Die Neuerfindung männlicher Identität in einer zerrissenen Gesellschaft
Sie sollen empathisch sein und muskulös aussehen, kochen können, Hemden bügeln und wissen, wie man eine Klospülung repariert. Männer stehen unter massivem Druck, viele sind verunsichert und auf der Suche nach ihrem Platz, einem neuen Rollenbild. Für die Gesellschaft sind perspektivlose junge Männer gefährlich. Denn viele flüchten sich, wenn sie sich isoliert und von Frauen in Bildung und Karriere überholt fühlen, in Hass, rechte Ideologien oder Gewalt.
Zukunftsforscher Tristan Horx analysiert diese männliche Identitätskrise und das Scheitern alter Rollenbilder. Seine Vision ist die »Mutual Liberation« – eine gemeinsame Befreiung aus digitalen Blasen und Konflikten.
Ein neues Kapitel für Ihre Bücher
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Vor 12.000 Jahren begann das Patriachat, heute bröckelt es, da Männer schlechtere Schulabschlüsse machen und Frauen ihnen gegenüber den Vorteil der Empathie haben. Und auch im Miteinander der Geschlechter werden Ansprüche laut, die keine Partei scheinbar gewillt ist, zu erfüllen und es scheint, als könnten Frauen ganz gut ohne Männer leben, was diese massiv unter Druck setzt. Dadurch flüchten sich immer mehr Männer in Hass, rechte Ideologien oder Gewalt und werden dadurch unattraktiver, während Frauen immer liberaler werden – ein Teufelskreis!
Zukunftsforscher Tristan Horx analysiert diese männliche Identitätskrise und das Scheitern alter Rollenbilder. Seine Vision ist die »Mutual Liberation« – eine gemeinsame Befreiung aus digitalen Blasen und Konflikten.
Die Schreibweise ist sehr leicht verständlich und teilweise dadurch schon etwas grob. Es stellt sich mir die Frage, ob das bewusst einem bestimmten Publikum angepasst sein soll.
Das Buch unterteilt sich in die Abschnitte Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Hier werden viele wichtige Punkte kurz auf den Punkt gebracht und manch andere ausgespart. Auch bei anderen Aspekten hatte ich manchmal Fragezeichen im Kopf, denn beispielsweise fehlte mir der oft angesprochene Zyklus bei der Rollenverteilung. Im Gegensatz dazu werden auch weitere wichtige gesellschaftliche Themen angesprochen, denn durch die sich perfektionierende KI lernt der Mensch immer weniger Widersprüche auszuhalten und Kompromisse einzugehen, was den ganzen Prozess noch schwieriger macht. Schon das Tierreich zeigt, dass Kooperation das A und O ist. Aber auch andere Themen, wie beispielsweise Daytrading, werden kurz und knapp erklärt.
Für mich besonders interessant (da von einem Zukunftsforscher geschrieben) empfand ich den Zukunftsteil. Hier werden verschiedene Szenarien vorgestellt und das aus Sicht des Autors beste Szenario wird mit Tipps untermalt, wie dieses zu erreichen ist.
Erinnert haben mich hier einige Passagen an ein Buch von Alice Schwarzer „Die Antwort“, die eben auch die biologischen Unterschiede von Männern und Frauen darstellt und wie man aus ihnen ein gutes Miteinander schaffen kann – auch sie kommt darin zu dem Schluss, dass dogmatische Tabus aufgelöst werden müssen.
Insgesamt ein gutes und prägnantes Buch, was aus meiner Sicht an einigen Stellen aber ein bisschen zu eindringlich ist.
Eternal-Hope
aus Österreich
2/5
26.10.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Polemisch, oberflächlich und pauschalisierend
Tristan Horx ist der Sohn des bekannten Zukunftsforschers Matthias Horx und arbeitet selbst im selben Bereich. Tatsächlich konnte ich es gar nicht glauben, als ich das Geburtsjahr des Autors recherchiert habe: 1993! Denn an vielen Stellen klingt das Buch für mich so, als ob es ein Mann geschrieben hätte, der altersmäßig wesentlich weiter von der derzeit jungen Generation entfernt ist.
Das Buch will darstellen, warum sich heute so viele Männer benachteiligt fühlen und sich zornig Bewegungen wie den Incels zuwenden oder die AfD wählen. Wer diese Phänomene wirklich verstehen will, für den gibt es mittlerweile schon einige sehr fundierte, gut recherchierte Bücher am Markt. Dieses hingegen behandelt die besprochenen Themen nur sehr oberflächlich und verliert sich in vielen Stellen in Pauschalisierungen und unnötiger Polemik, ohne differenzierten Blick auf komplexe Phänomene.
Hier ein paar Beispiele dafür:
"Fast jeder Neunte zwischen vierzehn und neunundzwanzig Jahren ist in therapeutischer Behandlung, weil wir ihnen lieber instagramtaugliche Frühstücksboxen zubereitet haben, anstatt sie auf das Leben vorzubereiten." (S. 81)
Von welchem "wir" spricht der Autor hier, wenn er selbst gerade 33 Jahre alt ist? Wohl nicht von seinen eigenen Kindern. Warum habe ich hier beim Lesen das Gefühl, es schreibt ein verbitterter 60-jähriger? Inhaltlich ist dieser Satz natürlich völlig unzureichend als Erklärung, warum einerseits psychische Erkrankungen und andererseits aber auch die Bereitschaft, sich dafür Unterstützung zu suchen (was grundsätzlich etwas sehr Positives ist, weil damit die Chance verbunden ist, nicht nur selbst ein glücklicheres Leben zu führen, sondern die eigenen Probleme auch aufzuarbeiten und nicht später an die eigenen Kinder weiterzugeben), so stark zugenommen haben.
"Nun ist es aber so, dass die Boomer auf einem beachtlichen Geldberg sitzen: ungefähr der Hälfte des deutschen Privatvermögens. Das bedeutet mit anderen Worten: Die MIllenials und die Generation Z müssen viel länger auf ihr Erbe warten als vorherige Generationen. Wir haben noch keinen anderen Mechanismus zur Wohlstandsverteilung zwischen Generationen gefunden..." (S. 96)
Auch hier wieder: simpelste Gedanken zu einem sehr komplexen Phänomen. Natürlich gäbe es andere Mechanismen zur Wohlstandsverteilung, hier ein paar Stichworte dazu: Erbschafts-, Schenkungs- und Vermögenssteuern, Höhe der Renten, Renteneintrittsalter, Lebensverdienstkurven und vieles mehr. Es gibt viele andere kluge Bücher, die diese Themen diskutieren und analysieren, dieses gehört nicht dazu.
Und schließlich:
"Während die Babyboomer mit vierzig Jahren etwa 20 Prozent des gesamtdeutschen Privatvermögens besaßen, liegen bei den Millenials im gleichen Alter heute gerade einmal 7,8 Prozent davon auf dem Konto." (S. 102)
Hier wird im weiteren null darauf eingegangen, was für ein unzulässiger Vergleich das ist, schon allein deshalb, weil die Generation der Millenials aufgrund des damaligen Geburteneinbruchs zahlenmäßig viel kleiner ist als die der Boomer, es sich also um weniger Menschen handelt. Geschweige denn auf weitere Faktoren, die nichts mit der individuellen Leistungsbereitschaft zu tun haben und es jungen Menschen heute aber schwerer als früher machen, sich Vermögen aufzubauen, stattdessen schimpft der Autor in der Folge wiederum nur polemisch auf seine eigene, angeblich so unfähige Generation.
Nein, was solide Wissensvermittlung angeht, kann ich diesen Autor nicht ernst nehmen, in dieser Hinsicht ist von ihm nichts zu lernen. Viel zu schlecht recherchiert und zu wenig durchdacht ist das Buch, fundierte neue Einsichten kann ich mir daraus keine mitnehmen.
Bleibt noch das Thema, unter dem das Buch angekündigt ist, nämlich die Desillusionierung junger Männer. Wer sich mit diesem Thema noch überhaupt nicht auseinandergesetzt, kein bisschen, und eine oberflächliche, polemische Einführung darin sucht, etwa, um zum ersten Mal etwas über Incels zu hören, der kann an der einen oder anderen Stelle auf Phänomene aufmerksam gemacht werden, die es sich lohnen könnte, mit anderen, differenzierteren Werken, von denen es am Markt schon eine Menge gibt, näher zu erforschen. Dafür zwei Mitleidssterne von mir.
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