Während einer Schaffenskrise beschließt der erfolgreiche Schriftsteller Gustav von Aschenbach zu einer Reise nach Venedig aufzubrechen. Durch die schwüle, ungesunde Witterung zunächst gesonnen, seinen Aufenthalt vorzeitig zu beenden, bewirkt ein Zufall – sein Gepäck ist irrtümlich nach Como gesandt worden -, dass Aschenbach weiter in der Stadt verweilt. Ihm ist klargeworden, dass er nicht wirklich nach Hause zurück wollte, da er sich unverhofft in einen Jüngling verliebt hat, der mit seiner polnischen Familie im selben Hotel wohnt. Aschenbach gerät zusehends in den Strudel seiner Verliebtheit. Selbst als nicht länger verheimlicht werden kann, dass die indische Cholera inzwischen auch die Lagunenstadt erreicht und bereits zahlreiche Opfer gefordert hat, erwägt Aschenbach, seine Reise vorzeitig zu beenden. Er möchte in Tadzios Nähe bleiben, eine fatale Entscheidung, die ihn schließlich das Leben kostet.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
Bewertung
5/5
20.05.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Doppelter Zauber
Doppelter Zauber
Wenn es einen Text Thomas Manns gibt, mit dem er sich den Beinamen „Zauberer“ verdient hat, dann ist dies zuvorderst seine Novelle „Der Tod in Venedig“. Der Zauber wirkt hier doppelt: auf den Helden und auf den Leser.
Die Verwandlung Gustav von Aschenbachs vom pflichtbesessenen, an Ruhm, Ehre und Willensstärke orientierten Großkünstler, steif, unnahbar, auf Etikette bedacht, allem Sinnlichen abhold, zum pflichtvergessenen, willenlos-triebgesteuerten Lüstling, der sich schminken und die Haare färben lässt, und der seine Tage damit verbringt, dem Objekt seiner Begierde durch Venedig nachzusteigen - diese Wandlung ist Ergebnis einer Verzauberung. Verzaubert wird er von Tadzio, einem Knaben, der „vollkommen schön“ ist, „von so einmalig persönlichem Reiz“, dass er überzeugt ist, „weder in Natur noch bildender Kunst etwas ähnlich Geglücktes angetroffen zu haben“. (S. 42)
Und es ist ganz große Kunst, wie der Zauber geschildert wird, der von diesem Knaben auf den älteren Herrn ausgeht, wie ein anfänglich scheinbar „interesseloses Wohlgefallen“, eine „fachmännisch kühle(n) Billigung“ (S. 48) des reinen Schönen schrittweise umschlagen in Verzücken, Verliebtheit, Besessenheit; wie eine anfänglich harmlos-heitere Stimmung zunehmend ins Bedrohlich-Düstere umschlägt.
Wie das im Einzelnen dramaturgisch und sprachlich subtil gemacht ist, wie es Thomas Mann gelingt, auch den Leser in einen erzählerischen Zauberbann zu schlagen, dazu sind extrem hilfreich die erläuternden Anmerkungen und das kluge Nachwort des Herausgebers dieser Ausgabe, Hanns Frericks.
Aber das ausführliche Nachwort hilft nicht nur beim Erkennen, Verstehen und Genießen der Novelle als Kunstwerk, ihrem Bau und reichen Motivgeflecht, ihrer Rhetorik, Symbolik und Semantik. Es gibt auch ergiebig Antwort auf die Frage, was den Autor zu dieser Novelle bewogen hat, wie erfahrungsgesättigt der Text ist und wie es ihm gelingt, immerhin zur Endzeit des deutschen Kaiserreichs, einen Text, der von homoerotischer Liebe, ja, von Pädophilie handelt, zu publizieren, ohne einen literarischen Skandal zu provozieren.
Vor allem aber öffnet das Nachwort die Augen des Lesers für all jene Facetten der Novelle jenseits der Geschichte einer unglücklichen, verbotenen Liebe. Denn es geht auch hier um die Dialektik von Künstler und Bürger, um den Umschlag vom Sokratischen zum Dionysischen, um eine Theorie des unbedingten Schönen, um Theorie und Praxis der Ästhetik und der Moral. Es geht, wie stets in großer Literatur, um Eros und Thanatos. Und schließlich spielt im Hintergrund selbst das Politisch-Ökonomische eine Rolle, wenn die administrative Verschleierung der sich ausbreitenden Seuche aus kommerziellen Gründen im wahrsten Wortsinn über Leichen geht.
Diese Ausgabe der Novelle „Der Tod in Venedig“ ist nicht zuletzt besonders zu empfehlen, weil sie handwerklich schön gemacht ist: mit Leineneinband, Titelvignette, Bildern und einer erhellenden Zeittafel.
Beat (also schnon Ü55)
aus Meilen
5/5
25.08.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Wow!
Ich verstehe nicht, wieso Thomas Mann den Nobelpreis nicht für dieses Buch bekommen hat, sondern für Buddenbrooks. Denn dieses Buch ist ein Meisterwerk. Ich habe es auf meiner Neuseeland-Reise gelesen, in einsamen Berghütten fünfzehn Seiten gelesen und danach zwei Stunden meinen Gedanken nachgehangen. Und das mit einem Buch, das vor hundert Jahren erschienen ist!
Astrid
aus Augsburg
5/5
09.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Genial
Große Literatur in sehr ansprechendem Einband. Eine gute Ergänzung für die private Bibliothek. Man muss sich etwas Zeit nehmen, aber das musste Hans Castorp schließlich auch. Ein fairer Preis für das, was man mit dieser Ausgabe bekommt.
Bewertung
5/5
19.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich war dort
Ein Buch, das ich nie mehr vergessen werde. Da es doch sehr anspruchsvoll ist, werde ich es sicher noch einige Male lesen. Ganz jungen Lesern würde ich es nicht empfehlen, man braucht dazu eine gewisse Reife.
Bewertung
5/5
28.11.2024
Hörbuch-Download
Magischer Zauberberg!
Ein grandioser Text, ein grandioser Vorleser - kongenial!
Wer seinerzeit die Lesung bei NDR 3 bzw. Kultur verpasst hat, kann aufatmen ...
Perfekt für die langen dunklen Abende der Adventszeit.
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5/5
11.02.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Unerreicht!
2025 ist das Thomas- Mann- Jahr. "Der Zauberberg" wurde vor 100 Jahren veröffentlicht und sein Schöpfer vor 150 Jahren geborgen. Nutzen Sie die Gelegenheit, eines der größten Werke der deutschen Literatur neu zu entdecken und erfreuen Sie sich an der einzigartigen Kunst seiner Sprache. Trauen Sie sich, es ist gar nicht so schwer!
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5/5
15.10.2022
Buch (Gebundene Ausgabe)
Für mich das Buch, das ich auf...
Für mich das Buch, das ich auf die berühmte einsame Insel mitnehmen würde. Gehört definitiv nicht zu den Büchern, die man im Leben einmal gelesen haben sollte.. Sondern mehrmals!
Im Schatten von Buddenbrooks und Zauberberg tummelt sich der Hochstapler Felix Krull. Die ersten Kapitel entstanden noch vor dem Ersten Weltkrieg, veröffentlicht wurden die Bekenntnisse schließlich 1954 als Fragment. Bruchstückhafte Gefühle sind Krull fremd, gefällt er sich doch viel zu sehr darin, der Welt zu gefallen. Und dem Roman selbst merkt man nichts von den Mühen seiner Entstehung an. Eine erstklassige Gelegenheit für Gert Westphal, dem Affen Zucker zu geben.
Der Zauberberg handelt von dem jungen Hans Castorp, der seinen Vetter in einem Schweizer Sanatorium besucht. Geplant war nur ein kurzer Aufenthalt, doch er bleibt sieben lange Jahre und wird in eine Welt voller Krankheiten, Tod und philosophischer Auseinandersetzungen gezogen.
Der Roman ist eine Auseinandersetzung mit den großen Fragen der Zeit, eingepackt in die Geschichte eines jungen Mannes, der auf der Suche nach seiner Identität und einem Platz im Leben ist.
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