuordnen zu können. Ein weiterer Punkt der Erschwernis beim Lesen sind plötzliche Rückblenden mitten im Kapitel.
Doch wenn man bereit ist, sich auf die ungewöhnliche Mischung aus Mystik und Realität der Geschichte einzulassen und trotz anfangs vielleicht noch Störendem in der Lektüre durchzuhalten, wird feststellen, dass „Das Wunder von Paradise Deep“ ein durchaus faszinierender, stellenweise spannender, in jedem Fall bilderreicher, überaus atmosphärischer und fast poetisch erzählter Roman ist. Manche vergleichen Crummeys neuen Roman sogar mit Werken des kolumbianischen Literaturnobelpreisträgers Gabriel García Márquez oder der chilenisch-amerikanischen Bestseller-Autorin Isabel Allende.
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