Meine letzte RezensionBissle Spätzle, Habibi?von Abla Alaoui
Schwierig. Sehr, sehr schwierig. „Bissle Spätzle Habibi“ hatte für mich eigentlich eine nette Grundidee, leider habe ich mich mit sehr vielem in diesem Buch beziehungsweise Hörbuch schwergetan und war zwischendurch mehr als einmal kurz davor, abzubrechen.
Schon sprachlich hat mich das Buch gestört. Es gibt sehr viele unbeabsichtigte Wechsel zwischen Präsens und Präteritum, was den Lesefluss immer wieder unterbricht. Dazu kommt, dass das Schwabenbild für mich sehr klischeehaft und teilweise schlicht falsch dargestellt wird. Die Männer sind durchgehend eher grobschlächtig und brummig, auf dem Land wird gefühlt ausschließlich Dialekt gesprochen und auch bei ganz konkreten Dingen stimmt einiges nicht. Kässpätzle sind beispielsweise keine Beilage zum Grillen, sondern ein eigenständiges Gericht. Auch die Verortung beziehungsweise Einwohnerzahl verschiedener Stuttgarter Stadtteile stimmt nicht.
Beim Hörbuch wurde es für mich dann endgültig schwierig. Die Sprecherin kann leider überhaupt kein Schwäbisch, wodurch mir bei manchen Aussprachen wirklich die Fußnägel hochgerollt sind. Besonders irritierend fand ich den Nachnamen der Hauptfigur: Über mehr als drei Viertel des Buches wird „Baysan“ wie „Beisan“ ausgesprochen. Erst bei einem Casting wird erklärt, dass das „Bei“ wie das englische „Bay“ ausgesprochen wird – und plötzlich heißt die Figur „Baysan“. Das hat bei mir leider den Eindruck hinterlassen, dass die Sprecherin sich vor der Aufnahme nicht ausreichend mit dem Text beziehungsweise den Namen beschäftigt hat.
Auch die Länge des Buches war für mich ein Problem. Gerade am Anfang zieht sich die Geschichte teilweise so sehr, dass es langweilig wurde. Rund 100 Seiten weniger hätten dem Buch meiner Meinung nach gutgetan. Gleichzeitig gibt es später plötzlich Zeitsprünge von mehreren Monaten oder sogar einem Jahr, wodurch die Handlung dann wieder gehetzt wirkt. Das Verhältnis zwischen ausführlich erzählten Kleinigkeiten und großen Zeitsprüngen hat für mich überhaupt nicht funktioniert.
Auch das Ende konnte mich nicht überzeugen. Dass ausgerechnet der Beruf des Freundes am Ende perfekt zur Familie passt und die Beziehung dadurch plötzlich überhaupt kein Problem mehr darstellt, wirkte auf mich sehr konstruiert und gewollt. Für mich hat sich das eher nach einer möglichst passenden Lösung angefühlt als nach einer wirklich organischen Entwicklung.
Am meisten enttäuscht hat mich allerdings die Darstellung der Schwaben. Wenn man eine Region und ihre Kultur so stark zum Bestandteil einer Geschichte macht, erwarte ich zumindest, dass man sich damit entsprechend auseinandersetzt. Für mich hatte vieles hier eher den Charakter von Klischees und wirkte teilweise so, als würde eine Außenstehende versuchen, Schwaben über ein paar typische Stichworte darzustellen. Dabei hätte die Grundidee auch mit einer Kultur funktioniert, mit der die Autorin sich besser auskennt. Eine Hamburger Marokkanerin und beispielsweise ein Hesse hätten genauso gut als kultureller Gegensatz funktioniert – gerade auch das Hessische kann für Außenstehende ziemlich gewöhnungsbedürftig sein.
Leider hat sich bei mir deshalb über das gesamte Buch hinweg immer mehr Frust angesammelt. Die nette Grundidee konnte die sprachlichen Probleme, die Längen, die für mich unglaubwürdigen Entwicklungen und vor allem die für mich sehr klischeehafte Darstellung des Schwäbischen nicht auffangen.