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Großbritannien ist von einer hohen Mauer umgeben. Joseph Kavanagh gehört zu jener Gruppe von jungen Menschen, die sie gegen Eindringlinge verteidigt. Der Preis für ein mögliches Versagen ist hoch: Schaffen es Eindringlinge ins Land, werden die verantwortlichen Verteidiger dem Meer – und somit dem sicheren Tod – übergeben. Das Leben auf der Mauer verlangt Kavanagh einiges ab, doch seine Einheit wird zu seiner Familie. Mit Hifa, einer jungen Frau, fühlt er sich besonders eng verbunden. Gemeinsam absolvieren sie Kampfübungen, die sie auf den Ernstfall vorbereiten sollen. Denn ihre Gegner können jeden Moment angreifen. Für ein Leben hinter der Mauer sind sie zu allem bereit.
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In "Die Mauer" von John Lankeser schildert ein junger Mann in der Ich-Perspektive seinen Pflichtdienst an der Mauer, die Großbritannien in einer überfluteten Welt vor den sogenannten "Anderen" schützt.
Lankeser entwirft eine karge, eisige Zukunft, in der weite Teile der Erde im Meer versunken sind und nur wenige Felsspitzen aus dem Wasser ragen. Die Mauer ist mehr als eine physische Barriere – sie ist Ausdruck einer Gesellschaft, die sich vollständig auf Abgrenzung und Kontrolle zurückgezogen hat.
Die Schilderungen des Lebens auf der Mauer sind von einer lakonischen Nüchternheit geprägt: Zwölfstundenschichten im eisigen Wind, eintöniger Dienst, ständige Wachsamkeit. Dabei entfalten sich zwischen den Kameraden durchaus Ansätze von Freundschaft – jedoch bleibt alles vorläufig, brüchig, denn jeder kann jederzeit getötet oder verbannt werden. Die Bindungen, die entstehen, sind real, aber selten tief – sie stehen stets unter dem Schatten der Vergänglichkeit. Der Kommandant, zunächst schemenhaft, gewinnt mit der Zeit Kontur, genauso wie die anderen Mitglieder der Schicht.
Die entscheidende Wendung erfolgt, als ein Angriff der "Anderen" erfolgreich ist – eine Katastrophe, denn die Regeln sind klar: Wer versagt, verliert sein Recht auf Schutz und Leben. Die Verbannung erfolgt beinahe emotionslos, so wie vieles in dieser Gesellschaft. Zwischenmenschliche Nähe existiert höchstens funktional, Liebe oder Freundschaft haben keinen Raum. Selbst Fortpflanzung erscheint als staatlich regulierte Pflicht.
Die Szene der Verbannung ist kalt, sachlich, ohne Pathos – ein stiller Bruch mit dem bisherigen Leben. Lankeser zeigt eindringlich, wie das System die Grenzen zwischen "uns" und "ihnen" nicht nur zieht, sondern einzementiert. Schon sprachlich ist die Trennung unüberwindbar: Die Anderen sind keine Menschen, sie sind das Fremde, das Bedrohliche. Und plötzlich ist das "Ich" selbst auf der anderen Seite und damit selbst einer der "Anderen".
In der zweiten Hälfte des Romans begleitet man den Erzähler auf einem Notfallboot – eine gnadenlose Umgebung, in der Wasser und Nahrung knapp sind und der Horizont nichts als Leere bietet. Begegnungen mit anderen Überlebenden bringen kurze Hoffnung oder neue Gefahr, immer wortkarg, immer reduziert auf das Nötigste. Die Sprache bleibt nüchtern, fast distanziert, was die existenzielle Bedrohung umso greifbarer macht. Auch hier: Menschliche Nähe entsteht, aber sie ist fragil, ohne Zukunft und selten von Dauer.
Lankesers Roman überzeugt durch seinen kühlen Stil, der nie ins Sentimentale abgleitet, und durch die konsequente Erzählweise, die den Leser tief in eine dystopische Welt hineinzieht, in der Isolation, Kälte und das Ringen um Menschlichkeit bestimmend sind.
Ein Zukunftsroman, der doch gar nicht mehr so fern wirkt.
Bewertung am 14.04.2021
Bewertungsnummer: 507005
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Großbritannien in der näheren Zukunft. Die Insel hat sich von der Außenwelt, mittels einer Mauer an der Küstenlinie, abgeschottet. Niemand wird hinein gelassen, das Meer knallhart beobachtet.
Der Erzähler leistet seinen mehrjährigen Mauerdienst und dienst uns als Berichterstatter, der Situation.
Nach und nach erfahren wir als Leser, was dies genau bedeutet. Wache schieben in der Nacht, in Eiseskälte, bei Regen und Sturm. Verteidigungsübungen gegen Eindringlinge und harter Drill. Denn, wenn es einer Wachmannschaft misslingt ihren Abschnitt der Mauer zu verteidigen, wird Diese in einem Boot ausgesetzt und somit selber zum Eindringling.
Meinung aus der Buchhandlung
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Literarische Dystopie oder realistisches Schicksal der Menschheit?
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Die Menschheit steht vor einer epochalen Zeitenwende, wir sind mit vielfältigen Problemen konfrontiert. Der Klimawandel, die daraus resultierenden zunehmenden Flüchtlingsbewegungen und der Rückfall zahlreicher Staaten in einen ewig gestrigen (und überwunden geglaubten) Nationalismus - alles hausgemacht und verheerende Folgen für die Zukunft habend.
All diese Entwicklungen hat der britische Autor John Lanchester in seinen dystopisch-düsteren Roman ‘Die Mauer‘ gepackt. In einer nicht allzu fernen Zukunft hat sich Großbritannien von der Außenwelt abgeschottet und sieht sich als bedeutendstes Land der Erde. Um sich vor den sog. „Anderen“ zu „schützen“, hat es eine Mauer um die gesamte Insel gebaut. Die „Anderen“ sind Klimaflüchtlinge, die aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels ihre Heimat(en) verloren haben. Deshalb müssen tausende junge Menschen das in gesellschaftliche Schichten aufgeteilte Land zwangsverteidigen. So auch der junge Protagonist Kavanagh, welcher im Laufe der Geschichte alle Seiten kennenlernen und dessen Leben auf eine harte Probe gestellt wird.
Eigentlich wirkt John Lanchesters Weltuntergangsszenario auf den ersten Blick überladen, denn dass drei derartig verheerende Visionen zeitgleich eintraten, mutet unrealistisch an. Ist es jedoch nicht. Lanchester schafft es gekonnt, dass die spannende Geschichte schlüssig ist und die Gründe für den Kollaps nachvollziehbar sind. Alles ist so einleuchtend, dass den Leser*innen während der Lektüre von ‘Die Mauer‘ nicht nur einmal Angst vor der Zukunft wird. Eine atemraubende, zum Nachdenken anregende Dystopie, die schneller Realität werden könnte, als der Menschheit lieb ist – wenn wir nicht endlich anfangen vieles grundlegend zu verändern.
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Eine Dystopie, die es in sich hat! John Lanchester hat mich mit "Die Mauer" tief beeindruckt. Eine Geschichte über Menschen, die der Willkür ihres Schicksals und den Entscheidungen anderer ausgeliefert sind. Ein System, das keine Gnade kennt. Brandaktuell und unfassbar gut!
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