Der Roman ist der aberwitzige Versuch der Schriftstellerin Luise Abgottspon, ihre »Klientin« Vera ins Leben zurückzuführen. Im Wettlauf mit Veras drohender Selbstaufgabe schreibt sie ihr sieben Geschichten. Jede soll ihr ein völlig anderes Szenario eines künftigen Lebens vorstellbar machen. Es sind provozierende Rezepte, mit denen Vera aus ihrem Elend ausbrechen könnte: Ihre Opferhaltung ablegen. Oder Rachegelüste ausleben. Hellhöriger werden gegenüber Manipulation. Zorn, Empathie und Mut entdecken als Mittel zur Selbstbehauptung. Die Grenzen zwischen Veras wirklichen und dem als möglich suggerierten Leben beginnen sich aufzulösen. Sie beginnt in flirrenden Zwischenräumen zu fühlen, zu denken und schließlich zu handeln …
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Okay, ich fand den Klappentext irgendwie speziell und habe mal spontan zugeschlagen und auch gleich zu lesen begonnen. Wir haben also folgende Ausgangssituation: Der Autor Andreas Sommer (ja, er spielt eine Rolle in seinem eigenem Roman!) plaudert mit seiner fiktiven Protagonistin, der Schriftstellerkollegin Luise Abgottspon. Man stellt sich gegenseitig vor, und hat ein gemeinsames Projekt: Die Abgottspon, wie der Autor sie gerne nennt, hat eine Annonce aufgegeben. Es wird die Hauptrolle in ihrem neuen Roman ausgelobt, für den sich allerdings nur lebensmüde Menschen melden sollen, und denen will sie dann literarisch helfen. Es meldet sich Vera, eine in prekären Verhältnissen lebende alleinerziehende Mutter eines Kindergartenkindes. Speziell auf Vera zugeschnitten will Luise nun 7 Geschichten schreiben, wie Veras Leben eine neue Wandlung nehmen könnte. Und vielleicht, ganz vielleicht, können diese Geschichten Veras Gemüt noch mal beeinflussen und ihr neuen Lebensmut geben.
Sehr skurrile Idee, aber die weitere Umsetzung in diesem Roman wird noch viel skurriler, denn Sommer, der Autor, spielt durchgehend eine Rolle und unterhält sich sowohl mit Luise als auch mit Vera, greift ins Geschehen ein und schreibt am Ende selbst auch eine der 7 Geschichten.
Wobei man nie vergessen darf: außer ihm sind ja alle anderen Charaktere fiktiv. Wie beschreibt er es selbst auf Seite 57 so schön? „Beide wollten wir das Projekt fortsetzen. Die Abgottspon schriebe als fiktive Beauftragte eines realen Autors den realistischen Roman über die fiktive Zukunft eines real lebenden Menschen.“ Wenn das mal nicht komplett schräg ist, dann weiß ich es auch nicht. Aber irgendwie cool :-)
Nebenbei geht es auch immer wieder um Georg, den verstorbenen älteren Bruder des Autors, der ein tragisches Leben hatte und vor einigen Jahre Suizid begangen hat. Das war der Moment, wo ich angefangen habe, den Autor zu googeln, und ja – da gab es tatsächlich den Georg und seinen tragischen Selbstmord.
Wo beginnt die Fiktion in diesem Buch, wo enden die Fakten? Man soll ja Autoren, besonders wenn man sie gar nicht persönlich kennt, nichts unterstellen – ich tu es jetzt aber trotzdem mal; ich denke, hier hat jemand sein eigenes Familiending und eigene Traumata literarisch aufarbeiten wollen. Herr Sommer, sollte ich komplett daneben liegen: Verzeihung, aber diese Vermutung drängt sich mir auf.
Auch die 7 Geschichten selbst sind total abgefahren. Da geht es nicht einfach um schnöde Wendungen in dezenten Lebensläufen, da kommen die Parzen, die Schicksalsgötter, die alternativen an Ashrams erinnernden WGs auf dem Lande ins Spiel, und mit neuen Schicksalsschlägen wird nicht gegeizt. Und nicht nur Vera wird von der Abgottspon mit literarischen Neuvorschlägen ihres Lebens bedacht, auch der Autor selbst bekommt einiges an „food for thought“ herübergereicht. Ich sag mal nur: die zweite Geschichte lässt grüßen…..
Das ist jetzt mal eine komplett abgespacete Story, ich kann sie irgendwie immer noch nicht so recht einordnen.
Ich versuch mal ein Fazit:
- originell. Das ist sie auf jeden Fall. Allein dafür 5 von 5 Sternen.
- flüssig geschrieben. Der Autor versteht sein Handwerk durchaus. Ich habe das Buch in relativ kurzer Zeit durchgelesen, hatte irgendwie Sogwirkung.
- trotz aller Merkwürdigkeiten weiß man immer, wo man ist; da sorgt allein auch die Optik im Buch für. Die 7 Stories für Vera sind auf leicht grauem Papier in einer anderen Schriftart gedruckt als der „normale Rest“, der auf normal weißen Blättern daherkommt; und auch die Kapitelüberschriften sorgen für Klarheit
- ich fand es teilweise trotzdem etwas anstrengend. Das waren mir irgendwie zu viele Möglichkeiten, und zu viel Vermischung aller Realitätsebenen. War mir etwas too much. Sowas ist ja immer rein subjektiv, aber daher gebe ich dann insgesamt „nur“ 4 Sterne.
Ja. Würde ich es weiterempfehlen? Bedingt. Regt durchaus zum Nachdenken an; man könnte sich im Anschluss trefflich darüber streiten, inwieweit das Schicksal vorherbestimmt ist, respektive was wir selbst in der Hand haben….was wir uns selbst erträumen und dann realisieren können….etc pp.
Oder man könnte auch sagen, hier hat jemand einen zu viel geraucht und die Fantasien danach aufgeschrieben …. böse, böse, ich weiß. Again: Verzeihung an den Autor.
Wie auch immer :-) Ich hör jetzt auf :-)
Hier muss man sich selbst ein Bild machen :-)
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