Als junger Mann schließt sich Emil Huk (1911–1989) den Kommunisten an und widmet sein Leben dem Kampf gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus. Er überlebt Verhaftung, Internierungslager, das Exil in Frankreich und die papierlose Existenz in der Schweiz. Nach seiner Rückkehr bleibt er der Gedankenwelt Lenins verbunden, bis er sich nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 von der Idee der Diktatur des Proletariats lossagt …Mit seinem Buch wendet sich Ernst Strouhal erneut seiner außergewöhnlichen Familiengeschichte zu. Entstanden ist dabei nicht nur das Porträt eines bemerkenswerten Vaters, sondern auch eine eindringliche Erzählung über das »kurze 20. Jahrhundert« und den beschwerlichen Weg zur Demokratie.
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Universitätsprofessor und Autor Ernst Strouhal zeichnet mit dieser Biografie das Bild seines Vater Emil Huk (1911-1989) nach, über den es, anders als über Strouhals Mutter Ilse (1918-1969) und seinen mütterlichen Großvater Ernst Benedikt (1882-1973) keinen Wikipedia-Eintrag gibt. Also, nicht dass ich Wikipedia für der Weisheit letzten Schluss halte, aber einen Eintrag als österreichischer Widerstandskämpfer gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus wäre Emil Huk schon wert.
Wer ist er also, dieser Emil Huk?
Geboren in der Brigittenau, dem zwanzigsten Wiener Gemeindebezirk, einem Arbeiterbezirk, in dem bittere Armut herrscht. Nach dem Zerfall der Donaumonarchie und der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit erhält er, wie zahlreich andere Kinder, kaum Schulbildung. Angeregt durch seinen Vater verbringt er aber seine Tage in den Arbeiter- und Gewerkschaftsbibliotheken, wo er mit den Werken von Marx, Lenin und Trotzki in Berührung kommt. Er schließt sich schon als Jugendlicher den Kommunisten an, erlebt den Ständestaat, und ist bei den Februarkämpfen von 1934 dabei. Er kämpft gegen den Austrofaschismus und den Nationalsozialismus. Wird da wie dort verhaftet, kann über abenteuerliche Wege nach Frankreich fliehen, lebt als Staaten- und Papiereloser immer von der Abschiebung bedroht, in der Schweiz und kehrt nach 1945 nach Wien zurück, um mit den anderen heimgekehrten Kommunisten die Partei in Wien (und Österreich) wieder aufzubauen.
Sein Glaube an den Kommunismus ist unerschütterlich. Erst mit den Aufständen in der DDR (1953) und Ungarn gerät seine Überzeugung ins Wanken(1956) bis er sich letztendlich nach der Niederschlagung des Prager Frühlings (1968) von der Idee der Diktatur des Proletariats lossagt.
Den Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und den Zerfall der UdSSR wenig später, wird Emil Huk, der am 8, März 1989 stirbt, nicht mehr erleben.
Meine Meinung:
Ich kenne ja zahlreiche Flucht- und Familiengeschichte jüdischer Familien bzw. politisch Verfolgter. Mein eigener Großvater mütterlicherseits, den ich nicht kennengelernt habe, ist als Sympathisant der Kommunisten ebenfalls nach Moskau geflüchtet und im Dunstkreis der Roten Armee zurückgekehrt.
Emil Huks Geschichte ist auf Grund von Briefen und Tagebucheintragungen zahlreicher Familienmitglieder der Familien Huk und Benedikt sowie durch die penible Recherche von Autor Emil Strouhal für mich persönlich besonders lebendig. Zum Teil liegt es auch daran, dass ich die Umgebung in der Emil Huk in der Brigittenau aufgewachsen ist, recht gut kenne. Das Polizeikommissariat in der Pappenheimgasse gibt es übrigens noch immer.
Sehr interessant zu lesen ist die ambivalente Haltung der Schweiz Flüchtlingen gegenüber: Juden wurde (außer sie waren reich) kein Asyl gewährt, politisch Verfolgten schon. Das gibt Emil Huk, dessen Familie jüdische Vorfahren hat, ein wenig Spielraum in der Schweiz. Gültige Papiere erhält er trotzdem nicht.
Diese Biografie zeigt, dass man auch im Alter seine Überzeugungen über Bord werfen kann. Sie reiht sich in das Regal der Bücher ein, die ich bestimmt mehrmals lese werde. Zudem werde ich mir „Vier Schwestern“ besorgen, jenes Buch das die Geschichte Strouhals mütterlicher Familie beschreibt
Fazit:
Gerne gebe ich dieser höchst interessanten Familiengeschichte, die den beschwerlichen Weg zur Demokratie beschreibt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
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