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Eine Wissenschaftlerin reist mitten im Winter nach Finnmark, dem äußersten Zipfel Norwegens. Dort möchte sie das Schwinden der Zugvögelpopulationen und die Klimaveränderungen untersuchen. Fern jeder Zivilisation findet sie Freiheit und Luft zum Atmen, nach der sie sich in ihrer gescheiterten Ehe so gesehnt hatte.
Ganz allein, umgeben von endlosem Schnee, tosendem Meer und rauen Naturgewalten, wartet sie auf die Ankunft der Vögel. Und auf ihren Geliebten, der mit ihr die Einsamkeit teilen will. Doch warum verschiebt er seine Ankunft? Woher kommen die seltsamen Geräusche in ihrer Hütte? Und war es der Wind, der ihr über den Körper strich, oder ist sie doch nicht allein?
Als die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Wahn, Gegenwart und Vergangenheit immer mehr verschwimmen, muss sie sich endgültig dem stellen, was sie hinter sich gelassen hat.
Mit atmosphärischer Sprengkraft und Dichte erzählt Gøhril Gabrielsen von einer Frau, die sich in der Einsamkeit selbst zu verlieren droht – in einer Sprache klar und scharf wie ein Diamant .
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Ein großartiges Leseerlebnis „Einen Wind, der sich in Stundenkilometern messen lässt, kann ich analysieren und bis zu einem gewissen Punkt verstehen, im Gegensatz zu Gefühlen, die sich jeglicher objektiver Messbarkeit entziehen.“ Inhalt Seit vier Jahren schreibt die Naturwissenschaftlerin an ihrer Doktorarbeit, mit dieser Studie vor Ort über die Auswirkungen des Klimas auf die Wanderung der Seevögel und auf die Vogelbestände wird sie dann abgeschlossen sein. Anfang Januar kommt sie auf diese abgelegene Halbinsel zwischen den Fjorden in Nord-Norwegen, der nächste Ort ist etwa einhundert Kilometer entfernt, im Winter nur auf dem Seeweg zu erreichen. Hier gibt es nur mehr eine einzige Hütte, in die sie einzieht. Es war geplant, dass ihr Geliebter Jo bald nachkommt und mit ihr hier die Zeit bis zum Mai verbringt, wenn die Seevögel zum Brüten in Scharen auf diese Insel kommen. Doch Jos Ankunft verzögert sich und sie ist in dieser winterlichen Einsamkeit der Natur völlig auf sich gestellt, allein – ist sie wirklich allein? Thema und Genre In diesem Roman geht es um Beziehungen, Familie, Gefühle, Erinnerungen, aber auch um das Leben in der kargen Einsamkeit des Nordens, die Schönheit der Natur, aber auch die Kraft der Elemente während der kalten, dunklen Wintermonate. Charaktere Die Wissenschaftlerin ist noch immer dabei, die teilweise bedrückende Ehe mit dem Vater ihrer nun dreijährigen Tochter Lina zu verarbeiten. Sie hatte damit gerechnet, dass ihr Geliebter Jo rasch nachkommen und sie die Einsamkeit der Hütte mit ihm teilen würde, denn mit der Zeit, die vergeht, macht ihr die Einsamkeit, immer nur von ihren eigenen Gedanken umgeben, zu schaffen. Die stete Veränderung zwischen der Euphorie der Ankunft und den Tagen im Februar wird durch die präzise, dichte Sprache intensiv spürbar. „Der Anblick ist überwältigend. Hier sind wir. Ich und die Elemente der Welt. Vereint.“ (Zitat Seite 15). „Die Frage scheint zu sein: Was ist es, das ich nicht sehe?“ (Zitat Seite 159) Handlung und Schreibstil Die Wissenschaftlerin schildert die Ereignisse als Ich-Erzählerin und teilt auch ihre Gedanken, Erinnerungen und Gefühle mit uns Lesenden. Die aktuelle Handlung umfasst einen Zeitrahmen von sieben Wochen, wird unterbrochen von einer zweiten Geschichte, die im Jahr 1870 spielt. Es ist die Geschichte einer Familie, die im 19. Jahrhundert hier an diesem Ort gelebt hat. Die Sprache verbindet die knappen, sachlichen Feststellungen der täglichen meteorologischen Daten mit den einprägsamen, großartigen Schilderungen von Landschaft und Natur. Sehr spannend ist die Gedankenwelt der Ich-Erzählerin beschrieben, rätselhaft zwischen Realität und Einbildung. Fazit Eine packende, beklemmende Geschichte, eindrücklich und großartig in einer unglaublichen Dichte auf verhältnismäßig wenigen Seiten erzählt.
Bewertung
aus Leipzig
5/5
16.04.2021
Hörbuch-Download (MP3)
Der Sinn und Irrsinn der Einsamkeit
Der Stil des Hörbuches ist schwer zu beschreiben, im Grunde ohne Pauken und Trompeten aber trotzdem mit viel Knall. Sehnsucht, Trauer, Schmerz, Wut, Schaam, Angst hier kommt alles zusammen und wird vermischt. Das erzeugt beim Höhren einen unglaublichen Sog.
Barbara Sitter
aus Wien
5/5
27.10.2019
Buch (Gebundene Ausgabe)
Die Seevögel sind nicht einsam
Sie lässt alles hinter sich: ihre Wohnung, ihre gescheiterte Beziehung, ihr Kind. In der Einsamkeit Nordnorwegens will sich die Protagonistin auf ihre Forschung konzentrieren und zu einem neuen Anfang finden. Nach wenigen Wochen soll ihr Geliebter nachkommen. Hinzu kommt, dass vor über 100 Jahren in einer Hütte unweit ihrer Forschungshütte eine Familie gelebt haben soll, deren Leben reich an Unglück und Entbehrungen war. In der Phantasie der Forscherin werden sie diese Menschen wieder lebendig.
"Die Einsamkeit der Seevögel" beschreibt eindringlich und einigermaßen verstörend den Verlust von Identität und Sicherheiten. Je weiter die Erzählung voranschreitet, umso mehr verliert sich die Forscherin in der Einsamkeit der Landschaft und in ihrer Vorstellungskraft, denn in der Stille des Winters werden die Gedanken laut. Was hat sie getan? Wie konnte sie ihr Kind zurücklassen? Und warum kommt ihr Geliebter nicht? Und warum scheint ihr Leben auf seltsame Art und Weise mit jenem dieser Familie verknüpft zu sein? Zurückgeworfen auf sich selbst, muss die Erzählerin ihre eigenen Antworten auf die drängenden Fragen finden.
SternchenBlau
5/5
24.10.2019
eBook (ePUB)
Sie ist bis ans Ende der Welt geflohen – selbst in dieser Einöde verfolgt sie toxische Männlichkeit. Atemberaubend, verstörend, intensiv.
Wer bei „Die Einsamkeit der Seevögel“ eine pittoreske Naturmediation erwartet, ein Loblied auf die Symbiose von Mensch und Natur, ist hier falsch. Auch, wenn die Naturbeschreibungen der Autorin Gøhril Gabrielen absolut eindrucksvoll sind, ihre Sprache poetisch ist und sich wunderschön liest. Das Buch ist für mich atemberaubender als mancher Thriller, manchmal hat es mir schier die Luft abgeschnürt. Und gerade das Überraschende des Buches hat es für mich so eindrucksvoll gemacht.
Die tiefe Bedeutung der Geschichte ist leider ein Spoiler und auch der Grund, warum ich dringend eine Content Note voranstellen muss. Erst recht, weil sich dieses Thema zunächst fast unmerklich einschleicht, bis man als Leser*in nach und nach erst das ganze Ausmaß begreift.
Wer solch einer Content Note nicht bedarf und nicht gespoilert werden möchte, sollte nun nicht weiterlesen.
CN / Content Note / Triggerwarnung: missbräuchliche, gewalttätige Beziehung, sexuelle Gewalt, PTBS
Eine Wissenschaftlerin begibt sich in die Einsamkeit an den äußersten Zipfel von Norwegen, um das Verhalten der Seevögel zu untersuchen, denn diese werden durch die Klimakrise immer weniger. Schon durch diesen Fakt wird klar, dass selbst dieser abgeschiedene Winkel nicht unabhängig ist von dem Treiben der Menschen. Die Ich-Erzählerin ist es erst recht nicht.
Sie ist bis ans Ende der Welt geflohen – und selbst in dieser Einöde verfolgt sie toxische Männlichkeit. Es überrascht mich zwar nicht, schockiert mich aber dennoch immer wieder, wenn wie hier deutlich wird, wie normal diese Erfahrung für viele Frauen ist. Die Autorin Gøhril Gabrielen nutzt diese Erfahrungen nicht einfach, um den Plot spannender zu machen oder der Protagonistin eine simple „Backstory-Wound“ zu verpassen, was leider in Literatur und Film noch viel zu oft passiert. Die Autorin beschreibt eine Erfahrung, die das Leben von Frauen und als Frauen gesehenen leider immer noch viel zu häufig ausmacht. Die Protagonistin, stellvertretend für diese gesamte Grupe, wird zu einer gefährdeten Art wie Dreizehenmöwe, Eissturmvogel oder Sturmmöwe. Und so liest sich das dann im Buch:
„Darin steht nur ein Satz. Ein kurzer. Mir wird bewusst, dass ich ihn schon viele Male zuvor gelesen und gehört habe, wenn auch in anderen Variationen: Glaub nicht, dass du mir je entkommst.“
Wie die Klimakrise verseucht auch toxische Männlichkeit selbst jenen entrückten Ort. Wenn man sich den Hass gegen Greta Thunberg anhört, merkt man, wie sehr beide immer zusammenhängen. Der Kampf, der der Ich-Erzählerin aufgezwungen wurde, ist nicht der „Men versus Nature“.
Die Ich-Erzählerin gibt sich ab und an sexuellen Tagträumen hin, die für mich absolut stimmig in die Erzählung passen. Aber ich kann mir vorstellen, dass diese für einige Leser*innen verstörend wirken können. Ebenso wie der Umgang der Protagonistin mit Mutterschaft, was sich viel aus ihrem Trauma erklärt. Die Autorin umkreist damit ebenso die Frage, warum wir in unserer Gesellschaft anderer Erwartungen haben als an Väter. Das Ende kann man als unbefriedigend empfinden, aber manches Trauma klärt sich vermutlich nie.
Fazit
„Die Einsamkeit der Seevögel“ finde ich ein sehr wichtiges Buch, poetisch und intensiv, aber auch atemberaubend und verstörend. Darum auf alle Fälle die Content Note beachten. Das Buch ist sicherlich nicht für jede*n etwas, aber ich möchte es wirklich empfehlen. 5 von 5 Sternen.
Anna.Lysis
4/5
24.08.2021
Buch (Taschenbuch)
Mitten im Winter reist eine…
Mitten im Winter reist eine Wissenschaftlerin allein nach Finnmark, dem äußersten Zipfel Norwegens, um die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Zugvögel zu beobachten – und vor ihrem bisherigen Leben zu fliehen. Die Autorin wuchs selbst in Finnmark auf. Sehr genau und anschaulich lässt sie die Ich-Erzählerin die Umstände dort beschreiben. Fast hat der Leser das Gefühl, die vorherrschende Kälte, Ruhe und Einsamkeit zu spüren; eine Einsamkeit die die Protagonistin mit meteorologischen Beobachtungen und ihren Gedanken füllt. Da sie ihre gescheiterte Ehe mit S. und ihre Tochter Lina, die sie bei ihm, dem Vater, zurückgelassen hat; Jo, ihr Geliebter, der sich um seine Tochter kümmert, anstatt ihr am Ende der Welt zur Seite zu stehen. Da sind aber auch Olaf, Borghild und ihre sechs Kinder, die im 19. Jahrhundert in der Gegend gelebt haben, wie sie aus einer heimatgeschichtlichen Broschüre weiß. Die harten Bedingungen und die Einsamkeit fordern ihren Tribut. Immer mehr zeigen sich die Auswirkungen des Alleinseins. Bilder aus der Vergangenheit werden lebendig und verschwimmen mit der Gegenwart. Was ist Traum oder Einbildung? Was ist Wirklichkeit? Der Schluss ist überraschend und lässt den Leser zunächst ratlos, vielleicht auch enttäuscht, zurück. Letztendlich erscheint er logisch und einzig passend. Das Buch ist mit 174 Seiten eher dünn, dafür aber sehr inhaltsstark – auch und besonders zwischen den Zeilen. Wenn man sich darauf einlässt, kann man sich über viel Raum und Anregung für die eigene Phantasie und Interpretation freuen.
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5/5
02.01.2021
Buch (Taschenbuch)
Flucht und Mission
Geflüchtet vor ihrem Leben, hält sich seit Anfang Januar eine Wissenschaftlerin zu Forschungszwecken an einem Fjord in Norwegen auf.
Isoliert vom Rest der Welt, auf sich allein gestellt, geht sie Alltäglichem nach, betreibt Feldforschung.
Sehnsüchtig wartet sie auf die Ankunft ihres Geliebten, der die Reise immer weiter aufschiebt. So fordert Einsamkeit schon bald ihren Tribut…
Ein atmosphärisch dichter Roman mit poetischem Schreibstil. Beunruhigend und Sogwirkung entfaltend. Insgesamt außergewöhnlich, wenn auch düster.
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