Eines Abends ist er einfach da. Baptiste, der scheue, junge Mann, von dem niemand in der verschlafenen Ortschaft in der Provence weiß, woher er gekommen ist. Und er scheint dort sein Glück zu finden, bis Jahrzehnte später seine verschwiegene Vergangenheit aufersteht. Mit aller Macht ziehen ihn die Erlebnisse vergangener Tage wieder in ihren Bann, und mit ihnen die Erinnerungen an Abda, das längst vergessene Frauengefängnis in der algerischen Wüste, in dem eine ungewöhnliche, tiefe Freundschaft, aber auch sein dunkelstes Geheimnis begraben liegen. Eines, das in einem dramatischen Wettlauf gegen die Zeit immer weiter an die Oberfläche drängt ...
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Die Vergangenheit ist nie vergessen
Sandra Scheer von BuchZeiten aus Neuss am 02.02.2021
Bewertungsnummer: 1010544
Bewertet: eBook (ePUB)
Inhalt:
Irgendwann holt jeden die Vergangenheit ein. So auch Baptiste, der seinen Lebensabend recht einsam verbringt, bis ihn eine junge Frau wieder zurück in die Vergangenheit führt und ihn an längst vergessene Zeiten erinnert. Eine Geschichte die das Schicksal von drei Menschen erzählt, und zeigt, wie schnell sich alles ändern kann und was ein einziger Augenblick verändern kann. Und auch, wie schwer die Vergangenheit wiegt und dass sie immer eine Rolle spielen wird, auch wenn man sie verdrängen und vergessen will.
Meine Meinung:
Zu diesem Buch bin ich mehr durch einen Zufall gekommen. Eine Empfehlung, der ich nicht widerstehen konnte, da mich der Inhalt neugierig machte, vor allem aber die Begeisterung, die es bei demjenigen auslöste, der es empfahl. Und so ließ ich mich auf dieses unbekannte Abenteuer ein, denn es ist sicherlich ein Buch, das mir normal nicht aufgefallen wäre, obwohl sowohl der Titel, als auch das Cover und die Beschreibung sehr ansprechend sind. Und was mich am meisten begeisterte, war der doch so ungewöhnliche und schöne Schreibstil des Autors, der oftmals mit Worten spielt. Ein Beispiel habe ich Euch mitgebracht, was jedoch aus dem Zusammenhang gerissen nur die Hälfte fühlen lässt..
"Deshalb konnte es sein, dass er sie auf einmal mit seinen pechschwarzen Augen musterte, als könne er direkt in ihre Seelen schauen ..... Und dann konnte es sein, dass er die beiden ansprach, ganz leise und sonor, mit einer Stimme, die Baptiste heute wie ein dunkler, seidenweicher Rotwein in Erinnerung kam."
Liest man den Klappentext, so scheint es, als ginge es in dem Buch hauptsächlich um Baptiste, ein junger Mann, der sein Glück in Frankreich sucht und von dem keiner weiß wo er herkommt. Ich aber finde, das ist tatsächlich nur ein drittel der Wahrheit. Denn eigentlich erzählt das Buch die Geschichte von drei Menschen, die das Schicksal eine zeitlang zusammen führte und deren Leben durch diese Bekanntschaft veränderte.
Hauptsächlich ist es die Freundschaft von Baptiste und Gabriel, die sich wie ein roter Faden durch das Buch spinnt. Eine ungewöhnliche Freundschaft, die in den Mauern eines Frauengefängnisses beginnt, das in der algerischen Wüste liegt. Zwei Jungen, die miteinander aufwachsen und deren Weg dennoch so unterschiedlich ist. Geprägt von Glauben und Gewalt und doch auch von Freundschaft. Und deren Weg unweigerlich irgendwann auseinandergeht und dennoch seine Bedeutung nie verliert. Und es ist die Geschichte von Ella, deren Weg sie von Australien nach Malawi führt. Die auch nie ihre Vergangenheit abschütteln kann, auch wenn sie so wenig greifbar ist. Die ihren Weg sucht und schließlich an einem Ort findet, wo sie mehr zufällig hingetrieben wird und doch feststellen muss, dass man sich nie sicher sein kann, ob man wirklich angekommen ist oder den richtigen Weg gewählt hat.
Eine Geschichte, die in unterschiedlichen Zeiten spielt. Rückblicke, die nach und nach den Weg der drei Menschen erzählen und hierbei Wendungen aufnehmen, die man nicht erwartet hätte.
Es ist ein ruhiges Buch, das einen dennoch in seinen Bann zieht. Weil man sich fragt, warum es so kam und wo es hinführt. Und das einen auch nicht enttäuscht und alle noch so kleinen Geheimnisse entschlüsselt .. bis auf eines ganz am Ende, was einen dann noch weiter über die letzte Seite hinaus beschäftigt .. sehr geschickt :)
Fazit:
Ein wirklich berührender Roman, der eine Geschichte von drei Menschen erzählt, deren Leben zufällig zusammenführt und trotzdem eine tiefe Bedeutung zurücklässt. Die von drei Menschenleben erzählt, die ihren Weg suchen, ihrer Vergangenheit entfliehen wollen und doch nie vergessen können. Und eine Geschichte, die zeigt, wie viel Einfluss andere Menschen auf einen haben können.
Weltklasse Niveau!
Bewertung aus Langenselbold am 02.02.2021
Bewertungsnummer: 1016997
Bewertet: eBook (ePUB)
Inhalt:
Der Debütroman "Palast aus Staub und Sand" handelt von Baptiste, der alles verloren hat, von Ella, die alles gerade verliert und von Gabriel, der bereits verloren geboren wurde. Die Schicksale der drei Personen weben sich unweigerlich zusammen und hervor kommt ein großes, dunkles Geheimnis, welches folgenschwer ist.
Schreibstil:
Das Buch ist aus verschiedenen Perspektiven beschrieben und enthält diverse Zeitsprünge. Der Schreibstil ist außergewöhnlich und einzigartig. Mit einer klaren, präzisen Sprache und einer kreativen Ausdrucksform sind wir hier bei einem Sprachstil auf Weltklasse- Niveau. Durch Wortwahl, Konstruktion und dem Klang der Sätze entsteht eine ureigene Dynamik, die dem Leser ein authentisches Gefühl gibt. Der Autor lässt sich Zeit mit der Entwicklung und Entfaltung der Charaktere und haucht ihnen somit viel Leben ein. Man hat das Gefühl, jeder Charakter für sich hat so viel Tiefgang, dass man sich eigentlich mit dem Fortgang der Geschichte nur peripher auseinander setzen muss.
Charaktere:
Die Charaktere sind sehr eigensinnig und jeder eigentlich ein Kapitel für sich.
Baptiste ist derjenige, der eine recht triste Figur ist, die ich aber im Endeffekt am allerliebsten "erlesen" habe. Trotz der Intensität seiner Gedanken, Gemütslagen und Handlungen, ist Baptiste für mich immer ein Rätsel gewesen, was den Reiz noch verstärkt hat.
Ella war diejenige, über die man sich als Frau identifizieren könnte. Sie ist sympathisch, ein natürlicher Typ und engagiert. In Ella ruht eine kindliche Naivität, sie lebt in ihrem eigen gebauten Paradies und wird dann auch noch vertrieben. Ihr Weg hat mir am meisten weh getan, da er Konflikte führt sowohl auf einer persönlichen als auch auf einer globalen Ebene.
Und Gabriel ist das allergrößte Mysterium. Wie kann eine Person so unschuldig schuldig sein? Er durchläuft ein Martyrium und ist dabei doch kein schlechter Junge und dennoch, es ist so als würde ihm seit Geburt an etwas Böses anhaften, für das er ein Leben lang büßen wird.
Story:
Tja nun, die Story an sich bietet auch einiges an Input. Sie ist zum Schreibstil und den Charakterdarstellungen gegenläufig konzipiert. Was ich damit meine? Der Autor lässt sich viel Zeit, um eine Tiefe in die Charaktere zu bringen, währenddessen also zunächst der Anfang eher von Trauer, Frust und Stillstand geprägt ist, verändert sich das Tempo des Buches mit der Handlung. Nicht gerade plötzlich, jedoch deutlich wahrnehmbar geschehen viele Dinge und Zusammenhänge in Verbindung mit der Handlung. Durch Tiefe und Tempo entsteht eine eigenwillige Spannung, die das Buch gegen Ende zum Pageturner mutieren lässt.
Inhaltlich existieren in dem Debütroman sowohl die persönlichen Dramen der Charaktere, als auch die Weltlichen. Dinge wie Liebe, Hass, Freundschaft, Feindschaft sind nicht die einzigen, die thematisiert werden. Es geht auch um Trauer, Schuld,Glaube, Schicksal, und Vergebung eben einfach der Tanz des Lebens.
Wie ihr sehen könnt also ein straffes Programm!
Fazit:
Ich bin unglaublich dankbar das Buch "Palast aus Staub und Sand" von Haroon Gordon gelesen zu haben. Cover und Kurzbeschreibung können nicht das wiedergeben, was den Leser in dem Buch erwartet. Es hat mich einfach nicht mehr loslassen können, und wird es wohl auch für die nächste Zeit nicht mehr. Es ist ein einzigartiges Meisterwerk, mit dem ich keinen Vergleich anstellen kann. Die Perfektion aus Kreativität und präziser Intensität haben mich als Leser verblüfft dastehen lassen.
Ich kann euch jetzt schon sagen: Merkt euch den Namen Haroon Gordon. Er könnte der nächste Salman Rushdie werden!
Von mir gibt es die volle Monsterpunktzahl und ist definitiv ein Anwärter auf DAS Jahreshighlight !
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