Als Amanda in ihr Dorf in den Abruzzen zurückkehrt, erkennt ihre Mutter sofort, dass etwas nicht stimmt. In den ersten Tagen in Mailand hatte ihre Tochter den Glanz der Stadt in den Augen, doch jetzt scheint sie nur noch verschwinden zu wollen. Besorgt nimmt Lucia das Schweigen Amandas wahr und erinnert sich an jene Nacht vor dreißig Jahren, in der nur ein Zufall sie vor dem Schlimmsten bewahrt hat.
Unter dem Wolfszahn, auf dem Land, das ihrer Familie gehört und für das sich jetzt ein Immobilienspekulant interessiert, finden sich noch die Überreste des Campingplatzes, auf dem sich vor vielen Jahren das Schreckliche ereignet hat. Alle waren an jenem Abend hier versammelt: die Hirten, die Besitzer des Campingplatzes, die Jäger, die Carabinieri, die Alten und die Jungen, das ganze Dorf. Alle, außer den Mädchen, die schon nicht mehr existierten …
Ausgezeichnet mit dem
Premio Strega 2024 und dem
Premio Strega Giovani 2024
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Eine Mutter-Tochter Beziehung in einem Dorf in den Abruzzen steht im Fokus des Buches. Amanda kommt, bedingt durch Corona, aus Mailand in das Dorf zurück und ihre Mutter Lucia erkennt in dem Schweigen der Tochter und ihrem Blick, dass etwas geschehen ist. Lucia, die glaubt, dass sie keine gute Mutter ist, kümmert sich um ihren Vater, der ihr seinen Campingplatz überschreibt, auf den vor Jahren Mädchen ermordet wurden. Immobilienspekulanten interessieren sich für den Platz, der inzwischen eine Ruine ist.
Um den Campingplatz zu retten, organisiert sich Amanda im Widerstand.
Ihre Mutter fühlt sich weiterhin schuldig am Tod der Freundin und diese Schuldgefühle prägen ihre Geschichte.
Erzählt wird die Mutter-Tochter Beziehung in ICH-Form aus der Sicht von Lucia. Die Geschehnisse der Vergangenheit prägen die Gegenwart, doch beide haben es gemeinsam, der Armut und dem von Männern dominierten Dorf und Geschichte zu entkommen.
Der Klappentext nimmt die Handlung zum größten Teil vorweg. Dennoch liest sich das Buch in einem Schwung. Sprache und faszinierende Stil hielten mich gefangen.
MarcoL
aus Füssen
5/5
01.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine gesellschaftliche…
Eine gesellschaftliche Momentaufnahme aus den Abruzzen, einfühlsam erzählt. Seit jener Tragödie vor vielen Jahren hat sich ein Schatten um das Land unterhalb des Dente del Lupo, dem Wolfzahn, gelegt. Eine markante Bergformation in den Abruzzen. Das Land ist alt, archaisch, gehört der Familie von Amanda. Ein Campingplatz sollte damals einen Aufschwung bringen, ein wenig Geld in die leeren Kassen der Besitzer und Pächter spülen. Sogar ein Pool wurde gebaut, ausgehoben und dem Land abgerungen, ein Loch gegen einen Berg von Schulden getauscht. Das restliche Land wird für die Schafszucht genutzt. Amanda geht nach Mailand, studieren. Ein Zimmer in einer WG, eingepfercht. Ihre Mutter unterstützt sie so gut es geht, hilft beim Umzug. Doch lange haltet es Amanda nicht aus. Die Pandemie macht das Studium vorerst in der Stadt nicht weiter möglich. Das gehe auch von den eigenen vier Wänden aus. Sie kehrt Hals über Kopf zurück zu ihrer Mutter Lucia, nicht nur wegen des Lock-Downs. Amanda hat sich verändert. Ist wortkarg, lichtscheu. Verkriecht sich in ihrem Zimmer, geht kaum raus, ist nicht wieder zu erkennen. Der geplante Kauf des Landes durch Immobilienspekulanten lockt Amanda heraus. Sie tritt auf die Barrikaden, organisiert sich mit Demonstranten, damit das Land, das mittlerweile ihrer Mutter gehört, nicht veräußert wird. All das und vieles mehr erzählt uns Lucia, die Ich-Erzählerin. Besonnen, ruhig berichtet sie von ihrem Leben, blickt dreißig Jahre zurück. Das Verbrechen von damals wird langsam sichtbar, taucht aus den Nebeln der Erinnerungen auf und dringt zu uns vor in all seiner Wucht. Was wäre wenn … was wäre, hätte Lucia damals ihre Freundin gebeten, mit ans Meer zu fahren … was wäre dann passiert, oder nicht passiert. Lebenslang aufkeimende Schuldgefühle plagen sie, obwohl sie ganz genau weiß, dass sich nichts dafür kann. Dass es einfache Entscheidungen waren, wie sie das Leben jeden Tag gebärt und verlangt. Und das Land bleibt das Land, der Dente del Lupo die Heimat der alteingesessenen Bevölkerung. Und die Geschehnisse sollten am besten vergraben werden … Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin das Leben in jenem Landstrich. In der Ferne sieht man das Meer glitzern, vielleicht auch die große Stadt Pescara, auf der anderen Seite türmen sich die Berge empor. Dazwischen findet das Leben statt in einer dörflich geprägten, von Männern dominerten Gesellschaft. S.45: „Er hatte einen Sohn gewollt, und dann wurde ich geboren … Viel später erwartete er einen Enkel, einen Buben, den er auf den Traktor setzen konnte ... Zweimal wurde mein Vater schwer enttäuscht.“ Wie auch in ihren anderen Romanen Arminuta und Borgosud (beide sehr empfehlenswerte Bücher) erzählt uns auch hier Donatella di Pietrantonio über das Schicksal von Frauen. Mutter und Tochter, einander fremd und dennoch vereint, beide im Versuch, das jeweilig Beste aus sich zu machen, gegen die Ströme der Zeit anzukämpfen, für ein Leben gegen Unterdrückung, Armut. Und vor allem für eine selbstbestimmte Existenz. Doch der misogyne Alltag streckt auch hier seine Tentakel aus, auch wenn es nicht immer ganz so offensichtlich erscheint. Vielschichtig kommt der Inhalt daher, zeichnet uns ein klares Bild des Lebens in dieser Gegend der Abruzzen. Figuren und Landschaft werden plastisch, die Sorgen und Nöte projizieren sich auf die Leinwand unserer Imagination. Ganz große Leseempfehlung für diesen wunderbaren Roman. Ein weiteres Meisterwerk aus der Feder der Autorin, ausgezeichnet mit dem Premio Strega 2024 (ein jährlich vergebener Literaturpreis, den seit 1947 nur 11 Frauen gewonnen haben). Zitat der Autorin am Klappentext: „Ich verspreche, dass ich mich in Wort und Schrift für die Rechte einsetzen werde, für die meine Generation von Frauen so hart gekämpft hat und die heute anscheinend nicht mehr selbstverständlich sind.“
MarcoL
aus Füssen
5/5
01.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine gesellschaftliche Momentaufnahme aus den Abruzzen, einfühlsam erzählt.
Seit jener Tragödie vor vielen Jahren hat sich ein Schatten um das Land unterhalb des Dente del Lupo, dem Wolfzahn, gelegt. Eine markante Bergformation in den Abruzzen. Das Land ist alt, archaisch, gehört der Familie von Amanda. Ein Campingplatz sollte damals einen Aufschwung bringen, ein wenig Geld in die leeren Kassen der Besitzer und Pächter spülen. Sogar ein Pool wurde gebaut, ausgehoben und dem Land abgerungen, ein Loch gegen einen Berg von Schulden getauscht.
Das restliche Land wird für die Schafszucht genutzt.
Amanda geht nach Mailand, studieren. Ein Zimmer in einer WG, eingepfercht. Ihre Mutter unterstützt sie so gut es geht, hilft beim Umzug. Doch lange haltet es Amanda nicht aus. Die Pandemie macht das Studium vorerst in der Stadt nicht weiter möglich. Das gehe auch von den eigenen vier Wänden aus. Sie kehrt Hals über Kopf zurück zu ihrer Mutter Lucia, nicht nur wegen des Lock-Downs. Amanda hat sich verändert. Ist wortkarg, lichtscheu. Verkriecht sich in ihrem Zimmer, geht kaum raus, ist nicht wieder zu erkennen.
Der geplante Kauf des Landes durch Immobilienspekulanten lockt Amanda heraus. Sie tritt auf die Barrikaden, organisiert sich mit Demonstranten, damit das Land, das mittlerweile ihrer Mutter gehört, nicht veräußert wird.
All das und vieles mehr erzählt uns Lucia, die Ich-Erzählerin. Besonnen, ruhig berichtet sie von ihrem Leben, blickt dreißig Jahre zurück. Das Verbrechen von damals wird langsam sichtbar, taucht aus den Nebeln der Erinnerungen auf und dringt zu uns vor in all seiner Wucht. Was wäre wenn … was wäre, hätte Lucia damals ihre Freundin gebeten, mit ans Meer zu fahren … was wäre dann passiert, oder nicht passiert. Lebenslang aufkeimende Schuldgefühle plagen sie, obwohl sie ganz genau weiß, dass sich nichts dafür kann. Dass es einfache Entscheidungen waren, wie sie das Leben jeden Tag gebärt und verlangt.
Und das Land bleibt das Land, der Dente del Lupo die Heimat der alteingesessenen Bevölkerung. Und die Geschehnisse sollten am besten vergraben werden …
Mit großem Einfühlungsvermögen beschreibt die Autorin das Leben in jenem Landstrich. In der Ferne sieht man das Meer glitzern, vielleicht auch die große Stadt Pescara, auf der anderen Seite türmen sich die Berge empor. Dazwischen findet das Leben statt in einer dörflich geprägten, von Männern dominerten Gesellschaft.
S.45: „Er hatte einen Sohn gewollt, und dann wurde ich geboren … Viel später erwartete er einen Enkel, einen Buben, den er auf den Traktor setzen konnte ... Zweimal wurde mein Vater schwer enttäuscht.“
Wie auch in ihren anderen Romanen Arminuta und Borgosud (beide sehr empfehlenswerte Bücher) erzählt uns auch hier Donatella di Pietrantonio über das Schicksal von Frauen. Mutter und Tochter, einander fremd und dennoch vereint, beide im Versuch, das jeweilig Beste aus sich zu machen, gegen die Ströme der Zeit anzukämpfen, für ein Leben gegen Unterdrückung, Armut. Und vor allem für eine selbstbestimmte Existenz. Doch der misogyne Alltag streckt auch hier seine Tentakel aus, auch wenn es nicht immer ganz so offensichtlich erscheint.
Vielschichtig kommt der Inhalt daher, zeichnet uns ein klares Bild des Lebens in dieser Gegend der Abruzzen. Figuren und Landschaft werden plastisch, die Sorgen und Nöte projizieren sich auf die Leinwand unserer Imagination. Ganz große Leseempfehlung für diesen wunderbaren Roman. Ein weiteres Meisterwerk aus der Feder der Autorin, ausgezeichnet mit dem Premio Strega 2024 (ein jährlich vergebener Literaturpreis, den seit 1947 nur 11 Frauen gewonnen haben).
Zitat der Autorin am Klappentext: „Ich verspreche, dass ich mich in Wort und Schrift für die Rechte einsetzen werde, für die meine Generation von Frauen so hart gekämpft hat und die heute anscheinend nicht mehr selbstverständlich sind.“
Michel
aus Lönneberga
4/5
18.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eindrucksvolles Buch mit Nachhall.
Ein Buch das auf Grund der Thematik unter die Haut geht. Auf Grund des Klappentextes etwas vorhersehbar. Schade eigentlich.
Der Schreibstil war zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, fügte sich mit der Zeit jedoch perfekt in die Geschichte des italienischen Dorfes, in dem die Erzählung spielt.
Die Charaktere werden liebevoll beschrieben, ebenso gefiel mir die Beschreibung der Umgebung der jeweiligen Szenerie.
Alles in allem ein gelungenes, fesselndes Werk, das einen in den Bann zieht und während des Lesens in die malerische Kulisse der Abruzzen befördert.
begine
aus Lemwerder
4/5
17.10.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Eine Familie in den Abruzzen
Die italienische Schriftstellerin Donatella Di Pietrantonio die Zeit, die Gegend und ihre Bewohner in Worte zu bringen.
Ihr Roman, Die zerbrechliche Zeit, zeigt eine schwierige Mutter Tochter Beziehung und gleichzeitig die Mutter für ihren Vater -dasein zu lassen.
Lucia glaubt, das sie keine gute Mutter ist. Ihre Ehe scheitert und ihre Tochter Amanda zieht nach Mailand zum Studium.
Eines Tages kommt sie zurück, redet mit luia nicht.
Gleichzeitig kümmert sich Lucia um ihren Vater. Der überschreibt ihr den Campingplatz, den er mit einem Freund betrieben hat. Jetzt ist es allerdings eine gefährliche Ruine. In Lucias Jugend gab es da eine Tragödie.
Die Probleme werden von der Autorin gekonnt beschrieben.
Der Roman war mir fast zu schnell am Ende.
Es ist ein fesselndes Werk.
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5/5
23.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Schatten der Vergangenheit
Eindrücklich erzählt die Autorin die Geschichte einer Mutter-Tochter-Beziehung in einem kleinen italienischen Dorf, vor dem Hintergrund eines dramatischen Vorfalls in der Vergangenheit, der seinen Schatten noch immer über das Dorf und vor allem über die Erzählerin wirft. Hier wird durchaus schwerer Stoff bearbeitet, doch durch die sprachliche Schönheit und wirklich interessante Geschichte ist dieses Buch einfach nur wunderbar zu lesen.
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5/5
19.11.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wunden
Der Premio Strega geht 2024 an „Die zerbrechliche Zeit“, das neueste Buch von Donatella Di Pietrantonio. Die Autorin erzählt komplett aus der Sicht der Physiotherapeutin Lucia. Deren Tochter Amanda geht zum Studieren fort von zu Hause und kehrt im Wesen verändert zurück. Lucia spürt Amandas Qualen und ahnt nichts Gutes. Das ruft Erinnerungen hervor, viele Jahre zurück, die Nacht auf dem Campingplatz, das schreckliche Verbrechen. Seit damals hat Lucia Schuldgefühle, eine Wunde, die wieder aufreißt. Intensiv geschrieben, von großer Wucht. Verdient prämiert.
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