London, 2013: Coralie und Adam begegnen sich an einem Punkt in ihrem Leben, an dem beide mehr Fragen als Antworten haben. Adam ist Politjournalist und hat eine vierjährige Tochter namens Zora, von deren Mutter er getrennt lebt. Coralie ist neu in der Stadt und versucht, als Schriftstellerin Fuß zu fassen. Schnell merken sie, wie viel sie gemeinsam haben: Hals über Kopf verlieben sie sich ineinander. Bald teilen sie sich Wohnung und Leben, gründen schließlich eine Familie. Und dann?
Dieser Roman erzählt davon, was nach dem Happy End passiert - den ersten zehn Jahren einer Beziehung. Er erzählt von Überforderung und Versöhnung, von einem Alltag, der neben dem familiären Chaos von den politischen Krisen dieser Zeit geprägt ist: ständig wechselnden Premierministern, Brexit und der Pandemie. Er erzählt von Coralies Versuch, gleichzeitig Stiefmutter, Mutter, Schriftstellerin, Angestellte, Schwester, Freundin, Tochter und Partnerin zu sein, davon, dass man sich manchmal neu erfinden muss, um sich nicht zu verlieren. Und das alles mit einer Wärme, Authentizität und Empathie, dass es nach der Lektüre fast wehtut, die Figuren zurückzulassen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
Adele
Thalia Book Circle Community
5/5
07.06.2026
eBook (ePUB)
Was nach dem Happy End passiert
Coralie kommt 2013 mit Ende 20 nach einem sehr prägenden und unerfreulichen Ereignis in ihrem Job von Australien nach London. Eine Kooperation der Agenturen machte diesen Wechsel für Coralie glücklicherweise möglich, doch insgeheim möchte die Werbetexterin schon lange Schriftstellerin werden und versucht mehr halbherzig dies nun in London zu verwirklichen. Nach einem eher schwierigen Start in London lernt Coralie eines Tages zufällig den Politikjournalisten Adam mit seiner kleinen Tochter kennen. Und damit beginnt zunächst eine klassische Liebesgeschichte, bei der das Kennenlernen und erste Verliebtsein jedoch nur der Anfang und Rahmen des Romans - Wir in zehn Jahren - sind.
Im Mittelpunkt stehen die folgenden zehn Jahre der Beziehung mit allen so alltäglichen wie schwierigen Alltagsherausforderungen und den komplizierten Aushandlungsprozessen in einer Beziehung. Coralie in ihrer neuen Rolle als Stiefmutter für Adams Tochter, das nähere Kennenlernen mit allen Eigenheiten und Macken, die Elternschaft gemeinsamer Kinder und damit in Verbindung Coralies Ringen um Emanzipation und Rollenkonflikte in der Beziehung, all das nicht zuletzt auch in der schwierigen Lock Down Zeit. Immer wieder wird deutlich, wie all diese Herausforderungen die Beziehung und das Leben Coralies und Adams beeinflussen, belasten - trotz größter Liebe und tiefer Zuneigung! Denn ganz realitätsnah wird deutlich wieviel Arbeit eine Beziehung ist, und warum es genau das wert ist!
Besonders gefallen hat mir, wie die komplette Handlung durch die Ereignisse in der britischen Politik gerahmt wird, die insbesondere durch Adams Job und Umfeld immer wieder die Handlung tangiert. In Coralies Berufsleben kommt wiederum zum Ausdruck, wie Coralies Kampf um Emanzipation und Gleichberechtigung sich nicht nur in Beziehung und Mutterschaft sondern selbstverständlich auch der Arbeitswelt niederschlägt. Auch Coralies eigene familiale Prägung und ihr Versuch sich von dieser zu emanzipieren, spielen immer wieder eine Rolle.
Erwähnenswert und bei der Lektüre des Romans zu bedenken, ist aus meiner Sicht, dass sich für Coralie all diese Kämpfe und Rollenkonflikte inklusive möglicher Lösungen in einem finanziell relativ privilegierten Milieu abspielen. Das schmälert in keinem Fall den Wert dieses hervorragenden Romans, macht jedoch deutlich, dass für Frauen in finanziell prekäreren Situationen sich viele der dargestellten Herausforderungen in noch gravierenderem Ausmaß darstellen.
Wir in zehn Jahren ist ein wunderbar authentischer, lebensnaher Roman, der den Fokus auf den Alltag in einer Beziehung, Familie und die nicht minder alltäglichen Kämpfe um Emanzipation und Selbstbestimmung von Frauen in Beziehung, Mutterschaft und Arbeitswelt setzt. Jessica Stanley erzählt all dies mit viel Feingefühl, Intelligenz, Humor und Warmherzigkeit! Absolute Empfehlung!
Sophie D.
aus Berlin
5/5
21.05.2026
eBook (ePUB)
So schön!
„Wir in zehn Jahren“ hat mich im Urlaub komplett abgeholt und ich habe das Buch wirklich verschlungen. Schon nach den ersten Seiten war ich total in der Geschichte drin und habe mich den Figuren unglaublich nah gefühlt. Die Beziehung zwischen den beiden wird so ehrlich, warm und echt dargestellt, dass man sich in vielen Gedanken und Gefühlen wiederfinden kann.
Besonders schön fand ich, dass Themen wie Brexit oder Corona mit in die Geschichte eingeflossen sind. Das hat bei mir selbst viele Erinnerungen geweckt und gleichzeitig gezeigt, wie sehr Beziehungen auch von Dingen beeinflusst werden, die man überhaupt nicht kontrollieren kann. Man weiß nie, was das Leben bringt und wie man selbst oder der andere Mensch in schwierigen Situationen reagiert. Genau diese Unsicherheit und Echtheit hat den Roman für mich so besonders gemacht.
Auch der Schreibstil hat mir unglaublich gut gefallen. Alles fühlt sich sehr einfühlsam und nahbar an, ohne kitschig zu wirken. Dazu kommt noch, dass die Übersetzung wirklich wunderschön gelungen ist und die Emotionen perfekt transportiert werden. Für mich war das eine sehr berührende Geschichte, die mich noch lange beschäftigen wird.
Der Roman “Wir in zehn Jahren” beschreibt ein komplexes familiäres Geflecht, das eine herausfordernde Zeit durchmacht. Wie der Klappentext beschreibt, geht es dabei nicht um das fröhliche Kennenlernen und ein reines Happy End, sondern um Wahrheiten, ungeschönte Empfindungen von Coralie, die als Freundin, Schwester, Tochter, Autorin, (Stief-)Mutter und Frau auf diverse Arten herausgefordert ist. Eigentlich bietet ihre Familie ihr so viele schöne Seiten, aber in diesem Roman wird hinter den Vorhang, unter die Oberfläche geschaut. Sehr empfindsam wird deutlich, wie anstrengend die Einnahme sämtlicher Rollen für sie ist. Beim Lesen bin ich im Roman regelrecht versunken, da er sehr eindrucksvoll das Gefühlschaos von Coralie beschreibt. Auch dass der Roman eine Zeitspanne von zehn Jahren umfasst, macht das Lesen recht leicht und schnell. Ich hatte kein Gefühl von einem zähen oder langgezogenem Plot, sondern fühlte mich gut mitgenommen und unterhalten. Ein schöner Roman, den ich empfehlen kann.
Bewertung
Thalia Book Circle Community
4/5
31.05.2026
eBook (ePUB)
Facetten einer Beziehung
Wir kennen alle diese rosarote Blase, die uns umgibt, wenn wir jemanden kennenlernen. Alles ist neu, aufregend und wunderschön. Wir sehen nur das, was wir sehen wollen und bemühen uns, die kleine Pflanze der Beziehung zu hegen und zu pflegen, weil wir uns mehr erhoffen, die Liebe unseres Lebens wittern, alles Herzblut hineinstecken. Aber dann kommt der Alltag, der erste Plan fürs gemeinsame Leben steht, Hund, Haus und Kind sind auf der Agenda nach Prioritäten geordnet. Und dann? Es folgt die realistische Variante, die erste Ruhe nach dem Liebessturm und damit einhergehend die große Herausforderung, die zwischenmenschliche Beziehungen mit sich bringen.
Genau das erleben Coralie und Adam, nach einem wunderschönen Kennenlernen 2013 folgt der klassische Plan und mit ihm das, was uns alle einholt: der Alltag, das Auf und Ab der Beziehung und die Herausforderungen der Zeit, die es zu überwinden gilt. Damit es am Ende noch ein richtiges Wir gibt und nicht ein lediglich gefühltes, das ein Schattendasein führt.
Jessica Stanley schildert in ihrem Roman die nüchterne Realität der Liebe- wir alle kennen sie, aber in Romanen wird meistens lediglich die erste Zeit geschildert, das romantische, herzergreifende und viele Hören auf nach dem ersten Tief mit einem Happy End, bei dem ich nicht schon oft gefragt habe, wie es wohl weiterging. Die Stärke des Romans liegt jedoch in der realitätsnahen Schilderung einer Londoner Patchworkfamilie unter dem Stern der Brexit Frage. Somit sind die Herausforderungen nicht mehr nur die, zwischen den Protagonisten, sondern auch die ihrer Zeit, politisch und wirtschaftlich, die auf die Familie einprasseln. Es ist ein Roman, der aneckt, sich stellenweise unangenehm liest, aber darin liegt auch seine Stärke. Nicht alltäglich, aber so nah an dem Leben nach dem Happy End, die Geschichte, die sonst keiner erzählen will.
Kwinsu
aus Salzburg
5/5
18.06.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Patchwork that works?!
Coralie verschlägt es nach einer zum Wahnsinn tendierenden Affäre mit ihrem Vorgesetzten von ihrem Heimatland Australien nach London. Erst ist sie überfordert mit der lauten Stadt, bald aber schon lernt sie Adam kennen, bei dem sie Liebe und Heimat findet. Wir begleiten Coralie in den ersten zehn Jahren ihrer Beziehung, die von Höhen und Tiefen geprägt ist und vor allem: vom Alltag und der unglaublichen Geschichte Großbritanniens.
"Wir in zehn Jahren" ist sicher kein einfach zu lesender Beziehungsroman, aber dafür ein äußerst lohnender. Wir begleiten die Protagonistin und ihre Familie während der Jahre 2013 bis 2023 - Jahre, die in der britischen Geschichte so viele unglaubliche Wendungen nehmen, dass sie in einem erfundenen Buch wohl als unglaubwürdig abgestempelt werden würden: der Brexit-Volksentscheid, Boris Johnson, der Brexit selbst und natürlich auch die Covid-Jahre. In dieses Setting ist die Geschichte von Coralie und Adam gekonnt eingebettet, denn letzterer ist Journalist und Sachbuchautor und er portraitiert die wichtigsten politischen Persönlichkeiten des Landes. Sein Beruf, oder vielmehr seine Berufung und sein damit zusammenhängender Enthusiasmus für immer neue Buch- und Radioprojekte führen dazu, dass Coralie immer hinten anstehen muss und gelinde gesagt: das geht ihr gehörig gegen den Strich. Schließlich sehnt sie sich nach eigenen Kindern, auch wenn sie mit Adams Tochter Zora ein gutes Auskommen hat. Als die eigenen Sprösslinge dann da sind, erlebt sie, was wohl die meisten Mütter erleben müssen: den Großteil der Care-Arbeit darf sie erledigen. Anders als in anderen Büchern erfolgt aber nicht der rebellische Aufschrei, sondern Coralie versucht sehr authentisch, diesen Zwiespalt zwischen Mutterliebe und den eigenen Bedürfnissen zu kitten, was ihr aber nur teilweise gelingt. Hinzu kommt, dass sie selbst noch unter den harschen Erlebnisse ihrer Kindheit leidet, denn ihr Vater, zu dem sie nur selten Kontakt hat, war und ist ein erzkonservativer Tyrann. Vordergründig traf der gewalttätige Erziehungsstil hauptsächlich ihren schwulen Bruder Dan, aber wie sich im Laufe des Buches herausstellt, hat Cor selbst viele seelische Wunden erlitten.
Zugegeben: das Buch ist schon sehr kopflastig. Es wird viel reflektiert, viel ausverhandelt, viel politisiert. Das erfordert Konzentration, "Wir in zehn Jahren" ist kein Buch, das man so nebenbei lesen kann. Erst dachte ich mir, es zieht sich wie Kaugummi, aber in Wahrheit gibt es einen tiefen Einblick in die komplexe Welt der familiären Beziehungen, es ist äußerst realitätsnah, so sehr, dass es auch eine Autobiographie sein könnte. Man erlebt förmlich mit, wie Coralie sich selbst zurücksteckt, wie sie als Person ein Stück weit vergeht, so weit, dass sie schlussendlich zusammenbricht. Das heißt aber nicht, dass es ein düsterer Roman ist, nein, besonders die Liebe zu ihren Kindern, auch zu ihrer Stieftochter Zora, ist stets spürbar und das ganz ohne Kitsch, sondern mit viel Realismus. Und sie kämpft auch für ihren Freiraum, mit der Kraft, die sie ihr selbst zugestehen lässt. Die Figur Coralie ist so überzeugend und authentisch, dass man ihre Geschichte fast fühlend miterlebt. Die familiären Konstellationen sind komplex, so haben Adams Ex und ihr im wahrsten Sinne des Wortes konservativer (da Tory) Mann Tom genauso ihren regelmäßigen Auftritt wie Adams Mutter samt Ehefrau, Coralies Bruder Dan und sein Lebensgefährte samt Hund, als auch ihr autoritärer Vater Roger mit Frau (und Hund). Selbstredend sind die Kinder aus den verschiedenen Beziehungen ein Kern der Geschichte. Patchwork ist also ein zentrales Motiv des Romans, der einen wunderbaren, tiefgehenden Blick in dieses so zeitgemäße Familienkonstrukt bietet.
Mein Fazit: "Wir in zehn Jahren" ist ein äußerst authentischer Beziehungsroman, der ganz ohne Kitsch, dafür mit viel Realität auskommt. Es ist ein Buch, das Konzentration erfordert, das nicht leicht ist, aber auch nicht schwer - es ist wie ein Abbild eines Lebens, dass jede von uns auch selbst erlebt haben könnte. Die gesellschaftspolitischen Ereignisse Großbritanniens der Jahre 2013 bis 2023 werden gekonnt in die Story eingeflochten und lassen uns diese unheilvolle Zeit hautnah miterleben. Eine große Leseempfehlung für alle, die sich auf eine realistische Beziehungsentwicklung einlassen wollen.
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