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Der preisgekrönte niederländische Autor Jan Brokken erzählt von der Freundschaft zwischen Alexander von Wrangel und Fjodor Michailowitsch Dostojewski. Alles beginnt im Jahr 1849, als der junge Militärkadett von Wrangel in Petersburg der Hinrichtung einiger Aufständischer beiwohnen soll, die buchstäblich in letzter Sekunde begnadigt und in die Verbannung nach Sibirien geschickt werden. Einer von ihnen ist der junge Dostojewski. Im sibirischen Semipalatinsk kreuzen sich die Wege der beiden einige Jahre später wieder. Im »Kosakengarten«, dem Sommerhaus, das von Wrangel für sich und den Dichter mit Schreibverbot gemietet hat, führen sie hitzige Diskussionen, widmen sich gemeinsamer Lektüre und entwerfen Pläne für ihr zukünftiges Leben mit den jeweiligen Geliebten. Jan Brokken konnte für dieses einfühlsame Porträt einer besonderen Freundschaft auf Originalbriefe zurückgreifen, die ihm die Nachkommen Alexander von Wrangels zur Verfügung gestellt haben und die bisher keiner breiteren Öffentlichkeit zugänglich waren.
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5/5
18.02.2021
Buch (Taschenbuch)
Biographischer Roman der Extraklasse.
Biographischer Roman der Extraklasse. Der Autor berichtet aus Sicht des jungen Staatsanwalts Alexander von Wrangel über Dostojewskis Verbannung nach Sibirien. Bildung pur, toll.
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5/5
21.01.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Verbannung und Freundschaft
Russland, Mitte des 19. Jahrhunderts:
der junge idealistische Staatsanwalt Alexander von Wrangel tritt seine erste Stelle ausgerechnet im fernen Sibirien an, genauer, im gottverlassenen Semipalatinsk, wo er dem soeben aus der Strafkolonie in Omsk entlassenen und nun genau dorthin verbannten Fjodor M. Dostojewski begegnet. Dostojewski will nach jahrelanger harter Lagerhaft nichts mehr, als die Freiheit zu gehen, wohin er will, und vor allem die Freiheit, endlich wieder zu schreiben. Krank und traumatisiert keimt in ihm die Hoffnung, dass der aufgeschlossene und zugewandte von Wrangel, der von dem Menschen und genialen Schriftsteller Dostojewski fasziniert ist, über die notwendigen Beziehungen verfügen möge, die seine Begnadigung beschleunigen könnten. Aber des Zaren Mühlen malen langsam…..
Jan Brokken hat einen wunderbaren Roman und berührende (Doppel-)Biographie geschrieben, deren behutsame, unsentimentale Sprache den Leser durch die Handlung trägt wie ein langer ruhiger sibirischer Fluss. Der Autor bedient sich - gewissermaßen ohne einzugreifen - der Augen von Wrangels, der mit der ernüchternden Distanz von Jahren und Erfahrung auf seine Zeit in Sibirien und seine längst vergangene Freundschaft zu Dostojewski zurückblickt. Er ist ein bescheidener Mann und einfühlsamer Beobachter, unermüdlich in der Verfolgung von Dostojewskis – auch finanziellen - Interessen. Was zunächst aus der Sicht Dostojewskis nach einem reinen Zweckbündnis aussieht (und zum Teil sicher auch ist), entwickelt sich zu einer beiderseits tiefen, wenn auch ungleichen Freundschaft, in der der Schriftsteller der komplexere und mithin auch schwieriger zu durchschauende Part ist. Eine besondere Würze und unfreiwillige Komik erhält diese Freundschaft durch einen geradezu absurden Konflikt: beide pflegen jeweils äußerst heikle Liebesbeziehungen zu verheirateten Frauen, die ihr Leben über eine lange Zeit prägen werden und von deren jeweiliger Unangemessenheit und Aussichtslosigkeit sie sich ebenso lange gegenseitig zu überzeugen versuchen, ohne die Spiegelgleichheit ihrer Verhältnisse erkennen zu können (oder zu wollen). Hier zeigt sich auch die Beharrlichkeit und Besessenheit Dostojewskis, sein Festhalten an Überzeugungen bis hin zu vorsätzlicher Blindheit, die sich letztendlich als verhängnisvoll erweist. Natürlich ist „Sommer mit Dostojewski“ ein bis zur Akribie hervorragend recherchierter und glänzend erzählter biographischer Roman, aber seine Protagonisten sind eben auch Kinder ihrer Zeit, und durch ihren Fokus öffnet sich unser Blick dem Panorama einer ganzen Epoche. Ihre Geschichte fügt sich wie ein Mosaikstein in das Gesamtbild eines rigiden und willkürlichen zaristischen Regimes, das sich auch noch Mitte des 19.Jahrhunderts allen Veränderungen hin zu einer modernen Gesellschaftsordnung verweigert. Sie (und mit ihnen auch wir) begegnen Menschen, die sich in diesem System gewinnbringend eingerichtet haben und solchen, die, wie Dostojewski, ihr Opfer wurden, und, wie immer in solchen Systemen, gibt es Mitläufer, Resignierte und Revolutionäre, aber auch die, die wie von Wrangel in Rechtschaffenheit den mühsamen Weg der kleinen Schritte gehen. Am Ende erleben sie den Beginn einer neuen Ära durch einen Regimewechsel und damit die entscheidende Wendung, die es letztlich Dostojewski ermöglicht, der Schriftsteller zu sein, der er immer sein wollte – und das Ende ihrer Freundschaft einläutet.
Dieser Roman ist ganz sicher ein Muss für Dostojewski-Leser und-Kenner, aber eben auch für diejenigen ein Lesevergnügen, die historische Romane lieben und dabei - neben Authentizität - auf hohes literarisches Niveau Wert legen.
Und schließlich und endlich hat „Sommer mit Dostojewski“ eine geradezu unwiderstehliche Verführungskraft, die uns geradewegs an das Bücherregal lockt, um endlich einmal Dostojewskis Romane (wieder)zu lesen.
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