Britt ist dreiundvierzig Jahre alt, verheiratet und hat eine kleine Tochter. Ihr ganzes Leben lang hat sie das Richtige getan, sie hat Verantwortung übernommen, hinter sich und anderen aufgeräumt. Aber an diesem einen Tag, im Urlaub im Sommerhaus in Norwegen rastet sie aus, staucht ihre gesamte Familie und ihre Freunde zusammen. Und das Einzige, was sie bedauert, ist, dass sie das nicht schon vor langer, langer Zeit getan hat. Gemeinsam mit ihrer Bekannten Niko fährt sie los: einfach nur weg, eine Nacht an den Strand, die Freiheit spüren, die sie sich nie zugestanden hat. Doch irgendwann ist die Nacht vorbei, und Britt muss sich fragen, wer sie sein will: als Frau, als Partnerin, als Mutter. Ein Roman über Wut und Trotz, über den Wunsch nach einem anderen Leben – und einer anderen Welt. Aber auch ein Roman darüber, wie man sich selbst überraschen kann, darüber, wie man auseinanderfällt und sich wieder aufrappelt.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Wie kann man wütend schreiben, ohne das Wort zu benutzen? Die Autorin hat dies geschafft. Allein indem sie über mehr als 2 Seiten zu Beginn schreibt, was es heißt Frau zu sein und damit nahezu jedes Klischee und jedes (sich zum Teil widersprechendes) Rollenbild bedient, hat sie mich bereits gefesselt. Britt verbringt mit ihrer Familie und den Freunden ihres Mannes wie jedes Jahr den Sommer am Meer im Sommerhaus von Nico. Diesmal platzt ihr der Kragen, sie schreit ihre Meinung förmlich an alle raus und verlässt das Haus. Bis zum nächsten Morgen kommt sie nicht zurück. Während des Buches erfahren wir mehr über ihre Gedankengänge, die Liebe und Gedanken zu ihrer Tochter, zu ihrem Mann. Aber wir erfahren auch, was während ihrer Abwesenheit passiert mit den anderen. Britt ist immer wütend, sie trägt eine solch unbändige Wut in sich seit ihrer Kindheit. Früh verlässt ihre Mutter die Familie, was sicher einen großen Beitrag zur Wut leistet. In ihrer kleinen Auszeit kommt Britt sich selbst etwas näher. Ausgerechnet mit der verhassten Nico verbringt sie diese Stunden. Doch so gegensätzlich wie die beiden sind, so sehr hilft es Britt, langsam sich selbst zu spüren. Sie hat nie gelernt, ihre Bedürfnisse zu spüren, geschweige denn zu äußern. Und so lebt Britt eigentlich nicht ihr Leben, sondern wird gelebt und zum Spielball ihres Umfeldes.
Das Buch ist außergewöhnlich – im Schreibstil, aber auch im Spiel der Gestaltung. Da sind mal 3 wütende Sätze auf eine Seite geschmissen, der Rest der Seite bleibt leer. Und so reißt einen Britt mit in den Strudel der Wut. Vieles kann ich absolut nachempfinden und es ist das, weswegen sich viele Mütter heute erschöpft fühlen. Der Druck von außen – „Mädchen zu sein, bedeutet viel Schminke zu benutzten, aber trotzdem natürlich auszusehen, Mädchen sollen sich so schminken, dass sie ungeschminkt aussehen, als wären sie so aufgewacht.“ Und derer Beispiele sind zahlreich aufgeführt. Wenn man als Frau in jede der „Anforderungen“ passen möchte, bleibt ein Hauch von Bandbreite, in der frau sich frei bewegen kann. Also kommt man nicht drumherum, sich seinen eigenen Wünschen zu widmen und lernen, die Bedürfnisse zu äußern – ABER: So wurden Mädchen nicht erzogen. Das macht wütend.
Die gute Nachricht ist: Wir können es lernen, auf uns selbst zu hören. Es mag manchmal schmerzen und wir ecken bestimmt auch an. Aber wir haben nur ein Leben. Und auch Britt hat eine Lösung gefunden.
So gut!
hamburg.lesequeen aus Bargfeld-Stegen am 06.01.2025
Bewertungsnummer: 2379595
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
VERDAMMT WÜTEND
Linn Strømsborg
„Eltern zu sein bedeutet, so zu tun, als ob alles gut läuft.“ (S. 101)
Britt ist wütend.
Wütend, weil sie sagt, was sie denkt, aber niemand ihr zuhört.
Wütend, weil sie enttäuscht ist - von sich selbst, von ihrem Mann Espen und von dem Leben, das sie mit ihm und ihrer Tochter führt. Ein Leben, das sich so ganz anders anfühlt, als sie es sich einst vorgestellt hatte.
Wütend, weil sie erschöpft ist, ihre Arbeit hasst und niemand sie fragt, warum sie wütend ist.
Doch ihre Wut reicht tiefer. Sie ist wütend, weil ihre Mutter sie als 12-Jährige ohne ein Wort des Abschieds verließ. Als Britt eines Tages aus der Schule kam, war ihre Mutter einfach nicht mehr da.
Im Urlaub mit Freunden, Mann und Tochter eskaliert alles: Britt rastet völlig aus, schreit die anderen an und verlässt schließlich das Sommerhaus, um ins Wasser zu gehen. Niemand weiß, ob sie zurückkehren wird.
Ihr Leben fühlt sich an wie ein endloser Kampf - ein Kampf, es allen recht zu machen, der schon in ihrer Kindheit begann.
Linn Strømsborg gelingt es auch in diesem Roman, die innersten Kämpfe und die erschöpfte Sehnsucht einer Frau schonungslos und bewegend darzustellen. Nachdem „Nie Nie Nie“ eines meiner absoluten Herzensbücher ist, musste ich natürlich auch Strømsborgs neuestes Werk lesen - und meine hohen Erwartungen wurden nicht enttäuscht.
Auch wenn dieser Roman für mich nicht ganz die Tiefe von „Nie Nie Nie“ erreicht, hat mich der besondere Schreibstil erneut begeistert. Die Erzählweise, die verschiedene Perspektiven beleuchtet, fand ich besonders gelungen. Britts Gedanken- und Gefühlswelt wurde für mich so greifbar, dass ich mit ihr litt und die Trauer spürte, die sie seit ihrer Kindheit begleitet.
Die Geschichte regt zum Nachdenken an - über Familie, Erwartungen und die Lasten, die wir oft still mit uns tragen.
Fazit:
Seit laut, wütend und schießt solche Ehemänner wie Espen zum Mond!
5/ 5
Meinung aus der Buchhandlung
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Linn Strømsborg schafft es spielend leicht, einen wütend zu machen. Wütend auf die Gesellschaft. Wütend auf das Leben.
Ein wahnsinnig starkes Buch übers Frau sein, die Erwartungen der Gesellschaft und den Mental Load einer Familie und Ehe.
"Frau zu sein bedeutet, Feministin zu sein, aber nur so, dass es für Männer noch in Ordnung ist, Frau zu sein bedeutet, in einer Welt voller Männer zu leben, die Frauen hassen, Frau zu sein bedeutet, ....."
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Linn Strømsborg ist eine der wichtigsten feministischen Autorinnen unserer Zeit. Noch nie war ein Buchtitel so treffend gewählt, wie dieser. "Verdammt wütend" macht genau das: verdammt wütend.
Britt ist 43 Jahre alt, hat ein Kind und ein Mann - die perfekte Idylle, wie man meinen könnte. Doch an einem Tag im Urlaub kommt es zum Eklat. Britt rastet aus und macht ihrer jahrelangen Unzufriedenheit Luft.
Linn Strømsborg thematisiert in "verdammt wütend" nicht nur den "Mental Overload" von Frauen, sondern auch die patriarchalischen Strukturen in unserer Gesellschaft. Dieser fein gesponnener Roman wühlt auf und macht betroffen.
Ohne erhobenen Zeigefinger nimmt Linn Strømsborg die typischen Geschlechterrollen mit Präzision, die ihres Gleichen sucht, auseinander.
Wer ein Lesehighlight sucht, muss zu diesem Buch greifen.
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