Wie kam es dazu, dass sich ein unbekannter Korse zum Kaiser der Franzosen krönte, ein aufgeklärtes Recht einführte, mit seinen Feldzügen Europa umkrempelte, dabei Millionen Tote hinterließ und schließlich in den Sümpfen bei Waterloo scheiterte? Meistererzähler Bart Van Loo findet die Antwort in den Turbulenzen der Französischen Revolution, die im gleichen Atemzug die Guillotine und die Menschenrechte erfand. Sein brillant erzähltes Epos über die Revolution und Napoleon lässt beide in neuem Licht erscheinen.
Napoleon Bonaparte hat mit seinen Reformen und Feldzügen Europa und die Welt verändert. Sein langer Schatten liegt bis heute über unserer Zeit. Bart Van Loo nähert sich dieser Ausnahmegestalt mit frischem Blick. Quellennah und unter Berücksichtigung der neuesten Forschung schildert er das Leben des Korsen, Generals, Ersten Konsuls, Kaisers, genialen Feldherrn und Gefangenen auf St. Helena neu. Dabei verwebt er die Geschichte der Französischen Revolution mit der Lebensgeschichte Napoleons zu einer grandiosen Erzählung, die zeigt, wie die Revolution Napoleon «machte»: als ihren langen Schatten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.5/5.0
Renas Wortwelt
5/5
09.09.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ein faszinierendes Leben, geschildert in einer faszinierenden Biografie – unbedingt lesenswert
Nicht nur, weil ich grundsätzlich sehr gerne Biografien lese, sondern vor allem, weil ich schon immer von der Zeit während und nach der Französischen Revolution und der Zeit Napoleons I gefesselt war, wollte ich dieses Buch lesen. Und ich konnte es kaum aus der Hand legen, bis ich alle weit über 600 Seiten gelesen hatte.
Inzwischen in der 18. Auflage erschienen, ist diese 2014 erstmals veröffentlichte Biografie ungemein interessant, sehr detailliert, analytisch und auch psychologisch packend. Van Loo geht sehr in die Tiefe in seiner Beschreibung des Lebens dieser historischen Person, die so viel in Europa verändert hat, was teils bis heute nachwirkt.
Beginnend mit seiner Kindheit und Jugend in Korsika, seiner militärischen Ausbildung und insbesondere seines Verhaltens und Umgangs mit der Revolution, schildert der Autor nahezu minutiös, wie aus dem unscheinbaren, unbekannten Korsen der Kaiser der Franzosen, ein Despot und Diktator und am Ende ein Verstoßener werden konnte.
Van Loo beschreibt den Werdegang, die Entwicklung dieses Menschen so nachvollziehbar, dass man bei der Lektüre durchaus manches versteht, vor dem man bisher eher kopfschüttelnd stand. Dabei beschönigt der Autor nichts, er schildert die Persönlichkeit Napoleons als einen ruhelosen, hyperaktiven Charakter, als einen Mann, der am liebsten alles selbst erledigen will, der nur schlecht delegieren kann.
Doch während Napoleon unzählige Kämpfe auf vielen Schlachtfeldern ausficht, während er ein Land, ein Königreich nach dem anderen erobert, schenkt er seinen Franzosen gleichzeitig den Code Civil. Und er findet noch die Zeit für diverse Liebhaberinnen, obwohl er doch nie aufhört, seine Joséphine zu lieben. Die Frau, von der er sich dennoch scheiden lässt, um die Tochter des österreichischen Kaisers zu heiraten, damit seine Dynastie in seinem Sohn weiterleben soll.
Belegt durch unzählige Zitate, oftmals aus Napoleons Briefen oder der von ihm auf St. Helena diktieren eigenen Biografie, gelingt es Bart von Loo so ein Bild eines Mannes zu schaffen, dass man in manchen Szenen fast das Gefühl bekommt, dabei gewesen zu sein.
Wenn mir in diesem fesselnden Buch auch manchmal die überaus detailreichen Schlachtenbeschreibungen etwas zu viel wurden, wenn ich manchmal zwischen den vielen auftretenden historischen Figuren ein wenig den Überblick verlor, so war dieser Einblick in einen so faszinierenden Charakter wie Napoleon Bonaparte ein Erlebnis, das ich nicht missen möchte.
Das Buch endet auch nicht schlicht mit dem Tod der Hauptfigur. Van Loo, der für diese neue Auflage seines Werks etliches akribisch überarbeitete, erzählt auch von dem, was danach geschah, was in der französischen Geschichte folgte und warum vieles davon folgerichtig war, manches aber vielleicht auch anders hätte ablaufen können.
Viele Anmerkungen, eine reichhaltige Bibliografie, eine Zeittafel, Karten und zahlreiche Fotos runden dieses Buch ab, das ich uneingeschränkt empfehlen kann.
Bart van Loo – Napoleon
aus dem Niederländischen von Bärbel Jänicke
C.H. Beck, August 2026
Gebundene Ausgabe, 677 Seiten, 38,00 €
Gertie G.
aus Wien
4/5
23.08.2026
eBook (PDF)
Eine weitere Biografie Napoleons
Wie Autor und Historiker Bart van Loo selbst ein wenig ironisch anmerkt, füllen Biografien und Romane über Napoleon Bonaparte (1769-1821) mehrere (Kilo)Meter Bücherregale. Wozu dann noch ein weiteres Buch schreiben? Nun, auch mehr als 200 Jahre nach seinen Tod tauchen in diversen Archiven noch bislang unveröffentlichte Originalquellen auf, die es zu verwenden gilt.
Wer ist nun die Zielgruppe dieses Sachbuchs? Vermutlich jene Leserinnen und Leser, die sich noch nicht, so wie ich durch Dutzende Napoleon-Biografien gelesen haben. Ich persönlich habe jetzt nicht viel Neues erfahren. Allerdings erzählt der Autor die Lebensgeschichte eines Mannes, der mit grenzenlosem Ehrgeiz einen gewaltigen Höhenflug auf Kosten anderer und einen ebensolchen Absturz hingelegt hat, in einem lockeren Plauderton. Dabei erklärt er die politischen Ereignisse, die zum Aufstieg Napoleons führen recht anschaulich, ebenso das Leiden der Soldaten während der Feldzüge. Diese Biografie gibt eine sehr gute Übersicht über die Napoleonischen Kriege und die unterschiedlichen Koalitionen. Natürlich können nicht alle Details bis zur Verbannung nach Sankt Helena genannt werden.
Wenn hier über die mangelnde medizinische Versorgung der französischen Truppen berichtet wird, vermisse ich den Namen Jean Dominique Larrey (1766-1842) der als Militärarzt die „ambulances volantes“ (mobile Lazarette) eingeführt hat, um Verwundete zeitnah zu versorgen und persönlich an die Frontlinie gegangen ist. Larrey gilt als Schöpfer der Militärchirurgie.
Im Anhang finden sich Abbildungen, Landkarten sowie eine Zeittafel und Personenverzeichnis. Ein ausführliches Literaturverzeichnis, bei dem ich allerdings einige Autoren wie Johannes Willms oder Günter Müchler vermisse. Zu Gute halten muss ich Bart van Loo, dass er zahlreiche (Original)Briefe und/oder Augenzeugenberichte aus belgischen bzw. französischen Quellen verwendet hat.
Fazit:
Gerne gebe ich dieser Biografie 4 Sterne.
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4/5
20.08.2026
Buch (Gebundene Ausgabe)
Sohn des Glücks
Bart van Loo ist ein ganz großer Geschichts-Erzähler, wie er schon mit seinem tollen Buch über das alte Burgund bewiesen hat. Und auch hier liefert er ein Werk ab, das sicher der perfekte Einstieg für alle ist, die sich dem großen Korsen erstmals nähern wollen. Keine Frage und viel Vergnügen!
Wer aber in der Vergangenheit schon mal eine große, umfangreiche Napoleon-Biographie gelesen hat (von Johannes Willms oder Adam Zamoyski vielleicht), dem bietet dieses Buch hier wenig neues. Es bleibt ein Lesevergnügen.
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