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Ronja und Elio teilen ihre Faszination für die Natur, frisch verliebt beginnen sie ein gemeinsames Leben in einer Kleinstadt am Fuße der Alpen. Doch schon bald werden auch sie von einem Phänomen eingeholt, das die Welt seit einigen Jahren in Atem hält: der willkürlichen Entwicklung erwachsener Menschen zu Bäumen.
In ihrem neuen Roman nähert sich Alina Lindermuth einer Zukunftsvision, die gleichzeitig aufrüttelt und tröstet. Wie erleben Betroffene die sogenannte Dendrose und wie gehen ihre Familien damit um? Wie reagiert die Gesellschaft, was bedeutet das Phänomen für Politik, Unternehmen oder auch Krankenhäuser? Allmählich wird klar, dass die bestehenden Risse in der Bevölkerung dadurch immer tiefer werden.
Eine feinfühlige Liebesgeschichte im Zentrum der größten Herausforderung unserer Zeit: Die Autorin denkt angesichts der Klimakrise zu Ende, was geschehen würde, wenn die Natur auf sanfte, aber irreversible Art ihren größten Widersacher zu einem Teil von sich selbst zurückbildet.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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die.bunte.welt.der.buecher aus Magdeburg am 24.01.2026
Bewertungsnummer: 3023905
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Menschen entwickeln sich zu Bäumen. Dieses Phänomen, Dendrose genannt, tritt weltweit auf. Niemand weiß, was der Auslöser ist, welche Menschen eher davon betroffen sein können, ob es ansteckend ist und wie man sich davor schützen kann. die Symptome sind immer dieselben: "kribbelnde Zehenspitzen, steife Sprunggelenke, trockene, sich verfärbende Haut an den Füßen" (S. 10), dann Verholzung, Verwurzelung und die endgültige Verwandlung in Anthrodendren, die zum weiteren "Überleben" eingepflanzt werden müssen.
Ronja ist Ärztin, begeistert sich schon seit Kindheitstagen für Pflanzen und engagiert sich ehrenamtlich im Dendro-Team, welches sich um die Betreuung und Begleitung der Angehörigen Betroffener kümmert. Während einer Zugfahrt lernt sie Elio kennen, der im Ort das Haus seiner "verstorbenen" Tante herrichtet, um sich dort niederzulassen. Beide verlieben sich und beginnen eine Beziehung, deren Entwicklung ich gefühlsmäßig nicht ganz nachvollziehen konnte.
Viel spannender fand ich die Beschreibung der "Krankheit" Dendrose und den Umgang damit durch Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
Wie die Menschen nach Schuldigen suchen, lieber Gerüchten glauben, als sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen, sich innerhalb der Familien aufgrund verschiedener Meinungen zerstreiten usw.
Wie die Politik bzw. die einzelnen Parteien das Thema für den Wahlkampf ausschlachten.
Wie einfallsreich Firmen werden, um neue Produkte und Dienstleistungen im Zusammenhang mit den zu Bäumen gewordenen Menschen zu entwickeln und zu vermarkten.
Dendrose - ein Thema, dass sich wunderbar auf andere politische und gesellschaftliche Themen übertragen lässt. Und irgendwie auch ein schöner Gedanke, dass die Natur zurückschlägt und ihren größten Widersacher in die Knie zwingt.
Erschreckende und erfrischend andere Dystopie
Zauberberggast aus München am 13.04.2025
Bewertungsnummer: 2465563
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Man stelle sich vor, es gäbe eine Welt, die von der Lebensrealität her genau so ist wie unsere, nur gäbe es auf dieser Welt eine Krankheit, die Menschen zu Bäumen macht. Sie plötzlich befällt und dann fangen sie schrittweise an, zu mutieren…Erst versteifen sich die Zehen, dann bildet sich immer mehr Rinde an den Beinen. Erst der Unterkörper und dann kassiert die Pflanze auch noch drn Oberkörper und vor allem das menschliche Bewusstsein ein, bis die Person nicht mehr ist und an ihrer Stelle ein ganz normaler, lebender Baum. Aber eben ein Baum.
Mit diesem Gedankenspiel setzt sich die österreichische Autorin Alina Lindermuth in ihrem Roman “Stammzellen” auseinander. In ihrer Romanhandlung gibt es diese tückische Krankheit namens “Dendrose”, die eigentlich vor allem Menschen ab 50 befällt. Obwohl die Protagonistin des Romans, Ronja, noch wesentlich jünger ist, hat sie von Berufswegen mit der Dendrose zu tun. Sie verfolgt die aktuelle weltweite Forschung rund um die Krankheit und hat sogar einen Nebenjob als Dendro-Assistentin, wo sie Betroffene und deren Familien besucht. Schon gleich zu Beginn des Romans lernt sie den schönen Sprachwissenschaftler Elio kennen, der gerade an seiner Doktorarbeit über die Herkunft von Sprichwörtern forscht. Sie verlieben sich in dieser fragilen Welt, die von der neuen Krankheit und der Klimakrise fest umklammert wird. Und wie so oft in guter Literatur geht es also auch hier um die beiden ewigen Menschenheitsthemen-Bestseller Liebe und Tod, nur dass der Tod eben in ganz besonderer Form auftritt.
Lindermuth changiert erzählerisch immer wieder zwischen Ronjas Alltag als Ärztin am Krankenhaus (mich hat gewundert dass trotz Setting Österreich “Krankenhaus” und nicht ”Spital” gesagt wird) sowie ihrer Arbeit als Dendro-Assistentin und der Liebesgeschichte zwischen Elio und ihr. Letztere ist etwas spröde, aber ich denke, genau so wollte die Autorin sie auch darstellen. Liebe als Herausforderung, Liebe als Challenge. Von Anfang an liegt etwas Unausgesprochenes in der Luft und so ganz kommen die beiden irgendwie auf keinen wirklich zu 100 Prozent grünen Zweig.
Die Stärke dieses Romans ist es, Stimmungen einzufangen. Das Licht eines Nachmittags, die Schönheit der Natur in Zeit und Raum. Lindermuth lässt poetische Sprachbilder entstehen, sie kann schreiben. Ein Beispiel: “Der Herbst hat die Bäume und Sträucher fein säuberlich abgeräumt, hat die Blätter einzeln heruntergekämmt und die Äste stehen lassen wie erstarrte schwarze Finger, die nicht wissen zu scheinen, wozu sie in diesen Monaten überhaupt existieren.” (S. 138). Bei solchen Sprachbildern sage ich einfach: Jep, gekauft und für gut befunden.
Es ist quasi Nature Writing meets Dystopie/Science Fiction meets Liebesroman.
Das kleine Problemchen, das ich mit dem Roman hatte, liegt eher im Berich des Plots und der Figurenentwicklung. So richtig konnte ich den Finger nicht drauf legen, aber irgendetwas mutet trotz aller Schwere der Thematik künstlich, leicht oberflächlich und manchmal nicht ganz ausgereift an. Aber das mag auch nur mein rein subjektiver Eindruck sein. Lindermuth übrspringt erzählerisch immer wieder ganze Monate, die Kapitel sind nach ihnen benannt, also Mai, Dezember, Jänner, etc. Die Situation wird immer nur szenisch gestreift und wir sehen die feinen Nuancen, die Zwischentöne nicht. Es werden quasi nur die Jahresringe der Beziehung zwischen Elio und Ronja präsentiert, aber das Holz dazwischen bleibt blass. Mir hat also die Verdichtung etwas gefehlt im Sinne von Feinheiten.
Ansonsten ist die Idee natürlich grandios und mal eine Nature-Dystopie, die erfrischend und erschreckend anders zugleich ist. Wenn man das Buch zuschlägt ist man definitiv froh in einer Welt zu leben in der es keine Krankheit namens Dendrose gibt. Ein gutes Buch, mit sehr schöner, zur Thematik passenden Aufmachung, das ich für alle Liebhaber solcher Bücher auf jeden Fall empfehlen kann.
Meinung aus der Buchhandlung
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Stellen wir uns eine Welt vor, in der sich die Natur zurückholt, was der Mensch ihr genommen hat.
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
In „Stammzellen“ von Alina Lindermuth wird genau diese Vorstellung zur packenden Realität – und zwar in Form von Dendrosen. Pflanzenwesen, die aus menschlichen Zellen entstehen. Die Idee ist so originell, klug und eindringlich, dass sie einem lange im Kopf bleibt. „Stammzellen“ ist eine ökologische Vision, die ebenso poetisch wie beunruhigend ist.
Ronja, die Protagonistin, ist von Anfang an auf der Suche. Sie such nach einem Mittel, um die Dendrosen einzudämmen, wenn nicht sogar zu heilen. Wobei von Heilung im eigentlichen Sinne nicht die Rede ist, denn die Dendrosen sind wissenschaftlich belegt keine Krankheit. Trotzdem muss Ronja sich als Medizinerin gemeinsam mit Botanikern mit ihnen und den Betroffenen befassen. Sie betrachtet die Dendrosen mit medizinischem Abstand, bis sie in ihr persönliches Umfeld eindringen. Und dann ist da Elio. Ihre Beziehung zueinander hinterlässt einen schalen Beigeschmack: unausgewogen, emotional fordernd. Aber vielleicht ist genau das auch ein Kommentar darauf, wie menschliche Beziehungen selbst in Zeiten des Umbruchs alte, toxische Muster wiederholen.
„Stammzellen“ ist keine Dystopie im klassischen Sinne. Es ist ein Buch über Verantwortung, über Forschungsethik, über das Menschsein im Verhältnis zur Natur. Ein mutiger Roman, der nicht alles erklärt, aber viel hinterfragt. Und der zeigt: Wenn wir nicht hören, was die Welt uns zuflüstert, wird sie eines Tages vielleicht laut werden – mit Blättern, Wurzeln und der Wucht von etwas, das älter ist als wir.
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