In den Debatten der Gegenwart werden politische und ökonomische Entwicklungen als Globalisierung oder De-Globalisierung gedeutet. Konfliktlinien verlaufen zwischen den Gegnern und Befürwortern dieser Prozesse. In diesen Debatten wird über Globalisierung aber nur selten tiefgehend nachgedacht. Diese Lücke möchte die vorliegende Untersuchung füllen. Als Pionierarbeit wagt sie sich in weitgehend unbegangenes Gelände: Sie macht die phänomenologische Erhellung des Phänomens der Welt fruchtbar für eine philosophisch fundierte Globalisierungskritik. Die Untersuchung zeigt, dass die sehr grundsätzliche Kritik, die Edmund Husserl, Martin Heidegger und Heinrich Rombach an der europäischen Moderne üben, sich globalisierungskritisch lesen lässt. Die destruktiven Seiten der Globalisierung lassen sich so in Zusammenhang bringen mit den strukturellen Pathologien der Moderne. Das philosophische Nachdenken über die Pathologien der Globalisierung gliedert sich dabei in Diagnose und Therapie. Die Diagnose antwortet auf die Frage: Inwiefern wird ‚Welt‘ in der Epoche der Globalisierung falsch oder inadäquat konzeptualisiert? Die Therapie antwortet auf die Frage: Wie ließe sich ‚Welt‘ stattdessen konzeptualisieren – in einer heilsamen und adäquaten Weise?
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
Schenken Sie Ihren alten Schätzen ein zweites Leben und erhalten dafür eine Thalia Geschenkkarte.
Daniel Zöllner beschreibt in dem Buch "Globalisierung und Phänomenologie der Welt" (2025) die Entwicklung des Verständnisses der Globalisierung aus der Sicht der Phänomenologie, beginnend mit ihrem Begründer Edmund Husserl über Martin Heidegger bis zu Heinrich Rombach. Bekanntlich hat die Globalisierung zwei Seiten: Sie ermöglicht das Gespräch und das Verständnis über Grenzen hinweg, aber sie kann auch in Gleichmacherei ausarten, in totale Kontrolle und Gedankenwäsche. Die drei genannten Philosophen erkannten diesen Zwiespalt und schlugen Lösungen zu seiner Überwindung vor. Allen gemeinsam ist die These: Wir sollten neu denken lernen. Edmund Husserl kritisiert die fehlgeleitete Objektivierung, die uns dazu verleitet, die Welt und letztlich auch uns selbst wie ein deterministisches Uhrwerk zu sehen, eingebunden in ein globales totalitäres System von objektiven Gegenständen und deren Beziehungen. Husserl entdeckte das Korrelationsapriori, welches besagt, dass das 'subjektive' Bewusstsein notwendig auf 'objektive' Dinge gerichtet ist. Subjektivität und Objektivität treten gemeinsam auf und sind in Wirklichkeit nicht getrennt. So bringt Husserl den starren Gegensatz von Subjekt und Objekt in Fluss, er bringt Bewegung in den Objektivismus. Er kann aber, gemäß Zöllner, nicht überzeugend darlegen, wie verschiedene Bewusstseine ins Gespräch kommen können, trotz seiner Überzeugung der Existenz umfassender Bewusstseine ganzer Kulturen und der Welt. Martin Heidegger zeigt, dass der Mensch als 'Dasein' mit dem 'Sein' konfrontiert ist. Alle Menschen sind 'da', sie existieren im Horizont des Seins, während das nicht-menschliche Seiende in Bezug auf das Dasein 'vorhanden' oder 'zuhanden' ist. Heidegger überwindet gemäß Zöllner weitgehend die Gegenständlichkeit (Substanzialität) alles Seienden, ein objektivierendes Systemdenken, das Husserl noch nicht völlig ablegen konnte. Zöllner bemängelt allerdings, dass in der Philosophie Heideggers das menschliche Dasein eine herausgehobene Sonderstellung einnimmt. Allein für das Dasein ist das Sein ein Thema, argumentiert Heidegger. Die resultierende Dichotomie (und implizite Objektivierung) der Welt, wie sie von Husserl und Heidegger mit gutem Grund kritisiert wird, bleibt so trotz allem in abgewandelter Form bestehen. Heinrich Rombachs Strukturontologie lässt in der Darlegung Zöllners die noch verbleibenden Unzulänglichkeiten der Substanzialität im Denken Husserls und Heideggers hinter sich, die dem kritisierten Objektivismus Vorschub leisten. In Rombachs 'Struktur' ist die Gesamtheit notwendig in den Teilen enthalten und sie erstrebt Selbstfindung durch Selbsttranszendenz. Wenn also Menschen, Kulturen oder 'Welten' im Zuge der Globalisierung ins Gespräch kommen wollen, dann geschieht dies nicht durch Vereinheitlichung, sondern durch "Verbesonderung". Rombach zeigt dies beispielhaft an der Genese alter Tempelbauten, die sich, ausgehend von verschiedenen Strukturen in Europa und Asien, auf eine gemeinsame Grundstruktur zurückführen lassen. Rückblickend auf Zöllners Werk und darüber hinaus ergeben sich für den Leser interessante Fragen im Zusammenhang mit der Globalisierung, etwa was die Motivation sein könnte, das Risiko einzugehen, aus dem zu Recht kritisierten System der Vereinheitlichung herauszutreten und sich strukturell selbst zu transzendieren. Ist nicht der Spatz in der Hand besser als die Taube auf dem Dach? Eine weitere Frage wäre, da gemäß Rombach das Ganze in den Teilen ist, ob sich nicht genau diese Idee historisch auch früher findet, z. B. in der christlichen Vorstellung, dass Gott Mensch wurde, d. h., dass die Unvollkommenheit Vollkommenheit umfasst. Auch wäre es interessant zu untersuchen, ob sich Selbsttranszendenz in der Natur findet, wie es gemäß Rombach sein müsste. Kann die Komplexität der Welt in alltäglicher Einfachheit gefunden werden? Zöllners Veröffentlichung ist eine interessante Anregung, den Hintergrund aktueller politischer und ökonomischer Entwicklung zu beleuchten und Therapien für deren Pathologien zu finden.
Kurze Frage zu unserer Seite
Vielen Dank für Ihr Feedback
Wir nutzen Ihr Feedback, um unsere Produktseiten zu verbessern. Bitte haben Sie Verständnis, dass wir Ihnen keine Rückmeldung geben können. Falls Sie Kontakt mit uns aufnehmen möchten, können Sie sich aber gerne an unseren Kund*innenservice wenden.