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Wie chinesisch wird Europa? Ein pointierter, hochpolitischer Roman von F.C. Delius.
Kassandra wird gekündigt. «Kassandra» ist der Spitzname eines Wirtschaftsjournalisten, der lieber eigenen Recherchen folgt als den Pressesprechern der Minister und Konzerne. Doch sogleich schreibt er weiter – nun im Tagebuch, frischer und frecher. Er denkt dabei an seine Nichte, die später vielleicht fragen wird: Wie war das damals, als Europa auseinanderbröselte? So konzentriert er sich auf die Vergewaltigung Griechenlands in der Bankenkrise; und auf die Blindheit gegenüber China, das mit seiner Wirtschaftsmacht und antidemokratischen Ideologie immer näher rückt. Der Gefeuerte flaniert durch Berlin und durch die Presse, hört Jazz – und das Beben der alten Weltordnung.
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Ich muss zugeben, dass mich der Titel sofort in den Bann gezogen hat und es erwartete mich ein obskurer Roman über die Ideen und Gedanken eines älteren Wirtschaftsjournalisten. Es ist der 30. September 2017 in dem der Roman, oder besser gesagt "die Datei", ihren Ursprung findet. "Kassandra", dessen Spitzname der Wirtschaftsjournalist trägt, wird gekündigt. Viele raten ihn anfangen zu bloggen, doch in der Meinungs-Maschinerie wo "jeder bloggt und sein Zeug ins Netz jägt" sieht er kein Interesse. Er beginnt mit einer Datei, die er an seine politisch interessierte Nichte Lena adressiert. Darin beschreibt er seine Sicht auf aktuelle politische Situationen und Themen, richtet den Blick auf die Finanzkrise 2008 und kritisiert die Europäische Union mit ihrer Politik. Dazu kommt im späteren Verlauf ein wahnwitziges Hirngespinst dazu, welchen den Titel des Romans trägt. Humorvoll und überspitzt wird es vom Hirngespinst zu einer fixen Idee und einer reellen Skepsis gegenüber der rein autoritären Wirtschaftsmacht China.
Beim Lesen dieses Romanes bemerkte ich wie schnell bestimmte politische Situation und Ereignisse in den Untergrund verschwinden und wie wenig ich bei manchen Themen wusste. Der Roman hat es geschafft, dass ich selbst aktiv wurde und mich nochmal über die Griechenland-Krise und deren "Protagonisten" informiert habe. Es ist ein wirklich sehr ruhiger Roman, dessen Spannung kein großes Problem beinhaltet, was zu lösen gilt, sondern eher durch die Ideen, die überdrehten Gedanken und wahnwitzige Hirngespinste an Spannung gewinnt. Es zieht sich wie ein Fluss durch den Roman. Ein lesenswertes Buch!
Politik, Wirtschaft, Europa - kritisch, humorvoll, literarisch betrachtet
Circlestones Books Blog am 20.01.2020
Bewertungsnummer: 1285285
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Der Mensch denkt, und Gott lenkt. Die zwei größten Irrtümer der Menschheit in sechs Worten, in einem Satz.“ (Zitat Seite 251)
Inhalt
Zwei Jahre vor der Rente wird der unangepasste, kritische Wirtschaftsredakteur – die Kollegen nennen ihn „Kassandra“ – freigestellt und in den Vorruhestand geschickt. Spontan beschließt er, weiterzuschreiben, diesmal in der Freiheit der eigenen Themenwahl. Ein Tagebuch soll es werden, ein Jahr lang wird er seine Gedanken und Eindrücke zu Papier bringen, als Zeitdokument, vielleicht für seine Nichte Lena, die gerade das Abitur macht und sich später, in dreißig Jahren etwa, fragen wird, wie es damals war, am Beginn des 21. Jahrhunderts.
Thema und Genre
Obwohl es vom Verlag so eingestuft wird, ist dieses Buch kein Roman, sondern eher eine Sammlung von Essays in Tagebuchform, mit Gedanken zur europäischen Wirtschaft, zur politischen Lage in Deutschland und in der EU, zu aktuellen Entscheidungen und ihre möglichen Auswirkungen in der Zukunft. Ein Thema ist auch die rasche und einfache Verbreitung von bewusst oder unbewusst falschen Meldungen in den sozialen Medien, von Menschen, die in erster Linie Aufmerksamkeit und Bestätigung suchen.
Umsetzung
Der Autor teilt das Buch in vier Kapitel ein. Die einzelnen Einträge tragen das jeweilige Datum, erfolgen chronologisch und beginnen mit dem 30.09.2017. Am 10.07.2018 erfolgt der letzte Eintrag, welcher lautet: (Fast) ein Jahr mein eigener Pausenclown, das reicht.“ (Zitat Seite 253)
Der Journalist und für seine Wirtschaftsseiten bekannte Redakteur wird seinem Spitznamen „Kassandra“ durchaus gerecht. Auch er warnt vor einseitig argumentierten Entscheidungen, vor den Folgen von nicht ausreichend überdachten Handlungen und auch er sieht sich politischen Entscheidungsträgern, hier „Kanzlerin M“ und „Wirtschaftsminister Sch“, gegenüber, die diese Handlungen beschlossen haben und sie durch bewusste Falschinterpretationen auch weiterhin verteidigen. Doch er ermahnt auch sich selbst, alle Seiten zu sehen und keine Vorurteile zu pflegen.
Ein besonderes Thema ist die Griechenland/Euro-Krise des Jahres 2017, die europäische Einwanderungspolitik und die verstärkten Investitionen von chinesischen Unternehmen in Europa.
Der auf Grund des Buchtitels erwartete Rügen-Bezug beschränkt sich auf ein paar Tage auf Rügen, die er gemeinsam mit seinem deutsch-amerikanischen Freund Fritz Roon dort verbringt, im vierten und damit letzten Kapitel des Buches. Hier geht es auch vorrangig um persönliche Themen.
Die Sprache schildert gekonnt die Gedankengänge des Tagebuchschreibers, der sich selbst, seine Mitmenschen und die Zeit, in der wir leben, mit spitzer, satirischer Feder beobachtet. An manchen Tagen ist er frustriert, verärgert, um am nächsten Tag auch seine Situation und Überlegungen mit Humor zu betrachten und zu den leisen Tönen zurückzukehren.
Fazit
Wer einen Roman mit Rügen-Bezug erwartet, sollte sich nicht für dieses Buch entscheiden, denn das wäre eine Enttäuschung. Wer eine sehr kritische, fundierte, freche, aber auch humorvolle wirtschaftspolitische Analyse unserer Zeit zu schätzen weiß, interessiert ist, sich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen, bekannte Fakten vielleicht neu zu überdenken, wird dieses auch sprachlich überzeugende Buch mit Vergnügen lesen. Ich jedenfalls ging beim Lesen die gesamte Palette von „genau“ (mit heftigem Kopfnicken) über „na geh, aber wirklich nicht“ (mit Kopfschütteln) bis zu schallendem Gelächter mehrmals durch.
Meinung aus der Buchhandlung
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Die grosse Kritik an der Europa- und Wirtschaftspolitik der EU im Allgemeinen und Deutschlands im Besonderen, kommt im Gewand eines Romans daher.
Besonders das Szenario einer kompletten Übernahme
Europas durch den Chinesischen Staat, wird satirisch
überhöht heraufbeschworen. Wohl nicht ganz von der Hand zu weisen.
Das Lesen hat mir Vergnügen, Schrecken und viel
Erkenntnisgewinn gebracht.
Lektüre für politisch interessierte Leser.
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Der Anfang des Jahrhunderts für nachfolgende Generationen.
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Kassandra, ein Wirtschaftsjournalist, der selbstständig recherchiert und nicht den Politikern und Wirtschaftsbossen nach dem Mund redet, wird entlassen. Deswegen fängt er an, aus Langeweile und Liebe zum Schreiben, ein Tagebuch zu führen. Als Adressat stellt er sich seine Nichte vor die gerade Abitur macht und politisch interessiert ist.
Er beschreibt die aktuelle politische Situation sehr genau, reflektiert wie es dazu kam und wie es in Zukunft sein wird.
Ein großartiger Roman der unser Lebensgefühl sehr genau wiedergibt und für jeden politisch interessierten Leser ein Muss ist.
Großartig geschrieben. Besser als jedes Sachbuch!
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