Das herzerwärmende Porträt eines Vaters: König der Staubsauger-, Kühlschränke- und Fliegenfängervertreter, weltbester Kaninchenzüchter, leidenschaftlicher Karpfenangler, selbsternannter Kunstexperte, würdevoller Schweinehirte und unzuverlässiger Verehrer seiner Frau.Trotz ausgeklügelter Ideen und nie versiegender Energie scheitern sämtliche seiner zahlreichen Geschäftsunternehmungen. Aber kein Regime, kein Krieg kann seinen sprühenden Optimismus dämpfen. Selbst den deutschen Besatzern schlägt er mutig ein Schnippchen. Denn schließlich kann man immer noch gewinnen, wenn man schon verloren hat.
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8 Kurzgeschichten enthält der in wunderschönem leuchtend roten Leineneinband erschienene Erzählband von Ota Pavel „Der Tod der schönen Rehböcke“. Es sind liebevolle Anekdoten und Erinnerungen an seinen Vater Leo Popper, die Ota Pavel darin gesammelt hat und die an einen erfindungsreichen Mann, der mit Verkaufstalent, Kreativität und unverdrossenem Optimismus durch die unruhigen Zeiten des letzten Jahrhunderts erinnern.
Meine persönlichen Leseeindrücke
8 Geschichten in chronologische Reihenfolge erzählen aus dem Leben des Vaters und sie genügen, um ein Menschenleben zu begleiten, Höhen und Tiefen mitzuerleben und von Leidenschaften und Schwächen zu erfahren.
Leo Popper war buchstäblich zum Verkaufen geboren und brachte Staubsauger und Kühlschränke der schwedischen Firma Elektrolux erfolgreich unter die tschechische Bevölkerung. Phänomenale Zahlen versichern ihm eine besondere Stellung im Unternehmen und erlauben ein gediegene Familienleben. Sein Enthusiasmus im Verkauf erstreckt sich dabei durchaus auch auf ausgewählte private Bereiche und die in den Kurzgeschichten dargebotenen Episoden werfen einen humorvollen heiteren Blick auf einen Mann, der sich mit Kreativität und unverdrossenem Optimismus seine privaten Wünsche zu erfüllen versucht.
Doch es sind unruhige Zeiten in Europa und gewohnte Lebensumstände brechen weg. Die Nationalsozialisten kommen an die Macht und auch in Tschechien spürt man die Veränderungen.
Nachdem die ersten beiden charmanten Erzählungen, die noch Humor versprühen, schnell und beschwingt gelesen sind, wird die Stimmung mit der titelgebenden Geschichte „Der Tod der schönen Rehböcke“ düsterer. Mit dieser Erzählung wird buchstäblich eine Wende eingeleitet, von heiteren und witzigen Anekdoten zur Darstellung des Überlebenskampfes der jüdischen Bevölkerung. Danach ist nichts mehr wie vorher. Die Leichtigkeit ist verflogen.
Und vielleicht auch deshalb ist das Büchlein etwas Besonderes. Denn es ist ein liebevolles und herzerwärmendes Portrait eines Mannes und Vaters, der als Verkaufsphänomen vor dem 2. Weltkrieg ein sehr erfolgreicher und wohlhabender Mann war, und der auch in den schweren Zeiten mit festen Prinzipien sein Leben meisterte. Sein steter Entschluss, auch in den undenkbarsten Situationen ein Vermögen zu machen, lässt auf einen Menschen blicken, der trotz widrigster Umstände ein Ziel verfolgt und sich nicht hängen lässt. Das hat im wohl auch das Leben und Überleben in einer der düstersten Zeiten des letzten Jahrhunderts ermöglicht. Stets an seiner Seite Irma, Ehefrau und Mutter, die all seine Marotten und Macken mit stoischer Geduld ertragen hatte.
Ota Pavel gehört zu einer Generation, die Schlimmes mitgemacht hat und es ist sein literarischer Beitrag und seine persönliche Art, mit den sehr schmerzhaften Erinnerungen fertig zu werden. Seine ruhige humorvolle Art seinen Vater zu erzählen, ohne mit Wörtern um sich zu werfen, macht dieses Buch zu einem weiteren Exemplar in meiner Allzeitlesehighlight-Büchersammlung.
Wäre „Der Tod der schönen Rehböcke" die erste Geschichte gewesen, hätte das Erzählbändchen vollkommen anders auf mich gewirkt. So hingegen nehme ich nicht nur die tragischen Phasen mit, sondern vielleicht mehr die lustigen Episoden. Freud und Leid ist hier ganz eng bei einander.
Fazit
„Der Tod der schönen Rehböcke“ ist ein Erzählband, der das Herz trifft. In 8 Kurzgeschichten erzählt Ota Pavel in liebevolle Anekdoten und Erinnerungen einen Vater mit all seinen Macken und Kanten und seinem phänomenalen Verkaufstalent, der jedoch in den entscheidenden Lebensphasen für die Familie ein Fels in der Brandung war.
Eternal-Hope
aus Österreich
5/5
27.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Vom Humor in dunklen Zeiten
Ota Pavel lebte von 1930 bis 1973 und war ein tschechisch-jüdischer Sportjournalist. Nach einer psychotischen Episode kam er in die Psychiatrie und schrieb dort seine bewegende Familiengeschichte in humorvollen, episodenhaften Kurzgeschichten auf: das Ergebnis ist, in deutscher Übersetzung, das Büchlein „Der Tod der schönen Rehböcke“.
Das nur knapp über 130 Seiten umfassende, schnell und leicht zu lesende, humorvolle, aber doch inhaltlich sehr tiefgründige Büchlein ist in acht Kurzgeschichten geteilt, die lose miteinander verbunden und chronologisch geordnet sind.
Immer geht es um die Herkunftsfamilie des Autors, wobei der jüdische Vater im Vordergrund steht: ein lebensfroher, gewitzter Mann, der sich angesichts aller Widrigkeiten zu helfen weiß und sich stolz der tschechischen Heimat verbunden fühlt:
„Mein Papa liebte dieses Land überhaupt sehr, wohl mehr als die Mama, die Christin war; für sie war es nämlich selbstverständlich, dass sie eine Heimat hatte, während mein Papa sie mit Hilfe seiner Vorfahren Hunderte von Jahren hindurch gesucht hatte, bevor er sie fand.“ (S. 77)
An seiner Seite und seine Marotten tapfer ertragend ist stets die tschechische Mutter des Autors, eine tüchtige Frau, der das Buch gewidmet ist: „Für Mama, die meinen Papa zum Manne hatte.“
So begleiten wir die Familie in kurzgeschichtenhaften Ausschnitten durch mehrere Jahrzehnte: von der Zeit vor dem 2. Weltkrieg, über den Krieg und die Verfolgung der jüdischen Mitglieder der Familie durch die Nazis bis in die Nachkriegszeit und das kommunistische Regime. Am Anfang sind es locker-heitere Begebenheiten, die erzählt werden, etwa, von einem Betrüger, der dem Vater des Erzählers einen Karpfenteich ohne Karpfen verkaufen will, was dieser ihm gewitzt mit gleicher Münze heimzuzahlen weiß.
Gegen Mitte des Buches werden die zeitgeschichtlichen Ereignisse düsterer, erst wird die Bewegungsfreiheit des Vaters und der älteren Brüder eingeschränkt und dann werden diese aufgefordert, die Fahrt ins Konzentrationslager anzutreten, doch auch das weiß der Erzähler mit einer Art Galgenhumor zu beschreiben: „… alles Übrige legte die Mama in schöne Steinguttöpfe ein, und sie kochte meinen Brüdern Hugo und Jirka Sauce und Beefsteaks, was ihre ganz besondere Spezialität war. Die Jungen stopften sich voll für die kommenden Jahre, um Theresienstadt, Auschwitz, Mauthausen, die Todesmärsche bei dreißig Grad Frost und das Steineschleppen auf der Treppe von Mauthausen bei dreißig Grad Hitze auszuhalten und all die hübschen Sachen, die die Deutschen für sie bereithielten.“ (S. 73)
Diese tiefschwarze Hintergrundkulisse umrahmt also eine beträchtliche Zeitperiode im Leben der geschilderten Familie. Und doch ist es insgesamt kein deprimierendes Buch, weil es dem Autor auf außergewöhnliche Weise gelingt, so viele Momente der Leichtigkeit, Lebensfreude und des Schalks einzufangen, sodass man trotz des Wissens um diese schreckliche Zeit das Gefühl hat, diese bemerkenswerte Familie kann dem etwas entgegenhalten: eine Resilienz, die im flexiblen, gewitzten Umgang mit allem liegt, was einem das Leben so entgegenwirft, im familiären Zusammenhalt, in der Liebe und im gemeinsamen Lachen.
Damit ist es insgesamt ein herzerweichendes Plädoyer für das Licht in dunklen Zeiten und ein intelligent-humorvoll-gewitztes Büchlein, das ich einer breiten Leserschaft von Herzen empfehlen kann.
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