Die Emanzipation der ganzen Welt Jüdischer Antikolonialismus um 1800
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum
07.09.2026
Abbildungen
Etwa mit Abbildung, schwarz-weiss Illustrationen
Verlag
Springer BerlinSeitenzahl
240
Maße (L/B)
23,5/15,5 cm
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-662-73846-7
Seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gerät der sich gerade geographisch und qualitativ erweiternde Kolonialismus unter öffentlichen Druck. In den sich neu formierenden bürgerlichen Öffentlichkeiten West- und Mitteleuropas wird eine zusehends entschiedenere Kritik am Kolonialismus und seiner in Europa prominentesten Erscheinungsform, dem Sklavenhandel, laut. An dieser Kritik haben jüdische Intellektuelle einen wesentlichen Anteil.
Das Buch zeigt an genauen Lektüren der Schriften dreier prominenter jüdischer Autoren auf, unter welchen Bedingungen, mit welcher Motivation und mit welchen Argumenten jüdische Stimmen in den Jahrzehnten vor und nach 1800 an dieser öffentlichen Debatte teilhatten. Moses Mendelssohn begegnet im weithin und lebhaft diskutierten Unternehmen einer „bürgerlichen Verbesserung der Juden“ dem Projekt einer kaum verhüllten internen Kolonisierung – gerichtet gegen die jüdische Gemeinschaft –, dessen Diskussion in hohem Tempo in die Vorschläge der Deportation der Juden auf „wüste Inseln“ mündet. Saul Ascher flankiert seinen Abwehrkampf gegen die einsetzende Rassifizierung der Juden etwa durch Fichte mit der Übersetzung von Henri Grégoires Klassiker „De la Littérature des Nègres“; Grégoire hatte wie kaum ein anderer französischer Politiker während der Jahre der Revolution für die bürgerliche Gleichstellung von Juden und die Befreiung der Sklaven zugleich gekämpft. Heinrich Heine schließlich begriff die ihn umgebenden sozialen, kulturellen und politischen Entwicklungen zusehends als Erscheinungen einer integralen kolonialen Welt . Im Verlauf seiner akribischen Beobachtungen der aktuellen Zeitläufte wird für ihn immer unabweisbarer, welche konstitutive – und zerstörerische – Rolle der Kolonialismus für die Moderne gespielt hat.
Die Lektüren demonstrieren nicht nur eindrücklich den Ort dieser Autoren im Antikolonialismus ihrer Zeit; sie legen vor allem offen, in wie hohem Maß sowohl die subjektgeschichtliche als auch die historische jüdische Erfahrung den unhintergehbaren Grund für ihre Positionen legte.
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