Neuseeland zur Zeit des Goldrausches 1866: Als der Schotte Walter Moody nach schwerer Überfahrt nachts in der Hafenstadt Hokitika anlandet, trifft er im Rauchzimmer des örtlichen Hotels auf eine Versammlung von zwölf Männern, die eine Serie ungelöster Verbrechen verhandeln: Ein reicher Mann ist verschwunden, eine opiumsüchtige Hure hat versucht, sich das Leben zu nehmen, und eine ungeheure Summe Geld wurde im Haus eines stadtbekannten Säufers gefunden. Moody wird bald hineingezogen in das Geheimnis, das schicksalhafte Netz, das so mysteriös ist wie der Nachthimmel selbst.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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10 Jahre lang hatte ich dieses Buch auf meinem SuB liegen und habe es aufgrund der stark polarisierten Kritiken nicht gelesen. Nun habe ich mich eines Besseren besonnen und wurde mit einem unglaublichen Leseerlebnis belohnt. Warum die Buchbesprechungen so durchwachsen sind, leuchtet mir nun ein und ich möchte anhand einer eigenen Kritik darauf eingehen und meinen Eindruck schildern.
1. Aspekt – Der Plot
Wir befinden uns in einer kleinen neuseeländischen Goldgräberstadt in den 1860ern des 19. Jahrhunderts. Ein schottischer Rechtsanwalt kommt nach einer abenteuerlichen Schiffsreise hier an und sucht Schutz und Gesellschaft im Rauchersalon eines Hotels, wo er auf 12 Männer trifft, die in einer Geheimbesprechung, die Stadtereignisse der letzten Wochen aufdröseln wollen. Unser Schotte namens Moody befindet sich sofort in einer Welt krimineller Verstrickungen, geisterhafter Erscheinungen und durchtriebener Machenschaften rund um einen ermordeten Einsiedler, eine Hure namens Anna und einem verschwundenen Goldschatz, der verschwindet, wieder auftaucht und wieder verschwindet…
2. Aspekt – Die Astrologie
Die Handlung wird uns eingewebt in einen dichten Kokon aus Astrologie, astrologischen Zeichnungen, Planetenstellungen und Tierkreiszeichen präsentiert. Sie sind jedem Kapitel vorangestellt und mit ihrer Hilfe erkennt man schon bald Gesetzmäßigkeiten im Auftauchen gewisser Protagonisten und in ihrem Tun.
3. Aspekt – Die Sprache und der Aufbau
Catton hat ihren Dickens gelesen. Hier wird eindeutig „viktorianisch“ gesprochen und hätte es einen Neuseelandroman aus dieser Zeitepoche gegeben – er würde genauso klingen und sich lesen lassen müssen. Sie hat von der damaligen Literatur vor allem die erklärenden, langen Überschriften übernommen in denen ein Gros der Handlung vorweggenommen und dem Leser in einer Kurzfassung dargelegt wird. Tatsächlich machen gegen Ende hin die Überschriften gegenüber den Kapitelinhalten wesentlich mehr aus, was einer weiteren stilistischen Methode geschuldet ist, derer sich Catton bedient. Sie schreibt jedes Kapitel halb so lang wie das vorhergegangene. Im englischen Original bedeutet dies – 1. Kapitel 400 Seiten, 2. Kapitel 200 Seiten, 3. Kapitel 100 Seiten, etc. … Mehr als jeder andere Umstand trägt dies wohl zu den negativen Rezensionen des Buches bei, da vor allem das umfangreiche erste Kapitel die potentielle Leserschaft gewaltig abschreckt.
Was halte ich von den einzelnen Punkten?
Der Plot ist einzigartig. Er ist wohldurchdacht und sehr spannend. Wie es der Autorin gelingt, die einzelnen Stränge zusammen zu weben ist schlichtweg großartig. Wir dürfen nicht vergessen, dass allein die 12 Tierkreiszeichen und die entsprechenden Charaktere im Buch unterscheidbar sein müssen und das gelingt ihr sehr gut – und dann kommen noch die Planeten und ihre jeweiligen Charaktere dazu. Wir lernen eine Siedlerwelt im 19. Jahrhundert kennen und zwar wirklich gut – alle sozialen Schichten sind vertreten – vom chinesischen Opiumhändler über den Maori bis zum Spediteur und aufstrebenden Politiker. Auch wenn ich mir die Namen anfangs nicht merken konnte, arbeitet sie die Charaktereigenschaften der Leute so heraus, dass sie deutlich unterscheidbar sind und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ihre Motive und Lebenswelten werden dargelegt und prägen vor allem dieses verfluchte erste Kapitel, über das so viele negative Stimmen im Internet zu finden sind. Der Plot ergibt zu jeder Zeit Sinn, auch wenn Catton ihn wendet und dreht, wie die Protagonisten ihn grad gerne hätten. Wir haben einen starken Hauch Mystery über allem, eine geniale Séance-Szene, ein Gerichtsdrama, in dem endlich auch Cattons Humor voll durchbricht, eine Geistererscheinung und eine Liebesgeschichte.
Ist die übergreifende Einteilung in astrologische Elemente sinnvoll? Vielleicht ist sie das nicht, aber sie findet sicherlich ihre geneigten Leser. Und tatsächlich würde das Element der Liebesgeschichte ohne sie in dieser Form nicht sinngemäß funktionieren. Außerdem trägt sie einen weiteren Hauch Mystik bei und der gefällt mir hier recht gut.
Die Konstruiertheit des Kapitelaufbaus und des Plots wurde vielfältig kritisiert. Gegen Ende hin, wo die Überschriften wirklich schon länger sind als die Kapitel selbst, lies sie mich schmunzeln, ansonsten fand ich sie nicht störend. Irgendwie verwundert mich dieser Vorwurf auch, denn ehrlich – ich kenne keinen einzigen Autor, der sein Buch NICHT konstruiert. Und hier stört es mich nicht. Wenn ich diesem Buch Erin Morgensterns „The Starless Sea“ gegenüberstelle, werden hier die Konstruktionen wenigstens aufgelöst und ich habe eine Chance sie zu durchblicken – als Leser. Andere Werke bleiben kryptisch. Ich kann Catton hier keinen Vorwurf machen.
Für mich war „Die Gestirne“ zu keinem Zeitpunkt langatmig. Es ist weitläufig, ausschweifend und zäh, aber nicht öd. Stört es mich wirklich als Leser, dass ich so lange und detaillierte Kapitel lesen muss? Nein! Denn ich wurde mit einer wunderschönen, authentisch wirkenden, historisch bereichernden Zeitreise ins Neuseeland der Siedler und Goldgräber belohnt, wie ich sie nie tatsächlich antreten kann – es sei denn in Büchern vom Format dieses Werkes. Und das finde ich fein!
2013 wird Eleanor Catton im…
Lunamonique aus Bremen am 25.02.2021
Bewertungsnummer: 2738871
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
2013 wird Eleanor Catton im Alter von 28 Jahren für ihren zweiten Roman „The Luminaries“ mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Sie ist damit die jüngste Booker Prize-Trägerin aller Zeiten. In der deutschen Übersetzung hat Melanie Walz den Zauber des Buches unter dem Titel „Die Gestirne“ eingefangen. Neuseeland, Hokitika, im Jahr 1866, der 27jährige Walter Moody hat sich im Crown Hotel einquartiert. Er will sich einen Brandy und ein bisschen Ruhe gönnen und platzt unversehens im Rauchzimmer des Hotels in eine Geheimversammlung. Einer der zwölf Männer, der Schiffsspediteur Thomas Balfour, verwickelt Walter Moody in ein Gespräch. Die Anderen verfallen in ein befremdliches Schweigen, täuschen Aktivitäten vor. Moody geht auf Balfours seltsame Fragen ein. Kann er die Situation entschärfen? Was planen die Männer? Sternenbilder und Planeteneinstellungen, das Verzeichnis der handelnden Personen in „Sterne“ und „Verwandte Häuser“ eingeteilt, schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass es sich bei „Die Gestirne“ um ein ungewöhnliches Buch handelt. Eine sehr bildhafte, einzigartige Sprache entführt den Leser ins Jahr 1866 zur Goldgräberzeit in Neuseeland. Der direkte Einstieg mit Walter Moodys Hineinplatzen in eine Geheimversammlung sorgt sofort für Spannung. Wird sich die Situation zuspitzen? Erzählt Walter Moody zu viel? Die verzwickte Lage der Hauptfigur reißt mit. Erst nach und nach wird deutlich um welche Männer es sich in dem Rauchzimmer handelt. Was hat Walter auf seiner schrecklichen Reise erlebt? Im Gegenzug zu Walter Moody plaudert auch Schiffsspediteur Thomas Balfour aus dem Nähkästchen. Hinweise und Andeutungen, ein toter Einsiedler und eine bewusstlose Hure steigern die Spannung. Schicksalhafte Begegnungen, Berechnung, Intrigen, Verrat, Lügen, jeder einzelne Charakter spielt in dieser Geschichte eine wichtige Rolle. Die Verwicklungen sind anfangs undurchsichtig. Es türmen sich gleich mehrere Rätsel auf und im Laufe der Geschichte kommen weitere dazu. Warum hat Walter Moody beim Auslaufen der „Godspeed“ acht, später auf der Reise aber neun Passagiere an Bord festgestellt? Was ist der Grund für die Geheimversammlung? Nicht nur Walter Moody tappt im Dunkeln. Die zwölf Männer im Rauchzimmer können nicht unterschiedlicher sein. Lange Zeit bleibt die Kulisse die gleiche. Berichte und Erzählungen geben erste Anhaltspunkte. Autorin Eleanor Catton fesselt den Leser mit einem raffinierten Plot. Nur wenig lässt sich vorhersehen. Die Geschichte hat viele Überraschungen parat. Bewundernswert menschlich sind ihr die Charaktere gelungen. Jeder hat mit seinen Abgründen zu kämpfen. Es gibt eine große Menge an Hauptfiguren und nur sehr wenige Randfiguren. Die kantonesische Sprache, das Goldgräberleben, Druckarbeiten bei der Zeitung, Schmerzmittel, Waffen, Kleidung, Gewohnheiten, für die Details war viel Recherche notwendig. Die astrologischen Aspekte werden zur Herausforderung. „Die Gestirne“ bietet gleich mehrere Abenteuer in Einem. Schnell entwickelt sich das Buch zum Pageturner. Humor fließt mit ein. Der ein oder andere Schlagabtausch und sprachliche Missverständnisse steigern den Unterhaltungswert. Auch die Spannung findet immer wieder Höhepunkte. Im letzten Drittel des Buches bringen die Auflösungen den Leser zum Staunen. Nicht ganz so gelungen und teils überflüssig sind die kurzen Kapitel zum Schluss. Der Ausklang dagegen setzt einen würdigen Schlusspunkt. Das Cover mit dem Frauengesicht im Mond wirkt mysteriös. Es verrät nichts bis auf das Außergewöhnliche des Buches. Das sandfarbene Beige und der goldenen Titel passen gut zum Inhalt. Mit 1038 Seiten ist „Die Gestirne“ ein echter Wälzer. Es lohnt sich, diese fesselnde Lektüre in Angriff zu nehmen. Der Roman hat Stil und eine besondere Klasse. Er überrascht mit allen seinen Facetten und einem kniffeligen Plot.
Meinung aus der Buchhandlung
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Dieser anspruchsvolle Wälzer von ca. 1000 Seiten erfordert Ihre möglichst ungeteilte Aufmerksamkeit:
am besten liest man ihn wohl im Urlaub oder an Feiertagen hintereinanderweg - dann kann er sein ganzes Potential entfalten ....
Das Goldgräberstädtchen Hokitika auf der Südinsel Neuseelands während des Goldrausches um 1866 ist die Ausgangsbasis des Romanes um ein Verbrechen, das Einfluss nimmt auf das Leben etlicher seiner Bürger.
E. Catton teilt in ihrem preisgekrönten Roman die Protagonisten ein in Sterne und Planeten und
die Gebäude, Ortschaften und Schiffe in die dazugehörigen "Häuser" sowie verwandte Einflüsse :
wer sich also mit Astrologie befasst, mag sich freuen,
tatsächliches astrologisches Wissen ist aber nicht unbedingt vonnöten.
Wenn man sich jedenfalls auf die atmosphärisch dicht erzählte, verschachtelte Kriminal- u. Liebesgeschichte einläßt und das Buch möglichst wenig weglegt :-) ,
dann könnte man feststellen, das dieser Roman seinen Literaturpreis durchaus verdient hat ;-)......
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Braucht die volle Aufmerksamkeit des Lesers.
Die Autorin hat für dieses Werk den Booker-Preis im Jahr 2013 bekommen.
1040 Seiten geballte, aussergewöhnliche, abwechslungsreiche Literatur.
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