Wer ist Yna? Warum liegt ihr Tagebuch aus dem Jahr 1990, inmitten eines ganzen Hausstands, neben einem Müllcontainer in Zaragoza? Und was fesselt eine junge Frau 30 Jahre später an den naiv-unschuldigen Notizen einer Unbekannten, die verzweifelt und offenbar vergeblich auf den Anruf ihres Geliebten Alejandro wartet?
Diese Fragen stellt sich die namenlose Erzählerin, die Ynas Tagebuch findet und fortan nicht mehr davon lassen kann. Gegen alle Wahrscheinlichkeit will sie unbedingt mehr über Yna herausfinden. Oder doch eher über Alejandro? Immer obsessiver widmet sie sich der Suche.
Sara Barquinero erzählt mit magnetischer Anziehungskraft von einer schwer durchschaubaren Frau Ende zwanzig, von schillernden Identitätsspielen, von möglichen Leben und Lieben. Ein subtil gegenwärtiges Buch über Beziehungen mit und ohne Smartphone.
Kundinnen und Kunden meinen
4.3/5.0
Tanja
aus Bayern
4/5
18.03.2026
eBook (ePUB 3)
Poetisch und etwas melancholisch
"Ich werde allein sein und ohne Party" von Sara Barquinero, übersetzt aus dem Spanischen von Mareike Philipp, erschienen im Verlag Klaus Wagenbach GmbH im Februar 2026
Es gibt Bücher, die gehen unter die Haut. Dieses hier ist eine melancholische, schmerzhaft präzise Sezierung der Einsamkeit im digitalen Zeitalter.
Die Autorin schreibt nicht über diese Einsamkeit, sie macht sie spürbar. Es war etwas beklemmend und doch faszinierend zu lesen.
Eine Frau Ende zwanzig findet in einer spanischen Stadt ein altes Notizbuch in einem Müllcontainer. Darin befinden sich die Aufzeichnungen einer Frau namens Yna aus dem Jahr 1990.
Besessen von der Frage, was aus Yna geworden ist, begibt sich die Erzählerin auf eine Reise. Die Suche nach der Fremden wird immer stärker mit der inneren Isolation der Protagonistin verwebt.
Ich vermute, die Frau sucht in Ynas Schmerz eine Rechtfertigung für ihren eigenen Kummer.
Der Stil ist nüchtern und doch poetisch verfasst.
Sara Barquinero trifft gerade deshalb so direkt ins Mark.
Das Buch ist melancholisch, ein wenig düster, aber von einer seltsamen Schönheit.
Ich hatte anfangs ein bisschen Schwierigkeiten mit der namenlosen Frau. Mit der Zeit habe ich mich mit dem Schreibstil arrangiert und bin gut in die Geschichte gekommen. Es ist ein Buch, das von seiner Stimmung lebt. Wer leise Töne mag und etwas Schwerfälligkeit, dem kann ich dieses Buch gut empfehlen.
hallobuch, Silke Schröder
aus Hannover
5/5
27.04.2026
Buch (Taschenbuch)
Sehnsucht und Begehren
“Ich werde allein sein und ohne Party” erzählt Sara Barquerino aus Sicht ihrer namenlosen Ich-Erzählerin, die sich mit dem Leben einer unbekannten Frau auseinandersetzt. Mithilfe von Ynas Tagebuch, das sie weggeworfen in einem Container findet, rekonstruiert sie das Leben dieser Person und vor allem auch das ihres verschwundenen Liebhabers Alejandro. So flüchtet sich ihre Figur immer tiefer in das Erleben anderer Leute, stemmt sich gegen die vermeintliche Eintönigkeit des eigenen Alltags, gegen ihre Depression und Einsamkeit, bis sie erkennt, dass sie hier selbst auf der Suche nach einem neuen Sinn im Leben ist. Doch wartet am Ende nur eine neue Enttäuschung oder ist das tatsächlich der Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt? In jedem Fall ist “Ich werde allein sein und ohne Party” von Sara Barquerino ein intensiver Roman über Sehnsucht und Begehren, emotionale Orientierungslosigkeit und selbstzerstörerische Beziehungen.
Jürg K.
5/5
29.03.2026
Buch (Taschenbuch)
Einsicht in ein fremdes Tagebuch
Dieser Roman fühlt sich an wie ein leises, aber unaufhaltsames Hineingleiten in die Gedankenwelt einer Frau, die sich selbst im Leben anderer zu verlieren beginnt. Die namenlose Erzählerin findet Ynas Tagebuch. Ein unscheinbares Relikt aus dem Jahr 1990, achtlos neben einem Müllcontainer zurückgelassen. Doch für sie wird es zu einem Magneten. Die naiven, sehnsüchtigen Einträge über den Geliebten Alejandro, der einfach nicht anruft, entfalten eine merkwürdige, fast hypnotische Kraft. Was mich an dieser Geschichte besonders berührt, ist die Art, wie die Erzählerin sich in Ynas Stimme spiegelt. Je tiefer sie in das Tagebuch eintaucht, desto stärker verschwimmen die Grenzen zwischen Beobachtung und Identifikation. Ihre Suche nach Yna, oder vielleicht nach Alejandro, wirkt wie der Versuch, eine Leerstelle im eigenen Leben zu füllen. Die Obsession entsteht nicht aus Sensationslust, sondern aus einer existenziellen Sehnsucht. Dem Wunsch, zu verstehen, warum Menschen lieben, warten, hoffen, sich verlieren. Sara Barquinero zeichnet die Erzählerin als eine Frau, die sich selbst kaum greifen kann. Der Roman zeigt, wie leicht man sich in fremden Geschichten verheddert, wenn die eigene zu viele offene Fragen enthält. Am Ende bleibt ein Gefühl von schwebender Unruhe. Ein Buch über Begehren, das nie erfüllt wird, über die Einsamkeit im digitalen Zeitalter und darüber, wie sehr wir uns nach Bedeutung sehnen, selbst in den vergilbten Seiten eines fremden Tagebuchs.
Kaffeeelse
Thalia Book Circle Community
4/5
09.08.2026
Buch (Taschenbuch)
Sinnsuche
Ein junge namenlose Frau ist die Erzählstimme in diesem Buch. Bei einem Aufenthalt bei ihrer Familie in Zaragoza findet sie ein Tagebuch. Und dieses Tagebuch nimmt sie völlig in Beschlag. Ein Tagebuch einer Unbekannten, die naiv auf ihren Geliebten wartet, ein Geliebter, der anscheinend nicht auftaucht. Das Tagebuch stammt aus dem Jahre 1990, gefunden wird es dreißig Jahre später und dennoch macht sich die namenlose junge Frau auf die Suche nach der Tagebuchschreiberin Yna und ihrem Geliebten Alejandro. Diese Suche nach den beiden Unbekannten wirkt obsessiv und sehr impulsiv. Ihr reales Leben blendet sie aus, auch, dass sie mit ihrem Freund eigentlich in den Urlaub fahren wollte. Doch was will die namenlose Frau wirklich und warum triggert sie dieses Tagebuch so sehr? Fragen, die man sich als Leser stellt und Fragen, die sich auch die junge Frau stellt. Eine Suche nach Unbekannten und gleichzeitig eine Sinnsuche par excellence. Intensiv und eindringlich. Ich mochte die Erzählstimme nicht wirklich. Aber Sara Barquinero entfacht in ihrem Roman ein Feuer, dem man folgen möchte, auch wenn diese namenlose junge Frau etwas unsympathisch daherkommt. Unsympathisch nicht wegen ihrer Suche, nicht wegen ihrem Finden, nicht wegen ihrem sich Nachspüren, unsympathisch hauptsächlich wegen ihrer unstrukturierten Suchen. Dies wirkt alles sehr sprunghaft. Wobei ich mich gefragt habe, was sie bis jetzt über sich herausgefunden hatte, nach welchen Prinzipien sie bisher gelebt hatte, ihre bisherigen Lebensentwürfe ihrem eigenen Zutun entsprungen sind. Im Text wird klar, dass wohl ein Druck seitens des Elternhauses bestand. Dem sie dann wohl nachgegeben hat. Muss ich nicht gutheißen. Dennoch ist das aber nachvollziehbar. Und authentisch. Gibt es ja auch in real. Hier kommt etwas, was sie wachrüttelt, in Form eines Tagebuchs einer Yna. Und dieses Tagebuch leitet ein Sinnieren und ein Neuordnen ein. Es gibt ja so einige Menschen, denen man so eine Inspiration wünscht. Dass sie zum Nachdenken kommen und ihr Leben in die eigene Hand nehmen. Wir haben ja nur dieses eine Leben. Und das sollte schön sein!
Ich habe „Ich werde allein sein und ohne Party“ von Sara Barquinero sehr gern gelesen. Eine durchaus sehr interessante Geschichte! Die Hauptfigur war nicht meins, daher 4 Punkte von mir, aber das Geschehen ist sehr interessant, vor allem weil es nicht vorhersehbar daherkommt und immer wieder überrascht, und auch nicht völlig auserzählt wird. Eine Person, die sich so von einem Tagebuch triggern lässt, ihre Realität sausen lässt, um sich völlig obsessiv den ihr fremden Leben zu überlassen, so eine Person wird wahrscheinlich länger brauchen ihre eigenen Dinge zu ordnen, falls sie es überhaupt schafft. Eine psychologische Hilfe wäre hier sicher hilfreich in meinen Augen. Aber dahin muss diese namenlose Stimme erst noch kommen. Man kann nur hoffen, dass sie dies schafft. Eine wirklich interessante Geschichte. Vielleicht auch eine triggernde Geschichte, je nachdem, wem sie vor die Augen kommt und was die Leserschaft daraus mitnimmt.
Stephi
4/5
27.02.2026
Buch (Taschenbuch)
Zwischen Anruf und Abgrund
Ich werde allein sein und ohne Party von Sara Barquinero ist ein still flirrendes Kammerspiel über Begehren, Projektion und die Sehnsucht, im Leben eines anderen einen Sinn zu finden. Ausgehend von Ynas Tagebuch aus dem Jahr 1990 – entdeckt neben einem Müllcontainer in Zaragoza – entspinnt sich eine obsessive Spurensuche. Wer war Yna? Warum wartete sie vergeblich auf Alejandro? Und warum lässt die Erzählerin diese Geschichte nicht los?
Mit lakonischer Eleganz erzählt Barquinero von Identitätsspielen, von der Macht unerwiderter Anrufe und von der Frage, wie sehr wir uns in fremden Geschichten verlieren dürfen. Die Atmosphäre ist dicht, beinahe schwebend, und doch bleibt vieles bewusst im Unklaren. Gerade das macht den Reiz aus – auch wenn sich die Gedankenschleifen mitunter etwas ziehen. Ein subtil gegenwärtiger Roman über Beziehungen, Projektionen und Einsamkeit im digitalen Zeitalter.
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