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Bis wieder einer weint Roman

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Beschreibung

Produktdetails

Zustand

Akzeptabel

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

28.01.2020

Verlag

Rowohlt

Seitenzahl

480

Maße (L/B/H)

21/13,6/4,5 cm

Gewicht

560 g

Auflage

3. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710001662845

Warnhinweis

nicht erforderlich.

Beschreibung

Rezension

Eva Sichelschmidt beschreibt mit gekonnten Zeitsprüngen den Aufstieg und Fall einer westdeutschen Familie in der Nachkriegszeit. Sie zeichnet voller Freude am Detail Lebenswelten, die uns prägten. Der Kern ihres Buches aber ist das Schicksal eines Mannes, der trotz Erfolg nicht das Leben führen durfte, das er ersehnte, und für dessen Unglück alle bezahlen müssen. ("Brigitte")
Es steckt eine Menge Lebensstoff in diesem Gesellschaftsroman. ("Berliner Zeitung")
Wie Eva Sichelschmidt am Ende Tabula Rasa macht, ist bemerkenswert und von großer literarischer Kraft. ("Deutschlandfunk "Büchermarkt"")
Eine große, beglückende Zeitreise. ("Welt am Sonntag Kompakt")
Eine Ruhrgebietssaga, der trotz des Panaromablicks das Kunststück gelingt, sehr nah an ihre Figuren heranzurücken. ("WAZ")
Aufregend, ja, erschütternd und manchmal dennoch ziemlich komisch. ("Katja Lange-Müller")

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Zustand

Akzeptabel

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

28.01.2020

Verlag

Rowohlt

Seitenzahl

480

Maße (L/B/H)

21/13,6/4,5 cm

Gewicht

560 g

Auflage

3. Auflage

Sprache

Deutsch

EAN

2710001662845

Herstelleradresse

Rowohlt Verlag GmbH
Kirchenallee 19
20099 Hamburg
DE

Email: produktsicherheit@rowohlt.de

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Familiäres Portrait der jungen Bundesrepublik

Bewertung aus Baden-Württemberg am 26.12.2020

Bewertungsnummer: 1419086

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Der Roman wird im Wesentlichen aus zwei Erzählperspektiven erzählt. Die ersten Erinnerungen der Ich-Erzählerin Suse Rautenberg gehen zurück zum Tag der Beerdigung ihrer Mutter im Juni 1971. Da ist Suse nur 10 Monate und ihre Schwester Asta 6 Jahre alt. Kann sich Suse wirklich an diese beklemmenden Bilder erinnern? Oder hat man ihr davon erzählt? Oder ist es ihre blühende Fantasie, die diese Szenen immer wieder hervorruft? Die zweite auktorial-personale Erzählebene geht in der Zeit zurück, berichtet von der außergewöhnlich hübschen Arzttochter Inga, die mit dem beliebtesten Junggesellen der Stadt, dem Unternehmersohn Wilhelm Rautenberg, verlobt ist. „Wilhelm ist schon Mitte dreißig, aber keiner sieht so schmuck aus wie er und hat auch nur annähernd so viel Moos, wie man hier sagt.“ (S. 19) „Sie sind füreinander mehr als nur eine gute Partie. Sie hat den Stil und er das Geld.“ (S. 21) Kennengelernt haben sie sich im Reitstall. Inga liebt das privilegierte Leben im Wohlstand sowie mit den Partys und Gesellschaften der bürgerlichen Elite des Ruhrgebiets. Die Rautenberg-Villa wurde für Ingas Einzug umgebaut, fast alle Möbel sind neu. Einziger Wermutstropfen ist die herrische Schwiegermutter Marianne, die mit im Haus leben wird. Alles wie im Märchen, nur wundert sich Inga über Wilhelms zurückhaltende Art, ist er doch wenig leidenschaftlich und mitunter gleichgültig in Bezug auf ihre Person. Gemeinsam mit seinem Bruder leitet er die väterliche Firma, seine Passion gehört aber der Dressurreiterei, für gute Rassepferde investiert er eine Menge Geld: „Das Reiten ist ja schließlich nicht sein Hobby. Er hat Großes vor, mit seinen Pferden und auch mit sich. „Die Reiterei ist meine Bestimmung“, sagt er.“ (S. 20) Wir begleiten Inga bis zu ihrem frühen Tod. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Leser nimmt Teil an ihrem (Ehe-)Leben, ihren Sorgen, Glücksmomenten und Emotionen. Suse muss nach Ingas Tod zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Schwelte übersiedeln. Asta bleibt beim Vater. Sie war schon immer ein Papakind. Diese Eigenschaft wird nun verstärkt, was es der kleinen Schwester bei Besuchen unglaublich schwer macht, die Eifersucht ist groß. „Der Vater war mir fremd und unheimlich. Nichts bei ihm war wie bei den Menschen meiner häuslichen Umgebung.“ (S. 33) Die Kindheit bei Oma und Opa ist jedoch auch nicht einfach, die alten Leute sind nicht auf ein Kleinkind eingestellt. Die Arztpraxis ist im Haus untergebracht und die Großmutter arbeitet dort mit, so dass Suse oft sich selbst überlassen wird. Trotzdem genießt sie Ordnung und Struktur, etwas, das sie beim Vater gänzlich vermisst. Der Schock erwartet sie zur Einschulung: Nun muss das Mädchen dauerhaft im väterlichen Haus wohnen, eine Tatsache, unter der es sehr leidet. Der Haushalt ist unorganisiert, das Personal wechselt häufig und der Vater ist seinen wechselhaften Stimmungen unterworfen. Seine Gedankenlosigkeit tut weh. Suse bekommt Schwierigkeiten in der Schule, wird systematisch ausgegrenzt. Wirtschaftlich geht es zunächst weiter bergauf. Ein neues Anwesen wird gebaut, sportliche Erfolge erzielt. Irgendwann kommt aber die Wende: Der labile Wilhelm wendet sich einem außergewöhnlichen Freundeskreis zu, vernachlässigt seine Pflichten, mit der Firma geht es bergab… Viele Details aus den 1970er Jahren machen das Buch zu einer wahren Fundgrube für Menschen, die in dieser Zeit aufgewachsen sind: Fast beiläufig werden Werbespots, Redewendungen, Musiktitel eingeblendet, die dem Leser ein „Ach ja, genau so war es,“ entlocken. Es wird viel in Gastwirtschaften getrunken und Rauchen in der Wohnung ist en vogue. Babys werden mit Milupa gefüttert, denn Stillen macht Hängebrüste – wer will die schon? Die Helden der Kinderbücher: Karlsson vom Dach, Pinocchio und das kleine Gespenst. Menschen, die anders sind, werden ausgegrenzt und bloßgestellt, sei es wegen eines Handicaps, der Hautfarbe oder der sexuellen Orientierung. Niemand denkt sich etwas dabei. Gute Verbindungen und Seilschaften gehören gepflegt und nicht verteufelt. Neben der wirklich interessanten, vielschichtigen Familiengeschichte bietet dieser Roman ein gutes Gesellschaftsportait, in dem vieles verdrängt und verschwiegen wird. So gibt es auch Lügen und Notlügen, letzterer dürfen sich nur die Erwachsenen bedienen. Der Roman hat mich von Anfang an gefesselt. Die beiden agierenden Familien sind sehr genau gezeichnet. Beide Erzählebenen sind gleichsam spannend. Mit der ersten Szene, dem Tag von Ingas Beerdigung, breitet sich eine Melancholie aus, die während des gesamten Romans anhält. Trotzdem gibt es auch humorvolle Szenen, die sich aus dem täglichen Leben mit der aufgeweckten Suse ergeben. Wilhelm ist zwar kein Sympathieträger, man lernt ihn aber immer besser kennen, so dass man am Ende sogar ein gewisses Verständnis für seine Lage hat. Das ist es, was den Roman so außergewöhnlich macht: die Komplexität der Figuren, die sich mit ihren Stärken und Schwächen glaubwürdig entwickeln und viel Potential zum Nachdenken bieten. Insofern eignet sich der Roman ideal für Lesekreise. Den Spruch „Bis wieder einer weint“, kennt wohl jeder, der sich als Kind einmal gestritten hat. Ich empfehle den Roman uneingeschränkt allen, die sich ein intensives, kitschfreies Leseerlebnis wünschen und vielleicht auch in die Lebenswelt der eigenen Kindheit eintauchen möchten. Zu erwähnen ist die hochwertige Ausstattung des Rowohlt-Hardcovers mit verschiedenen Papiersorten und Lesebändchen. Der Roman steht völlig verdient auf der Longlist zum DBP 2020. 4,5/5 Sterne

Familiäres Portrait der jungen Bundesrepublik

Bewertung aus Baden-Württemberg am 26.12.2020
Bewertungsnummer: 1419086
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Der Roman wird im Wesentlichen aus zwei Erzählperspektiven erzählt. Die ersten Erinnerungen der Ich-Erzählerin Suse Rautenberg gehen zurück zum Tag der Beerdigung ihrer Mutter im Juni 1971. Da ist Suse nur 10 Monate und ihre Schwester Asta 6 Jahre alt. Kann sich Suse wirklich an diese beklemmenden Bilder erinnern? Oder hat man ihr davon erzählt? Oder ist es ihre blühende Fantasie, die diese Szenen immer wieder hervorruft? Die zweite auktorial-personale Erzählebene geht in der Zeit zurück, berichtet von der außergewöhnlich hübschen Arzttochter Inga, die mit dem beliebtesten Junggesellen der Stadt, dem Unternehmersohn Wilhelm Rautenberg, verlobt ist. „Wilhelm ist schon Mitte dreißig, aber keiner sieht so schmuck aus wie er und hat auch nur annähernd so viel Moos, wie man hier sagt.“ (S. 19) „Sie sind füreinander mehr als nur eine gute Partie. Sie hat den Stil und er das Geld.“ (S. 21) Kennengelernt haben sie sich im Reitstall. Inga liebt das privilegierte Leben im Wohlstand sowie mit den Partys und Gesellschaften der bürgerlichen Elite des Ruhrgebiets. Die Rautenberg-Villa wurde für Ingas Einzug umgebaut, fast alle Möbel sind neu. Einziger Wermutstropfen ist die herrische Schwiegermutter Marianne, die mit im Haus leben wird. Alles wie im Märchen, nur wundert sich Inga über Wilhelms zurückhaltende Art, ist er doch wenig leidenschaftlich und mitunter gleichgültig in Bezug auf ihre Person. Gemeinsam mit seinem Bruder leitet er die väterliche Firma, seine Passion gehört aber der Dressurreiterei, für gute Rassepferde investiert er eine Menge Geld: „Das Reiten ist ja schließlich nicht sein Hobby. Er hat Großes vor, mit seinen Pferden und auch mit sich. „Die Reiterei ist meine Bestimmung“, sagt er.“ (S. 20) Wir begleiten Inga bis zu ihrem frühen Tod. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Der Leser nimmt Teil an ihrem (Ehe-)Leben, ihren Sorgen, Glücksmomenten und Emotionen. Suse muss nach Ingas Tod zu ihren Großeltern mütterlicherseits nach Schwelte übersiedeln. Asta bleibt beim Vater. Sie war schon immer ein Papakind. Diese Eigenschaft wird nun verstärkt, was es der kleinen Schwester bei Besuchen unglaublich schwer macht, die Eifersucht ist groß. „Der Vater war mir fremd und unheimlich. Nichts bei ihm war wie bei den Menschen meiner häuslichen Umgebung.“ (S. 33) Die Kindheit bei Oma und Opa ist jedoch auch nicht einfach, die alten Leute sind nicht auf ein Kleinkind eingestellt. Die Arztpraxis ist im Haus untergebracht und die Großmutter arbeitet dort mit, so dass Suse oft sich selbst überlassen wird. Trotzdem genießt sie Ordnung und Struktur, etwas, das sie beim Vater gänzlich vermisst. Der Schock erwartet sie zur Einschulung: Nun muss das Mädchen dauerhaft im väterlichen Haus wohnen, eine Tatsache, unter der es sehr leidet. Der Haushalt ist unorganisiert, das Personal wechselt häufig und der Vater ist seinen wechselhaften Stimmungen unterworfen. Seine Gedankenlosigkeit tut weh. Suse bekommt Schwierigkeiten in der Schule, wird systematisch ausgegrenzt. Wirtschaftlich geht es zunächst weiter bergauf. Ein neues Anwesen wird gebaut, sportliche Erfolge erzielt. Irgendwann kommt aber die Wende: Der labile Wilhelm wendet sich einem außergewöhnlichen Freundeskreis zu, vernachlässigt seine Pflichten, mit der Firma geht es bergab… Viele Details aus den 1970er Jahren machen das Buch zu einer wahren Fundgrube für Menschen, die in dieser Zeit aufgewachsen sind: Fast beiläufig werden Werbespots, Redewendungen, Musiktitel eingeblendet, die dem Leser ein „Ach ja, genau so war es,“ entlocken. Es wird viel in Gastwirtschaften getrunken und Rauchen in der Wohnung ist en vogue. Babys werden mit Milupa gefüttert, denn Stillen macht Hängebrüste – wer will die schon? Die Helden der Kinderbücher: Karlsson vom Dach, Pinocchio und das kleine Gespenst. Menschen, die anders sind, werden ausgegrenzt und bloßgestellt, sei es wegen eines Handicaps, der Hautfarbe oder der sexuellen Orientierung. Niemand denkt sich etwas dabei. Gute Verbindungen und Seilschaften gehören gepflegt und nicht verteufelt. Neben der wirklich interessanten, vielschichtigen Familiengeschichte bietet dieser Roman ein gutes Gesellschaftsportait, in dem vieles verdrängt und verschwiegen wird. So gibt es auch Lügen und Notlügen, letzterer dürfen sich nur die Erwachsenen bedienen. Der Roman hat mich von Anfang an gefesselt. Die beiden agierenden Familien sind sehr genau gezeichnet. Beide Erzählebenen sind gleichsam spannend. Mit der ersten Szene, dem Tag von Ingas Beerdigung, breitet sich eine Melancholie aus, die während des gesamten Romans anhält. Trotzdem gibt es auch humorvolle Szenen, die sich aus dem täglichen Leben mit der aufgeweckten Suse ergeben. Wilhelm ist zwar kein Sympathieträger, man lernt ihn aber immer besser kennen, so dass man am Ende sogar ein gewisses Verständnis für seine Lage hat. Das ist es, was den Roman so außergewöhnlich macht: die Komplexität der Figuren, die sich mit ihren Stärken und Schwächen glaubwürdig entwickeln und viel Potential zum Nachdenken bieten. Insofern eignet sich der Roman ideal für Lesekreise. Den Spruch „Bis wieder einer weint“, kennt wohl jeder, der sich als Kind einmal gestritten hat. Ich empfehle den Roman uneingeschränkt allen, die sich ein intensives, kitschfreies Leseerlebnis wünschen und vielleicht auch in die Lebenswelt der eigenen Kindheit eintauchen möchten. Zu erwähnen ist die hochwertige Ausstattung des Rowohlt-Hardcovers mit verschiedenen Papiersorten und Lesebändchen. Der Roman steht völlig verdient auf der Longlist zum DBP 2020. 4,5/5 Sterne

Zeitportrait und Familiengeschichte.

https://lieslos.blog/ am 23.10.2020

Bewertungsnummer: 1392969

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Die Aussage «Bis wieder einer weint» ist wahrscheinlich kaum jemandem fremd. Jeder Erwachsene wird diese Warnung wohl schon gehört oder ausgesprochen haben, die sich darauf bezieht, dass albernes Herumtoben von Kindern plötzlich bitterernst wird und in Streit oder Weinen umschlägt. Diese Aussage zum Titel zu machen, ist originell und macht neugierig. Was wird hier kippen? Und warum? Der Roman, gleichermaßen westdeutsche Familiengeschichte wie Gesellschaftsportrait, der laut Autorin autobiografisch gefärbt ist, beginnt in der Adenauerzeit und dauert bis in die frühen 1990-er Jahre an. Kurz und knapp gesagt geht es in dieser kurzweiligen, fesselnden und berührenden Geschichte, die chronologisch und mit gekonnten Zeitsprüngen erzählt wird, um Aufstieg und Fall der Rautenberg-Dynastie, einer Unternehmerfamilie aus dem Ruhrgebiet, in der Nachkriegszeit. Nun etwas ausführlicher: Die schöne 17-jährige Arzttochter Inga und der stattliche, um 12 Jahre ältere Dressurreiter und erfolgreiche Geschäftsmann Wilhelm werden ein Paar. Nach außen hin scheint alles perfekt. Finanzieller Reichtum, materielle Fülle, eine schöne Frau, ein ansehnlicher, erfolgreicher und wohlhabender Mann, eine sechsjährige Tochter. Aber die Schattenseite des Lebens macht vor diesem sonnigen und schillernden Bild nicht Halt: Kurz nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Suse stirbt Inga 1971 an Leukämie. Während Asta, das ältere Mädchen bei ihrem Vater Wilhelm bleibt, wächst die kleine Suse bis zu ihrer Einschulung bei den Großeltern mütterlicherseits auf. Erst dann holt der Vater auch seine jüngere Tochter zu sich und der großen Schwester nach Hause. Für Suse, die ihre Großmutter innig liebt, bricht eine Welt zusammen, zumal sie jetzt auch noch mit der lieblosen Großmutter Marianne, der Mutter ihres Vaters, zurechtkommen muss. Die heimlich ausgelebte Homosexualität von Wilhelm und die Verhaltensauffälligkeit von Suse, die zur Außenseiterin wird, erleichtern das familiäre Zusammenleben nicht. Nach und nach geht es bergab. Der äußere Schein kann nicht mehr gewahrt werden. Lebenslügen kommen ans Tageslicht. Wilhelms Firma geht pleite. Es ist eine rasante Talfahrt, die ihre Spuren hinterlässt. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Ebenen und aus zwei Perspektiven. Der auktoriale Erzähler bringt uns das Pärchen Inga und Wilhelm nahe, die Ich-Erzählerin Suse erzählt aus ihrer Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter. Eva Sichelschmidt zeichnet ihre Charaktere in all ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit. Auf diese Weise entstehen lebendige und realistische Figuren mit Ecken und Kanten. Die Atmosphäre des Verdrängens und der Wortkargheit im Nachkriegsdeutschland wird von der Autorin gut eingefangen und typische Werbeslogans oder Hits sorgen für Erinnerungen, wenn man selbst in dieser Zeit aufgewachsen ist. Ich empfehle diesen gleichermaßen erschütternden, tragischen wie humorvollen und manchmal sogar ziemlich komischen Roman gerne weiter. Er befriedigt den literarischen Anspruch und sorgt für gute Unterhaltung.

Zeitportrait und Familiengeschichte.

https://lieslos.blog/ am 23.10.2020
Bewertungsnummer: 1392969
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Die Aussage «Bis wieder einer weint» ist wahrscheinlich kaum jemandem fremd. Jeder Erwachsene wird diese Warnung wohl schon gehört oder ausgesprochen haben, die sich darauf bezieht, dass albernes Herumtoben von Kindern plötzlich bitterernst wird und in Streit oder Weinen umschlägt. Diese Aussage zum Titel zu machen, ist originell und macht neugierig. Was wird hier kippen? Und warum? Der Roman, gleichermaßen westdeutsche Familiengeschichte wie Gesellschaftsportrait, der laut Autorin autobiografisch gefärbt ist, beginnt in der Adenauerzeit und dauert bis in die frühen 1990-er Jahre an. Kurz und knapp gesagt geht es in dieser kurzweiligen, fesselnden und berührenden Geschichte, die chronologisch und mit gekonnten Zeitsprüngen erzählt wird, um Aufstieg und Fall der Rautenberg-Dynastie, einer Unternehmerfamilie aus dem Ruhrgebiet, in der Nachkriegszeit. Nun etwas ausführlicher: Die schöne 17-jährige Arzttochter Inga und der stattliche, um 12 Jahre ältere Dressurreiter und erfolgreiche Geschäftsmann Wilhelm werden ein Paar. Nach außen hin scheint alles perfekt. Finanzieller Reichtum, materielle Fülle, eine schöne Frau, ein ansehnlicher, erfolgreicher und wohlhabender Mann, eine sechsjährige Tochter. Aber die Schattenseite des Lebens macht vor diesem sonnigen und schillernden Bild nicht Halt: Kurz nach der Geburt ihrer zweiten Tochter Suse stirbt Inga 1971 an Leukämie. Während Asta, das ältere Mädchen bei ihrem Vater Wilhelm bleibt, wächst die kleine Suse bis zu ihrer Einschulung bei den Großeltern mütterlicherseits auf. Erst dann holt der Vater auch seine jüngere Tochter zu sich und der großen Schwester nach Hause. Für Suse, die ihre Großmutter innig liebt, bricht eine Welt zusammen, zumal sie jetzt auch noch mit der lieblosen Großmutter Marianne, der Mutter ihres Vaters, zurechtkommen muss. Die heimlich ausgelebte Homosexualität von Wilhelm und die Verhaltensauffälligkeit von Suse, die zur Außenseiterin wird, erleichtern das familiäre Zusammenleben nicht. Nach und nach geht es bergab. Der äußere Schein kann nicht mehr gewahrt werden. Lebenslügen kommen ans Tageslicht. Wilhelms Firma geht pleite. Es ist eine rasante Talfahrt, die ihre Spuren hinterlässt. Erzählt wird die Geschichte auf zwei Ebenen und aus zwei Perspektiven. Der auktoriale Erzähler bringt uns das Pärchen Inga und Wilhelm nahe, die Ich-Erzählerin Suse erzählt aus ihrer Kindheit bis ins frühe Erwachsenenalter. Eva Sichelschmidt zeichnet ihre Charaktere in all ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit. Auf diese Weise entstehen lebendige und realistische Figuren mit Ecken und Kanten. Die Atmosphäre des Verdrängens und der Wortkargheit im Nachkriegsdeutschland wird von der Autorin gut eingefangen und typische Werbeslogans oder Hits sorgen für Erinnerungen, wenn man selbst in dieser Zeit aufgewachsen ist. Ich empfehle diesen gleichermaßen erschütternden, tragischen wie humorvollen und manchmal sogar ziemlich komischen Roman gerne weiter. Er befriedigt den literarischen Anspruch und sorgt für gute Unterhaltung.

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Bis wieder einer weint

von Eva Sichelschmidt

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Ulrike Kaiser

Thalia Mülheim – Rhein-Ruhr-Zentrum

Zum Portrait

5/5

Aufstieg und Fall im Ruhrgebiet

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Dies ist die erschütternde, beeindruckend geschriebene Geschichte einer Unternahmerfamilie aus dem Ruhrgebiet. Beginnend in den 60er Jahren breitet die jüngste Tochter die Geschichte ihrer Familie vor uns aus. Wir verfolgen über drei Jahrezehnte, wie die Familie wirtschaftlich aufsteigt und wie sie nach und nach erst privat, dann auch wirtschaftlich auseinanderbricht. Sehr lesenswert!
  • Ulrike Kaiser
  • Buchhändler/-in

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Aufstieg und Fall im Ruhrgebiet

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Dies ist die erschütternde, beeindruckend geschriebene Geschichte einer Unternahmerfamilie aus dem Ruhrgebiet. Beginnend in den 60er Jahren breitet die jüngste Tochter die Geschichte ihrer Familie vor uns aus. Wir verfolgen über drei Jahrezehnte, wie die Familie wirtschaftlich aufsteigt und wie sie nach und nach erst privat, dann auch wirtschaftlich auseinanderbricht. Sehr lesenswert!

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Stephanie Hepp

Thalia Saarbrücken

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5/5

Sittengemälde

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ein bisschen musste ich mich an den Schreibstil gewöhnen, aber ich habe schnell hinein gefunden und das Buch hat mich sehr gepackt. Eine spannende Geschichte, die man weiter verfolgen will, manches wird nur angedeutet. Scharfzüngig und pointiert, zum Teil wirklich witzig, ist dieser Roman. Das Ende fand ich deutlich zu kurz, zu schnell zu Ende gebracht, da entsteht eine riesige Zeitlücke, ich denke, da wären noch viele spannende Szenen zu schreiben bzw. zu lesen gewesen. Aber auch so habe ich das Buch genossen.
  • Stephanie Hepp
  • Buchhändler/-in

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5/5

Sittengemälde

Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)

Ein bisschen musste ich mich an den Schreibstil gewöhnen, aber ich habe schnell hinein gefunden und das Buch hat mich sehr gepackt. Eine spannende Geschichte, die man weiter verfolgen will, manches wird nur angedeutet. Scharfzüngig und pointiert, zum Teil wirklich witzig, ist dieser Roman. Das Ende fand ich deutlich zu kurz, zu schnell zu Ende gebracht, da entsteht eine riesige Zeitlücke, ich denke, da wären noch viele spannende Szenen zu schreiben bzw. zu lesen gewesen. Aber auch so habe ich das Buch genossen.

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Bis wieder einer weint

von Eva Sichelschmidt

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