Ein epischer Fantasyroman über Macht, Verrat und Magie in einer alternativen Rennaissance.
Der Stadtstaat Navola ist auf Handel gebaut. Die Paläste und Türme sind dem Reichtum ihrer Kaufleute entsprungen. Gehandelt wird mit allem: Gerste und Reis, Flachs und Wolle, Eisen und Silber, Waffen, Armeen und Menschenleben.
Und über allem thront die Bank der di Regulai. Mit List, Gewalt und ihrem unerschöpflichen Vermögen verkörpert sie eine Weltmacht: Kaufleute bitten um ihre Unterstützung, Künstler um ihre Gunst, Fürsten um eine Einladung zu ihrer Tafel. Die di Regulai behaupten zwar, sie seien unpolitisch, aber mit ihrem Reichtum kaufen sie Städte und stürzen Königreiche.
Schon bald soll Davico di Regulai die Macht von seinem Vater übernehmen. Sein Schicksal hängt von zwei Dingen ab. Zum einen von seiner Fähigkeit, das komplizierte Spiel der navolanischen Diplomatie zu spielen. Zum anderen von einem versteinerten Drachenauge, das sich im Besitz der Familie befindet und das weit mehr als nur ein mächtiges Symbol ihrer Macht und ein Talisman ist.
Für Hörer:innen von Patrick Rothfuss, Andrzej Sapkowski und George R.R. Martin
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4,5⭐️ Politische Fantasy, wie ich sie liebe!
Sue aus Uelzen am 29.10.2025
Bewertungsnummer: 2640070
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
"Wir alle sind nur Treibgut im Mahlstrom unseres Lebens. Allein das Schwimmen ist bereits ein Sieg."
Mit "Navola" nimmt uns Paolo Bacigalupi mit in eine atemberaubende Welt, die mich sehr an das Italien zur Blütezeit der Renaissance erinnert hat. Die Zeit der Medici in Florenz, in der Italien aus lauter Stadtstaaten und kleinen Regionen bestand. Es ist großartige politische Fantasy.
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Alexander Weber.
"Haltet diese Nacht gut im Gedächtnis, Prinzling. Bald werdet auch ihr parlobanco sitzen wie Euer Vater, und ihr werdet das Antlitz eines Mannes so gut lesen müssen wie er - und genauso auf der Hut sein, wie di Balcosi es hätte sein sollen. Prägt euch diese Nacht gut ein, mein Junge, denn was ihr da unten seht, ist der Preis des Scheiterns."
Davico di Regulai wächst sehr privilegiert und behütet auf. Seiner Familie gehört die Bank im Stadtstaat Navola, die seine Paläste und Türme, seinen Reichtum und seine Macht vor allem Davicos Familie zu verdanken hat. Auch wenn sich die di Regulai gerne unpolitisch geben, ist es doch ihr Geld, ihr Gold und ihre Versprechen die Stadtstaaten und Königreiche stürzen.
Doch wie es so ist, Erfolg bringt Neider mit sich. Und zu Davicos Namenstag, der ihn in die Geschäftswelt einführen soll, überschlagen sich die Ereignisse. Davico, der die Hoffnung seiner Familie ist findet sich inmitten von Intrigen der navolanischen Diplomatie wieder und nur das Drachenauge, ein uraltes Artefakt der Familie, wird ihn aus diesem Netz befreien können.
"Das war es, was ich verlor, als Mörder mit ihren Schwertern auf mich losgingen. Sie nahmen mir nicht das Leben. Sie nahmen mir mein Vertrauen und meinen Anstand."
Bacigalupi hat hier eine wirkliche tolle Welt geschaffen und die vielen italienischen Namen und Begriffe haben das Gefühl für diese Welt noch verstärkt. Benutzt wird hier zum Teil auch ein alter italienischer Dialekt, der ggf. zu Beginn etwas verwirren kann.
Erzählt wird die Story aus der Sicht des Hauptcharakters Davico, der uns von seinem Leben und seiner Familie erzählt. Von seinem Weg ins Erwachsenenalter, seinen damals noch kindlichen Wünschen und dem Stolz auf seinen Vater. Aber auch der Angst nicht zu genügen, dem Vater eine Enttäuschung zu sein. Er nimmt uns mit in seine Welt, die geprägt ist von einflussreichen Bankiers und Politikern, von Kunstmäzenen und Assassinen, beeindruckenden Palazzos und wunderschönen Weinbergen. Wir erfahren wie diese zersplitterte politische Landschaft zu ständigen Machtkämpfen untereinander führte und wie die komplizierte Machtverteilung es notwendig machte, Bündnisse einzugehen.
Wie zu Beginn bereits erwähnt ist es politische Fantasy und das einzig Fantastische ist das Drachenauge, ein Artefakt und Talisman der Familie, das aber eine besondere Rolle spielt.
"Ich schrubbte meine Angst und mein Entsetzen darüber, was meine Familie war und was wir getan hatten, einfach weg, und am Morgen gab ich nichts von allem preis, was in meinem Geiste lauerte."
Für mich war das eine wirklich großartige Lektüre, die nur einen halben Punkt verliert, weil ein Glossar hier wirklich angebracht gewesen wäre, zum Prinzip der Regierungsform, aber auch um Namen/Familien und deren Einflussbereich/Stand nachzuschlagen.
Ich freue mich sehr darüber, dass Bacigalupi bereits an Band 2 arbeitet. Etwas anderes ist bei diesem Ende auch nicht möglich. Ich kann es kaum erwarten und hoffe natürlich auf eine Übersetzung.
Drachenauge im Nebel der Worte
Alrik Gerlach aus NordWestMecklenburg am 28.09.2025
Bewertungsnummer: 2609493
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Prunkvolle Paläste, dekadente Feste, tödliche Intrigen – Navola hat alles, was ein Fantasyherz eigentlich höherschlagen lässt. Die Kulisse schreit förmlich nach Intrigen im Stile von Venedig, durchzogen von Machtspielen, scharfen Klingen und einer dicken Prise Gift. Genau das bekommt man auch – allerdings in einer epischen Länge, die eher wie ein nie endender Maskenball wirkt: schillernd, aber irgendwann sehnt man sich nach frischer Luft.
Davico di Regulai als Thronfolger einer Bankdynastie hat eigentlich Potenzial für Drama ohne Ende. Verrat in der Familie, Machtspiele zwischen Kaufleuten und das mysteriöse Drachenauge als Symbol – klingt nach einem Festschmaus für Fans von Martin und Sapkowski. Doch zwischen all den detailreichen Beschreibungen von Handelsverträgen, Verhandlungen und den sehr ausufernden Innenmonologen verliert sich die Spannung leider immer wieder. Wer sich gerne in endlosen Dialogen und barocken Beschreibungen suhlt, kommt hier voll auf seine Kosten. Wer Action oder zumindest flotten Erzählfluss erwartet, muss viel Geduld mitbringen.
Nicht falsch verstehen: Die Welt ist reich ausgestattet, voller Düfte, Farben und Intrigen – fast schon so opulent, dass man beim Lesen selbst ins Schwitzen kommt. Aber die Figuren bleiben über weite Strecken distanziert. Da zündet der Funke nur selten, und wenn er mal aufflammt, löscht die nächste Seite voller Handelsdebatten ihn gleich wieder.
Am Ende bleibt ein Roman, der sich wie eine kunstvoll bestickte Robe anfühlt: beeindruckend, schwer und schön anzusehen, aber unbequem zu tragen. Wer epische Fantasy mit Renaissance-Feeling liebt und die Geduld für ausschweifendes Erzählen mitbringt, darf sich hier ins blutrote Bad fallen lassen. Für mich persönlich war es ein bisschen zu viel Ausschweifung, zu wenig Biss – daher solide drei Sterne.
Meinung aus der Buchhandlung
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Wer Intrigen, Familienmacht und verbotene Alchemie sucht, der hat in Navola das perfekte Buch gefunden. Die düstere, blutige Welt steht dabei im straken Kontrast zum poetischen Schreibstil.
Bacigalupi zeigt hier, dass er nicht nur für Science Fiction bekannt ist, sondern auch mit Fantasy große, atmosphärische Welten schaffen kann, die lange nachwirken.
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Hui was für ein Buch. Ganz anders, als das mit dem ich gerechnet habe und doch hat es mich gefesselt und in seinen Bann gezogen. Wir folgen den Jugendjahren von Davico di Regulai da Navola, dem Erben der mächtigen Bank di Regulia, von deren Gnaden ganze Königreiche aufsteigen und fallen. Er erzählt uns seine Geschichte selbst, die zu Beginn eher episodenhaft und nicht sehr zusammenhängend ist, doch wir lernen Welt, Kultur und Charaktere kennen, lernen zusammen mit Davico uns im Geschäft der Bank zurecht zu finden und uns im Faccioscuro zu üben, der Kunst nichts über Absichten und Gefühle preiszugeben. Ein roter Faden ist vielleicht nicht immer zu erkennen, doch wer am Ball bleibt wird erkennen, wie das Erzählte sich zu einem Netz spinnt, in dem sich Davico mehr und mehr verstrickt.
Und auch wenn die Geschichte so dahinplätschert und scheinbar gar nicht so viel passiert, blieb es für mich doch spannend. Die Verstrickungen der Familie di Regulai, die Politik der Stadt Navola, der Konflikt zwischen Vater und Sohn, die fremde Kultur der Navolesen, war fesselnder als Eisenketten. Dann wird es die Story zusammenhängender und innere wie äußere Konflikte spitzen sich immer mehr zu, und wie die Flut um die di Regulai herum, steigt auch der Spannungsbogen. Der letze Akt des Dramas führt einige Fäden zusammen, doch lässt zu meinem Verdruss nicht weniger offen. Auch wenn ich mir ein fulminanteres Finale gewünscht hätten, so passt das Ende doch zur Geschichte wie das Stilletto zum Schatten.
Ein Punkt der mich doch irgendwann störte, war der starke Fokus auf Sex. Nicht, dass wir den Akt an sich zusammen mit Davico so oft beiwohnen dürften, doch es spielte in Unterhaltungen etc. eine oft ermüdende Rolle. Ja, junge Männer haben das Blut oft nich im Kopf, aber so oft?
Erzählerisch wird es nicht für alle etwas sein, zu sehr wird der rote Faden fehlen, zu sehr versinkt die Geschichte in der Kultur und der Welt, den Gedanken und Gefühlen Davicos. Doch wer sich darauf einlässt, wird mit einer der intrigantesten und interessantesten Geschichte dieses Jahres belohnt und einer Kultur, die faszinierend ist wie das Auge des Drachen. Mich hat Navola schier hypnotisiert und förmlich gezwungen, das Buch die ganze Nacht hindurch zu verschlingen.
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